Zettelkasten

Gedanken am Morgen 5 (3)

Beitragsfoto: Ein Zettelkasten | @ Shutterstock

Noch etwas in Urlaubsstimmung sitze ich sehr früh in meinem Schaukelstuhl und trinke einen Kaffee. Mindestens ein sehr netter Mensch freut sich jetzt bestimmt, wenn sie diese Zeilen liest.

Meinen Urlaub konnte ich ganz gut dazu nutzen, um meine Gedanken — zumindest ein paar Gedankengänge davon — etwas zu sortieren. Und so ging ich auch der Frage nach, was der Mensch an sich ist. Wohl jeder wird darin zustimmen können, dass wir allesamt ein Teil eines unüberschaubaren Kommunikationsraumes sind. Vielleicht auch, dass wir als Mensch die Summe all unserer Entscheidungen und Handlungen sind.

Und jeder von uns stellt sich zumindest einmal im Leben die Frage, wer bin ich und was soll das Ganze überhaupt. Jene, die sich mit dieser Frage ihr gesamtes Leben lang beschäftigen und dabei auch versuchen, dieser Frage mit etwas strukturierteren Gedankengängen nachzugehen, kann man wohl als Philosophen bezeichnen; einige von diesen verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt.

Manche von uns stellen dabei auch fest, dass man sein Leben, so wie Geschichte wohl insgesamt erst in der Nachschau verstehen kann und dies wiederum könnte zu der Erkenntnis führen, dass man das ist, was von einen Betrachter gesehen werden kann, sozusagen der Fußabdruck, den man am Strand hinterlässt; nicht umsonst sprechen Umweltaktivisten gerne von einem „Ecological Footprint“.

So ist jeder von uns nicht nur die Summe seiner Entscheidungen und Handlungen, sondern auch die Summe von all jenem, was man im Laufe seines eigenen Lebens hinterlassen hat; das reicht vom eigenen Anteil an der Umweltzerstörung über den eigenen Besitz bis hin zu den Erinnerungen, die man in anderen Menschen hinterlässt.

Und so wird es wohl niemandem — nicht einmal einem selber — möglich sein, einen Menschen in Gänze zu verstehen. Die Nachwelt, wenn sie überhaupt sucht, findet dabei nur die besagten Fußabdrücke vergangener Spaziergänge. Und manche dieser Fußabdrücke wie Julius Cäsars „Veni, vidi, vici“ überdauern zwar die Zeit, können uns aber letztendlich kaum mehr etwas von diesem Menschen an sich mitteilen.

Dies wiederum aber kann zu der Erkenntnis führen, dass ein Mensch sehr wohl in der Lage ist, für sich selbst und auch für die Nachwelt einen „Eindruck“ zu hinterlassen.

Und da man selbst gerade die Person ist, dies sich für einen interessiert, wäre es eine gute Sache, wenn man nicht nur weiß, was man tut, sondern auch, was man bereits alles getan hat.

Hilfreich ist dabei sicherlich ein sehr gutes Gedächtnis, das aber wohl noch nie ausreichend war, um einem Menschen über sein gesamtes Leben hinweg als alleiniges Hilfsmittel zu dienen. Deshalb, meine Vermutung, kam es auch dazu, dass der Mensch sehr früh „den Besitz“ als weiteres Hilfsmittel hinzugenommen hat.

Sowohl das Gedächtnis als auch der Besitz helfen auch nur dann wirklich weiter, wenn man beides gut organisiert hat; ansonsten lebt man eher wie die Eichhörnchen, die sich zwar stets abmühen, aber letztendlich eher vom Zufall als Ergebnis all ihrer Bemühungen leben.

Und deswegen nutzt der Mensch schon sehr lange die Schrift bis hin zu ganzen Bibliotheken, Archiven und Zettelkästen, Letztere aktuell ganz gerne nach Niklas Luhmann, um sich vor allem selber zu organisieren, aber auch selbst zu verstehen.

Und dies führt mich zum heutigen Gedanken am Morgen, einer Erkenntnis, die ich in den letzten Wochen gewonnen habe, nämlich jener, dass es nicht ausreicht, wenn man geistigen und materiellen Besitz anhäuft, sondern dieser auch abruf- und verwertbar sein muss. Und das wiederum führt mich zu der Erkenntnis, dass die Organisation besser noch die Kommunikation der Gedanken und des Besitzes mindestens ebenso wichtig ist, wie der Besitz selbst.

Und das bedeutet für mich nun, dass z. B. Luhmanns Zettelkasten nur für Luhmann selbst von Wert sein kann, weil der eigentliche Wert und die Bedeutung in der Organisation des Zettelkastens an sich liegt. Wobei Luhmanns „Fußabdruck“ nicht der Inhalt seines Zettelkastens ist, sondern die Art und Weise, wie er diesen organisiert und dabei auch seine Gedanken und Erkenntnisse kommuniziert hat.

Diese Erkenntnis zwingt mich nun, meinen eigenen Besitz, egal ob geistig oder materiell, nunmehr ganz neu zu organisieren und zu kommunizieren.

„Just as a gardener cultivates his plot, keeping it free from weeds, and growing the flowers and fruits which he requires, so may a man tend the garden of his mind, weeding out all the wrong, useless, and impure thoughts, and cultivating toward perfection the flowers and fruits of right, useful, and pure thoughts. By pursuing this process, a man sooner or later discovers that he is the master-gardener of his soul, the director of his life. He also reveals, within himself, the laws of thought, and understands, with ever-increasing accuracy, how the thought-forces and mind elements operate in the shaping of his character, circumstances, and destiny.“

James Allen, Libraries: A Monthly Review of Library Matters and Methods (1909: 208)

Experimenta

11.5.02022 5 (5)

Experimenta | © Shutterstock

Männergrippe

Jede Medaille hat auch eine gute Seite, gestern ärgerte ich mich noch darüber, dass ich nicht in den Flieger steigen konnte und heute hat mich schon eine Männergrippe erwischt. Dank COVID-19 hatte ich mehr als zwei Jahre meine Ruhe und muss mich jetzt erst wieder daran gewöhnen.

Gutgemeinte Ratschläge wie wir Männer mit so etwas am besten umgehen, sind gerne willkommen. Denn es würde mich nicht wundern, wenn es auch für Männergrippen Experten gibt. So nutzte ich meine kleine Auszeit nun etwas anders als geplant. Detlef Sterns Zettelkasten gehört schon wieder einmal zu den ersten Opfern; ich habe wohl gerade genau das gemacht, was ich laut Detlef auf jeden Fall nie und nimmer mit einem Zettelkasten anstellen sollte — das Gute daran, so lange ich die Zettel selbst nicht lösche, kann eigentlich überhaupt nichts passieren. Wo waren die Dinger noch einmal?

Ordnungsamt

Erfreulich ist heute die Meldung, dass einige unserer Stadträte so langsam erkennen, wo das Problem beim Ordnungsamt liegt, denn der Fisch fängt bekanntlich am Kopf zu stinken an. Jetzt müssen wir einmal abwarten, ob die Mitglieder des Gemeinderats auch ausreichend Mut und Verantwortungsbewusstsein entwickeln, um die Verantwortlichen endlich zur Verantwortung zu ziehen.

Dazu passt ganz gut, dass der OB erst gar nicht an der Sitzung teilgenommen hat, und die entsprechende Amtsleiterin mit einer Powerpoint-Präsentation glänzte. Mit unseren Stadträten kann man wohl immer noch machen, was man will, und sollte doch einmal einer aufmucken wollen, dann wird gem. Joachim Friedl (Heilbronner Stimme, 11.5.2022: 24) seitens der Stadtverwaltung einfach die Reißleine gezogen. In Heilbronn wackelt offensichtlich der Schwanz mit dem Hund.

Hafen

Der Unterschied zwischen Hamburg und Heilbronn wurde schon in meiner Jugendzeit wie folgt verdeutlicht: in Hamburg heißt es „Schiff ahoi“ und in Heilbronn „Hoi a Schiff!“. Und seit kurzem wird der Heilbronner Hafen auch wieder einmal bei uns thematisiert; in meinem Weblog gehört er schon länger zu den vielen Baustellen, die bei uns so gerne ausgeblendet werden.

Dass die derzeit Verantwortlichen beim Thematisieren des Hafenproblems dann gleich auf ein Hafenfest zum Sprechen kommen, dürfte keinen mehr überraschen. Mich hat es eher überrascht, dass man im Hafen noch keinen Weinausschank etabliert hat. Das hat man sicherlich aber schon längst geplant, deshalb hatte man auch beim letzten Ausbau wohl keinen Platz, um die Schienenanbindung für Züge in Normalgröße sicherzustellen.

Schöner als die Heilbronner Stimme kann man es wohl nicht mehr schreiben:

„Die Schleppbootfreunde mit dem historischen Boot ‚Hafenamt Heilbronn‘ sollen künftig noch mehr zu Botschaftern dieses Teils der Stadtgeschichte werden. Auch an ein Hafenfest ist gedacht. Auf dass nicht in Vergessenheit gerät: Heilbronn ist auch eine Hafenstadt.“

Heilbronner Stimme (11.5.2022: 22)

Was mich nun aber etwas skeptisch macht, ist die Tatsache, dass unser OB offensichtlich ein Netzwerk zur Sicherstellung des Schleusenausbaus geknüpft hat. Auf gut Deutsch: das mit den Schleusen können wir vergessen, aber es wird uns sehr, sehr viel kosten; z. B. die Ausgaben für Berater, Experten, Fan-Clubs, 3D-Modelle und sicherlich auch die eine oder andere entsprechende Fachkraft im Rathaus.

Geburtstage des Tages

Richard Feynman, Salvador Dalí und Irving Berlin


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

28.4.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

Unterforderung

Egal wohin man schaut, ob in den Grundschulen oder gar im Beruf, eine beständige Unterforderung aller Menschen hat System. Sowohl Leistungsbereitschaft als auch ein etwaiges Leistungsvermögen sind die erklärten Feinde unserer Gesellschaft.

Man orientiert sich immer mehr am untersten Niveau und versucht dann noch, auch dieses zu unterbieten. So ist es höchst erfreulich festzustellen, wenn man gerade von jungen Menschen etwas mehr fordert, diese mehr als bereitwillig mitziehen und dabei versuchen, die neu gesetzten Messlatten noch zu übertreffen.

So entwickelt sich langsam aber sicher auch ein kleiner Wettkampf zum Wohle fast aller Betroffenen. Leider aber passt das nicht ins aktuelle Menschenbild unserer Gesellschaft, und ich kenne schon die entsprechenden Antworten. Auch wenn man 99 von 100 Menschen und damit der Gesellschaft insgesamt etwas Gutes tut, so ist es doch völlig verwerflich, weil der eine, der nicht mitziehen möchte oder vielleicht auch nicht kann, sich dadurch benachteiligt fühlen könnte. Schlimm dabei, man gibt diesem einen nicht einmal mehr die Chance, es auch nur zu versuchen — und nur folgerichtig, dann auch allen anderen nicht mehr!

Es wäre sicherlich für alle besser, wenn wir wieder die Messlatten höher setzen und uns danach bei jenen, die diese, trotz Bemühens, nicht überschreiten können, Gedanken machen, wie wir hier weiterhelfen können.

So satteln wir weiterhin das Pferd von Hinten auf und zerstören dabei alles, was wir jemals erreicht haben.

Netter Versuch

Nach langem Hin und Her hat nun die EU-Kommission tatsächlich offiziell ein Verfahren zur Kürzung von EU-Mitteln gegen Ungarn ausgelöst; das entsprechende Schreiben soll gestern nach Budapest geschickt worden sein. Bis allerdings Ungarn Geld aus dem EU-Haushalt gekürzt werden wird, kann es noch sehr lange dauern.

Denn dafür bräuchte es die Zustimmung von mindestens 15 Mitgliedstaaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der Unionsbürger repräsentieren. Der EU-Rechtsstaatsmechanismus soll dafür sorgen, dass Verstöße gegen rechtsstaatliche Prinzipien nicht ungestraft bleiben; dabei muss jedoch auch nachgewiesen werden, dass durch diese Verstöße zusätzlich ein Missbrauch von EU-Geldern droht.

Deswegen wird nach dem Erhalt des Kommissionsschreiben zunächst einmal Budapest Stellung zu den Vorwürfen nehmen und gegebenenfalls entsprechend etwas nachsteuern. Dies muss dann erneut von der EU-Kommission berücksichtigt werden. Letztendlich sind es aber die Mitgliedstaaten, die über eine, von der EU-Kommission angedrohte, Kürzung entscheiden werden — und diese haben ausreichend weitere Probleme, um eine solche Entscheidung zumindest weiter hinauszögern zu können.

Bereits am 28. November 2020 hatte Hans Müller zum EU-Rechtsstaatmechanismus einen Blog-Beitrag geschrieben, den ich gerne zur weiteren Information empfehle. Auf jeden Fall zeigt dies sehr gut, wie lange bereits die gesamte Problematik seitens der EU verschleppt wird.

Zettelkasten

Gestern Abend gab es eine improvisierte Zettelkastenrunde, wobei es sich Detlef Stern nicht nehmen ließ und meine Zettelkastenkonfiguration etwas aufbesserte — wäre es ein Auto, dann würde man wohl von „pimpen“ sprechen.

Und ganz nebenbei gelang es uns auch noch über Gott und die Welt zu sprechen — schnacken heißt dies wohl im norddeutschen Sprachraum. Jetzt hoffe ich darauf, dass wir dies auch wieder einmal in Präsenz wiederholen können.

Geburtstag des Tages

Harper Lee