15.1.02023

Beitragsfoto: Rick’s Café Américain, Schnappschuss von der Filmkulisse | © Warner Bros. Pictures

Sonntagabend

Zum Ausklang des Wochenendes noch kurz einmal in die Tanzschule, um das Tanzbein zu schwingen. An den Discofox werde ich mich wohl nicht gewöhnen, dafür gab es zum Schluss aber einen Tango.

Der Discofox ging, was man den Namen auch entnehmen kann, aus dem Foxtrott hervor, welcher auch heute noch gelehrt und getanzt wird. Der Beat-Fox, Vorläufer des Discofox, blieb mir erspart. Leider — meiner Meinung nach — entstand gerade während meiner Tanzstundenzeit der sogenannte Discofox und wurde sogar 1979 zum Ende meiner Tanzstundenzeit mit ins Welttanzprogramm aufgenommen.

Als es meine bessere Hälfte endlich geschafft hatte, mich wieder zu Tanzstunden zu bewegen, war ich nicht erfreut darüber, dass der Discofox die Jahrzehnte überdauert hatte. Und nicht nur das, inzwischen gibt es dazu mehr Figuren als in meinen kühnsten Träumen befürchtet. Und so muss ich mich wohl oder übel damit abfinden, dass, wenn ich Tango und Walzer möchte, auch einen Discofox oben drauf bekomme.

Spielen und Bingen

Den gestrigen Abend und die Nacht haben wir uns im kleinen Kreis etwas gegönnt. Zuerst ein paar Spiele und danach das Bingen einer Krimiserie. Ohne Frage, ein wunderbarer Abend. Näher betrachtet muss man sich dann aber doch fragen, ob die Serienproduktion von Filmen wirklich der Weisheit letzter Schluss ist?

Wie im Krieg auch, setzt man in der Kultur immer mehr auf Quantität anstatt von Qualität. Und so ist es doch erstaunlich, dass man an manchen Serien erst dann Gefallen finden kann, wenn man diese völlig hemmungslos konsumiert. Meines Erachtens aber auch nur dann, wenn man diesen Konsum zu einem Gemeinschaftserlebnis macht. Auf jeden Fall hat das Bingen gegenüber dem Spielen den Vorteil, dass es einem niemand krummnimmt, wenn man währenddessen noch z. B. die Post erledigt.

Ich frage mich nun, was aus einem meiner Lieblingsfilme Casablanca wohl inzwischen geworden wäre, hätte man diesen zur Serie ausgebaut. Diese Woche hätte Humphrey Bogart wohl einen russischen Politruk im Hangar erwischt und gegenüber Claude Rains, der inzwischen als chinesischer Polizist fungiert, den Beginn einer wunderbaren Freundschaft verkündet. Und jede Woche gingen im Rick’s Café Américain neue illustre Gestalten ein und aus. Kein nennenswerter Politiker, der dort nicht bereits am Piano gesessen wäre und As Time Goes By geträllert hätte. Nur bei Ingrid Bergman bin ich mir nicht so sicher, die hätte man bestimmt über die Jahrzehnte hinweg immer wieder einmal ausgetauscht.

Klausuren

Bei mir hat es sehr, sehr lange gedauert, bis ich mich mit dem Klausurenschreiben so halbwegs anfreundete. Zu dieser Zeit hatte ich Schule und Studium längst beendet und musste feststellen, dass das lebenslange Lernen zumindest in der Vorstellung von sämtlichen Entscheidungsträgern weiterhin auch das Schreiben von Klausuren beinhaltet. Noch eine ganze Weile habe ich mich mit alternativen Konzepten auseinandergesetzt, mich dann aber doch damit abgefunden, dass ich die Welt nicht mehr ändern kann und mich auch mit dem Schreiben von Klausuren abgefunden. Und mit diesem Schritt konnte ich diesen dann auch erstmals etwas Positives abgewinnen, indem ich sie für mich als eine Art von Kreuzworträtsel für Leistungsträger umdefinierte.

Zwischenzeitlich hatte ich das Korrigieren und später dann auch das Erstellen von Klausuren für mich entdeckt, was wohl in meinem Beruf einfach mit dazu gehört. Aber noch heute bin ich mir nicht so ganz sicher, welche dieser Beschäftigungen mit Klausuren dabei die angenehmste ist; wohl die, die man gerade nicht machen muss. Und mit diesen Gedanken beschäftige ich mich gerade deshalb, weil ich heute damit angefangen habe, die kommende Klausur zu erstellen.

Wohl die beste Klausur schrieb einmal ein Philosophiestudent, der, als er zusammen mit seinen Kommilitonen die Aufgabe gestellt bekam, warum der Stuhl des Professors nicht existiert, seine Arbeit kurz nach Beginn beendete. Seine Antwort bestand dabei aus einer einzigen Frage: „Welcher Stuhl?“ Es wird noch heute kolportiert, dass er die Prüfung als bester bestanden habe.

Und wohl noch heute raten alle Lehrer und Dozenten, dass sich die Klausurenschreiber erst einmal einen Gesamtüberblick über die Klausur verschaffen sollten, bevor sie mit dieser beginnen; ganz besonders dann, wenn die entsprechende Klausur mit einer Zeitdauer von drei bis vier Stunden angesetzt wurde. Am besten lernt man sich einen Überblick zu verschaffen, wenn in einer sehr schweren Klausur die allerletzte Aufgabe einfach nur lautet: „Wenn Sie die Klausur innerhalb der ersten 10 Minuten unbeantwortet abgeben, haben Sie diese bestanden.“ — leider, vermute ich einmal, hat man in unserem Bildungssystem dafür den Humor schon lange nicht mehr.

Diesen Kurzbeitrag möchte ich noch mit einem kleinen Tipp beenden, der für die heutigen Klausurenschreiber sicherlich sehr interessant und auch sehr hilfreich sein kann. In Zeiten, wo man mit Tastaturen arbeitet oder gar die Eingabe über die Sprachfunktion nutzt, sollte man das Schreiben von Hand wieder etwas mehr üben. Das hat nicht nur mit der Lesbarkeit der eigenen Handschrift zu tun, sondern auch mit der Fähigkeit, drei bis vier Stunden lang mit einem Stift schreiben zu können. Bei meinen letzten eigenen stundenlangen Klausuren hatte ich, weil man bereits seit den 1990er-Jahren weitgehend digitalisiert arbeitet, tatsächlich mit Krämpfen in den Fingern zu kämpfen.

Und inzwischen gibt es auch immer mehr Menschen, die wieder das Schreiben von Hand empfehlen und dies u. a. mit einer verbesserten Auffassungs- und Erinnerungsfähigkeit begründen.


  • In den 1960er-Jahren gab es wohl einmal eine Fernsehadaption von Casablanca, die zu Recht der Vergessenheit anheim gefallen ist. Ansonsten scheint der Linzenzhalter bis heute Sorge zu tragen, dass es nicht zu kruden Neuauflagen kommen kann. Lassen wir uns überraschen, was nach Ablauf der Urheberrechte auf uns zukommt.