Europa-Ball 2025

Europa-Ball 2025 – Hot Wash Up 5 (11)

Beitragsfoto: Aufbau in der Harmonie

Von der Bühne hat man immer einen guten Überblick über das gesamte Geschehen, zudem streifte ich des Öfteren durch die Reihen und konnte auch ab und zu selbst das Tanzbein schwingen.

Kurz vor 2 Uhr in der Früh war der Europa-Ball mit dem Abbau zu Ende. Meine bessere Hälfte und ich konnten noch einen kleinen Absacker mit der Band nehmen, erhielten dabei von den Profimusikern von Happyness Voice (Bandleader: Andreas Cranen) gutes Feedback und entließen diese dann aber in die Nacht, denn die Sängerin der Band musste noch bis nach Mainz zurückfahren.

Da nicht jede Band über eigene Roadies verfügt, müssen das die Musiker mitmachen. Wenn man dann das Ganze vom Auf- bis Abbau miterlebt, muss man sich fasst schon schämen, wenn man schaut, wie viel Gage die Musiker für ihren Auftritt erhalten. Beruhigend wieder, dass wir das Ganze ehrenamtlich machen und selbst für unsere Bemühungen keinen einzigen Cent erhalten, ganz im Gegenteil, wir zahlen sogar noch dafür — das nur zum Thema echtes Ehrenamt!

Dann wollten wir uns noch mit den Europäischen Föderalisten, welche im Parkhotel ebenfalls auf eigene Kosten übernachteten, zu einem Schlummertrunk treffen. Leider hatte das Hotel und die Bar 10/42 bereits geschlossen — ein Großstadtfeeling kam dabei nicht gerade auf.

Mein erstes Fazit ist ein sehr persönliches, ich bin keine 17 mehr! Auch wenn die Band mich mit entsprechender Musik, einige der Musiktitel kamen aus dem von mir jüngst beworbenen 1970er-Jahren stimmungsmäßig dorthin verfrachtete. Ein 18 Stundentag (oder wie man in meinem Beruf so gerne sagt, eine „extended day shift“) hinterlässt inzwischen seine Spuren: Der Geist ist noch willig, der Körper zu schwach.

Die Harmonie überraschte mich dieses Jahr mit einer neuen Beleuchtungsanlage, die zumindest meine Wünsche mehr als erfüllte. Mein Versuch, diese neben der Moderation mit zu steuern, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt — was bei den Proben der Gruppen noch halbwegs hinhaute, klappte beim Ball überhaupt nicht mehr: ob es auch bemerkt wurde, sei einmal dahingestellt. Hier müsste ich einen Freiwilligen finden, der sich beim nächsten Mal dieser Aufgabe annimmt.

Mit Nasser Sarout vom Akzente Foto Store, der wie das Jahr zuvor von allen Teilnehmern Fotos machte, hatte ich abgesprochen, diese Bilder während des Abends an eine Wand zu werfen. Dies klappte nur bis zum ersten Austauschversuch, als ich feststellen musste, dass ich dies ebenfalls nicht zeitgleich neben meinen anderen Aufgaben bewältigen kann. Hier müsste ich ebenfalls einen Freiwilligen finden, der sich dieser Aufgabe annehmen kann.

Um 18.00 Uhr waren alle Ballvorbereitungen abgeschlossen und die Tanzgruppen für ihre jeweiligen Auftritte gerüstet. Auch die Band hatte sich bereits eingespielt.

Mit Saalöffnung begann die Trommlergruppe des Deutsch-Afrikanischen Vereins alle bereits anwesenden Gäste mit ihren Künsten zu begeistern. Der Vereinsvorsitzende Angelo Bengui, der selbst eine eigene Musikband hat, trommelte dabei höchst persönlich mit. Ab Balleröffnung um 19.00 Uhr genoss er die musikalischen Künste seiner Kollegen — schön, einmal anderen bei der Arbeit zugucken zu können.

Sehr erfreulich die Aktivitäten vor Ballbeginn im Foyer der Harmonie. Wir hatten unter dem Motto „Culture meets Politics“ sämtliche demokratischen Parteien eingeladen, um für sich und unser gemeinsames Europa zu werben. Und so kamen Bündnis 90/Die Grünen mit einer fünfköpfigen Standbesatzung zum Ball. Angeführt wurden sie von der Landtagsabgeordneten Gudula Achterberg, die es sich nicht nehmen ließ, gleich mit ihren Mitbürgern ins Gespräch zu kommen und nicht nur bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterließ. Ebenfalls mit an Bord Sibylle Riegger-Gnamm, die im Wahlkreis Neckarsulm für ein Landtagsmandat antreten wird.

Die Partei der Humanisten war mit zwei Vertretern vor Ort, wobei der Landesvorsitzende Steven Schmitt bei den Gästen um Unterschriften für die Zulassung der Partei zur kommenden Landtagswahl warb.

VOLT war ebenfalls mit zwei Vertretern vor Ort, darunter der Heilbronner Vorsitzende Andreas Zwickl. Last but not least war auch die FDP mit einem Stand vertreten, nämlich mit dem Juli-Kreisvorsitzenden aus Ludwigsburg Sevic Mihajlo — schon Ende der 1970er- Jahre waren es wir Julis, die die FDP rockten! — what a coincidence zum Ballgeschehen und meiner vorgehenden Musikauswahl hier im Blog.

Neben den Parteiständen gab es noch drei weitere Stände. Einen von Mladost Bosne, wobei auch hier Semin Bristina verantwortlich zeichnete, nicht nur für die abendlichen Auftritte seiner beiden Jugendgruppen. Einen zweiten vom Deutsch-Afrikanischen Verein sowie einen Gemeinschaftsstand der EUROPA-UNION und der JEF. Hierbei freute es mich sehr, dass der JEF-Kreisvorsitzende Leonhard Reinwald auch noch während des Balls immer wieder am Stand vorbeischaute und das Gespräch mit Interessierten suchte.

Unsere eigenen Vereinsmitglieder der EUROPA-UNION betreffend konnte ich erneut feststellen, dass es gerade wieder jene waren, welche doch so gerne einen Posten im Kreisvorstand hätten, die durch Abwesenheit glänzten. Unser Europa lebt vom (Mit)Machen nicht nur vom Schwätzen!

Und nun zum Ballgeschehen. Wir hatten gut 250 Ballgäste, wobei wir nicht jene Gäste mitzählten, die den gesamten Abend über dem Ball auf der Empore folgten. Dies ist ein Add-on zum Europa-Ball und dessen Treffpunkt Europa Tradition geschuldet. Von der Bühne aus konnte ich auch diese Gäste beobachten und freute mich sehr, dass diese ohne selbst zu tanzen am Europa-Ball ihre große Freude hatten.

Was u. a. dazu führte, dass ich noch während des Europa-Balls bereits Anfragen zur aktiven Teilnahme am kommenden Ball erhielt, was aber ein Thema für einen kommenden Blog-Beitrag sein dürfte.

Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass die EUROPA-UNION Landesvorsitzende Evelyne Gebhardt erneut am Europa-Ball teilnahm. Es gab kaum einen Tanz, den sie ausließ und so lernte ich Evelyne nach all den Jahren von einer ganz anderen Seite kennen — Ballkultur at its best!

Auch gefreut habe ich mich darüber, das erneut Kreisvorsitzende aus den Nachbarkreisen mit beim Ball waren. Aus Mannheim kamen Peter Schulze mit Gattin und aus Rems-Murr, Markus Götz mit Gattin. Und aus Bad Kissingen kamen gleich vier Europäische Föderalisten. Den weitesten Weg legten Gäste aus Belgien zurück.

Nicht nur am Rahmenprogramm konnte man erkennen, dass Europa viel größer ist, als es sich viele vorstellen können. Aber egal wie groß Europa auch sein mag, es fußt immer auf unseren Gemeinden vor Ort; ein demokratisches Europa wird von unten nach oben aufgebaut und nicht anders herum. Und so wird es auch in den Städten und Gemeinden Europa gelebt — oder aber nicht, was letztendlich dessen Ende bedeutet!

Und so freute ich mich umso mehr, dass ich von der CDU zwei Gemeinderäte begrüßen durfte. Aus Marbach kam Phileas Hammer und aus Heilbronn kam Uwe Mettendorf mit Gemahlin. Die Freien Wähler Heilbronn waren nicht nur gleich mit zwei Gemeinderäten, Herbert Burkhardt und Michael Kuhn, und deren Ehefrauen vertreten, sondern unterstützen den Europa-Ball, indem sie einen ganzen Tisch für den Europa-Ball buchten.

Wenn der Heilbronner Gemeinderat mehrheitlich für unser Europa wäre, gäbe es nicht nur Europaflaggen in der Stadt zu sehen, was selbst in unseren Nachbargemeinden inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist, sondern die demokratischen Fraktionen im Gemeinderat würden die EUROPA-UNION zumindest dahingehend unterstützen, indem sie sich jeweils einen Tisch beim Europa-Ball reservierten. Und so muss ich hier ganz besonders die Freien Wähler loben — dies hat nichts damit zu tun, dass ich einmal deren Vorsitzender sein durfte, sondern alleine damit, dass die Freien Wähler sich vor Ort für ihre Mitbürger einsetzen, auch für die EUROPA-UNION.

Apropos Europaflaggen. Manchen Gästen dürfte es aufgefallen sein, dass dieses Mal weder eine Europaflagge im Saal hing, noch die Harmonie entsprechend beflaggt wurde. Trotz schriftlicher Zusage von der Stadt hatte man dies „einfach vergessen“. Herbert Burkhardt wollte noch während des Balls nachsteuern, was aber erwartungsgemäß nicht funktionierte — es gab noch einen kurzen Schriftverkehr mit einem wohl für die Misere nicht verantwortlichen städtischen Angestellten und etwas Verwirrung bei mir und weiteren Mitarbeitern der Harmonie.

Meine erfreuliche Erkenntnis daraus, Europäer und Demokraten benötigen eigentlich gar keine Flaggen und Staatssymbole, um existieren und feiern zu können. Schön wäre eine Europaflagge zumindest im Theodor-Heuss-Saal der Harmonie aber dann doch gewesen.

Wir Heilbronner werden gerne als Stadt der Krämerseelen verschrien, dabei sind wir inzwischen eher in unserem Gemeinderat und unserer eigenen Stadtverwaltung Kleingeister und Wadenbeißer. Anders kann ich es mir beim besten Willen durch die in all den Jahren und dies in verschiedenen ehrenamtlichen Ämtern gemachten Erfahrungen wirklich nicht mehr erklären.

Als militanter Föderalist und besonders in meiner Rolle als Kreisvorsitzender der EUROPA-UNION halte ich weiterhin alle Gesprächskanäle offen, denn letztendlich geht es doch um unser gemeinsames Europa, unsere Demokratie und unsere Stadt.

Und dass man zusammenarbeiten kann, zeigten CDU und Freie Wähler noch während des Europa-Balls, nämlich als Uwe Mettendorf mit Gattin am Tisch der Freien Wähler Unterschlupf fanden — gelebte Demokratie und ein kleiner Funken Hoffnung.

Auf alle Fälle hatten, wie von uns vorab versprochen, alle Tänzer ausreichend Platz, um tanzen zu können! Die Band ließ keine Wünsche offen und so gab es sogar ab und zu Disco Fox und einmal eine spontane Line Dance Einlage. Und da manche Männer doch etwas tanzfauler als die Damen waren, gab es auch vereinzelte Einzeltänzerinnen. Alles in allem sehr harmonisch, passend und für alle Ballgäste mehr als zufriedenstellend.

Wir konnten es inzwischen zum zweiten Mal beweisen, dass der Europa-Ball in Heilbronn selbst über die eigenen Landesgrenzen hinaus für alle Tänzer und Tanzbegeisterte die Adresse ist!

Mit unserem Rahmenprogramm, welches wir den echten europäischen Gruppen des Treffpunkts Europas zu verdanken haben, jenen Gruppen, die der EUROPA-UNION auch nach dem Wegfall des Treffpunkts Europa die Treue hielten, konnten wir den Ballgästen ein kulturelles Angebot bieten, welches ebenfalls zumindest über unsere Region hinaus ausstrahlt. Erfreulich dabei, dass wir dieses Mal zwei neue Gruppen für den Europa-Ball gewinnen konnten.

Der Ball wurde durch die Ballettschule Kerstin Brenner fulminant eröffnet, danach folgte ein Highlight nach dem anderen. Der Applaus und einige regelrechte Begeisterungsstürme bestätigten dies.

Azahar Flamenco Gitano, die Grupo Raza, KunSt 07, Mladost Bosne und nach der Ballettschule Brenner ebenfalls neu mit dabei Majidah’s Tribe boten Tanzkultur in ihrer besten Form. Sämtliche Tänzerinnen und Tänzer eine reine Augenweide!

Zum krönenden Abschluss boten Klaus Brenner von der Tanzschule Brenner und Kerstin Brenner von der Ballettschule Brenner eine Tango Argentino Einlage, welche nicht nur alle anwesenden Damen träumen ließ.

Ballkultur will gelernt und auch geübt werden und so viel es nicht nur der Tanzband auf, dass dieses Mal die Tänzer länger durchhielten als noch beim ersten Europa-Ball in der Harmonie, man muss auch beim Tanzen lernen, seine Kräfte einzuteilen.

Auch fiel es auf, dass es weit mehr schöne Ballkleider und Garderoben gab als beim Europa-Ball zuvor. Sowohl von der Empore als auch von der Bühne aus ergab das wunderbare Bilder. Zur Ballkultur gehört es einfach mit dazu, dass man sich als Ballgast schick macht! Jeder so wie er es gerne möchte und hätte und dies macht einen Tanzball auch heute noch so faszinierend.

Mein Hot Wash Up zum Europa-Ball zieht ein mehr als positives Fazit. Jetzt bin ich einmal gespannt darauf, was die anderen Teilnehmer so sagen und schreiben werden. Da es in Heilbronn kaum noch interessierte und geeignete Journalisten gibt, werde ich in den kommenden Tagen in meiner Rolle als Kreisvorsitzender der EUROPA-UNION noch einen eigenen Presseartikel zum Europa-Ball schreiben und auf der Website der EUROPA-UNION veröffentlichen.

Bis dahin dürften die ersten Reaktionen bei mir eingetroffen sein. Und ich hoffe nun auch sehr, dass nicht wieder Vorsitzende von Heilbronner Parteien wegen dieses Blog-Beitrags mit einem Austritt aus der EUROPA-UNION drohen, denn gerade als Vorsitzender eines Vereines oder gar einer Partei sollte man das eine vom anderen unterscheiden können müssen. Die beim Europa-Ball anwesenden Parteimitglieder können dies doch auch.


Ballgäste

Europa-Ball 2025 4.9 (9)

Beitragsfoto: Ballgäste | © Akzente Foto Store 2024

Bekanntlich ist nach dem Ball auch vor dem Ball und so freuten wir uns schon am Abend des letzten Europa-Balls, dass die Tanzband Happyness Voice und die meisten gerade aufgetretenen Tanzgruppen sofort auch für den diesjährigen Europa-Ball am Samstag, 10. Mai 2025 in der Heilbronner Harmonie zusagten.

Kurz hatte ich mir überlegt, gleich auch eine eigene Website zum Europa-Ball zu erstellen, dann aber dazu entschlossen, mich mit einer Webpage auf der EUROPA-UNION Heilbronn-Website zu begnügen. Ich habe tatsächlich aus meinen Versuchen mit jeweiligen Websites für die Hertensteiner Gespräche, Europastammtische oder gar europäische Diskussionsforen etwas gelernt. Manchmal ist weniger einfach mehr, vor allem wenn man rein ehrenamtlich unterwegs ist und die notwendigen Arbeiten an sehr wenigen Akteuren hängen bleiben.

Inzwischen steht das Rahmenprogramm und auch die meisten Informationsstände im Foyer der Harmonie sind uns bekannt; dabei freut es mich sehr, dass wir die Zusage von allen demokratischen Parteien erhalten haben, zumindest von jenen, die ich in unserer Region kenne.

Jetzt geht es noch an die Einzelabsprachen mit dem Catering, welches erneut von Voltino sichergestellt wird, und mit den sehr netten Damen und Herren, die für die Harmonie zuständig sind.

Einziges Manko und das verwundert mich doch ein wenig ist, dass es tatsächlich noch freie Plätze für den Europa-Ball gibt. Ganz besonders deshalb, weil wir den Teilnehmerkreis bewusst begrenzt haben, um jedem Tanzpaar eine ausreichend große Tanzfläche bieten zu können. Diese Tanzfläche ist so groß, dass selbst die auftretenden Gruppen zuerst ein wenig zurückschrecken und sich mit dem neuen Raumgefühl zurechtfinden müssen. Und so ist es immer eine wahre Freude, den Künstlern und Tänzern bei den Proben zugucken zu können. Die etwas älteren Tänzer kennen noch die 100 Quadratmeter große Bühne des Treffpunkts Europa, welche fast keine Wünsche offenließ. Jetzt aber stehen den Gruppen ganze 360 Quadratmeter zur Verfügung und das ist doch schon eine Ansage — besonders für die jüngsten Tänzerinnen der Gruppen.

Sobald der Europa-Ball dann mit den Worten „Alles Walzer!“ eröffnet ist, können sich sämtliche Tanzpaare so richtig austoben und wenn gewünscht, auch Strecke machen — welcher Ball kann dies sonst noch von sich behaupten?

Aber der Europa-Ball ist nicht nur ein hervorragender Tanzball, sondern mit seinem Rahmenprogramm auch für echte Tanzmuffel Unterhaltung pur. Und so finden sicherlich Tanzbegeisterte andere Tänzer für den Fall, dass der eigene Partner lieber das Geschehen vom Seitenaus betrachtet.

Und da fünf Stunden Tanzen am Stück auch für Tanzprofis eine kleine Herausforderung ist, gibt es den gesamten Abend über nicht nur eine bequeme Sektbar im Foyer, sondern dort auch noch Informationsstände von unseren Partnervereinen und demokratischen Parteien. Ganz dem Ballmotto „Culture meets Politics“ geschuldet, kann man sich dort zwanglos informieren und mit dem einen oder anderen Volksvertreter ins Gespräch kommen; dabei muss es auch nicht um die große Politik gehen.

Mein Geheimtipp für jene, die Bälle gerne noch mit bester Kulinarik verbinden, ist, sich vorab im Restaurant des Parkhotels einen Tisch reservieren zu lassen. Ballsaal und Restaurant liegen nicht weit voneinander entfernt und so muss man auch nicht das Gebäude verlassen — der Wechsel vom Ballsaal zum Restaurant und wieder zurück ist den gesamten Abend über garantiert.

Wer gerne in Wiener Opernball-Stimmung kommen möchte, der kann sich nach Ballende auch einen Platz in der Bar 10/42 sichern. Ich empfehle allen externen Ballteilnehmern gleich auch noch ein Zimmer im Parkhotel zu reservieren und den Europa-Ball am nächsten Morgen mit einem exzellenten Frühstück abzuschließen — europäische Ballkultur at its best!

Wie bereits geschrieben, der Europa-Ball ist nicht nur für Tanzbegeisterte ein Highlight des Jahres, sondern auch ein überregionaler Treffpunkt für alle Kulturliebhaber und Genießer.

Fediverse Reactions

Montanunion

Montanunion – ein Nachruf 4.6 (11)

Beitragsfoto: ehemalige Flagge der Montanunion | © Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 

Am 18. April 1951 unterzeichneten sechs Außenminister den Montanunion-Vertrag, welcher am 23. Juli 1952 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl in Kraft setzte. Die sogenannte Montanunion war ein Wirtschaftsverband, der den ursprünglich sechs Mitgliedsstaaten den zollfreien Zugang zu Kohle und Stahl ermöglichte. Er gilt heute als der Grundstein für die Europäische Union.

Am 23. Juli 2002 lief der Vertrag aus, da die fortschreitende europäische Integration angeblich die Montanunion überflüssig gemacht hatte. Wie wir es heute feststellen müssen eine weitere Fehleinschätzung oder gar ein ganz bewusster Weg zurück in die Kleinstaaterei.

Deshalb nun mein gut zwanzig Jahre verspäteter Nachruf auf die Montanunion, genau gesagt auf den dieser Union und unserer Gemeinschaft zugrunde liegenden Gedanken!

Damals verzichteten zum ersten Mal sechs europäische Länder freiwillig auf einen Teil ihrer Souveränität. Für diesen Verzicht gab es von Anfang an gleich mehrere Narrative! Robert Schuman bemerkte dazu „Mit der Unterschrift unter den Vertrag zur Montanunion in einem Europa der 160 Millionen Einwohner haben die Vertragspartner ihre Absicht verwirklicht, zum ersten Mal eine wirklich supranationale Organisation zu schaffen und Europa damit einen institutionellen Rahmen zu verleihen. Dieses Europa steht allen freien Völkern offen.“ Für Konrad Adenauer war es die beste Möglichkeit um der Bundesrepublik Deutschland, welche damals nach wie vor unter geltendem Besatzungsrecht der Alliierten stand, ein Stück Souveränität zurückgeben. Für manch andere war dies ein weiterer Schritt, um die jahrhundertealte deutsch-französische „Erbfeindschaft“ zu überwinden. Für die meisten Bürger aber war dies der richtige Weg, um das kriegszerstörte Europa wie einen Phoenix aus der Asche zu heben — das Versprechen blühender Landschaften zog schon damals.

Das Narrativ der Europäischen Föderalisten war dabei nicht nur das mögliche Ende der Erbfeindschaft, sondern man wollte noch viel weitergehend mit der Montanunion jeden Krieg zwischen Frankreich und Deutschland materiell unmöglich machen! Und noch eine weitere Schippe drauf legend, damit den Weg hin zu einem europäischen Bundesstaat unumkehrbar machen.

Und dies ist neben allen weiteren wichtigen Vorteilen und Erfolgen einer vertieften europäischen Zusammenarbeit bis gestern zumindest das Credo aller Europäischen Föderalisten gewesen!

Durch eine möglichst tiefe Verknüpfung aller kriegswichtigen Ressourcen und Industrien wollte man nicht nur den Krieg zwischen Frankreich und Deutschland, sondern zwischen allen freien Völkern (Robert Schuman) unmöglich machen. Der Montanunionsgedanke wurde somit von Anfang an auch Grundlage für die NATO, welche bereits schon am 4. April 1949 gegründet worden war.

Auch die USA und Kanada sowie bis heute alle Länder der westlichen Welt wurden immer weiter militärisch, technologisch und organisatorisch miteinander verbunden. Nicht nur, um sich gegen „Feinde“ von außen wehren zu können, sondern in erster Linie, um die eigenen Mitgliedsstaaten von Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen untereinander zu bewahren; manche Leser erinnern sich noch an die Türkei und Griechenland.

Damit war und ist die NATO bis heute (noch) das größte Friedenswerkzeug in unserer Geschichte, die einzige echte Friedensbewegung der Neuzeit.

Die Axt an die NATO wird dabei nicht von einem Donald Trump angelegt, er ist tatsächlich zu blöd dazu, sondern von uns Europäern! Europäer, die entweder noch nie etwas mit einer Montanunion anzufangen wussten oder diese und den dahinter stehenden Gedanken schon immer ablehnten.

Hinzu kommen wie immer in der Menschengeschichte Gewinnsüchtige und Kriegsgewinnler, von den Kriegstreibern einmal ganz abgesehen. Dazu auch noch Präsidenten wie Emmanuel Macron, die ein Ende der NATO als Rettung für die eigene marode Wirtschaft und Gesellschaft ansehen, wobei er felsenfest daran glaubt, dass die US-Amerikaner am Ende Frankreich doch wieder retten werden.

Bei uns Deutschen sind es dieselben Familien, die schon einen Kaiser Wilhelm unterstützt und einen Adolf Hitler groß gemacht haben. Diese Familien wollen wie immer ihren Profit und dabei noch das eine oder andere „Fürstenkrönchen“, was man halt so anstrebt, wenn man schon alles Geld der Welt besitzt.

Warum wir Europäischen Föderalisten nun so richtig kriegsbesoffen und dann auch noch nach möglichst rein deutschen Waffen und Atombomben schreien und dabei unsere Beschlüsse der letzten Jahrzehnte einfach so an den Nagel hängen, kann ich immer noch nicht so ganz nachvollziehen — ich befinde mich immer noch regelrecht unter Schock!

Die Begründung dann auch noch hanebüchend: man könne den Amerikanern nicht trauen — wohl nur noch den Russen! Oder gar, dass die USA nur ihre eigenen Waffen verkaufen möchte. Auch dies völlig falsch! Sobald wir Europäer gute Waffen im Angebot haben, werden diese auch von den US-Amerikanern oder Kanadiern gekauft, z. B. italienisch-französiche Fregatten, britische Harrier, schwedische Fahrzeuge und deutsche Ketten wie auch Kanonen. Und der Vorwurf, dass die USA „Bescheißer-Software“ in die an uns gelieferten Waffen bauen würden, erinnert mich eher an die gängige Praxis von BMW, Mercedes und VW.

Wenn wir als westliche Welt überleben und uns vor einer russischen Knechtschaft bewahren wollen, dann müssen wir so schnell wie möglich den Montanunionsgedanken reaktivieren und die richtigen Signale in die USA schicken! Und vor allem nicht einem Donald Trump auch noch die Munition für sein Geblöke liefern.

Und selbst den völlig Unbedarften müsste es doch einleuchten, dass es viel günstiger und nachhaltiger ist, wenn wir in der westlichen Welt die meisten Waffen gemeinsam bauen.