Have questions?

Über Meinungen 4.8 (10)

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Bekanntlich muss man erst eine eigene Meinung haben, bevor man eine solche äußern kann. Aber in Zeiten wo man bereits als meinungsstark gilt, sobald man lautstark äußert, dass man Hunger hat, wird dies immer schwieriger.

Jüngst habe ich versucht, Studenten das mit den Primärprozessen zu erklären. Dabei gehört Abraham Maslow nicht mehr wirklich zu den aktuellen Wissenschaftsgrößen, sodass dessen Erkenntnisse und Theorien schon etwas länger zu uns durchgesickert sein dürften.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung impliziert dabei geradezu, dass man auch die Pflicht dazu hat, sich erst einmal selbst eine eigene Meinung zu bilden.

Selbst dann, wenn manche Wissenschaftler inzwischen davon ausgehen, dass ein Mensch eigentlich keine eigene Meinung haben könne, sollten wir dennoch alles daran setzen, um uns überhaupt eine eigene Meinung bilden zu können.

Dabei hilft es, dass man das „Objekt seiner Begierde oder seines Interesses“ aus möglichst vielen Richtungen heraus betrachtet und sich zudem zusätzliche diesbezügliche Informationen beschafft. Sich selbst und anderen dazu entsprechende Fragen zu stellen, ist ein probates Mittel.

Schnell wird einem dabei bewusst, dass es zum selben Thema die unterschiedlichsten Meinungen bereits gab und weiterhin gibt. All diese „Erkenntnisse“ betrachtend, bildet man sich so langsam aber sicher seine eigene Meinung, welche sich so wie das eigene Leben auch beständig wieder ändert, zumindest aber über die Jahre hinweg dann gut abgehangen ist.

Dabei gilt aber auch, dass es die eine Wahrheit für uns Menschen nicht gibt! „Wahr“ kann etwas nur außerhalb unserer eigenen Realität sein. Für die Gläubigen liegt dabei die Wahrheit bei Gott alleine. Mathematiker und Informatiker schaffen sich ganz pragmatisch ihre eigenen „Wahrheiten“, die allerdings mit der echten Welt selbst nichts zu tun haben. Wohl deshalb diskutiert man schon etwas länger darüber, ob das genutzte mathematische Modell überhaupt noch relevant sein kann und man nicht vielleicht doch auf ein anderes zurückgreifen sollte — aber selbst hierbei gehen die Meinungen völlig auseinander.

Da wir Menschen weder die Realität in Gänze erfassen werden können, noch der Wahrheit nur annähernd nahe kommen, sollten wir wenigstens versuchen, uns unsere eigene Meinung zu den Dingen und selbstverständlich auch zu den anderen „Ichs“ zu bilden.

Ob diese Meinung dann auch tatsächlich unsere eigene ist, sei einmal dahingestellt, wichtig ist, dass wir selbst daran glauben und diese mit bestem Wissen und Gewissen dann auch vertreten können.

Best Practice: man tut was man sagt und sagt am besten genau das, woran man selbst glaubt. Wohl wissend, dass man dabei auch völlig falsch liegen kann. Hierbei trennt sich wie schon immer die Spreu vom Weizen!

„Wenn du eine Herrschaft ausüben willst, dir zum Nutzen, niemanden aber zu Last, beseitige deine Fehler!“

Seneca, 15. Buch, 94. Brief (2023: 915)

Tanzen

Empirische Ästhetik  4.6 (7)

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Leben ist nicht nur kommunizieren, wie ich es jüngst den Studenten meines Fachbereiches zu erklären versuche habe, sondern auch lernen. Aber auch das Sterben gehört einfach mit dazu, so würde es zumindest Seneca ergänzen wollen.

Heute möchte ich aber nicht über die Ars moriendi schreiben, sondern über einen für mich ganz neuen Forschungsgegenstand, der „empirischen Ästhetik“.

„Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) erforscht, warum und wie Menschen Kunst erschaffen und sie aufführen, erleben und bewerten. Der Schwerpunkt des MPIEA liegt auf Musik, das Institut beschäftigt sich aber auch mit anderen zeitgebundenen Kunst-Domänen wie Tanz oder Film.“

Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Website (29.5.2025)

Lassen wir einmal die Seitenhiebe weg, was man heutzutage so alles studieren kann, zumal ich selber aktuell in einem Fachbereich der Wirtschaftsinformatik tätig bin — ergo, selber im Glashaus sitzend, nicht mit Steinen um mich werfen sollte. Auf alle Fälle aber gilt weiterhin, dass es nicht allzu sehr darauf ankommt, was man studiert, sondern alleine darauf, dass man wissenschaftliches Arbeiten lernt! Und dies kann man sicherlich auch auf dem Feld der empirischen Ästhetik.

Auf alle Fälle aber wäre dieses Fachgebiet, wenn sie dort noch essen und trinken mit aufnehmen (kleiner Tipp unter Kollegen), prädestiniert, um im wissenschaftlichen Umfeld Heilbronns locker die Spitzenposition zu erklimmen.

Aber wie komme ich nun überhaupt auf das Feld der empirischen Ästhetik? Wie immer, am Anfang stand ein Problem, das sich bei etwas näherer Betrachtung ausweitete und inzwischen einen Umfang einnimmt, sodass sich gleich mehrere Parteien (Stakeholder) mit der Sache auseinandersetzen, nämlich mit der Frage, warum man inzwischen bei vielen Tanzbällen kaum noch jüngere Tanzpaare finden kann? Ausgeweitet, warum auch in ADTV-Tanzschulen immer mehr ältere Tanzpaare anzutreffen sind, weiter ausgeweitet, warum es immer weniger junge Tanzschüler gibt, noch weiter ausgeweitet, warum sehr viele dieser Tanzschüler eigentlich nur noch Schülerinnen sind?

An Hypothesen, warum dies so sein könnte, gibt es keinen Mangel. Manche führen dies auf die Folgen von COVID-19 zurück, dabei aber eher auf die unverhältnismäßig ergriffenen Gegenmaßnahmen. Man kann diesbezüglich gerne auf ältere Blog-Beiträge aus den Jahren 2020 bis 2022 zurückgreifen. Manche sehen darin einfach nur eine ganz normale gesellschaftliche Entwicklung. Manch andere, dass sich unsere europäische Kultur aufgrund der zunehmenden Migration entsprechend verändert.

Aber alle nehmen inzwischen das Delta zwischen Wunsch und Wirklichkeit wahr und so ist es nun an der Zeit, dass man sich dieses Problems einmal etwas professioneller annimmt. Und hier kommt das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik ins Spiel, nämlich dadurch, dass diese Wissenschaftler erst einmal wissen möchten, „warum tanzen Sie, und was?“

Hallo liebe Tanzbegeisterte,
willkommen! 

Wissenschaftliche Erhebungen zeigen: Tanzen ist gesund! Es gibt jedoch vieles, was man noch nicht weiß. Zum Beispiel, wie viel Tanzen ist gesund? Gibt es Tanzformen, die gesünder sind als andere? Unter welchen Umständen ist Tanzen besonders gesund, und wenn ja, für wen? 

Helfen Sie uns, diese Fragen zu beantworten? 

Das Ziel dieser Umfrage ist es, Sie einzuladen bei einer großen Studie mitzumachen, damit wir das Thema Tanz, Gesundheit und Wohlbefinden endlich ausgiebig erforschen können. Wir brauchen dafür so viele Tänzer wie möglich. 

Um mitzumachen, brauchen Sie nicht viel zu tun, außer: weiter tanzen und sich hier anmelden! 

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Julia F. Christensen & Team
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt am Main

Selbstverständlich habe ich selbst bereits an dieser Umfrage teilgenommen. Keine Frage, sie ist ganz gut gemacht, darf man auch von einem Max-Planck-Institut erwarten.

Jenen Studenten, die beabsichtigen, in ihrer Bachelorarbeit oder gar Masterarbeit mit Umfragen zu arbeiten, empfehle ich nicht nur sehr dringend, vorab wenigstens einen Statistik-Schein erfolgreich (wenigstens mit einer Note 2 versehen) zu absolvieren, sondern sich selbst auch erst einmal professionellen Umfragen zu unterziehen — die an der Hochschule von Studenten angebotenen Umfragen dürften dabei sicherlich nicht das Maß aller Dinge sein.

Wenn ich tanzen lernen möchte, gehe ich auch nicht zu einer Dame oder einem Herren, die sich bekifft an einer Straßenlaterne abarbeiten und dies als Poledance bezeichnen. Wobei ich befürchte, dass das mit der Emanzipation spätestens dann gescheitert ist, als Frauen begannen, uns den Poledance als Sportart zu verkaufen — just my humble opinion!

Aber nun zurück zur empirischen Ästhetik, wobei man auch dort den Poledance ankreuzen darf, was wiederum für die wissenschaftliche Qualität der Studie (ohne Scherz!) spricht. Jüngst habe ich in einem Artikel gelesen, dass Frauen in muslimischen Ländern sich dadurch emanzipieren möchten, dass sie Bauchtanz nicht mehr klamm heimlich nur in den eigenen vier Wänden aufführen möchten. Wie man sieht, die Welt verändert sich weiterhin und so ist es ganz gut, wenn man sich zuerst möglichst objektiv und aus wissenschaftlichen Sichtweisen heraus kundig macht, bevor man an möglichen Lösungen zu arbeiten beginnt.

Ich würde mich auf alle Fälle riesig freuen, wenn künftig wieder mehr junge Menschen zu den Tanzbällen kämen und auch wieder mehr junge Männer in den Tanzschulen zu finden wären; nichts gegen die jungen Damen, aber Tanzen macht einfach als gemischtes Tanzpaar mehr Spaß — eine möglichst große Homogenität ist nicht immer von Vorteil.

Übrigens, Tanzen ist eine hoch entwickelte Form der Kommunikation.


Netzwerk

Kleine Welt 4.3 (10)

Beitragsfoto: Netzwerk | © Pixabay

Dass unsere Welt ein kleiner blauer Punkt im Weltall ist, dürfte den meisten Menschen inzwischen geläufig sein. 1990 sendete Voyager 1 das Bild „Pale Blue Dot“ zur Erde zurück und dies aus einer Entfernung von sechs Milliarden Kilometern. Inzwischen haben beide Sonden unser Sonnensystem verlassen und streben der Unendlichkeit entgegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine dieser Sonden jemals von einer anderen Intelligenz gefunden wird, dürfte kleiner sein als jene eines Nichtspielers einen Sechser im Lotto zu gewinnen.

Inzwischen wissen auch die meisten Menschen, dass unsere Erde ein kleiner Planet und zudem das einzige natürliche Habitat für alle auf Kohlenstoff basierenden Existenzen ist.

Angefangen haben wir Menschen mit ein paar Tausend Individuen, die sich kaum auf unseren Planeten ausgewirkt haben dürften. Sicherlich vom Rest der Tierwelt bemitleidet, fristeten diese ein trostloses Leben, das später als das Goldene Zeitalter der Menschheit verklärt wurde. Ein paar Hunderttausend Jahre später sind wir aktuell dabei, diesen kleinen Planeten unwiederbringlich zu zerstören — was für eine Glanzleistung menschlicher Existenz!

Hätten Planeten ein eigenes Bewusstsein, würde sich unserer sicherlich fragen, mit welcher Krankheit er eigentlich befallen ist. Und seine Nachbarn würden darüber spekulieren, ob Viren oder Bakterien die Ursache dafür sind. Ob sich Viren und Bakterien Gedanken darüber machen, wenn sie einen Menschen dahinraffen? Sicherlich nicht, was auch auf uns etwas größere auf Kohlenstoff basierende Existenzen zutreffen dürfte.

Letztendlich ist dies aber völlig egal, denn in wenigen Milliarden Jahren wird wirklich niemand mehr wissen, dass es unser Sonnensystem überhaupt gegeben hat. Im Falle, dass dann eine der beiden Sonden an die Pforten des Himmelreiches anklopft, wird sich vielleicht doch noch eine höhere Existenz erinnern und darüber grübeln, was es wohl mit dieser Sonde auf sich hat?

Aber nun wieder zurück zu uns inzwischen gut acht Milliarden Menschen, die jeder für sich ein einzelnes Individuum, ein eigener Kosmos sind; ähnlich wie die Erde im Weltall.

Schon immer treibt mich die Frage um, wie wir Menschen miteinander verbunden sind und dies unabhängig von der Tatsache, dass wir nicht nur um uns selbst, sondern auch um andere kreisen, die wiederum um andere kreisen und so weiter und so fort. Wie bei den Trabanten und Planeten auch, dürfte es dafür sicherlich Gesetze geben.

Spannend fand ich als Schüler und Student die Versuche von Stanley Milgram, u. a. das heute noch bekannte Milgram-Experiment (1961). Aber mehr noch sein „Kleine Welt“-Experiment (1967), wobei er festzustellen versuchte, dass wir Menschen mit allen anderen durchschnittlich über sechs Ecken miteinander verbunden sind.

Die neuzeitliche Idee dazu — ich bin mir sicher, dass sich bereits die alten Griechen mit dieser Thematik befassten — kann man zum Schriftsteller Frigyes Karinthy zurückverfolgen, der in seiner Erzählung „Kettenglieder“ (1929) aufführte, dass wir Menschen über sechs Glieder miteinander verbunden seien.

Inzwischen gibt es unzählige solcher Untersuchungen, selbst vom Microsoft, LinkedIn und Facebook, die wohl alle auf sechs bis maximal 12 Trennungsgrade kommen. Was vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass sich die Menschheit in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat. Interessant dabei auch, dass es dazu beginnend 1997 eine eigene Website gab, nämlich „SixDegrees.com“.

Und auch ich wollte einmal mit „Worldcitizenship.com“ (2001) die Menschheit besser miteinander vernetzen — altruistische Geschäftsmodelle waren leider noch nie so wirklich der Renner!

Aber noch heute ist es immer wieder erstaunlich, wie klein die Welt doch ist, jüngst beim Tanzen trafen wir ein nettes Ehepaar aus Gellmersbach, dem letzten Wohnort meines Großvaters. Beim nächsten Mal wollen wir erkunden, über wie viele Ecken dieser mit den Eltern der beiden bekannt war.

Und @ Ursula, ich habe Deinen gestrigen Kommentar aus Fehmarn erhalten. Übrigens, dort muss es auch den einen oder anderen geben, der mich noch aus Anfang der 1990er-Jahre her kennt. Zumindest ein Namensvetter dürfte dort heute noch leben.

Vielleicht trägt dieser Blog-Beitrag nun einmal mit dazu bei, dass ich erfahre, wer eigentlich meine Leser aus Neuseeland sind? Ex-Heilbronner oder kennen wir uns noch aus den Staaten?

Sollte ein anderer Blogger dieses Weblog in seiner eigenen Blogroll haben, dann wäre es tatsächlich eine sehr nette Geste, mir kurz mitzuteilen, wie es zu dieser Verknüpfung kam. Ein „bloßer“ Eintrag ins Gästebuch ist ebenfalls sehr nett.

Denn eigentlich sind wir alle miteinander verbandelt — zumindest auf der subatomaren Ebene.

Nachtrag

Scharbeutz und Timmendorf, ehemals auch meine Heimat. Übrigens gute Besserung!

„Wenn die Menschheit auf diesen Mann [Diogenes] hören will, wird sie einsehen, dass sie den Koch ebenso wenig benötigt wie den Soldaten.“

Seneca, 14. Buch, 90. Brief (2023: 811)

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