Freie Wähler Heilbronn

Beitragsfoto: Verkehrsunfall | © Shutterstock

Sobald man glaubt, man hätte schon alles erlebt, dann zeigt einem das Leben, dass es absolut nichts gibt, was es nicht gibt! Und so konnte ich heute Abend ein Erlebnis der ganz besonderen Art miterleben und dies dazu noch in der ersten Reihe sitzend. Und das alles für den Preis von drei schwarzen Tees, was möchte man denn mehr?

Aber von Anfang an. Ich hatte bereits berichtet, dass ich mich auf die heutige Mitgliederversammlung freute, und rückblickend war ich doch ein wenig darüber erstaunt, dass es nicht wie gewohnt eine normale Monatsversammlung war. Ich ging aber davon aus, dass dies mit der jüngsten Abfrage bei den Freien Wählervereinigungen in Baden-Württemberg zu tun hatte, ob diese weiterhin selbstständig bleiben oder doch eher den Schritt in Richtung Partei gehen wollen. Für Heilbronn war alles schon geklärt, und so dachte ich, dass es eine Information zum Sachstand in Baden-Württemberg gäbe; dies war auch Bestandteil der Tagesordnung — also für mich ein ganz entspannter Abend, den ich als normales Mitglied erleben durfte.

Kurz vor dem Beginn der Versammlung traf ich ein und freute mich, viele andere Freie Wähler zu sehen, vor allem weil ich den einen oder die andere aufgrund von COVID-19 schon länger nicht mehr gesehen hatte. Dann war ich positiv überrascht, dass nicht die gewohnte Schriftführerin anwesend war, sondern ein Stadtrat und Rechtsanwalt die Schriftführung übernahm; es geschehen doch noch Zeichen und Wunder.

Der Heilbronner Vorsitzende Christian Roth begrüßte alle Anwesenden, die Beschlussfähigkeit wurde festgestellt und die Versammlung nahm ihren gewohnten Verlauf. Dass es zu keiner Aussprache nach den Berichten kam und diese auch nicht vorgesehen war, verbuchte ich auf die Harmonie in unserem Verein. Und so wunderte es mich auch nicht, dass sowohl Vorstand als auch Kassierer für 2020 und dann auch für 2021 einstimmig entlastet wurden.

Meinen zweiten Tee gönnte ich mir für den Tagesordnungspunkt 5: Ausblick – Strategieprozess Freie Wähler Landesverband BW. Christian Roth referierte noch einmal über den bisherigen Verlauf und die beschlossenen Entscheidungen, danach beantwortete er noch entsprechende Fragen der Mitglieder.

Ich schaute auf die Uhr und freute mich schon darauf, heute etwas früher nach Hause zu kommen, als Christian Roth ein Blatt Papier zur Hand nahm und seinen sofortigen Rücktritt als Vereinsvorsitzender kundtat. Das hatte ich weder erwartet noch kommen sehen!

Danach nahm der Kassierer, der neben mir saß, ebenfalls ein Papier zur Hand und verlass seinen sofortigen Rücktritt. Beide weigerten sich, den Mitgliedern über ihre Entscheidung Rechenschaft zu geben, und als ich Christian als Mitglied direkt fragte und er doch antworten wollte, wurde er von Vorstandsmitgliedern zurückgepfiffen. Kurz darauf verließ er mit Stadträtin Marion Rathgeber-Roth, dem Kassierer, dem Stadtrat Malte Höch und einem weiteren Vorstandsmitglied wortlos die Versammlung. Als andere Mitglieder und auch ich versuchten, bei den restlichen Vorstandsmitgliedern wenigstens ein wenig Informationen zu erhalten, verließen auch diese mit der Aussage, „sie möchten sich den Abend nicht versauen“, ebenfalls die Versammlung und ließen damit alle noch anwesenden Vereinsmitglieder im Stich! So viel Feigheit auf einem Haufen hatte ich bisher noch nie gesehen, geschweige denn selbst miterleben müssen!

Einzig der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Herbert Burkhardt, blieb mit uns restlichen Mitgliedern im Raum und versuchte Fragen zu beantworten. Er gab an, dass es Probleme in der Fraktion als auch im Vorstand gegeben hatte, aber ebenfalls von dieser Aktion nun völlig überrascht sei.

Ich bin jetzt noch entsetzt über so viel Feigheit und Unanständigkeit gegenüber uns einfachen Mitgliedern und spreche dem gesamten verbliebenen Vorstand nicht nur mein Missfallen aus, sondern entziehe diesen Damen und Herren auch mein Vertrauen. Und den davongelaufenen Stadträten empfehle ich dringend, ihr Amt niederzulegen, denn wie möchten diese sich noch für uns Heilbronner einsetzen wollen, wenn sie ihre eigenen Mitglieder so unanständig und völlig heimtückisch im Stich lassen!

Die verbliebenen Vorstandsmitglieder sollten schnellstmöglich eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, wo es zu einer Information der Mitglieder und einer Aussprache kommen muss. Danach sollte eine Mitgliederversammlung mit Neuwahlen einberufen werden.

Nach einem dritten Tee, der den Nachgeschmack dieser bösartigen Inszenierung herunterspülen sollte, verließ auch ich die Versammlung, da ich das Ganze einfach nicht mehr ertragen konnte.


„COWARD, n. One who in a perilous emergency thinks with his legs.“

Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary (1911)
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