Neujahrsempfang

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Beitragsfoto: Neue Schloss

Alle Jahre wieder gibt es sie, die Neujahrsempfänge. Weiterhin in solcher Häufigkeit, dass manche schon etwas länger das Ganze nach hinten im Jahr verschieben oder gar einen neuen Titel dafür finden.

Für Polit-Profis, Berufspolitiker und Freiesser eine gute Gelegenheit, um sich durch die ersten Wochen des Jahres zu futtern. Als Jugendlicher hatte ich mich noch darüber geärgert und später nur noch darüber gewundert. Heute nehme ich es einfach als gottgegeben hin und mache für mich das Beste daraus.

Und so gibt es eigentlich nur noch einen Neujahrsempfang, der bei mir gesetzt ist, nämlich jener der Europaverbände in Baden-Württemberg. Und da ich nicht zu den Mitbürgern gehöre, die sich solche Veranstaltungen nach der Qualität oder Quantität der dargebotenen Speisen und Getränke aussuchen, habe ich meist nichts zu versäumen, wenn ich inzwischen fast allen Einladungen fernbleibe.

Auch muss ich mich nicht mehr weder beruflich noch in eigener Sache auf solchen Empfängen sehen lassen. Mein einziges Interesse besteht darin, dass ich dort auf möglichst viele nette Menschen treffe, mit denen ich mich austauschen und die eine oder andere Angelegenheit so ganz nebenbei regeln kann.

Dies war auch der eigentliche Grund, warum ich vor zwanzig Jahren, als ich Kreisvorsitzender der EUROPA-UNION wurde, einen solchen Neujahrsempfang in Heilbronn etablieren wollte. Mein Vorgänger im Amt und weitere Vorstandsmitglieder rieten mir dringend davon ab, da sie ihre Mitbürger weit besser kannten als ich zu dieser Zeit.

Weil gute Ideen selten alleine daherkommen und der damalige Landesgeschäftsführer ebenfalls mit einer solchen Idee schwanger ging, passte es ganz gut, sich an das Subsidiaritätsprinzip zu erinnern und diese Idee auf Landesebene zu hieven. Inzwischen ist dieser Neujahrsempfang dank meiner besseren Hälfte eine Institution. Ursprünglich noch in der Villa Reitzenstein angesiedelt, wechseln sich nun Landtag und Staatsministerium beim Stellen der Austragungsstätte ab. Es gibt auch dort genügend verantwortliche Mitbürger, die sich über die Wichtigkeit eines solchen Empfanges im Klaren sind und auch der Europäischen Idee an sich positiv gegenüberstehen — was übrigens zur Parteiprogrammatik aller relevanten demokratischen Parteien in Deutschland gehört.

Dieses Jahr konnten wir gleich zehn Teilnehmer aus Heilbronn für diesen Empfang gewinnen, wobei ich mich besonders darüber freute, dass mit Leonhard Reinwald und Semin Bristina auch das mittlere Alter mit vertreten war.

Meine Gesprächsliste konnte ich fast in Gänze abarbeiten, leider war aber die Zeit wieder einmal zu kurz, um mit allen mir gut bekannten Menschen sprechen zu können, was bei gut 200 Gästen auch nicht möglich ist. Dies ist der größte Nachteil von Zentralveranstaltungen, nämlich, dass sie sehr schnell und ganz automatisch die kritische Größe von bis zu 120 Teilnehmern überschreiten.

Da ich von unserer vermeintlichen Jugendorganisation überhaupt nichts mehr Positives erwarte, kann ich auch nicht mehr enttäuscht werden. Auch nehme ich das verbale Gerülpse von deren Vertretern nicht mehr wahr, leider aber beschweren sich weiterhin Mitglieder bei mir darüber.

Inzwischen ist dies aber nicht mehr meine Baustelle, denn hier müsste nun das Mittelalter in unserem Verband dringend tätig werden und für eine neue Jugend sorgen! Auf alle Fälle aber für neue jüngere Mitglieder. Wie diese sich dann dereinst selber organisieren, bleibt weiterhin der Jugend überlassen. Einen Vorteil haben diese Neumitglieder auf alle Fälle, denn schlechter als die aktuell Ewigpubertierenden können sie es nicht machen.

Leider aber musste ich auch ein Gespräch mit einer viel zu jungen Bundestagsabgeordneten suchen, die mir in meiner Funktion als Kreisvorsitzender seit Oktober eine Antwort schuldet. Da ich trotz eines kurzen und für mich unerfreulichen Gesprächs keine Antwort mehr erwarte, ziehe ich für mich schon einmal persönlich die Konsequenzen; deren Partei erhält so schnell keine Zweitstimme mehr von mir.

Es sollte unseren Parteien doch zu denken geben, dass Bürger, die deren Volksvertreter nur etwas besser kennenlernen, diese nicht mehr wählen wollen. Die beiden Zombies unter den Parteien, eine in Baden-Württemberg nach jüngsten Umfragen unter 10 % und die andere unter 5 %, hören diesen Schuss offenbar schon lange nicht mehr.

Umso erfreulicher mein kurzes Gespräch mit einer Europaabgeordneten, die tatsächlich nicht nur den Eindruck erweckt, als ob sie sich für uns Bürger interessiert, sondern auch versucht, um in diesem Jahr zweimal nach Heilbronn zu kommen. Also nicht nur ein weiteres Pöstchen zum Wohle der eigenen Timeline besetzt, sondern dieses auch zum Wohle von uns Bürgern auszufüllen gedenkt.


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