Menschen im Park

Vorstands- und Gremienarbeit 4.9 (13)

Beitragsfoto: Menschen im Park | © Pixabay

Heute denke ich einmal über Dinge nach, die mich nach nunmehr fünf Jahrzehnten Vereinsarbeit immer mehr belasten, nämlich die Arbeit in Gremien und Vorständen. Nicht aber wegen der Arbeit an sich, sondern einzig und alleine wegen der Menschen, die sich immer öfters dort tummeln.

Ich war selbst sehr früh in Parteiarbeit eingebunden und übernahm dort bereits als Teenager Vorsitzendenfunktionen. Ohne Frage war ich zwar erfolgreich, aber doch unglücklich wegen der dort gemachten Erfahrungen. Dies führte dazu, dass ich mein Parteibuch abgab und mich in Folge davon politisch bei den Europäischen Föderalisten engagierte — überparteilich und überkonfessionell.

Nach fünfzehn Jahren der aktiven Mitarbeit, wobei ich es geflissentlich vermied, ein offizielles Amt anzunehmen, wurde ich gebeten, den Kreisvorsitz der EUROPA-UNION Heilbronn anzunehmen. Gut zwei Jahre später konnte ich dann Beruf und Berufung miteinander verbinden und übernahm den Kreisvorsitz.

Und kaum hatte ich den Kreisvorsitz inne, wurde ich von Parteisoldaten zweier Volksparteien gefragt, ob ich nicht gleich auch noch stellvertretender Landesvorsitzender werden möchte. Ich lehnte, dies ist nun auch schon wieder 20 Jahre her, ein Amt im Landesvorstand ab, aber half immer mit, wenn es tatsächlich etwas zu tun und arbeiten gab — was ich leider von viel zu vielen Mitgliedern des Landesvorstandes über all die Jahre hinweg nicht behaupten kann.

Schuld daran ist meines Erachtens das Sowjetsystem unserer Volksparteien. Und das ist schnell erklärt: nehmen wir einen x-beliebigen Sowjetgeneral, der bekommt seinen ersten Orden, weil er noch keinen hat und die unzählig folgenden Orden, weil er schon einen hat.

Eigenes Können, Leistung und Verantwortung sind dabei nicht gefragt, einzig und alleine müssen sie Soldaten verheizen können und wollen — jeder Parteisoldat, der nichts selbst General werden möchte, kann dies bestätigen.

Inzwischen schaue ich bereits auf zwanzig Jahre Kreisvorsitz zurück und darf auch hierbei behaupten, dass ich erfolgreich war. Trotz aktuellem Federlassens ist unser Kreisverband immer noch viermal so stark wie vor meiner ersten Wahl. Und auch politisch konnten wir so einiges bewegen.

Leider aber drängen nun die Sowjets aus den Parteien immer stärker in Ämter unseres Verbandes, wobei sie — und dies ist nachweisbar — einzig und alleine nur Schäden hinterlassen. Meist wird der Verband nur dann vor ihnen gerettet, wenn sie aufgrund eines Amtes bei uns nun auch ein weiteres Amt in ihrer Partei erhalten und feststellen, dass sie dort noch weit bequemer und darüber hinaus noch bezahlt Karriere machen können.

Zugegeben, es gibt sehr positive Ausnahmen! Aber diese sind dann auch für ihre jeweiligen Parteien ein echter Gewinn und so würde ich diese Föderalisten auch nie mit einem Sowjet vergleichen. Schmerzlich ist es aber, wenn diese in ihren Parteien dann verzweifeln und als Folge davon auch bei uns kürzertreten.

Und so habe ich gleich einen Tipp für Europäische Föderalisten, die keine Sowjets sein möchten!

Arbeit gibt es in Vereinen und Verbänden mehr als genug. Man kann auch als einfaches Mitglied damit anfangen, sich zu engagieren und zu helfen, wo Hilfe benötigt wird.

Manche Mitglieder sehen dabei von selbst den Staub in der Ecke, manche nicht einmal dann, wenn sie einen Besen in die Hand gedrückt bekommen.

Wer einmal als Mitglied ein Amt anstrebt, aber nur dann, wenn er zuvor schon mitgeholfen hat, der sollte geflissentlich darauf achten, dass er dem Verein auch zur Verfügung steht. Nur heute habe ich gerade einmal nichts anderes vor und will nun die Welt bewegen, ist der absolut falsche Ansatz!

Nur ein Mitglied, das gebraucht wird und zur Verfügung steht, qualifiziert sich für ein Amt!

Ganz von alleine wird man dann gefragt, ob man nicht einmal für ein Amt kandidieren möchte. Wer nicht gefragt wird, der sollte eigentlich von ganz alleine erkennen können, dass er noch weit davon entfernt ist, ein Amt übernehmen zu können.

Leider aber drängen immer mehr Sowjets in unsere Reihen, wobei sich die jeweiligen Parteisoldaten genötigt fühlen, diese auch noch zu unterstützen! Schlimmer noch, man versucht gerade jene Sowjets bei uns zu entsorgen, die man in der eigenen Partei nicht genug betüddeln kann — aber auch das wird seine Gründe haben.

Schade finde ich es dabei, dass diesen Parteien unser Verband inhaltlich und ideenmäßig inzwischen völlig egal ist. Sie sehen diesen nur noch als Müllhalde für unliebsame Parteimitglieder oder als Sprungbrett für Sowjets, die noch keine Ämter in der Partei erhalten konnten.

Nach all den Jahrzehnten Ehrenamt frage ich mich immer öfters, warum ich mir so etwas überhaupt noch antue? Wahrscheinlich bin ich inzwischen so altersmilde, dass ich einem Sowjet nicht sage, was er tatsächlich ist, nämlich ein Nichtsnutz zum Schaden unseres Verbandes.

Da es aber weiterhin um eine sehr gute Sache geht, muss man wohl wieder etwas deutlicher werden. Schön dabei wäre es, wenn es nicht immer ich sein müsste, der der Katze die Schellen umhängt.


Lesezeichen

Masterplan? 4.9 (7)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Jürgen Kaube | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hat Peter Thiel einen Masterplan? (zuletzt aufgerufen am 5.7.2025, 9.59 Uhr; meine Leser können den Beitrag übrigens kostenfrei lesen).

„Der Tech-Milliardär Peter Thiel fällt unter den Superreichen durch seine rechtslibertäre Ideologie und seine philosophischen Lektüren auf. Viele meinen, er habe einen gefährlichen Masterplan. Aber stimmt das? Ein Besuch bei Wolfgang Palaver, der ihn seit den Neunzigerjahren kennt. …

Ob Thiels Begeisterung durch seine Lektüren und ihre Verwertung in geschichtsphilosophischen Laubsägearbeiten einen Sinn hat, lässt sich nur beurteilen, wenn man mit den verwendeten Begriffen umzugehen weiß, ihre Geschichte kennt und ihre Implikationen. Andernfalls sind es nur die gefährlich wirkenden Gedankenspiele eines Milliardärs. …

Womöglich verhält es sich mit den geschichtsphilosophischen Einlassungen, politischen Thesen und theologischen Spekulationen Peter Thiels genauso, und sie sind am Ende nur private Marotten. Freundlicher formuliert: wachgehaltene Erinnerungen an die eigene Jugend auf dem Campus und einen Lehrer, der ihn beeindruckte. Er hat sie in sein Leben als Geschäftsmann und Finanzier der autoritären Rechten vielleicht mitgenommen, weil es ihm sonst allzu trostlos erschiene, nur ein Investor zu sein, nur reich. Sie vergolden ihm sein Handeln. Aber in der Fassung, die er ihnen gibt, sind sie eben dies: eine Verzierung.“


Lesenswerter Artikel von Jürgen Kaube, der sich auf einen Podcast des Deutschlandfunks bezieht, auf den ich am 20.6.2025 in einem Blog-Beitrag aufmerksam machte.

Jürgen Kaube scheint nicht nur die dort erwähnten Philosophen selbst gut zu kennen, sondern hat auch noch eine sehr verständliche Herangehensweise an Philosophie.

Wobei wir inzwischen alle wissen müssten, dass Milliardäre nur zu solchen geworden sind, weil sie eine Inkarnation von mehr Schein als Sein sind! Und sobald sie ihr Ziel erreicht haben, bauen sie einen Mythos um sich herum auf, der die Rechtmäßigkeit ihres Vermögens manifestieren soll.

Die schlimmsten Milliardäre sind aber jene, die dann auch noch unsere Gesellschaft, die sie zu dem machte was sie heute sind, zerstören möchten.

Und somit es es eher eine Frage der Psychiatrie als eine Frage der Philosophie.


Müllberg

Innenstadt 5 (9)

Beitragsfoto: Müllberg

Unsere Innenstadt ist eine einzige Müllhalde — leider sehen es viel zu viele einfach nur noch nicht. Erst heute konnte ich rauchende Ordnungsamtmitarbeiter beobachten, denen es nichts ausmachte, dass Heilbronner gleich neben ihnen den Hausmüll in der Fußgängerzone verteilen — Raucherpausen sind heilig.

Derweil führt mein Aufräumen vor Ort einzig und alleine nur dazu, dass noch mehr Müll an den Häuserwänden entlang abgelegt wird. Die Blumenkübel sind inzwischen willkommene Aschenbecher, nicht nur für die Hausgemeinschaft.

Da unsere Familien und Schulen keine Garanten mehr für halbwegs zivilisierte Mitbürger sind und auch die Heilbronner Kontrollen ebenfalls für die Katz sind, muss man andere Wege finden, um unsere Innenstadt nicht gänzlich für uns Bürger unbewohn- und unbetretbar zu machen.

Eine Möglichkeit wäre es, wenn wir unsere Innenstadt zu einer teuren und damit attraktiven Wohnlage entwickeln und dort sowohl alle Sozial- wie auch günstige Wohnungen verbieten. Als erstes muss die völlig untaugliche Mietpreisbremse für Innenstädte aufgehoben werden.

Denn Eigentümer wie auch Mieter, die viel Geld für ihre Wohnungen bezahlen, achten nicht nur mehr auf das Umfeld, sondern verlangen auch ganz folgerichtig, dass die Stadtverwaltung und ggf. auch die Polizei ihren Aufgaben tatsächlich gerecht werden.

Und deshalb ist es völlig falsch, dass wir städtische Infrastruktur wie Bäder und bessere Schulen in die Stadtteile verfrachten, sondern diese gehören mit weitern städtischen Attraktionen mitten in unsere Stadt — der Ausbau des Bildungscampus in Richtung Zentrum ist zu begrüßen. Der Umbau des Wollhaus’, wenn schon nicht in einen städtischen Infrastrukturknoten, dann aber in eine 1a-Wohnlage muss endlich vorangetrieben werden.

Die Innenstadt muss wieder zu einer einzigen Wohlfühlzone für uns Bürger werden. Bettler, Hausierer und andere auch nur potenzielle Kriminelle gehören von dort verbannt.

Besonders in Großstädten ist es wichtig, dass die Zentren wieder zu einem sicheren städtischen Nukleus werden, wo wir Bürger uns unbelästigt bewegen können und auch gerne aufhalten. Und es sollte wieder möglich sein, dass Kinder ohne Bewachung durch ein Elternteil nicht nur alleine in die Schule oder in den Kindergarten gehen, sondern auch die Spielplätze gefahrlos nutzen können.

Leider gibt es bei uns inzwischen viel zu viele Menschen, die mit Städten nichts anfangen können und deshalb eher auf Müllplätzen oder in Slums gut aufgehoben wären. Dazu zähle ich auch jene Menschen, die ihren Müll aus einem Mercedes oder Ferrari auf die Straße werfen.