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22.7.02021 5 (2)

Umfahrung

Da sage nochmals jemand, dass wir Heilbronner nicht kreativ seien! Jüngst kann ich, die Allee entlang schlendernd, beobachten, dass es eine neue Querung im Norden gibt. Wohl von auf der Höhe Shopping Haus kommend, queren Autos und auch Kleinlaster die Allee auf Höhe des Theaters und fahren dann am Theaterbrunnen vorbei in die Turmstraße ein. Das erspart einem den Umweg über die Mannheimer Straße.

Promi-Viertel

Es ist schon erstaunlich, was alles geht und vor allem wie schnell, wenn Verwaltungsspitzen und ein paar Stadträte persönlich betroffen und involviert sind. Die Verkehrsberuhigung sei den Anwohnern gegönnt, nur darf die Bleichinselbrücke nicht weiter zum Parkplatz ausgebaut werden, da sie eine wichtige Neckarquerung und zudem ein Teil, der vom Gemeindeart und der Stadtverwaltung versprochenen und für die weitere Stadtentwicklung absolut notwendigen, Innenstadtumfahrung ist.

Suchspiel

Eigentlich ist die online Ausgabe der Heilbronner Stimme eine ganz gute Sache. Leider musste ich heute feststellen, dass ich ein Suchspiel zugestellt bekommen habe. So hat es doch eine ganze Weile gedauert, bis ich Inhalte zwischen all der Werbung gefunden habe.

So bleibt zu hoffen, dass sich das Verhältnis von Inhalt und Werbung der Heilbronner Stimme wieder zum Erträglichen bessert. Alternativ könnten die Redakteure weiter wie bei der Samstagsausgabe vorgehen, da gibt es ein paar Seiten Zeitung und erst im Anschluss davon, weitere Werbeseiten bis zum Abwinken.

Und wenn man zudem bedenkt, was ein Stimme-Abo kostet, dann könnte durchaus weniger Werbung enthalten sein. Für diese Zwecke hat die Stimme doch das „Echo“, welches nicht nur kostenfrei allen Haushalten zugestellt wird, sondern auch öfters in größeren Häufen an den unmöglichsten Stellen der Stadt zu finden ist, oder gebündelt im Stadtwald vermodert.

Website des Tages

Echo

Eine schöne Reminiszenz an das Neckar-Echo, wobei man diesem noch zugute halten konnte, dass es mit journalistischen Inhalten aufwartete.


Toilettenanlage

Öffentliche Toiletten 5 (7)

Beitragsfoto: Pixabay

Es ist noch gar nicht so lange her, ein paar Jahrzehnte vielleicht, da konnte man an allen größeren Plätzen der Stadt, den Unterführungen und sogar in den Fußgängerzonen selbst öffentliche Toilettenanlagen finden. Sie sind auch heute noch besonders für Auswärtige, Touristen und Kneipen-Tourer ein Must-have in jeder größeren Stadt.

Auch damals schon waren viele Toilettenanlagen, wenn nicht mit eigenem Personal ausgestattet oder von netten Kioskbesitzern gepflegt, ein Ärgernis — aber zumindest für den Notfall erreich- und nutzbar.

Einige solcher Toilettenanlagen erhielten sogar Kultstatus, nicht nur die am Bahnhof Zoo in Berlin waren Treffpunkte für Menschen, die nicht so ganz in unsere Gesellschaft passten, oder retteten gar bei Minustemperaturen manchen Menschen das Leben.

Heute sind die öffentlichen Toiletten aus dem Heilbronner Stadtbild verschwunden, einzig die am Marktplatz oder der Allee sind noch allseits bekannt. Jene, die im ehemaligen BUGA-Gelände spazieren, finden jüngst auch eine beim Spielplatz der Alten Reederei — dies ist aber eher der Tatsache geschuldet, um zu verhindern, dass aus den BUGA-Seen Pinkelbecken werden.

Die noch vorhandenen, aber längst stillgelegten Toilettenanlagen, etwa die im Alten Friedhof oder die am Silcherplatz, zeugen heute noch davon, dass man sich einst in Heilbronn seiner städtischen Aufgaben und Pflichten noch bewusst war.

Als Alternative zu den städtischen öffentlichen Toilettenanlagen wurde von der Stadt eine Initiative gestartet, die Toiletten in Restaurants, Cafés und anderen Firmen einfach zu öffentlichen Toiletten erklärt und diese auf der Heilbronner Website aufführt — was gerade jenen Personengruppen, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind und keine Heilbronner Interna kennen, wenig bis gar nicht weiterhilft.

Zudem hat diese Heilbronner Lösung das Problem, dass diese „öffentlichen“ Toilettenanlagen grundsätzlich sehr restriktive Öffnungszeiten haben und gerade in diesen Pandemiezeiten überhaupt nicht erreichbar sind. Ergo ist diese Heilbronner Toilettenlösung von Anfang an eine Fehlplanung, die auch gravierende Folgen nach sich zieht.

Zum einen finden jene, die dringend eine Toilette benötigen, z. B. Kinder, Auswärtige, Kneipengänger oder auch Nachtspazierer, keine Möglichkeit, um sich zivilisiert zu erleichtern, und zum anderen tragen die Besitzer von Gebäuden und Gärten in der Stadt ganz alleine die Folgen dieser Notdurftverrichtungen.

Als Heilbronner, der um das Weindorf herum groß geworden ist, kenne ich zwar von Jugend an die Pinkel- und Haufenexzesse der Weinliebhaber, wusste aber auch um die zeitliche Begrenztheit dieser fünften Heilbronner Jahreszeit.

Inzwischen hat sich das Ganze aber so weit entwickelt, dass jene, die sich noch um die Stadt kümmern, die Nase gestrichen voll haben. Auch ich habe keine Lust mehr, regelmäßig Kellerschächte oder Häuserwände aus- und abzuspülen, damit der Uringestank nicht Hausgemeinschaft und Nachbarschaft belästigt und schon gar keine Lust mehr, den Kot aus den Hauseingängen und jüngst auch aus einem Keller — die Tür war wohl offen — zu entfernen.

Mietern kann man dies heutzutage schon gar nicht mehr abverlangen und professionelle Reinigungskräfte muss man sich erst einmal leisten können.

Ohne Wenn und Aber trifft das Folgende zu: Eigentum verpflichtet! Aber auch, dass eine Tätigkeit im Gemeinderat oder gar eine Anstellung bei der Stadt Heilbronn ebenfalls Pflichten nach sich ziehen — damit meine ich nicht den Weindorfbesuch — und die Stadt Heilbronn endlich wieder der Tatsache Rechnung tragen muss, dass auch Menschen Bedürfnisse haben.

Kurzfristig muss die Stadt Heilbronn dafür Sorge tragen, dass ausreichend TOI TOI oder DIXI-Toiletten aufgestellt werden; diese kann man gerne auch direkt vor die geschlossenen „öffentlichen“ Toiletten stellen, was dann auch zusätzlich eine Steigerung des Bekanntheitsgrads mit sich bringt.

Mittel bis langfristig sollte die Stadt neue öffentliche Toilettenanlagen installieren — der oftmals bemängelte innerstädtische Leerstand bietet durchaus gute und attraktive Standorte. Und nicht jedes sich im Besitz der Stadt befindende Gebäude muss im Erdgeschoss mit einem städtischen Schreibtischarbeitsplatz aufwarten — auch hier bietet es sich an, attraktive Toilettenanlagen zu etablieren, welche z. B. in Zusammenarbeit mit SANIFAIR betrieben werden.

Auf jeden Fall aber gehören offene öffentliche Toilettenanlagen zum Stadtbild einer jeden Großstadt mit dazu und steigern zudem auch deren Attraktivität, vor allem dann, wenn diese einladend und nicht abschreckend auf die meisten Besucher wirken. Damit wäre die Heilbronner Toilettenfrage auch eine Aufgabe des Stadtmarketings.

„Wie lange eine Minute sein kann, hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentüre man sich befindet.“ 

Anon

Drei Tageszeitungen

Heilbronner Stimme 4 (3)

Beitragsfoto: drei Tageszeitungen | © Heilbronner Stimme

Seit dem 28. März 1946 gibt es in Heilbronn wieder eine freie Presse, nämlich die Heilbronner Stimme. Am 30. Juli 1949 kam dann noch das Neckar-Echo hinzu, welches zuvor bereits von 1908 bis 1933 eine Heilbronner Tageszeitung war. Leider konnte die Neckar-Zeitung, welche von 1861 bis 1934 in Heilbronn und Umgebung zu lesen war, nicht mehr reaktiviert werden. Eine Notiz am Rande: einer der Neckar-Zeitung Chefredakteure war Theodor Heuss.

Seit das Neckar-Echo am 30. Juni 1967 zuletzt erschien, besitzt die Heilbronner Stimme nunmehr das Pressemonopol in Heilbronn und Umgebung. Gut dabei ist, dass Heilbronn überhaupt noch eine eigene Zeitung vorweisen kann, weniger gut, dass sich damit die Pressevielfalt Heilbronns auf die Meinung eines Chefredakteur bzw. des Zeitungsinhabers begrenzt. Deswegen ist es umso besser, dass sich die Heilbronner Stimme, im Gegensatz zu ihren Vorgängern Neckar-Echo (SPD) und Neckar-Zeitung (liberal), selbst als unabhängige Tageszeitung sieht, welche sich Liberalität, Fortschritt und Überparteilichkeit auf die Fahnen geschrieben hat.

Ich selbst bin mit der Heilbronner Stimme aufgewachsen und habe sie bis zum Abitur fast täglich gelesen. Dann nach meiner Rückkehr nach Heilbronn wieder regelmäßig, aber eher täglich in seiner „online-Variante“. Das hat auch damit zu tun, dass sich gedruckte Tageszeitungen generell immer weiter in die Nische eines „Luxusgutes“ zurückziehen. Aber auch damit, dass mobile Bürger immer mehr auf überregionale Tageszeitungen zurückgreifen und, zumindest was mich betrifft, dabei die dortigen Lokalteile als überflüssig erachten; des öfteren hatte ich dabei zudem bedauert, dass es keine Möglichkeit gab, den Heilbronner Lokalteil zu diesen überregionalen Zeitungen zu erhalten.

So freut es mich immer wieder, wenn ich in der Stimme lesen kann, dass diese erneut einen Preis erhalten hat, und inzwischen dürfte die Heilbronner Stimme auch fast alle Medienpreise abgeräumt haben, die es so in Deutschland gibt. Noch mehr freut es mich aber, wenn in der Presseschau des Deutschlandfunks ein Beitrag der Heilbronner Stimme Erwähnung findet. Damit kann die Heilbronner Stimme durchaus mit den Tageszeitungen anderer Städte mithalten und ihren eigenen Platz in der Presselandschaft sichern.

Sehr gut finde ich es, dass man mit der Stimme.de kostenfrei Zeitungsnachrichten lesen, und wenn einen ein Premium-Beitrag besonders interessiert, man diesen dann auch einzeln erwerben kann. Damit ist inzwischen auch das Problem für „Exil-Heilbronner“ gelöst.

Noch besser gefällt es mir, dass die Heilbronner Stimme am Marktplatz elektronisch in einem Schaufenster ausgestellt wird, und damit sehr leicht von allen Passanten gelesen werden kann. Als dann jüngst noch der Stammsitz der Heilbronner Stimme an der Allee 2 saniert wurde, ging ich davon aus, dass man dann auch dort die aktuelle Tageszeitung „elektronisch“ vorfindet. Jedoch entschied man sich dazu, gerade am Stammsitz weiter an einer gedruckten Version festzuhalten und die Begründung dafür schien mir auch sehr plausibel.

Dadurch motiviert, ging ich dann am Samstag extra an dem dortigen Schaukasten vorbei, um mir die Tageszeitung frisch ausgestellt anzuschauen. Zu meiner Verwunderung musste ich dann feststellen, dass es die Zeitung vom letzten Freitag war. Bekanntlich ist nichts älter als die Zeitung von gestern, und deshalb jetzt mein Aufruf an die Verantwortlichen: Das können Sie bestimmt besser!

Meines Erachtens hat die Heilbronner Stimme insgesamt mit all ihren Angeboten die Spagat vom Luxusgut bis hin zum Produkt des täglichen Bedarfs gut gemeistert, und wird uns damit sicherlich noch lange erhalten bleiben können. Deshalb erachte ich es aber auch als falsch, dass zukünftig die Abonnenten der gedruckten Tageszeitung keine Ersatzlieferung der Zeitung, sondern nur noch eine Gutschrift erhalten. Auf die Begründung dafür bin ich schon jetzt gespannt.

„Nietzsche said the newspaper had replaced the prayer in the life of the modern bourgeois, meaning that the busy, the cheap, the ephemeral, had usurped all that remained of the eternal in his daily life.“

Allan BloomThe Closing of the American Mind (1987: 59)