Sülmerstraße 2018

Sülmerstraße 5 (10)

Beitragsfoto: Blick vom Berliner Platz auf die Sülmerstraße (2018)

Bei Heilbronn trafen sich bereits in der Vorzeit uralte Fernwege, die dort den Neckar, einem damals noch sehr wilden und kaum überwindbaren Fluss, überquerten, oder von den Alpen kommend, weiter an ihm entlang in die norddeutsche Tiefebene führten.

Wie bereits die Kelten zuvor, siedelten auch die Römer in der Gegend, um sowohl Übergang als auch Straßen zu nutzen und zu sichern. Letztere erkannten zudem, dass sich die dortigen Hügel rechts des Neckars gut für den Weinbau eignen.

Erstmals wird Heilbronn schriftlich als villa Helibrunna in einer auf das Jahr 741 datierten Schenkung erwähnt. Der Name deutet auf einen Brunnen bzw. eine Quelle hin und gibt damit der Siedlung seinen heutigen Namen. Man vermutet, dass es sich dabei um einen fränkischen Königshof handelte, der am Neckarübergang des fränkischen Königswegs, der als „Alte Hällische Straße“ bezeichnet wurde, lag und nach Schwäbisch Hall führte.

Und schon zu dieser Zeit kann man die zukünftige Sülmerstraße als einen Abschnitt eines Fernwegs am Neckar entlang definieren, und zwar genau von diesem besagten Brunnen in Richtung Norden bis hin zum Übergang des Pfühlbachs, der kurz darauf beim heutigen Bollwerksturm in den Neckar fließt. Ihren Namen bekam die Straße, weil sie als nächstes nach Sulm, dem heutigen Neckarsulm, führt.

Bereits 1050 wird ein Markt in Heilbronn bestätigt, was man durchaus als ersten Schritt in Richtung Großstadt betrachten kann, und 1140 wird auch bereits der Hafen erwähnt, was zeigt, dass man in Heilbronn nicht nur die Landwege genutzt hat. Als 1225 dann Heilbronn erstmals als Oppidum, eine befestigte Stadt, bezeichnet wird, ist die Sülmerstraße nun auch ein fester Bestandteil der Stadt, vermutlich an der ersten Stadtbefestigung gelegen, später aber jener Teil der Handelsstraße, welche sich als Nord-Südachse durch ganz Heilbronn zieht, am Sülmertor beginnt, bis zur heutigen Kilianskirche reicht und dort dann als Fleiner Straße bis hin zum Fleinertor fortgesetzt wird. Eine heute wie selbstverständlich dazugehörende West-Ostachse, die Kaiserstraße, gab es damals nicht, sondern es führte nur die Kramgasse von der Kilianskirche in Richtung Westen bis zu einem befestigten Neckarübergang, einschließlich eines eigenen Stadttors. Erst 1776 wurde die damalige Kramgasse zur Chaussee ausgebaut und 1897 in Kaiserstraße umbenannt. Die Kaiserstraße markiert noch heute die Trennungslinie zwischen zwei verschiedenen Teilen der einstigen Heilbronner Altstadt.

Interessant dabei, dass anfangs der etwas höher gelegene südliche Stadtteil mit den Liegenschaften des Deutschordens, der Kilianskirche und dem dortigen ersten Rathaus den städtischen Schwerpunkt bildete. Der nördliche Teil kam wohl erst um 1200 herum als bewusste Stadterweiterung mit hinzu und war von Anfang an eher dem Handwerk, dem Handel und den jüdischen Mitbürgern vorbehalten. Erst 1535, als das Rathaus beim Kirchbrunnen abbrannte, verlegte man das Rathaus samt Marktplatz in den nördlichen Teil der Stadt, der sich über die Jahrhunderte hinweg immer mehr um die Sülmerstraße herum entwickelte.

Um 1333 ziehen dort noch die Altböckinger hinzu, die zuvor ihr eigenes Dorf verlassen hatten. Diese nutzten dann wohl auch die Kapelle St. Nikolaus, die heutige Nikolaikirche, welche 1351 erstmals Erwähnung findet, als ihr eigenes Gotteshaus; dieses wird damals noch als sogenannte Filialkirche zur bereits bestehenden Kilianskirche, welche bereits 741 und nochmals 889 urkundlich nachgewiesen ist, betrieben. Die an der Sülmerstraße liegende Nikolaikirche wird 1525 übrigens die erste Reformationskirche Heilbronns und in der Folgezeit u. a. auch Zeughaus, schlichtes Waffenlager und Turnhalle, je nach dem derzeitigen Bedarf der Heilbronner. Momentan wird sie erneut umgebaut und einer weiteren Bestimmung zugeführt.

Der an die Sülmerstraße angrenzende Kieselmarkt war im späten Mittelalter mit der Synagoge aus dem Jahr 1357, den rituellen Bädern und einem eigenen Friedhof das Zentrum der jüdischen Gemeinde in Heilbronn, das mit der Lamm- und der Judengasse, der heutigen Lohtorstraße, eigene Hauptachsen hatte. Nach dem Stadtverbot für Juden im späten 15. Jahrhundert wurde das gesamte Gelände überbaut.

Der heute noch existierende Hafenmarktplatz entstand 1593 an der Stelle eines alten Friedhofs und erhielt einen Brunnen, der anfangs vom Cäcilienbrunnen und zuletzt vom Pfühlbrunnen aus gespeist wurde und damit die Wasserversorgung der dortigen Bewohner sicherstellte. Der 1955 am alten Platz neu geschaffene Hafenmarktbrunnen diente uns Kindern neben den beiden Brunnen des Berliner Platzes nicht nur zur sommerlichen Erfrischung, sondern hatte im Gegensatz zu den beiden anderen Brunnen auch im Winter spielerischen Wert.

Bereits aber 1487 sollen in unmittelbarer Nähe (Kieselmarkt?) zum Hafenmarkt Töpferwaren verkauft worden sein.

Der heutige Hafenmarktturm erinnert an das ehemalige Franziskanerkloster, dessen 1314 geweihte Marienkirche 1688 niederbrannte; nur der besagte Turm wurde spendenfinanziert zwischen 1698 und 1727 wieder aufgebaut. Bereits 1544 war das Kloster aufgehoben worden, nachdem es die Heilbronner geschafft hatten, die letzten Mönche von dort zu vergraulen. Aus dem Klostergebäude wurde eine Lateinschule, dann das Karlsgymnasium, das heutige Theodor-Heuss-Gymnasium, welches aber nicht mehr an der Sülmerstraße, sondern nunmehr an der Karlstraße liegt.

Nördlich der Sülmerstraße, am Pfühlbach in der Nähe des Sülmertors und außerhalb der Stadtmauern gab es Ende des 13. Jahrhunderts zudem die erste nachweisbare Heilbronner Einrichtung zur Krankenpflege, nämlich das Sondersiechenhaus bei St. Jakobus am Graben mit eigener Kapelle und Friedhof. Sein Vorratshaus und die Verwaltung befanden sich in der Jakobsgasse innerhalb der Stadtmauern. 

Die Sülmerstraße selbst war von Anfang an eine sehr geschäftige Straße und hatte über die Jahrhunderte hinweg auch so einiges zu bieten; durch sie führte sogar einmal eine Straßenbahn. Ihr wohl heute noch bekanntester Bewohner dürfte der Arzt Robert Mayer gewesen sein, der von 1842 bis zu seinem Tod 1878 im Kirchhöfle arbeitete und lebte.

Der Ritterkanton Kraichgau hatte sein Archiv in der Sülmerstraße 40, dem Standort der ehemaligen Roßmühle. Die Standortwahl der Ritterschaft lag vielleicht auch daran, dass der bekannteste Heilbronner Gasthof im 18. Jahrhundert, nämlich das Gasthaus zur Sonne, nicht unweit in der Sülmerstraße 52 ansässig war; selbst Johann Wolfgang von Goethe war dort zu Gast.

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in der Sülmerstraße 54 die Südfrüchtehandlung Lidl & Co. ansässig war, welche heute als Schwarz-Gruppe weltweit mit zu den führenden Lebensmittelhändlern zählt, sich aber aus der Sülmerstraße von der Konkurrenz hat vertreiben lassen.

Vom heutigen Nordende der Sülmerstraße, dem Berliner Platz, ist heute kaum noch etwas zu sehen, inzwischen dominiert das K3 mit Kino, Stadtbibliothek, Musikschule, Komödienhaus, Restaurants und Läden den ehemaligen Torplatz; auch seine beiden Brunnen wurden entfernt und durch einen Theaterbrunnen vor dem neuen Stadttheater ersetzt. Einzig die Turmstraße hin zum Bollwerksturm lässt weiterhin auf eine Sanierung warten — die ehemals avisierte Freilegung des Pfühlbachs dürfte allerdings inzwischen vom Tisch sein.

Noch heute steht aber das Gebäude „Heilbronner Hof“ in der Sülmerstraße 57, welches mein Großvater an der Ecke zur Turmstraße 1952 / 1953 errichten ließ; zuvor hatte er gleich nach dem Krieg die Gaststätte „Sülmertor“ errichtet und betrieben. Der Heilbronner Hof sorgte später als Roxy in Heilbronn für Furore und war für viele Heilbronner offensichtlich zuviel des Guten.

Ich selber wuchs in den 1960er-Jahren in einem später daneben stehendem Geschäfts- und Wohnhaus in der Sülmerstraße auf und erinnere mich noch heute gerne an deren Vielfalt und Geschäftigkeit zurück.

Später dann hat die Sülmerstraße als „Sülmer City“ ihren eigenen Markenkern entwickelt und mit vielfältigen Aktionen versucht, dem weltweit zu beobachtenden Attraktionsschwund der Innenstädte zu begegnen.

Inzwischen hat die Sülmerstraße mit der Unteren Neckarstraße, die sich als Teil der Neckarmeile vermarktet und der aufgehübschten Allee zwei Parallelen erhalten, die ebenfalls versuchen, sich neu zu erfinden. Dies kann meiner Überzeugung nach aber nur gemeinsam gelingen und muss deshalb als GesamtkonzeptNördliche Innenstadt“ neu gedacht und vor allem auch tatsächlich umgesetzt werden.

„Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“

J. R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe

Synagoge Heilbronn

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Beitragsfoto: Synagoge (1900) | © Freundeskreis Synagoge Heilbronn e. V.

Von 1877 bis 1940 stand an der südlichen Allee die alte Heilbronner Synagoge, welche nicht nur durch ihren neo-orientalischen Stil überregionale Bedeutung erlangte.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“ zerstörten und schändeten Heilbronner die Synagoge, wobei sie auch nicht vor Mord und Totschlag an anderen Heilbronner Bürgern zurückschreckten.

Seit 1966 gibt es am Ende des Synagogenweges auf der Allee einen Gedenkstein, der am 5. Mai 1993 durch das Mahnmal „Kuppel“ der Künstlerin Bettina Bürkle ergänzt wurde.

Seit 2004 gibt es einen Freundeskreis Synagoge Heilbronn e. V., der einen Beitrag zur Begegnung von Juden und Nichtjuden in Heilbronn leisten möchte. Und seit 2009 gibt es auch eine Vorrichtung, um einen Chanukkaleuchter vor Ort aufzustellen.

Inzwischen sind mehr als 80 Jahre vergangen, und man könnte sich durchaus auch in Heilbronn darüber Gedanken machen, wieder eine eigene Heilbronner Synagoge zu errichten.

Es ist an der Zeit, dass wir Heilbronner darüber auch eine öffentliche Diskussion beginnen, wie und wo wir eine Synagoge für alle jüdischen Mitbürger und deren Besucher errichten. Zusätzlich könnte man dies mit einem entsprechenden Dokumentationszentrum verbinden, welches das dunkelste Kapitel unserer eigenen Geschichte weiter aufarbeitet und dabei zur interreligiösen Zusammenarbeit einlädt.

Auf jeden Fall müssen sich die Heilbronner schnell darin einig werden, wo sie eine neue Synagoge in Heilbronn haben möchten. Ich persönlich bin für den alten Standort am südlichen Ende der Allee.

Danach sollte die Diskussion darüber geführt werden, ob man die alte Synagoge zu neuem Leben erweckt oder ob man wie z. B. in Chemnitz (2002) und Ulm (2012) ganz neue und sehr markante Gebäude erstellt; bei beiden Eröffnungen durfte ich mit dabei sein und war sehr beeindruckt, was Architektur heute leisten kann.

Dabei kann man darüber diskutieren, ob man die neue Synagoge um ein eigenes Gemeindezentrum oder auch um ein Dokumentationszentrum ergänzt.

Zum Schluss bleibt dann noch die Diskussion darüber, wie man einen solchen Bau finanzieren kann und wie und über welchen Zeitraum hinweg man letztendlich das Projekt „neue Synagoge“ in Heilbronn realisiert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man gerade in der heutigen Zeit, wo Dummheit, Rassismus und Intoleranz wieder neuen Höhepunkten entgegenstreben, eine solche in der gesamten Heilbronner Gesellschaft geführte Diskussion, wobei auch über Verantwortlichkeiten gesprochen wird, für den Zusammenhalt aller Heilbronner sehr wichtig ist.

Was letztendlich dabei herauskommt, steht alleine in den Sternen, aber zeigt dann auch, wo wir Heilbronner uns selber einordnen und was wir noch gemeinsam auf die Beine stellen können.

Abzuwarten, bis es dafür Subventionen aus Europa oder vom Bund bzw. Land gibt, wäre sicherlich die falsche Wahl, denn wir Heilbronner könnten bestimmt weit mehr.

„Hope for a miracle. But don’t depend on one.“

TalmuD

Radfahrerin

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Beitragsfoto: Radfahrerin | © Pixabay

Damit meine ich jetzt nicht „nach oben buckeln und nach unten treten“, sondern beziehe mich in diesem Beitrag auf die Mitbürger, die sich dazu entschieden haben, in und um Heilbronn auch mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.

Dabei gleich vorab, das Fahrradfahren war schon immer in Heilbronn, zumindest so lange ich mich erinnern kann, eine Herausforderung.

Zu meiner Zeit war es für uns Heilbronner üblich, dass man mit einem Dreirad anfing, zum Tretroller wechselte und danach sein erstes Fahrrad mit Stützrädern bekam. Und sobald man richtig und selbständig Fahrrad fahren konnte, war es auch soweit, um noch in der Grundschule den Fahrradführerschein zu machen. Das Balancieren und das Langsamfahren waren dabei die größten Herausforderungen, denn schnell um die Ecke flitzen konnten wir bereits alle sehr gut.

Anfangs war für uns Stadtkinder das Fahrrad ein neues Spielzeug mit dem man auf der Straße viel Unfug anstellen konnte; selbstverständlich wurden die Räder auf den Gehwegen von uns geschoben, denn das war damals Ehrensache. Später war das Rad dann eher ein Mittel, um in die umliegenden Dörfer zu gelangen, denn zu Fuß war man innerhalb Heilbronns schon immer besser und auch bequemer unterwegs.

Meine ursprüngliche Begeisterung für das Radfahren wurde bereits sehr früh durch einen Baum gestoppt, der nicht nur mein erstes Rad zerstörte, sondern bis heute bei mir bleibende Erinnerungen zurückließ und mich zudem zu einem begeisterten Fußgänger machte.

Weniger Glück hatten zwei meiner Rad fahrenden Schulkameraden, der erste wurde mit dem Reifezeugnis in der Hand von einem Lastwagen überfahren und der zweite bei seinem täglichen Radtraining, welches ihn regelmäßig von Heilbronn nach Waldenburg und wieder zurück führte, von einer Oma im Auto übersehen, was er zwar glücklicher Weise überlebte, aber seine Sportlerkarriere abrupt beendete.

Heutzutage ist Heilbronn zwar immer noch die selbe Stadt aber die Anzahl der Fahrräder und ihre Verwendungsmöglichkeiten hat sich eindeutig erhöht bzw. stark verändert. Auf keinem Geh- oder gar Waldweg ist man mehr vor Rad fahrenden Mitbürgern sicher; Mensch, Hund und Reh erschrecken vor aus dem Gebüsch und Hecken brechenden Geländefahrrädern mit Hilfsmotor auf denen Jugendliche und rüstige Rentner durch die Wälder und Flure sausen. Selbst die Fußgängerzone ist zum Mekka pöbelnder Radenthusiasten geworden, die bestimmt noch nie etwas von gegenseitige Rücksichtnahme gehört haben.

Auf der anderen Seite berichten Rad fahrende Bekannte, Freunde und auch meine bessere Hälfte von haarsträubenden Situationen beim Versuch ausgewiesenen Radwegen durch Heilbronn zu folgen.

Deshalb möchte ich gerne allen das Folgende nochmals in Erinnerung rufen: Grundlage jeglichen Zusammenlebens ist die gegenseitige Rücksichtnahme, und im besagten Falle, die Pflicht des Stärkeren oder Schnelleren auf die anderen Verkehrsteilnehmer besonders zu achten. Erst kommen die Kinder, die Senioren, Menschen mit sichtbaren Einschränkungen und dann die restlichen Fußgänger. Danach erst die Radfahrer und Schienenfahrzeuge. Zum Schluss dann die Motorräder, Autos und zuletzt Busse und Lastkraftwagen.

Damit und mit ein wenig mehr Freundlichkeit müsste sich der Alltag auch in Heilbronn besser meistern lassen!

Das macht aber noch lange nicht ungeschehen, dass die derzeitige Radwegegestaltung in und um Heilbronn suboptimal und eindeutig verbesserungswürdig ist.

Die Idee Schnellwege für Fahrräder außerhalb des Stadtgebietes zu schaffen halte ich für gut. Aber man muss zudem dafür sorgen, dass diese dann fahrradtauglich sind und nicht mit Landwirtschaftswegen verbunden werden, denn damit schafft man unnötige Gefahrensituationen.

Diese Radschnellwege dürfen dann, wenn sie in der Stadt Heilbronn münden, ähnlich wie Autobahnen auch, nicht an einer Wand enden, sondern sie müssen den ankommenden Verkehr, auch wenn es sich dabei „nur“ um Radfahrer handelt, flüssig in die Stadt ableiten. Darüber hinaus muss man für die Fahrräder, wie für die Autos auch, ausreichend Abstellplätze vorhalten, von denen aus die Radfahrer zu Fuß weiter gehen können.

Dass das Radwegenetz in Heilbronn selbst eher einem Flickenteppich gleicht, der zudem mehr aus Löchern als aus Teppich besteht und dessen jeweilige Anfänge und Enden bisweilen gemeingefährlich sind, muss man den Radfahren nicht berichten.

Da sich die vorhandene Heilbronner Verkehrsinfrastruktur aber auch in den kommenden Jahrzehnten kaum flächenmäßig vergrößern wird, ist es meines Erachtens keine Lösung, den vorhandenen Platz unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern weiter aufzuteilen. Deshalb schlage ich das Folgende vor:

Die vorhandenen innerstädtischen Radwege, außer bestehenden und tatsächlich funktionierenden Radschnellwegen, werden entweder wieder der Straße oder dem Gehweg zugeschlagen. Dafür aber werden diese so hergerichtet, dass sie durch alle Verkehrsteilnehmer gut und gefahrlos genutzt werden können.

Dabei muss der fließende und besonders der stehende Verkehr (Zuparken von Gehwegen!) immer dem „Schwächeren“ den Vorrang gewähren, was in Zeiten, wo man innerstädtisch die 30 Stundenkilometer favorisiert, kaum Probleme bereiten wird.

Fahrräder werden dann sogar auf der Allee mit genügend Abstand überholt, wenn sie sich nicht gerade selbst durch den dortigen Stau schlängeln. Aber auch Radfahrer fangen wieder an Rücksicht zu nehmen und, wenn sie der Fußgängerzone vor der Allee den Vorzug geben, letztendlich ihr Rad die paar Meter schieben, oder aber auf dem Gehweg dem Fußgänger die Vorfahrt gewähren.

Wenn Sie jetzt einwenden, dass dies in Heilbronn nicht ginge, dann kann ich Ihnen versichern, dass es im Landkreis Heilbronn bereits funktionierende Modelle gibt, wo sich sogar alle Verkehrsteilnehmer denselben Verkehrsraum teilen.

Zum Schluss nochmals auf den Punkt gebracht: Erstens, wir benötigen einen Straßenraum ohne Schlaglöcher und Hindernisse, der für alle Verkehrsteilnehmer als solcher erkenn- und nutzbar ist. Zweitens werden die dann hoffentlich gut ausgebauten Gehwege auch für Radfahrer freigegeben, die sich aber dort an den Fußgängern ausrichten. Und drittens, für die Räder muss es wie für die Autos ausreichend Stellplätze geben.

Und liebe Radfahrer, wenn Sie sich nicht trauen, auf der Allee mit dem Rad zu fahren, dann müssen Sie Ihren Frust nicht in der Fußgängerzone an Rentnern oder gar Kinder auslassen. Denn wie bereits anfangs erwähnt, mit dem Rad fahren ist keineswegs „nach oben buckeln und nach unten treten“.

Auch Detlef Stern hat bereits Erfahrung mit dem Fahrrad in Heilbronn gesammelt und diese im Blog-Beitrag „Vom Alltagsfußgänger zum Alltagsradler“ (Oktober 2019) festgehalten.

Das Lied „Bicycle Race“ stammt von der Gruppe Queen aus dem Jahr 1978.

„Life is like riding a bicycle. To keep your balance you must keep moving.“

Albert Einstein, Einstein: His Life and Universe (2007: 367)