Europakongress 1948

Verband der Europabegeisterten 5 (3)

Beitragsfoto: Europakongress 1948 in Den Haag | © Nationaal Archief / Snikkers / Anefo | Wikimedia Commons | CC-BY-SA 3.0

Die Europäische Bewegung International (EBI) wird nach, dem Europakongress folgenden, monatelangen Verhandlungen am 25. Oktober 1948 in Brüssel gegründet; sie setzt sich dabei anfangs aus den nationalen Vertretern der am Marschallplan beteiligten Länder zusammen.

Ihr Organ, der ‚Internationale Rat der Europäischen Bewegung‘ tagt zum ersten Mal vom 25. bis 28. Februar 1949 in Brüssel und wählt Léon Jouhaux zum ersten Vorsitzenden.

Die deutsche Unterorganisation der EBI wird am 13. Juni 1949 unter dem Namen ‚Deutscher Rat der Europäischen Bewegung‘ in Wiesbaden gegründet. Eugen Kogon wird dabei Vorsitzender des Exekutivbüros, denn auf seine Initiative hin, tritt am 1. April 1949 ein entsprechender Gründungsausschuss zusammen. Gründungspräsident ist bis 1954 der ehemalige Reichstagspräsident Paul Löbe.

Am 3. Dezember 1993 erfolgt die Umbenennung in Europäische Bewegung Deutschland (EBD); sie hat heute ihren Sitz in Berlin.
Die EBD ist ein Verband juristischer Personen und Dachverband der meisten europäischen Verbände, sie ergänzt dabei die EUROPA-UNION Deutschland, welche grundsätzlich eher natürliche Personen vereint.

Heute ist die EBD mit derzeit 249 Mitgliedsorganisationen aus Gesellschaft und Wirtschaft das größte Netzwerk für Europapolitik in Deutschland.

Mit ihren politischen Forderungen möchte die EBD den europapolitischen Grundkonsens der gesellschaftlichen Kräfte abbilden und als Ort des politischen Dialogs die Einzelinteressen ihrer Mitgliedsorganisationen zu einem Gesamtinteresse verbinden. Damit fördert die EBD die Weiterentwicklung und Stärkung der europäischen Integration.

Die Organe der EBD sind die Mitgliederversammlung, welche aus Delegierten der Mitgliedsorganisationen gebildet wird, der Vorstand, welcher die Vereinsgeschäfte verantwortet und ein hauptamtlicher Generalsekretär, der mit angestellten Mitarbeitern und Praktikanten die laufenden Geschäfte des Vereins führt.

Eines der Mitglieder der EBD ist die Europäische Bewegung Baden-Württemberg, welche 1981 als Landeskomitee Baden-Württemberg gegründet wird und ein Zusammenschluss der EUROPA-UNION Baden-Württemberg mit den Bürgerkomitees ist, die sich anlässlich der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament 1979 gebildet hatten, und heute 50 baden-württembergische Verbände sowie auch Einzelpersonen als Mitglieder zählt.

Bereits 1972 hat der Landesvorsitzende der EUROPA-UNION Baden-Württemberg Dieter Roser die Initiative ergriffen und vorgeschlagen, dass die Bildung eines „Baden-Württembergischen Rats der Europäischen Bewegung“ als Untergliederung des Deutschen Rats erfolgen soll.

„Eine solche Einrichtung, der neben parlamentarischen Vertretern die Landesorganisationen der im Deutschen Rat vertretenen Verbände etc. angehören würden, könnte den Abgeordneten eine wirkungsvollere und für sie interessantere Plattform bieten, als dies bei einem parlamentarischen Beirat der Europa-Union der Fall wäre. Eine Untergliederung des Deutschen Rats in Baden-Württemberg wäre keine Institution der Europa-Union; die Zusammenführung der Untergliederung des Deutschen Rats und des Landesverbandes der Europa-Union müsste durch die gemeinsame Geschäftsführung erfolgen. Als Wirkungsmöglichkeiten einer Untergliederung des Deutschen Rats kämen u.a. in Betracht: Trägerschaft von Veranstaltungen, Pflege der Verbindung mit benachbarten Staaten. Die Angelegenheit bedarf zunächst der Erörterung im Deutschen Rat.“

Dieter Roser (4. November 1972)

Auf der Sitzung des geschäftsführenden Landesvorstandes der EUROPA-UNION am 10. November 1973 in Leonberg gibt Dieter Roser bekannt, „dass der Deutsche Rat der Europäischen Bewegung sich damit einverstanden erklärt habe, einen baden-württembergischen Rat der Europäischen Bewegung zu gründen.“

Seit Februar 2013 ist die EBD im Rahmen einer gegenseitigen Mitgliedschaft Teil des Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), ein Zusammenschluss von Akteuren aus Bürgergesellschaft, Staat und Wirtschaft. Das übergeordnete Ziel des Netzwerks ist die nachhaltige Förderung von Bürgergesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement in allen Gesellschafts- und Politikbereichen.

Auch hier kommt der wesentliche Aspekt aller Europäer zum Ausdruck, nämlich anstatt auszugrenzen, Menschen einzubinden und sich mit diesen zum Wohle der Gesamtgesellschaft besser zu vernetzen.

Dies kann man selber sehr gut feststellen, wenn man einmal die Angebote der Europäischen Bewegung nutzt, die diese das gesamte Jahr über allen Mitgliedern ihrer Mitgliedsorganisationen anbietet.

Am Beispiel der Europäischen Bewegung Baden-Württemberg denke ich dabei sehr gerne an die regelmäßigen Kamingespräche zu europäischen Themen und den jeweiligen Ratspräsidentschaften der Europäischen Union, wobei es sehr oft der Fall ist, dass zwar kein entsprechender Kamin vorhanden, dies aber durch die Herzlichkeit der Referenten und der anderen Teilnehmer mehr als kompensiert wird.

Ein weiteres empfehlenswertes Format ist das „Europapolitische Debriefing“, bei dem über die jeweiligen Sitzungen des Europäischen Rates von Experten der Landesvertretung Baden-Württemberg mit Sitz in Brüssel berichtet wird.

Eine Besonderheit findet man in den Ländern, in denen die föderalistischen Verbände schwach bis nicht mehr vorhanden sind. Dort übernimmt die Europäische Bewegung die Funktion der UEF, ohne aber dabei ihre Grundsätze zu inkorporieren. Als ein Beispiel möchte ich Frankreich anführen, wo das Fehlen der La Fédération und der Schwäche der UEF vor Ort von der Europäischen Bewegung Frankreich aufgefangen wird, mit deren elsässischen Untergliederung die EUROPA-UNION Baden-Württemberg als deren direkter Nachbar verstärkt zusammenarbeitet.

„La grandeur d’un métier est peut-être, avant tout, d’unir les hommes: il n’est qu’un luxe véritable, et c’est celui des relations humaines.“

Antoine de Saint-Exupéry (1985: 199)

Falls Sie jetzt ein wenig neugieriger geworden sind, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre meines Buches Europa ist für alle da!

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UEF Meeting

Europäische Föderalisten 5 (2)

Beitragsfoto: UEF Meeting in Warschau (2012)

„I have not tried … to hide my belief that Europe would be a better place and do better in the world if it were to be more united and less disunited. Neither have I pretended that unification is risk-free or straightforward. Europe’s long and turbulent history makes its integration today intrinsically complicated. Nor, despite my evident frustration at the slow pace of change, have I ever thought the goal of ‘ever closer union’ to be quickly accomplished.“

Andrew Duff (2018: 2)

Die Union Europäischer Föderalisten (UEF) ist seit ihrer Gründung 1946, wie bereits von mir mehrfach beschrieben, eine übernationale Vereinigung mit ihrem offiziellen Sitz in Den Haag. Das Generalsekretariat befindet sich allerdings bereits seit Jahren in Brüssel. Das Ziel der UEF ist es bis heute, und dies ganz im Sinne des Hertensteiner Programmes, die Schaffung eines föderalen europäischen Bundesstaates. Bis dahin strebt sie die weitere Demokratisierung und Föderalisierung der Europäischen Union (EU) an.

Die Organe der UEF sind der, alle zwei Jahre zusammentretende, Kongress, auf dem sich die Delegierten der Untergliederungen versammeln. Der Kongress legt die politischen Rahmenlinien fest, ernennt den Präsidenten und wählt die Hälfte der Mitglieder des Bundeskomitees.

Dieses Bundeskomitee, dessen andere Hälfte von den jeweiligen Untergliederungen gewählt wird, koordiniert die Tätigkeiten zwischen den Kongressen, bewilligt den jährlichen Haushalt und wählt den Vorstand, der für die Umsetzung der Beschlüsse von Kongress und Bundeskomitee zuständig ist. Außerdem ernennt das Bundeskomitee den Schatzmeister und (auf Vorschlag des Vorstands) den Generalsekretär im Ehrenamt, der die alltägliche Arbeit leitet.

Als weitere Organe gibt es die Konferenz der Vertreter der Mitgliedsorganisationen, die sich auf Aufforderung des Vorstands oder wenigstens zweier Untergliederungen versammelt und Delegierte der Untergliederungen sowie den Präsidenten, den Generalsekretär und den Schatzmeister umfasst. Diese Konferenz hat eine beratende Funktion für das Bundeskomitee und legt die Mitgliedsbeiträge fest.

Für die Beilegung von Konflikten innerhalb der UEF gibt es einen Schiedsausschuss, der aus sieben vom Kongress gewählten Mitgliedern besteht.

Mit 23 Untergliederungen ist die UEF die immer noch mitgliederstärkste proeuropäische Vereinigung. Die größten Sektionen der UEF sind die EUROPA-UNION Deutschland (1946), das italienische Movimento Federalista Europeo (1943) und die Europäische Föderalistische Bewegung Österreich (1955). Hinzu kommen noch die beiden ältesten Sektionen die Neue Europäische Bewegung Schweiz (1934 als Europa-Union gegründet) und die britische Federal Union (1938).

Weitere Mitglieder sind aus dem Banat in Rumänien (1995), von Belgien, Bulgarien (2002), Finnland (2007), Frankreich, Griechenland, Litauen (2012), Luxemburg, Montenegro“ (2011), Polen, Portugal, Serbien (2009), der Slowakei (2013), Spanien (2012), der Tschechischen Republik, Ungarn (2013), Zypern (2004) und von der Europa Gruppe, einem Zusammenschluss von Brüsseler und Luxemburger Föderalisten (1975).

Ihre Jugendorganisation sind die 1947 gegründeten Jungen Europäischen Föderalisten (JEF), welche mit derzeit 32 eigenen Untergliederungen ebenfalls in vielen europäischen Staaten vertreten sind, namentlich in Albanien, Armenien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kosovo, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Malta, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn und im Vereinigten Königreich.

Der Vollständigkeit halber möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass sich die UEF zwischen 1956 und 1973 temporär in zwei eigenständige Bewegungen aufgeteilt hat. Dem ist es auch geschuldet, dass die JEF auf Europaebene 1972 als ihr eigentliches Gründungsdatum angibt, da am 25. und 26. März 1972 in Luxemburg der entsprechende Wiedervereinigungskongress der sMFE-Jugend mit der JEF, die bis dahin die Verbindung zu EUD und zu AEF pflegt, stattfindet. Näheres hierzu können Sie dem Kapitel ‚Diskrepanzen und ihre Überwindung‘ meines Buchprojekts Europa ist für alle da! entnehmen.

Im Vergleich UEF und JEF ist gut zu erkennen ist, dass die Jugendorganisation heutzutage schneller Untergliederungen als die UEF bilden kann. Für mich ist dies übrigens ein sehr positives Signal und ein Hoffnungsschimmer für unsere Zukunft!

Die UEF ist zum einen der Geschichte geschuldet und zum anderen ganz ihrem Wesen nach auch eine von über dreißig Mitgliedsorganisationen des Netzwerkes Europäische Bewegung International (European Movement International – EMI), auf deren deutsche Untergliederung, die Europäische Bewegung Deutschland, ich in späteren Beiträgen näher eingehe.

Ich erinnere mich noch gut daran als ich auf einer UEF Veranstaltung in Barcelona mit einem Federal Union Mitglied ins Gespräch komme, der bereits in den Anfangsjahren der Bewegung für dieselbe aktiv war. Wir kommen dabei sehr schnell auf das Thema ‚Konstitutionalisten‘ oder ‚Unionisten‘ zu sprechen und er punktet bei mir damit, indem er mich fragt: „Was nützt uns die beste Europäische Verfassung, wenn sich hinterher die wenigsten daran halten?“

Auch denke ich gerne daran zurück, als ich mich bei einer UEF Veranstaltung in Brüssel plötzlich am Tisch italienischer Professoren unseres Schwesterverbandes aus Italien wiederfinde. Dabei lerne ich zu verstehen, dass eine ‚Föderalismusdiskussion‘ äußerst spannend aber auch sehr anstrengend sein kann.

Sehr interessant ist auch eine UEF Veranstaltung in Warschau, wo ich die Gelegenheit habe, mit ehemaligen Bundesministern von der Europäischen Föderalistischen Bewegung Österreichs ins Gespräch zu kommen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Europaebene unseres Verbandes sind dabei ausschließlich positiv und bezeugen meines Erachtens noch heute, dass immer noch alle Strömungen aus den Anfängen der Europäischen Bewegung mit an Bord sind, seien es die ehrenamtlichen Aktivisten, die Bildungsbürger oder auch die professionellen Netzwerker. Die Bandbreite ist weiterhin sehr groß und der Ideenpool fast unerschöpflich; eine Erfahrungs- und Kompetenzquelle, die meines Erachtens weder ausreichend genutzt wird noch sich hinreichen genug auf die jeweiligen Untergliederungen auswirkt.

Die zwingende Voraussetzung für eine Mitarbeit auf der Europaverbandsebene ist zumindest das Beherrschen der englischen Sprache, besser noch das Beherrschen mindestens einer weiteren Fremdsprache. Denn die Mehrsprachigkeit ist mit einer der größten Vorteile Europas, und eröffnet dem Bemühten auch immer wieder neue Horizonte. Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass es für wirklich fast alles eine Lösung gibt, man muss das Problem nur in der dafür passenden Sprache thematisieren.

Für einen tieferen Einblick in die Schaffenskraft der UEF empfehle ich gerne die „Ventotene Papers“ des Altiero Spinelli Instituts für föderalistische Studien (Ventotene), die regelmäßig erscheinenden Ausgaben von „The Federalist Debate“ des Zentrums für föderalistische Studien (Turin), von „The Federalist“ und die „Europäischen Briefe“ der Europäischen Stiftung Luciano Bollis (Pavia) sowie die „Presse fédéraliste“ des Maison de l’Europe et des Européens (Lyon).

„I grew up with the idea that democracy is not something you believe in or a place you hang your hat, but it’s something you do. You participate. If you stop doing it, democracy crumbles and falls apart.“

Abbie Hoffman (1993: 296)

Falls Sie jetzt ein wenig neugieriger geworden sind, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre meines Buches Europa ist für alle da!

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Rick’s Café Américain

Rick’s Café Américain 5 (4)

Beitragsfoto: Schnappschuss von der Filmkulisse | © Warner Bros. Pictures

Ob alleine, mit der besseren Hälfte oder mit Freunden, ein Besuch in einer guten Bar, einem Café oder auch Nachtclub ist immer die richtige Entscheidung.

Schwieriger ist es wohl eher, auch eine solchen Ort zu finden. Das Entscheidende daran ist, dass man hinterher die dort verbrachte Zeit nicht bereut.

Ich erinnere mich sehr gerne an meine Besuche mit Kameraden und Kollegen z. B. im Hemingway in Paris, im Monk in Brüssel oder auch im M&M in Hannover zurück.

Letztendlich aber war ich dabei stets auf der Suche nach diesem einen Ort, wie er so schön im Film Casablanca zu sehen ist, nämlich Rick’s Café Américain.

Und wie sagt Humphrey Bogart als Rick Blaine so schön?

„Here’s looking at you, kid.“

Rick Blaine, Casablanca 1942
Humphrey Bogart mit Ingrid Bergman

Auf jeden Fall ist der Film Casablanca immer wieder sehenswert und bringt dem Zuschauer dabei einen solchen Ort heute sogar direkt ins Wohnzimmer.

Und wenn man dann die folgende Szene anschaut, möchte so mancher auch selber gerne wieder ans Klavier sitzen.

Dooley Wilson, Musik und Text von Herman Hupfeld (1931)

Alles in allem ist Casablanca ein sehr gelungener Film, den man zudem auch öfters anschauen kann.

Und wer weiß, vielleicht kennt einer dann auch den passenden Ort gleich um die eigene Ecke, und findet auch die Gelegenheit, um alleine, mit der besseren Hälfte oder Freunden dort einen angenehmen Abend zu verbringen.

Und wer weiß, vielleicht kann man dann auch einmal das Folgende sagen.

„Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship.“

Rick Blaine, Casablanca 1942
Humphrey Bogart mit Claude Rains

„Only solitary men know the full joys of friendship. Others have their family; but to a solitary and an exile, his friends are everything.“

Willa Cather, Shadows on the Rock (2021 [1931]: 73)