Klatsch & Tratsch

12.9.02023 4.8 (9)

Beitragsfoto: Schwestern | © Sofia Shultz auf Pixabay

Social Media

Ob traditionelle Medien oder die gerade noch aktuellen Social Media, Mensch bleibt Mensch und wir alle insgesamt in unseren jeweiligen Kommunikationsblasen sitzen. Manche versuchen aus Neugierde oder auch anderen Gründen immer wieder daraus auszubrechen, finden sich aber über kurz oder lang erneut in einer Blase gefangen; dabei stellen sie fest, dass es dort ebenfalls wieder vielleicht nicht dieselben aber doch die gleichen Menschen sind, mit denen man dort kommuniziert.

Nur wenigen Menschen gelingt es dabei, um in offenen Kommunikationsräumen zu verweilen wobei diese sich ebenfalls uns Menschen anpassen und über kurz oder lang zu Blasen werden. Deshalb hat es auch nichts genutzt, dass ich mich erst von den allzu bildzeitungsmäßigen Social Media trennte und mehr bei den „ernsteren“ Medien verblieb. Twitter X hat es nun geschafft, selbst Facebook inhaltlich den Rang streitig zu machen und Linkedin wird ebenfalls zu einer bloßen Meinungsschleuder.

Bestimmt gibt es inzwischen weitere Versuche, die Ideen und Grundsätze von Social Media aufrecht zu halten, diese werden sicherlich aber in Kürze ihren Vorgängern folgen. Und so werden wohl die Social Media insgesamt und viel früher als von mir erwartet, ihren Nischenstatus erreichen und langsam aber sicher aus dem Umfeld der meisten Menschen verschwinden. Ob die schon heute unzähligen Metaversen einmal die Social Media ersetzen werden, kann ich nicht absehen; ich habe mich nach einem kurzen Ausflug dorthin entschieden wieder mehr zu den traditionellen Medien zurückzukehren.

Zugleich aber bleibe ich weiterhin Blogger und halte dieses Blog aufrecht. Zugegeben, damit schaffe ich selbst meine eigene Blase, diese steht aber jedem Mitmacher offen. Und wenn die meisten von uns ebenfalls ihre eigenen Blasen hätten und man diese gut und einfach untereinander verknüpfen könnte, hätten wir so etwas wie das schon länger beworbene Fediverse — ich glaube, dann wären wir wieder am Anfang des Internets angekommen und könnten dieses Mal damit dessen originären Zweck auch viel besser erfüllen.

Bis dahin lese ich wieder verstärkt in Zeitungen und Magazinen, lasse meine Finger immer mehr von den Tweets, Tröts und anderen Microblog-Beiträgen, lese dafür in anderen Blogs und schreibe weiter hier auf meinem eigenen Blog.

Basteln

Um ein wenig auf andere Gedanken zu kommen, abseits von Mitgliederversammlungen, Listenaufstellung und Hertensteiner Gesprächen, habe ich etwas an meinem Blog gebastelt und konnte dabei ein ganz neues Feature einbauen. Keine zwei Tage war es online und wurde wohl auch nicht bemerkt. In der Zwischenzeit hatte ich einen kurzen Chat mit Detlef Stern und erhielt so ganz nebenbei einen Kommentar, der wahrscheinlich nicht auf mein neues Feature zielend, dazu aber ganz gut passte.

Kurz und knapp, das neue Feature ist nun wieder Geschichte und ich kann mich wieder mehr der Bewerbung „meiner“ nächsten Veranstaltungen widmen. Die kleine Auszeit half dabei, mich daran zu erinnern, dass Gesprächs- und Versammlungsangebote tatsächlich nur Angebote sind. Man kann das Pferd zwar zum Brunnen tragen, saufen muss es von alleine.

Und so kann ich in meinem Leser-, Bekannten- und Freundeskreis nur weiterhin für diese Veranstaltungen werben, die übrigens allesamt sehr interessant und zudem auch noch unserer Demokratie sehr dienlich sind. Wohl wissend, dass ich damit keine Chance gegen Weindörfer oder Reiseangebote zum Ballermann habe, hoffe ich dennoch bis zum Schluss darauf, dass es bei uns auch noch Menschen gibt, die einfache aber notwendige Veranstaltungen zu schätzen wissen.

Wer diese Zeilen nun liest, der darf den hier verlinkten Flyer in seinen Kreisen und dies gerne noch mit einer Empfehlung versehen verteilen. Demokratie lebt einzig und alleine vom mitmachen und den vielen kleinen lokalen Bastlern, die diese ihren Mitbürgern etwas erlebbarer machen.

Erkenntnis

Vince Ebert ließ uns das Folgende vor Kurzem auf Linkedin wissen. Als ich seinen Beitrag begrüßte, hatten dies bereits mehr als 1 000 andere vor mir getan.

„Es sind nicht primär unfähige Politiker, die dieses Land in die Krise geführt haben. Es ist die mangelnde Bereitschaft vieler Deutschen, Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung übernehmen zu wollen. Seit Jahrzehnten wählen wir Parteien, die uns die absurdesten Rundum-Sorglos-Pakete versprechen. Wie kleine Kinder vertrauen wir wieder und wieder darauf, dass irgendwelche Pappnasen in Berlin schon wissen werden, was gut für uns ist. 
Die wahre Ursache für die Krise liegt in unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit.“

Vince ebert, Linkedin (10.9.2023)

Meinen Lesern dürften dieser Sachverhalt nicht unbekannt sein, und so freue ich mich, dass auch andere ganz unabhängig von mir zu dieser Erkenntnis gekommen sind.


Videoüberwachung

Deutschländer 4.8 (10)

Beitragsfoto: videoüberwachte Sammelstelle für Wertstoffe

Dieses Wort bezieht sich in diesem Blog-Beitrag nicht auf die bekannten und von so einigen gerne gegessenen Würstchen, sondern auf den Begriff für Deutsche, die sich selbst in Deutschland nicht heimisch fühlen oder von anderen Deutschen als solche nicht an- oder gar wahrgenommen werden.

Ich habe das Wort Deutschländer in diesem Sinne wohl erstmals 2007 bei Seyran Ateş gelesen, die damals das Buch „Der Multikulti-Irrtum. Wie wir in Deutschland besser zusammenleben können“ veröffentlicht hatte. Diese Wortschöpfung wird der Staatsbürgerschaftsproblematik, ob positiv oder negativ Verwendung findend, nicht gerecht und zeigt nur, dass wir auch hierbei größere Herausforderungen zu bestehen haben.

Dabei ist in Deutschland alles geregelt, auch wer Deutscher ist. Dies kann man im Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) nachlesen und gleich zu Anfang (§1) auf den Punkt gebracht: Deutscher im Sinne dieses Gesetzes ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.“ Und diese wird von deutschen Verwaltungsangestellten bescheinigt. Und auch der Verzicht wird in einem Paragrafen (§ 26(1)) geregelt: „Ein Deutscher kann auf seine Staatsangehörigkeit verzichten, wenn er mehrere Staatsangehörigkeiten besitzt. Der Verzicht ist schriftlich zu erklären.“ und muss ebenfalls von einem Verwaltungsangestellten bescheinigt werden.

Und selbst ein Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft wäre möglich, dazu muss man allerdings das Grundgesetz § 16(1) bemühen: „Die deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden. Der Verlust der Staatsangehörigkeit darf nur auf Grund eines Gesetzes und gegen den Willen des Betroffenen nur dann eintreten, wenn der Betroffene dadurch nicht staatenlos wird.“

Alle Deutschen verbindet aber doch so einiges, denn mit den Rechten kommen auch die Pflichten und ein paar weitere Gebote, die sich u. a. trotz oder gerade wegen der „Gnade der späten Geburt“ (im Sinne von Günter Gaus und nicht der von Helmut Kohl plagiierten) ergeben. Besser hat es Richard von Weizsäcker in seiner Rede am 8. Mai 1985 formuliert: „Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen.“

Dies wird ganz prominent im GG Artikel 1(2) festgehalten: (2) „Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Und zudem dort mehrfach mit der Pflicht für jeden Bürger, mit beiden Beinen fest auf dem Boden unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu stehen, ergänzt.

Von Anfang an ist unseren Verfassungsvätern und dies wohl noch unter dem Eindruck der von den Nationalsozialisten geprägten Formel „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, aber auch dem Ende des 19. Jahrhunderts beginnenden und bis heute vergeblichen Versuchen in Deutschland eine „Volksnation“ zu schaffen der Fehler unterlaufen, auch im Grundgesetz von einem einzigen Volk zu sprechen, aber dies dann bis auf die Bundesländer (eigentlich ebenfalls Völker) nicht weiter und präziser zu definieren.

Insbesondere angesichts der europäischen Geschichte und ganz besonders wegen der weiteren Vernetzung unserer einen Welt ein kapitaler Fehler. Wenn es überhaupt in Europa einen einzigen Staat gab, der ein einziges Volk (Ethnie) in sich vereinen konnte, dann auf alle Fälle nicht Deutschland. Wie wir alle wissen, war selbst das Heilige Römische Reich ein Zusammenschluss von deutschen Nationen, und nicht umsonst sind wir von Anfang an erst ein Staatenbund und später dann ein Bundesstaat. Und so müsste es richtiger Weise deutsche Völker heißen, was aber auch wieder nicht so recht hinhaut, da es auch außerhalb des Geltungsbereiches des Grundgesetzes Deutsche gibt, die als Minderheiten in ihren Ländern leben und ebenfalls den Anspruch für sich erheben können, zwar nicht im Sinne des Grundgesetzes, aber aufgrund ihrer Ethnie (Volkszugehörigkeit) Deutsche zu sein — zumindest erfüllen die meisten davon die noch heute gültigen Grundlagen für eine Ethnie: Sprache, Kultur und Religion.

Dieser Problematik der Volkszugehörigkeiten und der Tatsache, dass die bestehenden Länder, Reiche und Fürstentümer in Europa nicht mit diesen stimmig in Deckung zu bringen sind, wurde bereits im Mittelalter erkannt, wobei man schon damals versuchte, die Völker europäischer Wesensart zusammenzufassen. Und noch bevor sich die Politik einig wurde, war es gang und gäbe, dass zumindest Händler, Handwerker, Intellektuelle und Künstler von einem Land in das nächste zogen. Und so dürften beim Bau der Heilbronner Kilianskirche bereits die ersten Gastarbeiter aus Italien beschäftigt worden sein.

Spannend dabei auch, dass man sich bereits spätestens im 17. Jahrhundert Gedanken darüber machte, ob die Russen (damals noch Moskowiter) und Türken eigentlich zu den Völkern europäischer Wesensart gehören oder nicht. Und ein halbes Jahrtausend später wird immer noch darüber debattiert — beide Seiten müssten einmal darüber nachdenken, warum das eigentlich weiterhin so ist.

Und so müssen wir davon ausgehen, dass, wenn man weiterhin an den Nationalstaaten festhalten möchte, in Deutschland neben den klassischen deutschen Völkern nicht nur die Donauschwaben und Wolga-Deutschen, sondern auch Kasachen, Usbeken, Türken, waschechte Russen, Ungarn, Italiener, diese dann auch noch als Sizilianer oder Lombarden weiter ausdifferenziert, Athener, Griechen, Franzosen, Polen, Chinesen, Inder, Angolaner und noch weit mehr leben, die gemäß StAG Deutsche sind und damit ebenfalls zum deutschen Volk gehören.

Am Beispiel vieler Polen, die bereits im Zuge der Industrialisierung Deutschlands hierher kamen, kann man erkennen, dass es für viele Deutsche mit Zuzugsgeschichte möglich ist, sich in unser Volk zu integrieren und dank der Religionsfreiheit ist es dabei auch nicht mehr nötig, zum Christentum zu konvertieren. Und so ist es durchaus möglich, dass ein Migrant in weniger als 20 Jahren voll und ganz in unserer Gesellschaft aufgeht. Andere benötigen dafür ein bis zwei Generationen und wiederum andere werden es nie schaffen bzw. nicht wollen — was allerdings nichts an deren Volkszugehörigkeit ändert, so lange sie nicht gemäß StAG § 26(1) letztendlich auf eine solche verzichten. Doch so einige, darunter sehr viele leistungsstarke Migranten, haben sich später dazu entschlossen, um weiter zu migrieren und US-amerikanische, kanadische, neuseeländische oder australische Staatsbürger zu werden.

Und so werden wir weiterhin sehr unterschiedliche Deutsche in Deutschland haben, so wie es übrigens auch in sehr vielen anderen Ländern der Fall ist, die sich zudem in den unterschiedlichsten Stadien ihres eigenen Deutschseins befinden. Dass dies nicht einfach ist, das erleben wir alle jeden Tag aufs Neue.

Weitere Migrationsbewegungen kommen noch erschwerend mit hinzu, die entweder aus Flüchtlingen oder auch nur Arbeits- oder Bequemlichkeitssuchenden bestehen und überhaupt keinen Anspruch erheben, Deutsche sein zu wollen.

Dies führt auch unter optimalen Verhältnissen zu einer Gemengelage, wobei selbst ohne größere Bestrebungen aller Beteiligten die verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinanderstoßen und das Ganze durch eine fehlende gemeinsame Sprache noch weiter verschärft wird.

Bisher können wir alles sehr froh darüber sein, dass Deutschland noch über ausreichend Kapital und Reserven verfügt, um sämtliche Beteiligten — darunter auch die Reichsten der Reichen — über Transferzahlungen bei hinreichender Laune zu halten und damit größere Verwerfungen zu verhindern.

Darüber, was geschieht und wie man dann mit dieser Situation umgehen könnte, hat u. a. Michael Wolffsohn 2018 ein durchaus strittiges Buch „Zum Weltfrieden“ über unterschiedliche Kommunikationsräume geschrieben, die jetzt schon auch in Deutschland vorhanden sind und weiter auseinander triften.

Wenn man davon ausgeht, dass für die meisten Deutschen und auch die anderen in Deutschland lebenden Menschen eine „europäische Zivilisation“ (Kemal Atatürk) oder wenigstens eine europäische Völkergemeinschaft keine Rolle spielt, die beide das einigende Band sein könnten und auch ein europäischer Bundesstaat nicht infrage kommt, der auf alle Fälle die bestehende Staatsbürgerschaftsproblematik entschärfen könnte, so verbleibt einzig und alleine — abgesehen vom bereits thematisierten Erhalt von Sozialleistungen — nur das Grundgesetz mit seinem Bekenntnis zur Demokratie, allgemeinen Menschen- und den europäischen Bürgerrechten als Gemeinsamkeit aller in Deutschland lebenden Menschen bestehen.

Und gerade hierbei schwächeln wir allesamt, und ganz besonders die türkisch- und russischstämmigen Bevölkerungsteile beeilen sich jeden Tag aufs Neue nicht nur unsere Demokratie zu hinterfragen und unsere bestehenden Bündnisse (NATO, Europarat und EU) zumindest verbal zu bekämpfen, sondern sie stellen auch immer öfters unsere gesamten Grundwerte infrage und klagen zudem immer offener ein totalitäres System in Deutschland ein, genau so, wie sie es von zu Hause oder wenigsten dem der eigenen Großeltern aus gewohnt sind.

Noch 2005 schrieb ich einen Blog-Beitrag zur Integration, wobei ich damals fest von einem positiven Integrationsbegriff ausging und überzeugt war, dass wir (fast) alle Migranten in unsere Gesellschaft integrieren können, so wie dies die letzten Jahrhunderte zuvor angefangen von den Hugenotten bis hin zu den Polen, auch möglich gewesen war. Dies war damals der Tatsache geschuldet, dass ich bereits gut 25 Jahre lang sehr konstruktiv mit Migrantenvereinen arbeitete und selbst bereits drei Jahre mit meiner Familie in Polen lebte; dort lernten wir allesamt — obwohl nur für maximal vier Jahre im Land — von Anfang an Polnisch und umgaben uns nicht mit der deutschen Minderheit in Polen, sondern nutzten die Zeit, um die Polen und die polnische Kultur besser kennenzulernen — wir wollten integriert werden.

Heute muss ich erkennen, dass sehr viele Migranten diese Integration überhaupt nicht wollen, sondern am liebsten in einer eigenen Parallelwelt existieren, sich damit ihrer staatsbürgerlichen Verantwortung entziehen und ganz folgerichtig unserem gemeinsamen Land mehr schaden als nutzen.

Und wie bereits erwähnt, sind es erneut Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion und der Türkei, die sich dabei ganz besonders hervorheben und damit jenen Menschen aus dem 17. Jahrhundert, die sich damals gegen eine Integration von Türken und Moskowiter in einem gemeinsamen Europa aussprachen, recht geben. Erschreckend ist, mit ansehen zu müssen, wie schnell dabei der Panslawismus und das „Jungtürkentum“ wieder hoffähig werden!

Noch erschreckender, wie sich diese Menschen in ihrem Unglück winden, hier bei uns leben zu müssen. Wie sie lamentieren und klagen, dass die Deutschen sie, obgleich sie meist selbst auch Deutsche sind, nicht ernst nehmen oder gar wertschätzen — Deutschländer halt.

Dabei ist die Welt doch so groß! Was ich dabei wirklich nicht verstehe, ist, dass gerade jene Deutsche, die den Wladimir Putin nicht nur als waschechten Demokraten sehen, sondern inzwischen gar als GröFaZ verehren, oder jene Deutsche, die meinen, Recep Tayyip Erdoğan sei gottgleich, nicht einfach die Chance ergreifen, um ihre Lieblingspolitiker vor Ort in der Russischen Föderation oder in der Türkei zu unterstützen. Aus sichererer Quelle weiß ich, dass beide ganz aktuell jede nur erdenkliche Hilfe benötigen!

Liebe Deutschländer, seid doch einmal in Euren Leben richtige Männer oder Frauen, macht von Eurem Recht des Paragrafen 26(1) im StAG Gebrauch und werdet die besten Russen oder Türken aller Zeiten!

Es gibt übrigens Millionen Deutsche vor Euch, die von diesem Recht Gebrauch gemacht haben und in anderen Ländern ihr Glück fanden.

Im Falle, dass Ihr doch Deutsche bleiben wollt, dann hilft es uns allen, wenn Ihr Euch so langsam, aber sicher mit dem Grundgesetz anfreundet, wenn noch nicht erfolgt, auch Eure alte oder gar neue Muttersprache erlernt und Euch endlich auf das Abenteuer einlasst, Deutscher im 21. Jahrhundert zu sein — übrigens, das ist auch für alteingesessene Deutsche nicht so ganz einfach!


Feiernde Menschen

28.8.02023 4.7 (6)

Beitragsfoto: Feiernde Menschen | © Shutterstock

Schwarmstadt

Kaum habe ich einmal danach gefragt, was wir Heilbronner nun eigentlich sind, legt die Heilbronner Stimme nach und verkündet, dass Heilbronn auch noch eine Schwarmstadt sei. Dieser Begriff tauchte wohl erstmals in den 2010er-Jahren in den Medien auf.

Heilbronn ist zumindest laut einer neuen Schwarmstadtstudie der DHBW Heilbronn eine Stadt mit einer Nettozuwanderung an jungen Menschen. Ob sich diese Schlussfolgerung der DHBW aufgrund einer Auswertung von Fakten (z. B. Einsicht und Auswertung des Einwohnermelderegisters) ergibt, kann ich leider nicht feststellen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die aktuellen Flüchtlingsbewegungen seit 2015 auch zu einer Nettozuwanderung von jungen Menschen geführt haben.

Bevor wir uns aber nun überlegen, wie wir Heilbronn auch für diese Flüchtlingskinder möglichst attraktiv gestalten, sollten wir tunlichst dafür sorgen, dass diese schnellstmöglich in unser Schulsystem integriert werden und dieses zumindest wieder mit einem qualifizierten Hauptschulabschluss verlassen.

Darüber hinaus sollten wir zudem dafür sorgen, dass auch den hier geborenen Heilbronnern wieder öfters Schulabschlüsse gelingen, denn die aktuellen Zahlen sind für unsere Stadt wirklich kein Aushängeschild!

So ist Heilbronn ganz aktuell keine Schwarmstadt, sondern eine Schamstadt — zumindest für jene, die sich noch schämen können. Sollte sich der Trend verfestigen, dass immer weniger Heilbronner Kinder mit einer guten Bildung ins Erwachsenenalter gelangen, werden Eltern, die noch Wert auf Bildung und Leistung legen, ihre Kinder sehr schnell in andere Städte bringen. Als Folge davon werden wir zu einer Schwundstadt; eine Auswertung des Einwohnermelderegisters könnte darüber Auskunft geben, ob wir dies nicht bereits schon etwas länger sind.

Dank der vielen arbeitssuchenden Ausländer und den zahlreichen Flüchtlingen konnten wir uns die letzten Jahrzehnte bei solchen Fragestellungen locker wegducken.

Vereinsleben

Nachdem ich gestern u. a. die Einladung zur Mitgliederversammlung der Freien Wähler verschicken konnte, kann ich nun damit beginnen, fast 40 Veranstaltungsplakate in Heilbronn aufzustellen. Etwas außer Übung hatte ich ganz vergessen, die entsprechenden Kabelbinder zu kaufen und diese bekommt man am Wochenende nicht so ohne Weiteres.

Im September gibt es gleich mehrere Veranstaltungen, für die ich werben darf, darunter auch zwei höchst interessante. Die erste handelt um Windenergie und die Frage, ob und wie wir diese auch in Heilbronn nutzen können. Die zweite geht um europäische und demokratische Grundfragen und bietet allen Interessierten mit die beste Möglichkeit, um sich über unser Europa zu informieren. Leider aber und zu meinem größten Bedauern tröpfelt es an Anmeldungen für beide Veranstaltungen derzeit nur. Ich hatte es bereits erwähnt, Demokratie lebt auch vom Interesse der Bürger, ähnlich wie der Wirt vom Appetit seiner Gäste. Das große Problem der Demokratie ist dabei, dass dort die Gäste auch die Köche sind und das Gekochte selber essen müssen. Diktatur ist da viel einfacher, denn da wird gegessen, was auf den Tisch kommt und wer meckert, der fliegt aus dem Fenster oder einem Flugzeug.

Demokratie

Jede Volksherrschaft lebt einzig vom Volk allein. Wenn wir alle Glück haben, muss keiner von uns je das Ende unserer Demokratie selbst erleben — ich baue dabei ganz schlicht und einfach auf den Selbsterhaltungstrieb eines jeden halbwegs gesunden Menschen.

Totalitäre Systeme zeigen uns doch beständig und ganz offensichtlich, dass es sich dort als Normalbürger kaum aushalten lässt. Deswegen kommen doch aus so viele dieser Bürger unentwegt in unsere Demokratien. Wenn man dabei einmal die Anreize der verschiedenen Sozialsysteme außen vor lässt, dann könnte man durchaus eine Rangliste der besten Demokratien erstellen, einfach nur dadurch, indem man guckt, wohin sich die meisten Menschen orientieren. Und wenn dann dort noch das vorhandene Sozialsystem zu wünschen übrig lässt, muss man ohne Wenn und Aber davon ausgehen, dass diese Länder zu den Top-Adressen menschlichen Zusammenlebens zählen — the American Dream lässt grüßen!

Dies zeigt aber auch, dass der Wert einer Demokratie viel mehr ist als eine persönliche soziale Absicherung. Nämlich die Wertschätzung des einzelnen Bürgers und darüber hinaus auch die Tatsache, dass man dort als Bürger ernst und als Mensch wahrgenommen wird. Wenn dann noch mit hinzukommt, dass man sich selbst verwirklichen kann und seine eigenen Träume verfolgen darf, gibt es wohl keine bessere Regierungsform.

Aber alles hat seinen Preis und so auch die beste Demokratie. Menschen, die in einer Demokratie leben wollen, die müssen auch zu Demokraten werden. Eine Demokratie ohne Demokraten gibt es einfach nicht. Dabei ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir Menschen als Demokraten geboren werden — wir müssen davon ausgehen, dass dies wie fast alles andere auch ein menschlicher Entwicklungs- oder gar Reifungsprozess ist.

Dieser fängt wohl damit an, dass man interessiert ist und später zudem erkennt, dass einem die Würste oder Torten nicht von alleine in den Mund fliegen. Dann fängt man an, sich zu engagieren und dies auch außerhalb der eigenen vier Wände. Man übernimmt Verantwortung und dies auch für andere. Man erkennt an, dass es neben Rechten auch Pflichten gibt und beginnt, diese zu erfüllen.

Man beginnt für Demokratie zu werben und diese dann gegen andere Menschen in Schutz zu nehmen. Schließlich organisiert man sich in politischen Vereinen oder Verbänden, vielleicht sogar in demokratischen Parteien, unterstützt andere, die von ihrem passiven Wahlrecht Gebrauch machen wollen und kommt schlussendlich nicht mehr darum herum, sich selbst auch einmal als Volksvertreter zu bewerben.

Und sehr schnell wird einem dabei klar, dass man als Demokrat verlieren können muss. Und wenn man diese Erkenntnis erzielt hat, dann ist man ein Gewinner — ein richtiger Gewinner sogar, nämlich einer, der auch verlieren kann. Und damit darf man sich ohne Wenn und Aber als einen waschechten Demokraten bezeichnen.

Wer allerdings gleich an der „3rd base“ mit dem Spiel beginnt, der hat das Ganze nicht ganz verstanden: jede Demokratie lebt vom Mitmachen und nicht vom Gewinnen. Oder wie es so mancher chinesische Philosoph bereits vor Jahrtausenden so schön formulierte: der Weg ist das Ziel.


Korruption in Deutschland

Hier finden Sie einen sehr interessanten Beitrag der Deutschen Welle zum Thema „What corruption looks like in the West | DW Analysis“ (August 2023). Wir können es nicht mehr länger verheimlichen, wir haben schon längst das Niveau einer Bananenrepublik erreicht.