Beitragsfoto: Winterlandschaft | © Pixabay

7.1.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Winterlandschaft | © Pixabay

Datenautobahn

Erfreuliches berichtet heute die Heilbronner Stimme (07.01.2022: 26), nämlich, dass nun alle Heilbronner Schulen in städtischer Trägerschaft über einen schnellen Glasfaser-Internetanschluss verfügen. Damit bekommen unsere Schulen endlich Teile einer Infrastruktur, die sie schon im letzten Jahrtausend hätten haben müssen.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Schulen daraus auch für den Unterricht profitieren können und möglichst viele Lehrer und Schüler ins digitale Zeitalter führen werden.

Schade nur, dass unsere Verwaltung ihren ureigenen Verpflichtungen — dazu gehört auch die schulische Infrastruktur — nur noch dann nachkommt, wenn es von oben herab verordnet und zudem finanziert wird. Wenn dies ein grundsätzlichen Problem bei unseren Kommunen ist, sollte man darüber nachdenken, ob man diese nicht von dieser Aufgabe und Verantwortung entbindet.

Bundespräsident

Das Amt des Bundespräsidenten war schon mit unserer Staatsgründung aus der Zeit gefallen, und die letzten Bundespräsidenten haben dieses Amt eher nicht aufgewertet, sondern ganz im Gegenteil, allen Bundesbürgern vor Augen geführt, dass es sich dabei nur um einen Versorgungsposten oder, positiv betrachtet, um die Krönung eines politischen Lebenslaufs handelt — praktikabler wären Fuß- und Handabdrücke auf der Friedrichstraße, von mir aus gerne auch Sternchen mit dem entsprechenden Namen.

Dem Großteil unserer Bevölkerung sind unsere Bundespräsidenten nur deshalb bekannt, weil sie gerade mit einer Nebenfrau, dann doch einmal mit der Ehefrau oder erneut mit der Ex durch die Länder tingeln.

Wenn man aber schon am Wahlamt des Bundespräsidenten festhält, was übrigens jedes Mal eine sehr teure Angelegenheit ist, dann sollte man auch das Mindestmaß an Demokratie einhalten. Und dieses Mindestmaß an Demokratie ist, dass die Wähler — in diesem Falle die weit über 1 200 Köpfe zählende Bundesversammlung, einem extra dazu einberufenen Gremium von gewöhnlichen Pornosternchen bis hin zu gescheiterten Unternehmern — auch eine Alternative haben.

Und damit die Bundesversammlung auch Alternativen hat, gibt es im Bundestag gleich mehrere Parteien der unterschiedlichsten politischen Richtungen mit eigenen Vorstellungen und Ideen für unsere Bundesrepublik. So dürfte es nicht schwer sein, dass diese entsprechende Kandidaten ins Rennen bringen und damit deutlich machen, dass es beim Amt des Bundespräsidenten tatsächlich noch um politische Inhalte und Vorstellungen geht.

Das Aufstellen eines „Einheitspräsidenten“ ist so etwas von DDR — man will es selbst einfach nicht glauben!

Was jetzt nicht heißen soll, dass ich gegen die Wiederwahl von FrankWalter Steinmeier wäre, so heißt unser aktueller Bundespräsident nämlich, denn diese ist die für uns alle kostengünstigste Alternative.

Man stelle sich nur vor, die Parteien wechseln die Bundespräsidenten regelmäßig nicht nur zu den normalen Zeiten, sondern bei Eigenbedarf schon etwas früher — die Kosten überstiegen jedes Königshaus.

Impfpflicht

Die Notwendigkeit des Erreichen einer sogenannten Herdenimmunität, um die COVID-19 Pandemie in den Griff zu bekommen, steht außer Frage. Dass diese am besten mit Impfungen erzielt werden kann ebenfalls nicht.

Aber muss man dazu tatsächlich das Instrument der „Pflicht“ bemühen? Ich behaupte nein, denn eine Pflicht ist bei uns in Deutschland überhaupt nicht durchzusetzen. Dies haben wir zum letzten Mal bei der Wehrpflicht erleben müssen!

Und die Diskussion um die Notwendigkeit einer Impfpflicht zeigt uns doch sehr, sehr deutlich, dass wir nicht nur ein Land der Egomanen geworden sind, sondern auch einen Dummheitsdurchschnitt erreicht haben, der uns allesamt mehr gefährden wird als jede Pandemie.

So gibt es auch nur wenige Gründe die für eine Impfpflicht sprechen. Erstens Allmachtsfantasien von ein paar Berufspolitikern, zweitens das Bedürfnis der restlichen Berufspolitiker wieder einmal völlig sinnlosen Aktionismus zu heucheln und drittens und dies ist der eigentliche Grund, einen weiteren Apparat zu schaffen, der sehr viele Parteimitglieder und deren Familienangehörige in Lohn und Brot bringt; zumindest werden damit bestehende Ministerien und Verwaltungen mit dann meist völlig überflüssigem Personal angefettet, wahrscheinlich aber läuft es auf einen zusätzlichen Verwaltungsapparat hinaus, der bei der nächsten Pandemie mit der Aufgabe absolut überfordert sein wird — so wie unsere Gesundheitsämter und das Amt für Katastrophenschutz schon heute.

Die Gründe gegen eine Impfpflicht sind eher praktikabler Natur. Man sollte nur etwas verordnen, was man auch durchsetzen werden kann. Und eine Impfpflicht lässt sich in Deutschland nicht durchsetzen, zumal wir zumindest anfangs, wenn wir dies tatsächlich durchsetzen wollten, dafür keine ausreichenden Ressourcen haben — und auch später werden diese Ressourcen nicht nach Notwendigkeit, sondern alleine politisch begründet nicht oder halbwegs zur Verfügung gestellt werden. Das konnten wir bei der Wehrpflicht so wunderbar beobachten.

Zudem muss man sich fragen, ob die Durchsetzung, die dann Polizei und Gerichte zusätzlich belastet und in letzter Konsequenz auch die schon jetzt überfüllten Gefängnisse überfordert, den Preis einer Impfpflicht wert sind.

So wird schon alleine die Macht des Faktischen dazu führen, wie bei der Wehrpflicht zuvor, dass außer einer gewaltigen Ressourcenverschwendung nicht viel mehr dabei herauskommen wird.

Praktikabler wäre es, wenn jeder Impfverweigerer aufgefordert wird, eine entsprechende Patientenverfügung zu unterschreiben (das alleine trennt die Spreu vom Weizen!) und unsere Parlamente für Impfverweigerer entsprechende Triage-Anweisungen an die Krankenhäuser erlassen.

Geburtstage des Tages

Émile Borel und Philippe Mendel


Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

29.12.02021 5 (3)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Kleine Freuden

Nachdem weder das Schwimmen noch der Stadtspaziergang heute eine erfreuliche Sache waren, habe ich meine bessere Hälfte zu einem Tässchen äthiopischen Kaffees eingeladen.

Da das Plane, Ship oder Train Spotting in Heilbronn noch nicht so ganz oder kaum noch funktioniert, haben wir beide es kurzerhand einmal mit Car Spotting versucht.

So saßen wir vor der Coffee Bee auf der Allee und genossen Kaffee mit Ingwer sowie den Anblick der vielen Autos, die die Allee einfach nur hoch und runter fuhren — jedem halt das Seine.

Kaffeegenuss in der Coffee Bee

OB-Wahl

Der 6. Februar 2022 kommt schneller als man denkt. Alle Heilbronner — zumindest jene, die älter als 16 Jahre sind, mehr als drei Monate ihren Wohnsitz in unserer Stadt haben und über eine Unionsbürgerschaft verfügen — sind dann dazu aufgerufen, den neuen Heilbronner OB für acht lange Jahre zu wählen.

Bei der letzten Wahl 2014 nutzen nur noch 39 Prozent der wahlberechtigten Bürger ihr aktives Wahlrecht, was überhaupt nicht erstaunt, wenn man sich die damaligen Kandidaten etwas näher anschaut. Und wenn sich dieses Mal nicht eine Frau gefunden hätte, die dem Heilbronner Klüngel trotzen möchte, sähe die zu erwartende Wahlbeteiligung wohl noch viel schlechter aus.

Diese wählbare Kandidatin ist Katharina Mikov, die seit 1998 in Heilbronn lebt. Ihre Themen sind Inklusion, Bildung und Wirtschaftsförderung. Im echten Leben führt sie eine Logopädie-Praxis.

Wir Bürger dürfen dabei davon ausgehen, dass sich Mikov tatsächlich auch um die Interessen von Bürgern mit Migrationshintergrund kümmern würde und vielleicht sogar nicht nur den jährlichen Bürgerempfang des OB für Heilbronner mit Zuzugsgeschichte reaktiviert, sondern gar den Treffpunkt Europa wieder auf die Heilbronner Agenda setzt.

Auf jeden Fall und unabhängig von den Kandidaten ist es sehr wichtig, dass möglichst viele Heilbronner Bürger wählen gehen, denn nur so zählen sie auch in den Augen des Gemeinderats und der Stadtverwaltung als wirklich ernstzunehmende Einwohner. Und wer mit gutem Gewissen keinen der drei Kandidaten wählen kann, der kann durchaus seinen Wunsch OB auf den Wahlzettel schreiben — neben Donald Duck oder George Clooney gibt es bestimmt weitere attraktive Aspiranten.

Übrigens, die Bewerbungsfrist für die OB-Wahl läuft immer noch am Montag, 10. Januar 2022, 18 Uhr, ab.

Ramschpreise

Wenn man als Berufspolitiker gut genährt und bestens abgesichert ist, aber ansonsten seinen Mitbürgern nur durch zutiefst korruptes Verhalten in Erinnerung bleibt, dann kann man sich gerade in der Weihnachtszeit über vermeintliche Ramschpreise auslassen und sich damit über alle lustig machen, die noch selbst für ihr eigenes Auskommen sorgen müssen.

Damit ist diese Partei mit Sauberkeitsanspruch wohl endgültig in der Parteiecke der Selbstversorger angekommen, und wird derzeit nur noch von der CSU übertroffen, die sogar bereits verurteilten kriminellen Abgeordneten weiterhin bescheinigt, dass diese völlig mit den eigenen Parteigrundsätzen harmonisieren; so kann man die jüngste Entscheidung der entsprechenden Compliance-Kommission verstehen, die den CSU-Ehrenkodex weiterentwickeln soll.

Nach Grün-Schwarz im Ländle, können wir vielleicht sogar demnächst in Bayern eine grün-schwarze Parteifusion erleben.

Geburtstag des Tages

Pablo Casals


Kongress der EUROPA-UNION in Eutin

75 Jahre Jubiläen 4.5 (2)

Beitragsfoto: Kongress der EUROPA-UNION vom 21. bis 23. Juni 1947 in Eutin | © EUROPA-UNION

Jubiläen sind eigentlich immer eine gute Gelegenheit, um kurz zurückzublicken und sich zu vergegenwärtigen, von wo man ursprünglich herkommt. Nur dann ist auch sichergestellt, dass man weiß, wohin man eigentlich gelangen möchte.

Gerade in Zeiten, in denen alles rund läuft und sonst wenig wirklich Interessantes oder gar Spannendes geboten wird, ist man über jedes Jubiläum froh. Und so haben wir Europäische Föderalisten bereits schon länger an gleich drei Jubiläen gearbeitet, um im Gedenken an diese Highlights bürgerlichen Engagements uns nicht nur an die eigenen Grundlagen zu erinnern, sondern ganz besonders durch diese Jubiläen — 75 Jahre sind gerade noch jene und wohl auch die letzten Gedenktage, die bei uns Menschen selbst noch eigene Erinnerungen hervorrufen können — neue Mitstreiter zu gewinnen.

So war das Jahr 2021 eigentlich als das Jahr der Europäischen Föderalisten gedacht, da wir am 21. September 75 Jahre Hertensteiner Programm, am 9. Dezember 75 Jahre EUROPA-UNION Deutschland und am 17. Dezember 75 Jahre Union Europäischer Föderalisten (UEF) feiern wollten. Ursprünglich wollten wir deshalb sogar die EUROPA-UNION Landesversammlung 2021 voll und ganz diesen Jubiläen widmen.

Wie wir alle wissen, kam uns eine Pandemie dazwischen und setzte uns verständlicher Weise andere Schwerpunkte. Zwar konnten wir bei den 5. Hertensteiner Gesprächen noch dem ersten Jubiläum gedenken, aber dies nur sehr kurz, weil wir die, uns virtuell zur Verfügung stehende, Zeit mit aktuellen und brennenderen Diskussionsthemen verbrachten.

Bis zuletzt hielt der EUROPA-UNION Bundesverband noch an der Veranstaltung in Syke bei Bremen fest, musste sie dann aber doch absagen. So kann man die Absicht der neuen Bundesregierung, der erneut einige Europäische Föderalisten angehören, nur loben, dass sich diese, gerade in unserem Jubiläumsjahr, für die Weiterentwicklung der Europäischen Union zu einem föderalen europäischen Bundesstaat einsetzen möchte — nach nunmehr 75 Jahren eigentlich eine Selbstverständlichkeit!

So bleibt uns Europäischen Föderalisten jetzt nur noch dieses Wochenende, an dem wir uns virtuell zu einem Federal Committee Meeting der UEF treffen, um doch noch ein wenig diesem, für Europa und den Rest der Welt, durchaus wichtigen Jubiläum zu gedenken — aber auch hier setzen die aktuellen Diskussionen und Programmpunkte diesem Vorhaben sehr enge Grenzen.

Heute, kurz vor diesem 75. Jubiläum hat unser „europäischer Bundesverband“, die UEF aber eine diesbezügliche Presseerklärung herausgegeben, die ich diesem Beitrag gerne anfüge.

UEF celebrates its 75th anniversary

UEF-President Sandro Gozi: “We must show the same courage and the same determination of our founders and push for a new European democratic transformation.”

These days, the Union of European Federalists (UEF) celebrates its 75th anniversary! It marks 75 years of bringing together generations of passionate European federalists who, since the end of World War II, have been campaigning for a united and federal Europe.

The organisation was founded in Paris on 15 and 16 December 1946 based on the conviction that peace for future generations could only be secured by the formation of a European federation. The driving idea “unity in diversity” was the basis on which European Federalists thought the division of the European continent, that had caused the suffering and destruction of the two World Wars, could be overcome.

The European Federalists are still convinced today that only a common effort made by citizens working towards this goal could and can create a peaceful and democratic Europe that guarantees freedom and human rights. At the Congress of Europe in The Hague in 1948, the federalists had an opportunity to reshape the Europe of their time. Back then, federalists fought to put over their vision on the future of Europe, and important federalist elements were also agreed – such as the decision to draw up a binding Charter of Fundamental Human Rights and to establish a supranational Human Rights Court.

The UEF became a leading voice in the European unification process and from the outset advocated for the strengthening of the European Communities, later the European Union. The main goals of the European Federalists included the abolition of borders between European States, the introduction of a European currency, direct elections as well as the institutional strengthening of the European Parliament, the introduction of majority decisions in the Council of Ministers, the adoption of European fundamental and human rights and the reinforcement of European foreign and security policy. All these goals have been at least partially achieved in recent years.

On top of the ideas mentioned above, the realisation of a constitution that would lead to a European federal state is the European Federalists’ key call. However, this has not been still achieved. The process of constitutionalising the European Union was essentially set in motion by Altiero Spinelli in 1984 with the so-called “Spinelli Treaty”. This led to a revision of the Treaties and served as a basis for the European Community and the Constitutional Treaty later on.

Today, the UEF’s work for a further deepening of the European Union and its transformation into a true European federation continues through the Conference on the Future of Europe (CoFoE). The Conference provides all citizens, and especially the younger generations, with the unique opportunity to make their voice heard and to advocate for the Europe they want by shaping it with their ideas. As European Federalists, we must be the leading voice calling for a united and federal Europe.

The CoFoE is particularly special for UEF. For the first time in its 75 years of existence, the UEF has taken a seat at the conference table and can directly feed the political decision-making process with its positions. UEF is part of the delegation of the European Movement International (EMI) in the organised civil society group. It is represented by its Secretary General Anna Echterhoff. With President and MEP Sandro Gozi and Vice-President and MEP Domènec Ruiz Devesa in the group of MEPs, the UEF is represented with three voices in total.

“Federalism means respect of national and regional identities, promotion of political pluralism, efficiency of the public action, transnational politics and it is a multiplier of rights and opportunities for all. 75 years after, we must show the same courage and the same determination of our founders and push for a new European democratic transformation: we will never give up on this”, underlines President and MEP Sandro Gozi.

Thus, the UEF has the historic opportunity to lead the debate on the reform of the Union towards a democratic, federal entity that is close to citizens and can ensure the protection and promotion of our values. Recent developments show that a stronger pro-European sentiment is emerging in several Member States, which politically strengthens the work of the Conference itself. The UEF will continue to be the driving force for change by communicating its ideas and proposals and fueling the discussions with solutions to strengthen the European Union. For 75 years, UEF has put itself to the service of the European unification and it will continue to do so.

Nachtrag vom 16. Dezember 2021

Deutschlandfunk: Vor 75 Jahren. Die Gründung der Union Europäischer Föderalisten

„If men were angels, no government would be necessary.“

James Madison, The Federalist Papers, Article 51 (1787-1788)