Kongress der EUROPA-UNION in Eutin

75 Jahre Jubiläen 4.5 (2)

Beitragsfoto: Kongress der EUROPA-UNION vom 21. bis 23. Juni 1947 in Eutin | © EUROPA-UNION

Jubiläen sind eigentlich immer eine gute Gelegenheit, um kurz zurückzublicken und sich zu vergegenwärtigen, von wo man ursprünglich herkommt. Nur dann ist auch sichergestellt, dass man weiß, wohin man eigentlich gelangen möchte.

Gerade in Zeiten, in denen alles rund läuft und sonst wenig wirklich Interessantes oder gar Spannendes geboten wird, ist man über jedes Jubiläum froh. Und so haben wir Europäische Föderalisten bereits schon länger an gleich drei Jubiläen gearbeitet, um im Gedenken an diese Highlights bürgerlichen Engagements uns nicht nur an die eigenen Grundlagen zu erinnern, sondern ganz besonders durch diese Jubiläen — 75 Jahre sind gerade noch jene und wohl auch die letzten Gedenktage, die bei uns Menschen selbst noch eigene Erinnerungen hervorrufen können — neue Mitstreiter zu gewinnen.

So war das Jahr 2021 eigentlich als das Jahr der Europäischen Föderalisten gedacht, da wir am 21. September 75 Jahre Hertensteiner Programm, am 9. Dezember 75 Jahre EUROPA-UNION Deutschland und am 17. Dezember 75 Jahre Union Europäischer Föderalisten (UEF) feiern wollten. Ursprünglich wollten wir deshalb sogar die EUROPA-UNION Landesversammlung 2021 voll und ganz diesen Jubiläen widmen.

Wie wir alle wissen, kam uns eine Pandemie dazwischen und setzte uns verständlicher Weise andere Schwerpunkte. Zwar konnten wir bei den 5. Hertensteiner Gesprächen noch dem ersten Jubiläum gedenken, aber dies nur sehr kurz, weil wir die, uns virtuell zur Verfügung stehende, Zeit mit aktuellen und brennenderen Diskussionsthemen verbrachten.

Bis zuletzt hielt der EUROPA-UNION Bundesverband noch an der Veranstaltung in Syke bei Bremen fest, musste sie dann aber doch absagen. So kann man die Absicht der neuen Bundesregierung, der erneut einige Europäische Föderalisten angehören, nur loben, dass sich diese, gerade in unserem Jubiläumsjahr, für die Weiterentwicklung der Europäischen Union zu einem föderalen europäischen Bundesstaat einsetzen möchte — nach nunmehr 75 Jahren eigentlich eine Selbstverständlichkeit!

So bleibt uns Europäischen Föderalisten jetzt nur noch dieses Wochenende, an dem wir uns virtuell zu einem Federal Committee Meeting der UEF treffen, um doch noch ein wenig diesem, für Europa und den Rest der Welt, durchaus wichtigen Jubiläum zu gedenken — aber auch hier setzen die aktuellen Diskussionen und Programmpunkte diesem Vorhaben sehr enge Grenzen.

Heute, kurz vor diesem 75. Jubiläum hat unser „europäischer Bundesverband“, die UEF aber eine diesbezügliche Presseerklärung herausgegeben, die ich diesem Beitrag gerne anfüge.

UEF celebrates its 75th anniversary

UEF-President Sandro Gozi: “We must show the same courage and the same determination of our founders and push for a new European democratic transformation.”

These days, the Union of European Federalists (UEF) celebrates its 75th anniversary! It marks 75 years of bringing together generations of passionate European federalists who, since the end of World War II, have been campaigning for a united and federal Europe.

The organisation was founded in Paris on 15 and 16 December 1946 based on the conviction that peace for future generations could only be secured by the formation of a European federation. The driving idea “unity in diversity” was the basis on which European Federalists thought the division of the European continent, that had caused the suffering and destruction of the two World Wars, could be overcome.

The European Federalists are still convinced today that only a common effort made by citizens working towards this goal could and can create a peaceful and democratic Europe that guarantees freedom and human rights. At the Congress of Europe in The Hague in 1948, the federalists had an opportunity to reshape the Europe of their time. Back then, federalists fought to put over their vision on the future of Europe, and important federalist elements were also agreed – such as the decision to draw up a binding Charter of Fundamental Human Rights and to establish a supranational Human Rights Court.

The UEF became a leading voice in the European unification process and from the outset advocated for the strengthening of the European Communities, later the European Union. The main goals of the European Federalists included the abolition of borders between European States, the introduction of a European currency, direct elections as well as the institutional strengthening of the European Parliament, the introduction of majority decisions in the Council of Ministers, the adoption of European fundamental and human rights and the reinforcement of European foreign and security policy. All these goals have been at least partially achieved in recent years.

On top of the ideas mentioned above, the realisation of a constitution that would lead to a European federal state is the European Federalists’ key call. However, this has not been still achieved. The process of constitutionalising the European Union was essentially set in motion by Altiero Spinelli in 1984 with the so-called “Spinelli Treaty”. This led to a revision of the Treaties and served as a basis for the European Community and the Constitutional Treaty later on.

Today, the UEF’s work for a further deepening of the European Union and its transformation into a true European federation continues through the Conference on the Future of Europe (CoFoE). The Conference provides all citizens, and especially the younger generations, with the unique opportunity to make their voice heard and to advocate for the Europe they want by shaping it with their ideas. As European Federalists, we must be the leading voice calling for a united and federal Europe.

The CoFoE is particularly special for UEF. For the first time in its 75 years of existence, the UEF has taken a seat at the conference table and can directly feed the political decision-making process with its positions. UEF is part of the delegation of the European Movement International (EMI) in the organised civil society group. It is represented by its Secretary General Anna Echterhoff. With President and MEP Sandro Gozi and Vice-President and MEP Domènec Ruiz Devesa in the group of MEPs, the UEF is represented with three voices in total.

“Federalism means respect of national and regional identities, promotion of political pluralism, efficiency of the public action, transnational politics and it is a multiplier of rights and opportunities for all. 75 years after, we must show the same courage and the same determination of our founders and push for a new European democratic transformation: we will never give up on this”, underlines President and MEP Sandro Gozi.

Thus, the UEF has the historic opportunity to lead the debate on the reform of the Union towards a democratic, federal entity that is close to citizens and can ensure the protection and promotion of our values. Recent developments show that a stronger pro-European sentiment is emerging in several Member States, which politically strengthens the work of the Conference itself. The UEF will continue to be the driving force for change by communicating its ideas and proposals and fueling the discussions with solutions to strengthen the European Union. For 75 years, UEF has put itself to the service of the European unification and it will continue to do so.

Nachtrag vom 16. Dezember 2021

Deutschlandfunk: Vor 75 Jahren. Die Gründung der Union Europäischer Föderalisten

„If men were angels, no government would be necessary.“

James Madison, The Federalist Papers, Article 51 (1787-1788)

Adventsgedanken

Adventszeit 2021 5 (4)

Sicherlich werde ich Ihnen nichts Neues berichten, wenn ich Ihnen sage, dass wir uns in sehr schweren Fahrwassern befinden. Vielleicht wird es Ihnen aber neu sein, wenn ich Ihnen sage, dass dies sogar aus einer soldatischen Sichtweise heraus der Fall ist. Das wiederum hört sich bestimmt auch für den friedliebendsten Menschen nicht gerade zuversichtlich an, und ist es auch nicht.

Mich selbst stimmt diese Erkenntnis, und dies gerade bei meinem inzwischen siebzehnten Weihnachtsbrief nicht froh und lässt mich nach den 1990er-Jahren in Bosnien und den ersten Adventsaufmärschen von Totalitaristen 2014 in Deutschland nun bereits zum dritten Mal grundsätzlich an der Adventszeit und der dahinterstehenden Idee zweifeln. Relikte des Advents und von Weihnachten selbst werden wohl nur noch in viel zu wenigen Wohnungen Europas zu finden sein. Das Christentum, die Aufklärung, die Europäische Idee und wahrscheinlich auch die Demokratie an sich sind nicht mehr die weltbewegenden Konzepte, die sie einmal waren. Aberglaube, Wissenschaftsfeindlichkeit und totalitäre Ideen kommen bei uns immer mehr in Mode und wirken sich auf unser Zusammenleben aus.

Inzwischen streiten wir uns nicht einmal mehr darüber, wie man eine Pandemie in den Griff bekommen kann, sondern darüber, ob es überhaupt eine gibt. Wir ziehen uns an den kleinsten Kleinigkeiten hoch und beißen uns an den allseits so beliebten „Gender-Sternchen“ fest, nur um nicht die tatsächlichen Probleme unserer Welt in Angriff nehmen zu müssen. Jüngst schreibt unsere Bundespolitik sogar eine uralte föderalistische Forderung halbwegs in das Koalitionspapier, einzig, um bald darauf sagen zu können, „wir sind an diesem Zustand nicht schuld gewesen, wir haben die vergangenen 80 Jahre nicht verschlafen.“

Das wirklich Schlimme daran ist nicht, dass wir Europäer uns nicht einmal mehr über unsere eigenen Werte, Ideen, Verträge und Gesetze einig sind – nicht einmal mehr innerhalb der Bundesrepublik Deutschland –, auch nicht, dass viel zu viele diese überhaupt nicht mehr kennen (wollen), sondern dass wir Europäer, was die tatsächlichen Probleme dieser Welt angeht, überhaupt keine Rolle mehr spielen.

Weder das Klima oder die Weltwirtschaft noch die Demokratie werden in oder durch Europa gerettet werden. Wir Europäer werden den Rest der Welt (über 90 Prozent!) nur noch so lange interessieren, wie wir für die Ärmsten der Armen als erstrebenswerte, letzte noch mögliche Zufluchtsstätte gelten. Gerade ganz aktuell sind oder verlegen Hunderttausende gut ausgebildete, gut trainierte, gut bewaffnete und gut ausgerüstete russische Soldaten an die Ostgrenze der EU, und wir fordern derweil Stacheldrahtzäune gegen halb verhungerte Migranten. Ein schöneres Bild über den Zustand Europas kann man dieser Tage wohl nicht malen – und wir alle müssten froh darüber sein, dass über das Wohl und Wehe Europas längst in Washington und Peking entschieden wird.

Das Amüsante daran ist aber nicht, dass es tatsächlich noch Menschen bei uns gibt, die von einer Supermacht Europa träumen, sondern dass wir Europäer immer erst einmal klären müssen, wer sich an einer Sache bereichern darf und – ganz besonders – wer nicht, bevor wir überhaupt anfangen, uns über Problemlösungen Gedanken zu machen. NEID ist wohl der einzig uns allen gemeinsam verbliebene Wert, jener, der Europa noch zusammenhält – Europa, im NEID geeint.

Da ich inzwischen davon ausgehe, dass ich es nicht mehr selbst erlebe, dass wir Europäer zu einem Motor einer besseren Welt, aber ganz Optimist, dass uns die US-Amerikaner wieder einmal retten werden, kann ich mich ohne Gewissensbisse jenen Menschen widmen, die wie Sie an unserer Europäischen Idee weiterhin festhalten und damit auch an Werten, die immer noch ihre absolute Gültigkeit haben und sich dereinst auch zum Wohle aller durchsetzen werden – es wird dann halt einfach wieder einmal etwas länger gedauert haben.

„There is no ideal Christmas; only the one Christmas you decide to make as a reflection of your values, desires, affections, traditions.“

Bill McKibben, Hundred Dollar Holiday: The Case For a More Joyful Christmas

Hasen

29.11.02021 5 (1)

Transparenz

Gerade kann man wieder sehr viel von politischen Ehrenämtern lesen. Sehr interessant ist dabei, dass sehr viele Mitbürger immer noch davon ausgehen, dass diese ehrenamtlichen Tätigkeiten alleine wegen der Ehre ausgeführt werden, und die entsprechenden Amtsinhaber sich dieses Ehrenamt sogar noch etwas kosten lassen. Genau so wie wohl die meisten Bürger, die ehrenamtlich unterwegs sind, und sich damit trösten, dass ein Hobby schon immer eine teure Angelegenheit war, egal welches Steckenpferd man selber reitet.

Jede Demokratie lebt von Transparenz und so ist es nun wirklich an der Zeit, dass man anfängt, und dies gerade auch bei den politischen Ehrenämtern, die monetären und sonstigen Vorteile, die den entsprechenden Amtsträgern zuteil werden, offenlegt — zumal es sich dabei um unsere Steuergelder handelt.

So ist es eigentlich mehr als selbstverständlich, dass jeder Gemeinderat offenlegt, wie viele Sitzungsgelder und andere Aufwandsentschädigungen er monatlich erhält. Dazu auch noch, welche sonstigen Vergünstigungen ihm seitens der Stadt und anderen Institutionen gewährt werden. Zudem müsste er auch angeben, welche Aufsichtsrats- oder Beraterfunktionen sowie auch weitere Aufgaben, wie z. B. Dozentenstellen, ihm als Gemeinderat zugesprochen werden, einschließlich der dabei erhaltenen Gelder. Auch muss es außer Frage sein, dass immer mit angegeben wird, wenn die Stadt oder mit ihr verbundene Institutionen einem Gemeinderat z. B. Bauplätze zusprechen. Und last but not least, muss es publik werden, wenn Verwandte des ersten und zweiten Grades eines Gemeinderats in der Stadtverwaltung oder bei städtischen Firmen oder Einrichtungen angestellt sind oder gar neu werden.

Es ist für jede Entscheidung sehr wichtig, dass dem Bürger die Zusammenhänge vorab bekannt sind, zumal die Offenlegung der oben angegebenen Sachverhalte ohne größere Probleme erfolgen könnten.

Der zusätzliche Charme ist dabei, dass, wenn die Bürger erkennen, wie viel man an und mit einem politischen Ehrenamt verdienen kann, es dann für alle Parteien und Wählergruppen bestimmt einfacher wird, entsprechende Kandidaten zu finden. Eine Win-Win Situation für uns alle!

Eisenbahnareal

Dass das gesamte Eisenbahnareal in Böckingen keine Augenweide ist, daran haben sogar wir Heilbronner uns schon lange gewöhnt. Für die Bahn ist der befahrbare Teil offenbar nur noch ein großes Übel, und man wartet wohl darauf, auch die letzten Schienen abbauen zu dürfen. Die Anwohner aus dem näheren und wohl auch weiteren Umfeld nutzen das Areal schon etwas länger und sehr gerne zur Müllentsorgung.

Unserer Stadt muss man aber jüngst zu Gute halten, dass sie mit dem Sonnenbrunnen zumindest den Straßenanteil sehr hübsch aufgewertet hat; inzwischen dürften sich die Nutzer der Unterfahrung auch an die ungewöhnliche Steigung gewöhnt haben.

Und das Aussehen der dortigen denkmalgeschützten Eisenbahninfrastruktur und Gebäude lässt schon immer und wohl auch weiterhin sehr zu wünschen übrig. Da es sich um Vereinsgelände handelt, und ich bei meinen Spaziergängen auch immer wieder Bastler bei ihren Tätigkeiten, welcher Art auch immer, beobachten konnte, eine durchaus vertretbare Sache.

So durfte ich heute aus der Heilbronner Stimme erfahren, dass es sich dabei sogar um zwei Vereine handelt, nämlich dem Süddeutschen Eisenbahnmuseum Heilbronn (SEH) und dem Verein Historischer Dampfschnellzug (UEF). Wobei ich jetzt überhaupt nicht mehr weiß, wer von den beiden Vereinen alljährlich die nette kleine HO-Anlage in der Harmonie aufbaut.

Da sich beide Vereine für die Eisenbahn interessieren, beide Vereine aus dem selben Stadtteil stammen, beide Vereine auf dem selben Gelände ansässig sind, und wohl beide Vereine, so wie die meisten anderen Vereine auch, Probleme haben werden, neue Mitglieder zu gewinnen und zu begeistern, ist es sehr interessant zu lesen, dass sich deren Vertreter nicht so ganz grün sind.

Was könnten die Eisenbahnfreunde wohl alles erreichen, wenn sie im selben Zug säßen?

Gedankenblitz

In Heilbronn ist die SPD inzwischen die Partei des Großbürgertums, und die CDU deren kleinbürgerlicher Wurmfortsatz.

Geburtstag des Tages

Wilhelm Hauff