Klassenzimmer

6.8.02025 5 (8)

Beitragsfoto: Leeres Klassenzimmer | © Shutterstock

Vermischtes

Das digitale Zeitalter scheint bei uns tatsächlich angebrochen zu sein. Plötzlich möchten wildfremde Menschen, dass ich meine Geburtsurkunde auf eine Behördenseite hochlade. Vielleicht handelt es sich hierbei auch nur um eine neue deutsche Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Vielleicht aber fängt man auch wieder einmal damit an, einen „Ariernachweis“ aufzubauen. Oder unsere Verwaltungsmitarbeiter haben nun die Vorteile von Datenbanken erkannt — und wir alle wissen doch, Datenbanken wollen gefüttert werden; egal mit was.

Dafür bastelt Detlef Stern bestimmt an seinem Blog, denn ich erhalte nun 429-Hinweise. Ich habe auch gebastelt und meine Trustpilot-Bewertung an die Startseite gehängt. Ich gucke mir das nun ein paar Tage lang an und sollte sich keine Änderung in meiner Bewertung ergeben, folgere ich, dass ich dieses Gadget auch wieder abschalten kann — Trial and Error.

Die äußerst unglückliche Handhabung des viel zu lange schwelenden Nahost-Konflikts lässt nun auch in Europa den Antisemitismus wieder voll und ganz zur Geltung kommen. Judenhass, dieses Mal als vermeintliche Solidarität mit einem sich selbst gerne unterdrückenden Völkchen, dessen Angehörige keiner haben möchte, nicht einmal die eigenen Religionsbrüder.

Das Wintersemester fängt für mich gleich nach den Hertensteiner Gesprächen an. Wie die letzten Jahre auch immer dienstags. Was mir das eine oder andere Käffchen mit Detlef Stern garantiert. Und wer weiß, vielleicht gibt es dieses Mal auch ein paar Studenten, die sich für die Vorlesung interessieren.

Ich habe gerade einmal ChatGPT gefragt, was Studenten für Fragen in meinem Fach haben könnten? Bis auf das Zertifizierungsgedöns, Gehaltsvorstellungen oder welche Software in den Unternehmen Verwendung findet, decken bereits meine alten Folien alle Fragen ab.

Was mich immer mehr darin bestärkt, dass die Inhalte meines Fachgebiets den Studenten vor Studienbeginn bekannt sein müssten. Und wir uns dann eher darüber unterhalten, was ChatGPT so nicht weiß, ergo auch nicht fragt und schon gar nicht erfolgreich beantworten kann.

Als Dozent bin ich eigentlich dazu da, um Goldkörnchen zu verteilen und nicht, um den Studenten beim Totschlagen der Zeit behilflich zu sein. Bis zum Semester sind es noch ein paar Tage und somit haben wir alle Zeit genug, um über den Sinn und Zweck eines Studiums nachzudenken.

Wenn dies die Professoren und Dozenten tun, wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn auch einmal Studenten dieses „Nachdenken“ versuchen würden.

Aber vielleicht streben sie auch nur eine Karriere im Jobcenter an?

Jobcenter

Ich arbeite seit meinem vierzehnten Lebensjahr. Angefangen habe ich mit völlig unterbezahlten Handlangertätigkeiten, die allerdings den Vorteil hatten, dass ich selber darüber bestimmen konnte, wann, wo und wie ich arbeite. Meine jeweiligen Arbeitgeber konnten sich derweil als Ausbeuter ein wenig wohler fühlen — Win-Win für beide Seiten.

Nach einem völlig erfüllten Arbeitsleben mit Arbeitszeiten, die locker über 50 Wochenstunden lagen, könnte ich eigentlich heute meinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Leider aber gibt es Zwänge, die mich heute noch arbeiten lassen und so arbeite ich zusätzlich auch noch freiwillig, um mir weiterhin ein klein wenig Selbstbestimmtheit erhalten zu können. Wie viele andere vor mir werde wohl auch ich dereinst direkt von der Arbeit ins Grab steigen.

Der große Vorteil dabei, die „Monsterbehörde“ Jobcenter ging bis heute völlig spurlos an mir vorbei; eine Institution, um privilegierten Arbeitsunwilligen, darunter vielleicht auch ein paar Arbeitsunfähige, eine Scheinbeschäftigung zu bieten. Wer wie ich arbeiten „möchte“ und kann, der wird sicherlich von den dort Beschäftigten ungeschoren bleiben — welch ein Irrtum!

Heute bekam ich einen Brief vom Jobcenter Heilbronn, der mich wie folgt ansprach: Friedrich Kümmerlen. Mein erstes Fazit, die Sachbearbeiterin ist zu faul oder zu dumm, um ein Formular richtig auszufüllen.

Dann wurde ich an eine unschöne Sache erinnert, die Mitte letzten Jahres stattfand und in meinem eigenen Verantwortungsbereich einen Schaden im gut vierstelligen Bereich verursachte. Einen Schaden, den ich versuche, wenigstens halbwegs absetzen zu können, denn unser Sozialstaat kümmert sich meist nicht um die Opfer von arbeitsunwilligen Bevölkerungsteilen.

Und weil ich wohl zu nett war, versucht nun das Jobcenter gleich die eigenen Kosten auch noch auf mich abzuwälzen und stellt mir erst einmal eine Rechnung — zeitgleich mit dem Hinweis, dass die Forderungen gerichtlich gegen mich geltend gemacht werden.

Mein Telefonat konnte die Sachbearbeiterin nicht überzeugen und so wollte ich die Dokumente und Beweise meiner Unschuld per E-Mail übersenden. Geht nicht! Ich soll Papier schwarz machen, dieses dann in einen Umschlag stecken, mit einer Briefmarke versehen und zur Post bringen. Mein Hinweis, dass dies nicht gerade 21. Jahrhundert sei, wurde mit dem Hinweis gekontert, ich könnte gerne auf der Website des Jobcenters ein entsprechendes Formular suchen und ausfüllen.

Mein zweites Fazit, dumme und faule Menschen drangsalieren sehr gerne ihre Mitbürger.

Nun habe ich wieder etwas mehr Arbeit, Unterlagen sichten, Jobcenter-taugliche Beweise finden, mit einem Nachlassverwalter sprechen und danach gucken, wie ich das Jobcenter für diese auch verständlich informiert bekomme, bevor noch ein weiterer netter Mensch mir einfach einen Kuckuck ans Auto klebt.

Europastammtisch

Gestern gab es einen sehr erfreulichen Europastammtisch, bei dem die Anwesenden nur so vor Ideen sprudelten. Manche davon werden sich in unserer Terminplanung in Bälde wiederfinden.

Erfreulich auch, dass gleich zwei Mitglieder unserer Jugendorganisation mit dabei waren. Noch erfreulicher, dass beide auch zu den 9. Hertensteiner Gesprächen kommen werden.

Zudem bot sich Ursula Hecht an, noch diesen Monat ein Europa-Grillen zu organisieren. Jetzt bin ich einmal sehr gespannt darauf, wie viele Europäische Föderalisten dieses spontane Angebot nutzen werden.

Semin Bristina gab den Teilnehmern erste Details zu unserer Informationsfahrt im Oktober 2026 nach Sarajewo bekannt. Und so war dieser Europastammtisch einer der informativsten dieses Jahres und erneut ein Beweis dafür, dass es sich durchaus lohnt, an solchen Vereinstreffen teilzunehmen.

Aus gegebenem Anlass

Für die meisten von uns Älteren der erste Blues. Die Gruppe Wishful Thinking, gegründet 1965, veröffentlichte dieses Lied 1971. Es war ihr einziger Hit.

Die USA warfen am 6. August 1945 die erste Atombombe über Hiroshima ab und legten am 9. August 1945 nochmals mit Nagasaki nach. Kurz darauf kapitulierte auch Japan und wir Deutschen durften froh darüber sein, dass wir kein weiteres Jahr durchgehalten hatten.


Blogger

2.7.02025 4.9 (7)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Weblog

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass Blogger mit wenigen Ausnahmen nie so ganz mit ihrem Blog zufrieden sind, zumindest ich bin es nicht.

Anfangs wollte ich nur schnöde HTML-Dokumente ins Internet stellen, dann aber durfte ich sehr schnell die Vorteile des Web 2.0 kennenlernen und versuchte mich sogleich daran. Ein paar Jahrzehnte später wollte ich wieder zurück zum reinen HTML, was mir aber nicht mehr gelungen ist.

Ganz kurz habe ich mich dann auch einmal am Web 3.0 versucht, dies aber sehr schnell wieder bleiben lassen. Und so denke ich wieder einmal inzwischen in meiner letzten Lebensphase angelangt darüber nach, ob weniger nicht doch mehr ist.

Das ganze gegenseitige Teilen, Verlinken und Bewerben ist mir inzwischen genau so fremd wie das Ganze mit der Search Engine Optimization. Für das ganze Vernetzungsgedöns gibt es heutzutage so viele und sehr gute Möglichkeiten, dass man dies mit einer eigenen Website oder Blog nicht mehr selber nachzubauen braucht. Der berechtigte Wunsch nach Dezentralisation des WWW wird so Wunsch bleiben wie unser föderaler Wunsch nach einer entsprechenden Welt. Was wir in der Realität nicht hinbekommen, werden wir wohl kaum im Internet zum Laufen bekommen, denn dies setzt voraus, dass dieselben Menschen als Internetnutzer anders agieren.

Wobei die beste Vernetzungsmöglichkeit mit dem Mobiltelefon geschaffen wurde und dies auch noch lange so bleiben wird.

Eine der Folgen davon ist für mich, dass ich immer mehr darin bestärkt werde, mein Blog wieder auf die bloße Ausgabe von Blog-Beiträgen zu beschränken. Und so warte ich nun nur noch auf den geeigneten Anlass, um wieder einmal das eine oder andere Plug-in abzuschalten. … Und dann kommt schon wieder ein neues Gadget auf den Markt, das mich dann doch etwas neugierig macht oder noch schlimmer, ich entdecke etwas Neues in einem anderen Blog, was dort anscheinend so richtig gut funktioniert.

Weblogs sind für viele alte Männer wohl das, was früher für unsere Großväter noch die Modelleisenbahn war.

SLK-Klinikum

Heute konnte ich mir einmal den neuen Haupteingang des SLK-Klinikums in Neckargartach anschauen. Immer noch nicht so ganz fertig, kann man aber erkennen, was die Architekten bei ihrer Planung beabsichtigten. Die Breite des Eingangsbereichs ist hoffentlich auf die intendierten Besucherströme abgestimmt und die weiteren Bereiche nach den gemachten Erfahrungen mit uns Heilbronnern ausgebaut. Nur ein paar Rauchverbotsschilder an die Säulen zu bäbba hilft sicherlich nicht weiter!

Ich habe auf alle Fälle meinen neuen Weg sehr schnell gefunden und dabei festgestellt, dass mein präferiertes Parkhaus nun etwas ungünstiger liegt.

Der Altbau aus 1990 ist nun Geschichte, so wie es unser Krankenhaus in der Jägerhausstraße schon etwas länger ist. Wenn es unsere Stadtverwaltung dieses Mal etwas professioneller angeht, kann man bereits jetzt mit den Planungen für einen Neubau in 20 bis 30 Jahren auf dem nun frei werdenden Krankenhausgelände beginnen. Dieser Bauplatz hat auf alle Fälle den Vorteil, dass das künftige neue Klinikum keines der langen Wege mehr sein kann.

Meine Erfahrung mit dem nun dritten Heilbronner Krankenhaus zeigt, dass es jedes Mal zumindest aus Patientensicht eine Verbesserung gegeben hat.

Zumindest früh am Morgen sind die An- und Abfahrtswege zum Klinikum noch befahrbar, hier hatte ich bereits vor ein paar Jahren meine Bedenken geäußert. Sobald auch der Hochgelegen voll in Betrieb ist, werden wir sehen können, ob die Heilbronner Planungen zumindest in Neckargartach Hand und Fuß haben. Wenn nicht, dann bekommen die tatsächlich Kranken ein echtes Problem, sobald die Rettungswagen das Klinikum kaum noch erreichen können.

Auf der Rückfahrt stand ich dann doch noch im Stau und konnte ganz gut zugucken, wie Heilbronner ihre Zigaretten ohne Rücksicht auf Mopedfahrer oder Fußgänger einfach so aus den Fenstern warfen. Wir Heilbronner sind inzwischen eine ungesunde Mischung aus Müllkulturen und hirn- wie gewissenlosen Eigengewächsen. Jüngst bin ich die Uhlandstraße entlang geschlendert, alleine dort liegen, wenn man einmal etwas genauer hinschaut, Tausende Kippen auf der Straße und den Gehwegen herum — die Schäden sind für unsere Umwelt und unsere Stadtgesellschaft nicht mehr messbar!

Vermischtes

Meine letzte Vorlesung des Semesters war eher eine Fragerunde für etwa neun interessierte Studenten. Noch haben sich 93 Studenten für die Klausur angemeldet, ca. 50 davon sahen es für notwendig an, wenigstens ab und zu einmal an den Vorlesungen teilzunehmen.

So ist das mit der akademischen Freiheit bzw. Verantwortung, man muss keine Vorlesungen besuchen und kann auch ganz ohne jegliche Vorerfahrungen an Klausuren teilnehmen. Ich selbst habe es während meines Studiums auch nicht anders gehandhabt. Allerdings musste ich auch keine Klausur ein zweites Mal schreiben und niemals wäre ich dabei auf die Idee gekommen, einen der Professoren für meine eigenen Ergebnisse verantwortlich zu machen.

Jetzt gucke ich einmal, wie sich die Studenten kommenden Dienstag schlagen werden. Wer die 80 % der möglichen Punkte nicht erreicht, sollte sich dabei selbst einmal fragen, warum er überhaupt studiert.

Erfreulich dann der Abend. Unser Jubiläumsstammtisch fand trotz sommerlicher Temperaturen 16 Interessierte. Die Idee, an den Ursprungsort unseres Europastammtisches zurückzukehren, hat sich gelohnt, denn das Restaurant ist inzwischen wieder einen Besuch wert und das Setting an einem kleinen See gerade bei den gestrigen Temperaturen ideal.

Wir hatten unseren Spaß und stellten unisono fest, dass die Zeit für „Altherrenwitze“ tatsächlich längst vorüber ist. Was noch vor zwanzig Jahren bei älteren Herren gerade noch so ging, ist heute selbst bei den älteren Herren nicht mehr das Gelbe vom Ei. Die anwesenden Damen nahmen es gelassen und die jüngeren Herren verdrehten nur noch die Augen — was eindeutig für unsere Jugend spricht!

Schnell waren andere Themen gefunden und so gab es neben gutem Essen und den passenden Getränken auch noch sehr gute Gespräche.

Über die Jahre hinweg habe ich auch hier im Blog ein paar Stammtischbilder gesammelt, die man nun anlässlich 20 Jahre Europastammtisch hier einsehen kann.

Mein erster Psychologieprofessor war ein ganz moderner, denn er sprach nicht nur in den Vorlesungen vom Lerner, wobei es in den 1980er-Jahren noch völlig in Ordnung ging, dass wir Studenten weiterhin am Lernenden festhielten. Meine damalige Vermutung war, dass er durch eine „moderne“ Wortwahl mit der Jugend seiner Studenten mithalten wollte. Heute gehe ich eher davon aus, dass solche intendierten oder vielleicht auch nur rein zufälligen Sprachänderungen einfach mit dazu gehören, diese sich wie Gendefekte auch immer wieder einschleichen und manche von diesen zum neuen Standard werden.

Unsere Existenz wie auch unsere Kultur sind sozusagen fehlerbasiert und ändern sich tatsächlich nicht durch fortwährende Verbesserungen, sondern durch gemachte Fehler, welche sich im Nachhinein als absolut passend herausstellen.

Wohl deshalb mein Aufruf, Mut zum Fehler! Und vielleicht war es genau das, was uns dieser Professor damals mitteilen wollte.

„I think news and information in any city is as vital as water, electricity and gas.“

Michael Moritz, NEw York Times (30.6.2025)

New York Times Square

28.6.02025 5 (8)

Beitragsfoto: New York Times Square | © Roberto Lee Cortes from Pixabay

Vermischtes

Das kommende Rundschreiben steht an und ich stelle fest, dass ich mich gerade darum drücke. Bäume rausreißen geht aktuell auch nicht, nicht einmal das Gras zu mähen. Was meine bessere Hälfte allerdings nicht davon abhält, nun ganz alleine zu wüten.

Spazieren geht so langsam wieder, es wäre schlimm, wenn nicht. Am Dienstag gehe ich an die Hochschule und stehe interessierten Studenten Rede und Antwort, steht doch die kommende Klausur zum Semesterabschluss an. Mein zweimaliges Fehlen wurde hoffentlich nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern hat auch dazu geführt, dass manche Studenten durch eigenes Änderungsmanagement — nicht nur durch Risikomanagement (kleiner Insider) — nun besser auf die Prüfung vorbereitet sind als bisher. Und so bin ich so richtig gespannt darauf, was mich am Dienstag erwarten wird. Und wenn ich diese Vorlesung bzw. Fragerunde halbwegs durchstehe, dann steht auch dem abendlichen Jubiläumsstammtisch nichts entgegen — der Nachmittag sollte zur Erholung ausreichend sein.

20 Jahre Europastammtisch sind zwar nicht mit 80 Jahre Vereinte Nationen zu vergleichen, wir haben es aber geschafft, zumindest ab und zu die dortige Stimmung mit nach Heilbronn zu holen. Leider fiel unsere Planung, diese in New York einmal vor Ort zu erleben, wegen COVID-19 ins Wasser. Und inzwischen hat die damalig anvisierte Besuchergruppe ein Alter erreicht, wo es schwierig sein dürfte, diese Planungen wieder aufzunehmen — nicht nur die Jugend hatte unter COVID-19 zu leiden!

Auch habe ich meine entsprechenden Verbindungen zur UN zwischenzeitlich verloren, denn die Welt dreht sich unermüdlich weiter. Und so dürfte der anvisierte Besuch u. a. des dortigen legendären Weinkellers in weite Ferne gerückt sein. Was bleibt, sind die Erinnerungen.

Frage

Aktuell wird in den mir bekannten Blogger-Kreisen der Signal-Dienst als Kommunikationsmittel gehypt, wahrscheinlich weil dieser durch die Trump-Regierung jüngst so richtig populär gemacht wurde. Ein wenig verstörend finde ich es, dass viele dabei weiterhin nicht auf die üblichen Messenger wie WhatsApp verzichten möchten, weil diese wieder einmal alternativlos seien. Manche von diesen melden sich auch wieder meist still und heimlich bei X an, wenn sie diesen Service überhaupt jemals gelöscht hatten. Auch die Reichweite scheint bei uns Bloggern alternativlos zu sein. Und wie man diese erzielt, ist wohl völlig egal.

Ich nutze nach etlichen Versuchen mit Messengern nun fast ausschließlich Threema, habe dabei aber ähnliche Probleme, nämlich, dass solche „sicheren“ Chat-Dienste kaum eine notwendige Verbreitung finden, damit man sich auf einen davon wirklich konzentrieren kann. Ich habe mich dennoch dazu entschlossen, mich von den meisten anderen Diensten zu verabschieden und pflege nun die wenigen Kontakte, welche über Threema zu erreichen sind. Dabei stelle ich fest, dass ich, wenn mir eine Person wichtig ist, welche nicht auf Threema zu finden ist, ich diese dann dennoch erreichen kann.

Was mich trotzdem fragen lässt, warum gerade Threema, das als Schweizer Dienst über eine sehr gute Reputation verfügt, dazu noch ein europäisches Eigengewächs ist, von all diesen Diensten am wenigsten genutzt wird. Kann es sein, dass einmalige Kosten von 3,99 Euro dem Erfolg im Wege stehen? Und was sagt dies über gerade jene aus, die sich gerne und lautstark über Privatsphäre, Datenschutz und Stärkung einer europäischen Infrastruktur auslassen, sich dann aber selbst ganz offensichtlich von 3,99 Euro abschrecken lassen und weiterhin WhatsApp als alternativlos promoten.

Nein, ich bekomme kein Geld von Threema, habe diese Software aber schon so lange, dass ich damals nicht dafür zu zahlen brauchte.

Wahrscheinlich ist es aber auch wieder nur so ein „Wirtschaftsding“, so wie damals VHS, Betamax und Video 2000, wobei sich auch hierbei nicht das bessere System durchsetzte. Auf jeden Fall waren die damaligen Diskussionen richtig spannend. Und lang die Gesichter jener, die dabei auf das „falsche“ Produkt gesetzt hatten — die Kosten waren auch ganz andere.

Glaube

Man, auch ich möchte doch so gerne daran glauben, dass unsere europäischen wie auch deutschen Politiker verantwortlich zum Wohle ihrer eigenen Landsleute handeln. Mehr noch, dass sie alles daran setzen, dass es uns nicht nur gut geht, sondern wir auch weiterhin eine Zukunft haben werden, in die man gerne blickt.

Dann aber sind da immer wieder die zahlreichen Skandale, wo Politiker aus sämtlichen Lagern der Korruption überführt werden, krumme Geschäfte alleine zum Eigenwohl tätigen oder die Steuermilliarden nur so und dabei völlig unnütz aus dem Fenster schleudern.

Dies kann durchaus geschehen und ist bestimmt auch menschlich, was aber nicht sein kann und darf, ist, dass es überhaupt keine Anzeichen zur Besserung gibt und noch schlimmer, selbst die überführten Straftäter keinerlei Konsequenzen zu befürchten haben — sie stehen ganz offensichtlich über und außerhalb unserer Gesetzgebung! Dass dies jede Demokratie zumindest langfristig zerstört, ist allen, auch den anständigen Politikern, völlig egal.

Maximal muss einmal ein verurteilter Straftäter temporär auf seinen Ehrenvorsitz in der Partei verzichten oder er wird als professioneller Volksvertreter so lange zwischengeparkt, bis wieder Gras über die Sache gewachsen ist, was bei uns sehr schnell gehen kann.

Bisher kenne ich nur „Strafen“ für Politiker, wenn diese ganz offiziell als Kinderschänder enttarnt wurden, dann verschwinden sie ungestraft aus unserem politischen Alltag — allerdings wäre deren Wiederwahl auch sehr unwahrscheinlich gewesen und ein sonst übliches Nachrücken kaum zu vermitteln.

Noch schlimmer dürfte es allerdings sein, dass selbst die „besseren“ Politiker Entscheidungen treffen, die offensichtlich gegen alle unsere, ob europäische oder auch nur deutsche Interessen sind.

So unterstützt auch die aktuelle Bundesregierung weiterhin den russischen Angriffskrieg mit Milliardenzahlungen, angeblich, weil man es nicht anders könne. Die bundesdeutsche Alternativlosigkeit dürfte inzwischen legendär sein!

Währenddessen halten viel zu viele Berufspolitiker ihre privaten und parteipolitischen Verbindungen zu Putins Russland aufrecht, pflegen Städtepartnerschaften und entsprechende Freundes- wie auch Unternehmerkreise. Russische Staatsbürger gehen derweil in Deutschland ein und aus und selbst „ehemalige“ russische Soldaten werden bei uns durchgefüttert und gesund gepflegt.

Völlig unverständlich ist es aber, das Russen bei uns völlig ungehindert Morde oder Anschläge auf unsere Infrastruktur und militärischen Einrichtungen begehen dürfen. Und sollte dabei einmal ein Mörder auf frischer Tat — weil ein Polizist ganz offensichtlich das Primat der Politik nicht beachtete — gestellt werden, dann wird dieser Mörder sogleich wieder an seinen Auftraggeber überstellt; auch das ist bei uns alternativlos!

Selbst die jüngste Ankündigung Wladimir Putins, dass dort, wo sich russische Staatsbürger befinden, ob aktive Soldaten oder auch nicht Russland sei, wird von unseren Politikern längst nicht mehr infrage gestellt! — weder im Baltikum noch bei uns.

Was vielleicht auch nicht wundern dürfte, bauen diese Politiker doch schon länger auf zwei bis vier Millionen „heimgeholte“ Russlanddeutsche wie auch auf gut 300 000 russische Staatsbürger ohne deutschen Pass, die nun auf ihre erneute „Heimholung“ warten dürften, damit sie endlich diese „leidige Demokratie“ bei uns nicht mehr ertragen müssen — hat das mit der AfD bisher doch nicht so recht geklappt.

Und so wäre es vielleicht doch einmal zwingend und dringend notwendig, dass sich auch unsere Politik Gedanken über eine notwendige Landesverteidigung macht und schaut, wie nicht nur die Bundeswehr, sondern alle verteidigungsnotwendige Bereiche kriegsbereit gemacht werden können.

Aber nein, man schaut wieder einmal bestenfalls nur darauf, wie man diese Gelder am populärsten auf die Gesamtgesellschaft verteilt.

Wie soll ein Mensch da noch an das Gute in unserer Politik glauben können?