Lesender Mann

18.11.02022 5 (2)

Beitragsfoto: lesender Mann | © Pexels, Foto von Tima Miroshnichenko

Mitgliederversammlung

Nach einer sehr erfolgreichen Kreisversammlung der EUROPA-UNION heute geht es gleich morgen mit der jährlichen Mitgliederversammlung des Deutsch-Afrikanischen Freundeskreis Heilbronn e. V. weiter. Und bevor diese stattfindet, muss ich noch meinem Amt als Kassenprüfer gerecht werden. Dabei ist es von Vorteil, dass dieser Verein ein kleiner aber sehr feiner ist und zudem immer noch unter der COVID-19 Situation zu leiden hat, die gerade für solche kleinen Vereine eine große Herausforderung darstellt. Denn damit sind die zu prüfenden Unterlagen sehr überschaubar, so dass sogar eine 100 % Prüfung möglich wäre.

Schwerer noch hat diesen Verein aber die Tatsache getroffen, dass Kleinvereine, auch wenn sie für unsere Stadtgesellschaft durchaus wichtig sind, aber nicht im Interesse eines oder mehrerer Gemeinderäte oder gar der Stadtverwaltungsspitze liegen, mit viel zu großen bürokratischen Hürden aber dafür mit sehr wenig Verständnis bei den zuständigen Verwaltungsmitarbeitern rechnen können, von finanziellen Hilfen ganz zu schweigen.

„Mann liest vor“

Seit ein paar Jahren bin ich nun Lesepate, auch wenn mir „meine“ Grundschule derzeit eine kleine Auszeit gönnt, was allerdings nicht an mir liegt. Unabhängig davon nehme ich ebenfalls seit ein paar Jahren an der Aktion „Mann liest vor“ teil, und, sobald es die Zeit zulässt, lese ich zudem bei meseno vor.

Und heute ist es nun wieder so weit, denn wir haben inzwischen den 19. bundesweiten Vorlesetag. Dieses Mal lese ich dabei nicht an der Wilhelm-Hauff-Schule, sondern an der Dammgrundschule vor. Übrigens, der „Mann liest vor-Tag“ wird in Heilbronn wieder vom Freundeskreis der Stadtbibliothek organisiert.

Im Anschluss daran findet dann die wöchentliche Lesewerkstatt bei meseno statt. Wer von meinen Lesern Lust und Zeit hat, der kann sich gerne bei meseno melden. Nicht nur meseno, sondern auch ich, wir freuen uns immer über weitere Vorleser, welche bei meseno gerne und sogar am „Mann liest vor“-Tag weiblich sein können.

Nachtrag
Kaum war mein Vorlesen an der Dammgrundschule beendet, bekam ich auch wieder ein wöchentliches Engagement, dieses Mal in der 3c.

Kreisversammlung

Der heutige Abend wird durch die inzwischen 69. Kreisversammlung der EUROPA-UNION Heilbronn gekrönt, welche ich seit ein paar Jahren leiten darf. Da wir in diesem Jahr keine Wahlen haben, gibt es einen interessanten Vortrag von der Europabeauftragten des Landkreises, Petra Wagner, zu hören, und die Kreisversammlung wird zudem gebeten, über einen Antrag des Kreisvorstandes zu entscheiden.

Im Falle, dass diesem Antrag zugestimmt wird, versuchen die Europäischen Föderalisten aus Heilbronn wieder einmal Neuland zu betreten und eilen damit wohl dem Gesamtverband wie auch der übrigen Gesellschaft ein wenig voraus. Wir vom Vorstand sind davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, um gerade auch durch neue Aktionen Zeichen zu setzen. Und wer weiß, vielleicht ist dies genau der richtige Zeitpunkt und es werden uns mit ein wenig Glück andere Kreisverbände folgen.

Bereits seit ein paar Wochen sind wir in anderen Angelegenheiten, z. B. den Hertensteiner Gesprächen oder auch einer weiteren neuen Idee aus Heilbronn mit unseren Nachbarkreisverbänden im Gespräch und haben dabei bereits aus Mannheim und Stuttgart sehr positive Signale erhalten.

Wenn es in Europa nicht so ganz rund läuft, dann liegt dies sicherlich nicht an uns Europäischen Föderalisten! Europa auf und Europa ab, schreiben sich Aktivisten die Finger wund oder starten eine Werbe-, Informations- oder Diskussionsveranstaltung nach der anderen. Dabei ist es inzwischen schon so weit, dass interessierte Mitbürger nicht über mangelnde Informationen, sondern höchstens über viel zu viel Informationen und Veranstaltungen klagen können — und jene, die sich darüber beklagen, dass doch so wenige Informationen vorlägen, die müssen es sich gefallen lassen, dass man ihnen eine völlige Ignoranz vorwirft.

Musikvideo des Tages

Sebastian Schaffer: „Where have all the poets gone?“

Europa

12.10.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Europa | © Shutterstock

Reisen

Man sollte doch meinen, dass sich Ministerpräsidenten, Minister, Bürgermeister und Abgeordnete ihre Urlaubsreisen selber leisten können. Darum geht es wohl aber nicht, sondern einzig und alleine darum, dass Dienstreisen wie auch Dienstwagen einfach den eigenen Status weiter unterstreichen. Wobei ersteres dann noch den Vorzug hat, dass man sich weniger um seine originären Aufgaben als Volksvertreter kümmern muss und man in Hollywood oder Kopenhagen auch kaum Gefahr läuft, auf der Straße dem Wähler Rede und Antwort stehen zu müssen.

So ist es auch nicht mehr verwunderlich, dass unsere Landesregierung zu Krisenzeiten durch die USA reist und einige Bürgermeister unseres Landkreises die Vorzüge von Kopenhagen genießen. Die Begründung für die Kopenhagenreise ist allerdings dann doch schon etwas überraschend: „unsere Bürgermeister holen sich dort Anregungen“. New York wäre sicherlich für Anregungen weit besser gewesen, aber sie wollten dort wohl nicht gemeinsam mit unserer Landesregierung um die besten Plätze des angesagtesten Restaurants der Stadt konkurrieren.

Und so können wir schon jetzt darauf gespannt sein, wo sich unsere Volksvertreter demnächst vergnügen — Verzeihung: „anregen“ — werden? Und sobald sie wieder einmal zuhause sind, steht bestimmt der nächste Urlaub an, denn diese Tage verfallen zu lassen, wäre doch jammerschade. Die wahren Profis überbrücken das Ganze noch mit Elternzeit oder einem erweiterten Kuraufenthalt, zumindest so lange, bis man sich neue Eindrücke in Rio oder Tokyo holen kann.

Verhandlungen

Thomas Spang von der Heilbronner Stimme (12.10.2022: 2) bringt die Sache auf den Punkt:

„Solange russische Truppen auf fremden Boden stehen, gibt es keine Grundlage für eine ‚Vermittlung‘. Und schon gar nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg.“

Thomas Spang, Heilbronner Stimme (12.10.2022: 2)

Ohne eigene Not haben wir Deutschen seit spätestens 2008 die russischen Angriffskriege und Verbrechen unterstützt und so ist es nur folgerichtig, dass wir nun, wo es sich immer mehr abzeichnet, dass wir selber mit die Angegriffenen sind, nun zumindest jenen Europäern helfen, die sich dem russischen Terror entgegenstellen. Und dazu gehört auch, dass wir Ukrainern Asyl gewähren, die nicht die Kraft und Entschlossenheit haben, sich dieser unbarmherzigsten Kriegsmaschinerie entgegenzustellen.

Erbärmlich ist die Hetze gegen Ukrainer bei Demonstrationen in Sachsen, wobei diese Aktionen gerade von jenen Mitbürgern kommen, die selbst ihr gesamtes Leben als „Wirtschaftsflüchtlinge“ fristen und dabei ausschließlich „auf unsere Kosten leben“! Wir müssen diesbezüglich davon ausgehen, dass die Russische Föderation ihre Fünfte Kolonne bereits in ganz Europa fest etabliert hat und nun dazu bereit ist, diese zu aktivieren — dies nennt man aktuell gerne hybride Kriegsführung.

Vortrag

Ich durfte gestern in Balingen zum europäischen Föderalismus vortragen. Da ich etwas zu früh vor Ort war, lernte ich dort noch eine nette Kneipe mit einem sehr beeindruckenden Whisky-Angebot kennen. Das wirft die Frage auf, warum gerade in Balingen?

Bekanntlich liegt in der Kürze die Würze und so konnte ich noch am selben Tag die Heimreise antreten. Mein Dank geht an die Zuhörer des Abends, die selbst mit sehr viel Expertise aufwarten konnten und sicherlich dafür sorgen werden, dass die EUROPA-UNION auch im Zollernalbkreis weiterhin sehr erfolgreich unterwegs sein wird.


Sternschanze Hamburg 2017

Gesprächsbedarf 5 (1)

Beitragsfoto: Sternschanze Hamburg 2017 | © Shutterstock

Mit den Anschlägen auf die Bahninfrastruktur im Norden der Bundesrepublik ist wohl eine neue Qualität erreicht worden, da die Attentäter offensichtlich nicht mehr aus dem Kreis der üblichen Totschläger des antidemokratischen Lagers kommen, sondern dieses Mal Terroristen tätig wurden, die etwas gekonnter vorgegangen sind. Das lässt auf einen externen staatlichen Auftraggeber schließen. Wenn man nun die Entwicklungen der letzten Jahre mit berücksichtigt, dann kann dieser Anschlag mit zu den bereits vollzogenen Angriffen der Russischen Föderation auf Europa und die freie Welt gerechnet werden.

Das wirklich Kritische an dieser Sache ist, dass unsere völlig antiquierten Nationalstaaten nicht dafür geeignet sind, um auf solche Gefahren noch adäquat reagieren zu können. Ich komme deshalb nochmals auf den schon öfters angesprochenen Sachverhalt zurück, dass heutige Gesellschaften in einer immer schneller zusammenwachsenden Welt eine gemeinsame Idee benötigen; ich hatte bereits the American Dream oder die Europäische Idee thematisiert, die unseren Gesellschaften den Kit geben könnten, der diese dann auch zusammenhält.

Im Gegensatz zu vielen Mitbürgern bin ich der Auffassung, dass unsere Nationalstaaten nur dann noch eine Existenzgrundlage haben, wenn sie für alle ihre Staatsbürger die „Sozialstaatsfunktion“ garantieren können, denn dies ist der heute noch einzig vorhandene Kit solcher Staaten. Zu vielfältig und individuell sind bereits die in einem Staat lebenden Menschengruppen, wobei Sprache, Religion oder Kultur kaum noch eine Bindungsfunktion übernehmen. Michael Wolffsohn thematisierte das Ganze bereits 2015 in seinem Buch „Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf“, wobei er einen neuen Föderalismusentwurf der verschiedenen Kommunikationsräume als Lösung vorschlug.

Mein Lösungsansatz ist weiterhin der der Europäischen Idee, welcher aber von sehr vielen Mitbürgern weiterhin als utopisch angesehen oder gar aus voller Überzeugung abgelehnt wird. Damit fallen wir auf das antiquierte Modell des Nationalstaats zurück, der, wie bereits erwähnt, nur so lange halbwegs funktionieren kann, wie er seine Staatsbürgern sozial absichert — und dies gilt sowohl für die Alteingesessenen als auch für die Neuzugänge. In allem anderen sind sich die Staatsbürger uneinig, wobei sie u. a. ganz stolz auf ihre eigene Herkunft sind, ob sie nun von den Germanen abstammen oder aus irgend einer anderen Ecke dieser Welt kommen. Einig sind sich alle vielleicht nur noch darin, dass sie gegenüber „ihrem“ Staat selber alles einklagen dürfen ohne aber selber zu eigenen „Dienstleistungen“ verpflichtet zu sein.

Und so werden wir wohl demnächst erneut den Lackmustest für unsere Nationalstaaten in Europa erleben, nämlich dann, wenn wir uns immer mehr auf einen neuen Weltkrieg zubewegen, der dann auch noch über Ideologien, Religionen und weitere Unterschiede (kurzfristig) oder einfach nur über Ressourcen und noch bewohnbare Gebiete (langfristig) geführt werden wird.

Und so müssen wir uns schon jetzt die Frage stellen, auf welcher Seite unsere Mitbürger, wo immer sie auch herkommen oder welcher Religion bzw. Weltanschauung sie sich selber zurechnen mögen, stehen werden. Denn dies ist spätestens dann von existenzieller Bedeutung, sobald die Stromnetze ausfallen, die Gas- und Wasserleitungen weniger als sonst transportieren und eine Lebensmittelverteilung schwieriger werden wird.

Kaum noch vorstellbar, dass sich dann unsere Bundesbürger allesamt hinter der Bundesflagge versammeln und gemeinsam den auftretenden Problemen und Krisen begegnen werden – die ostdeutschen Bundesbürger sind mehrheitlich schon heute weg und die Antidemokraten in der gesamten Republik basteln bereits an Molotowcocktails.

In einigen unserer Nachbarländer haben die Antidemokraten bereits das Sagen oder ziehen, wie z. B. jüngst in Frankreich zu Zehntausenden als die neue APO durch die Straßen. Und all dies noch bevor die ersten echten Schwierigkeiten ihre Auswirkungen auf uns alle haben!

Sollte es tatsächlich so weit kommen, dass die ersten Bundesbürger diesen Winter unfreiwillig und auch halbwegs unverschuldet frieren müssen, dann werden wir es sicherlich bereuen, dass wir in den letzten Jahrzehnten die US-Amerikaner mit ihrem American Dream verteufelt, die transatlantische Zusammenarbeit zerschlagen haben und zusätzlich alle Europäer, die die Europäische Idee bewarben, bestenfalls in die Ecke der hoffnungslosen Träumer verbannten.

„Es ist nicht weise, das zu verteidigen, was man ohnehin aufgeben muss.“

Niccolò Machiavelli, Die Geschichte von Florenz (1525)