Hinweisbild der Stadtbibliothek

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Beitragsfoto: Hinweisbild der Stadtbibliothek aus deren Newsletter Nr. 10/2022 | © Stadtbibliothek Heilbronn

Präsidiumssitzung

Gleich zum Tagesbeginn gab es eine sehr spannende Sitzung des Landesverbandes der Freien Wähler, welche dieses Mal allerdings wieder „online“ stattfand. Unter anderem diskutierten die Präsidiumsmitglieder über eine Überlastung der Kommunen durch eine überbordende Bürokratie und das neue Wahlrecht, welches das passive Wahlrecht auf 16 Jahre für Gemeinderäte und 18 Jahre für Bürgermeister senkt. Mehrheitlich stehen die Freien Wähler dieser „neuen Politik“ sehr skeptisch gegenüber.

Ich selbst habe mich als 17 Jähriger dafür entschieden, erst einmal einen Berufsabschluss zu erreichen, bevor ich versuche von meinem passiven Wahlrecht Gebrauch zu machen. Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut und bedauere es zutiefst, dass wir inzwischen in unserer Gesellschaft mit der Berufspolitik immer mehr zu einem Kastenwesen gelangen, das Politiker hervorbringt, die außer, dass sie in Ämter nachrücken oder tatsächlich auch beim ersten Mal gewählt werden, nichts vorzuweisen haben — weder einen qualifizierten Bildungsabschluss noch Erfahrungen in einem Beruf, der eine abgeschlossene Ausbildung zur Voraussetzung hat.

Eine demokratische Gesellschaft kann und wird nur dann überleben, wenn die Bürger selber die Politik gestalten und nicht, noch dazu völlig unqualifizierte, Mitbürger bezahlen, damit sie ihnen diese ehrenamtliche Arbeit über Jahrzehnte hinweg abnehmen.

Stadtbibliothek

Noch am Montag konnte ich von den Verantwortlichen der Stadtbibliothek bei der Mitgliederversammlung des entsprechenden Freundeskreises erfahren, dass die Stadtbibliothek zum Herbst diesen Jahres wieder an ihrem Hauptstandort im K3 öffnen wird, wobei ich — wie berichtet — den Termin eigenständig auf Ende des Jahres verlegt hatte, muss ich bereits heute in der Heilbronner Stimme lesen, dass eine Wiedereröffnung der Stadtbibliothek nicht vor 2024 erfolgen soll. So darf man getrost an der Qualifikation sämtlicher Beteiligten zweifeln.

Ich halte die Stadtbibliothek weiterhin für eine der wichtigsten Heilbronner Institutionen, auch wenn ich die kleinbürgerliche Ausrichtung derselben bedauere und mit noch größerem Bedauern zur Kenntnis nehmen musste, dass man selbst einen zeitgemäßen Umbau im Gemeinderat mehrheitlich auf das Allernotwendigste reduzierte. Was übrig bleibt ist einfach nur noch ein bildungsbürgerliches Feigenblatt, welches nun irgendwann einmal wieder halbwegs in Betrieb genommen wird.

Erstaunlich ist dabei nur, dass man sich zeitgleich ein Literaturhaus mit Spitzenbesetzung leistet und zudem an einem für Heilbronn völlig nutzlosen Kleist-Archiv Sempdner festhält. Mit diesen Geldern hätte man die Stadtbibliothek tatsächlich erblühen lassen oder gar mit einer Integration des Literaturhauses in die Stadtbibliothek eine großstädtische Lösung finden können, so wie es ursprünglich auch einmal von den damals, als ich Ende 2014 nach Heilbronn zurückkam, Verantwortlichen beabsichtigt war.

Und so hat wieder einmal eine kleinbürgerliche Vetternwirtschaft obsiegt, die überhaupt nicht zu den Großstadtansprüchen von so einigen bedeutenden Heilbronnern passen und einzig und alleine dafür sorgen, dass wir wohl noch auf Jahrzehnte hinweg von einer städtischen Baustelle zur nächsten wechseln.

Kegelabend

Der Start ins Wochenende ist mit einem sehr kurzweiligen Kegelabend gelungen, wobei sich im Anschluss noch ein paar Mitglieder der EUROPA-UNION zusammensetzten, um sich über den Sachstand der Vorbereitungen für die 7. Hertensteiner Gespräche informieren zu lassen.

Auch dieses Mal haben wir sehr interessante Gesprächskreise, wobei der Bundesverband der EUROPA-UNION mit einem Entwurf für ein föderalistisches Manifest ins Rennen gehen wird, das nachmittags bei den Hertensteiner Gesprächen gleich drei Themengebiete näher beleuchtet: ein demokratisches Europa, ein sicheres Europa und ein nachhaltiges Europa.

Die weitere Diskussion des Abend über sämtliche Themen und mögliche Referenten wie auch die passenden Moderatoren brachte ein ganz neues Thema mit ins Spiel, nämlich ein von Thomas Heiligenmann aufgeworfenes „Blühendes Europa“, welches sicherlich von Walther Heipertz mit Freude aufgenommen werden würde.

Das Problem dabei ist, wie in den sechs Jahren zuvor auch, dass die Themenvielfalt und die Tiefe der jeweiligen Diskussionen mit der dafür zur Verfügung stehenden Zeit konkurrieren. Und so wird es erneut spannend werden, wie sich die Gespräche am Samstag, 23. September 2023 entwickeln werden.

Interview mit General Ben Hodges

Richard Walker von der Deutschen Welle führte ein sehr informatives Interview mit Generalleutnant a. D. (US) Ben Hodges. Er analysiert dabei den Hintergrund der Schlacht um Bachmut, versucht das Angriffsziel einer möglichen ukrainischen Sommeroffensive herauszufinden und macht dabei zudem das notwendige militärstrategische Kriegsziel der Ukraine deutlich.

Ohne wirksame Unterstützung der USA, des Vereinigten Königreichs, Frankreichs und Deutschlands wird sich die Ukraine nicht gegen den russischen Angriff, der bereits seit 2014 andauert, erfolgreich wehren können. Ohne die Rückeroberung der Krim wird die Ukraine alleine aus militärstrategischen Gesichtspunkten nie gegen die Russische Föderation bestehen können.

Deswegen muss die USA die Rückeroberung der Krim durch die Ukraine offiziell befürworten. Ben Hodges versichert zum Schluss, dass auch die US-Republikaner hinter der Ukraine stünden und nach der kommenden US-Wahl stehen werden.


Darth Vader

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Beitragsfoto: Darth Vader | © toxi85 auf Pixabay 

Ukraine

Auch wenn sich die Ukraine, selbst entgegen den ersten militärischen Einschätzungen, besser gegen die Russische Föderation verteidigen kann als erwartet, wird sie langfristig alleine keine Überlebenschance haben; genau so wie jedes andere europäische Land auch. Ganz ohne Frage, die Kriegsschuld liegt alleine bei der Russischen Föderation, wenn gleich wir zugeben müssen, dass Frankreich und Deutschland den Russen diesen Krieg erst so richtig schmackhaft gemacht haben. Beide Länder wollten 2008 und 2014 die Integrationskosten für die Ukraine nicht stemmen, genau so wie sie eine Integration Georgiens, von Ländern des Westbalkans oder anderen Mittelmeeranrainern noch bis heute verweigern.

Völlig inkompetente Politiker denken höchstens bis zur nächsten Wahl und können sich dabei überhaupt nicht vorstellen, welche Schäden sie tatsächlich durch ihr beständiges Aussitzen anrichten! Und den meisten Mitbürgern ist dies ebenfalls völlig egal, da sie selbst nur bis zum nächsten Urlaub denken. Und so müssen wir alleine im Fall der Ukraine nach einer ersten Schätzung mit 1 Billion Euro Kriegskosten und 1 Billion Euro Wiederaufbaukosten rechnen. Eine Rechnung, die man eigentlich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy auftischen müsste. Wer am Ende die Zeche bezahlen muss, dürfte schon heute allen klar sein — aber bitte nicht aufregen, denn das ist nur ein kleiner Teil der Folgekosten die man tragen muss, wenn man rein aus Bequemlichkeit heraus die größten Schwätzer in Regierungsämter wählt.

Die Ukraine verteidigt sich mit Hilfe des Westens, wenn wir ehrlich sind, mit Hilfe der USA, die zumindest bisher — wie eigentlich immer — den größten Teil der Kosten trägt, nun seit gut einem Jahr und dürfte dabei schon jetzt bereits 100 000 Soldaten verloren haben, übrigens mehr als Deutschland in der Lage ist selbst zu rekrutieren. Aber auch wir Europäer müssen langsam aber sicher feststellen, dass uns dieser Weltkrieg zumindest finanziell sehr schwer schädigen wird. Egal wie der Krieg nun auch ausgehen mag, wir müssen alleine in Deutschland mit ein paar Millionen Ukrainern rechnen, die wir bei uns zu integrieren haben.

Aber dies alles sind völlig zu vernachlässigende Kosten, wenn die Russische Föderation erneut als Sieger aus diesem Krieg hervorgeht! Denn damit wird erst eine gewaltige Migrationsbewegung sämtlicher Osteuropäer in Gang gesetzt, die allesamt versuchen werden, um mit ihren Familien zumindest westlich des ehemaligen eisernen Vorhangs zu kommen. Und dies noch bevor die Russische Föderation zu einem weiteren Angriff auf Europa ansetzen wird.

Entgegen der jüngsten, auch US-amerikanischen (!), Veröffentlichungen geht die Russische Föderation auch dann als Sieger aus diesem Krieg hervor, wenn sie die bis 2014 eroberten Gebiete behalten darf! Wenn auch dieses Mal die deutsch-französische Achse die Ukraine zwingt, spätestens mit Regierungsantritt eines US-Republikaners wohl auch erfolgreich, einen Burgfrieden einzugehen, dann sind nicht nur gut 100 000 meist junge Europäer völlig umsonst gefallen, sondern Europa wird insgesamt nicht mehr zu retten sein! Und selbst die Rechnung unserer französischen Freunde, ein französisches Europa westlich des Rheins langfristig halten zu können, wäre ebenfalls nur mit US-amerikanischer Unterstützung möglich — ob die US-Amerikaner dies dann aber noch möchten, sei einmal dahingestellt.

Ich empfehle zur weiteren Lektüre einen sehr interessanten Artikel von Rajan Menon in Foreign Affairs vom 12. April 2023, der zwar für einen erfolgreichen ukrainischen Gegenangriff noch dieses Jahr wirbt, dies allerdings mit dem Ziel, genau solch einen von mir befürchteten Burgfrieden zu erreichen. Dieser gäbe zwar den USA wieder mehr Handlungsspielraum in Asien, wird aber zwangsläufig zur Aufgabe Europas führen und damit auch zum Ende der Freien Welt — und damit hätten wir allesamt den Dritten Weltkrieg verloren.

Andererseits aber wären unsere anstehenden Sommerurlaube gesichert — man muss als Europäer einfach Schwerpunkte setzen!

Listen

Gestern konnte ich zusammen mit weiteren Freien Wählern an unserer Liste für die kommende Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 „arbeiten“. Eine erste Sichtung der uns bereits bekannten Kandidaten war sehr erfreulich und so sind wir sehr zuversichtlich, bis zum Ende des Sommers unseren Mitgliedern eine möglichst attraktive Liste vorstellen zu können, die dann von diesen bis spätestens zum Jahresende diskutiert und beschlossen werden sollte.

Meine gute Stimmung hielt bis zum heute-journal an, als wieder einmal ein feister Berufspolitiker ohne höheren Bildungs- geschweige denn Berufsabschluss nur heiße Luft von sich gab. Was soll nur aus unserem Land werden, wenn man auf Politiker hört, die selbst zu dumm für eine Baumschule sind. Erst als mich meine bessere Hälfte darauf aufmerksam machte, dass sie nicht anders könne als an Star Wars zu denken und ich sogleich mit Jabba Desilijic Tiure antwortete, war der Abend wieder gerettet.

Und so bin ich ganz froh, dass wir Freien Wähler auf Mitbürger bauen können, welche sämtlich mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und keine Parteien benötigen, damit sie nicht unter Brücken schlafen müssen. Die ebenfalls ganz gut passende Assoziation „Dick und Doof in einer Person“ wurde bereits von einem anderen, viel bekannteren Bürger für eine weitere Berufspolitikerin verwendet.

Und da ich selbst bei der Suche nach einem Beitragsfoto immer wieder auf Star Wars aufmerksam gemacht wurde, beschloss ich den Abend, indem ich mir eine Folge von „The Mandalorian“ gönnte; aus den ersten drei Star Wars Filmen der 1970er und 1980er-Jahre ist inzwischen ein ganzes Universum geworden, wobei auch hier die Unterscheidung zwischen gut und böse nicht mehr gegeben ist.

Deswegen wäre es gar nicht so schlecht, wenn wir gerade als Land, in welchem Bildung doch so hoch geschätzt wird und alle auf eine Weltklasse-Ausbildung so mächtig stolz sind, dafür sorgen, dass unsere eigenen Volksvertreter — egal ob im Gemeinderat oder im Europäischen Parlament — wenigsten durch einen qualifizierten Berufs- und Bildungsabschluss die Chance hätten, um Politik auch zu können.

Schleusen

Man hätte es eigentlich wissen müssen, erst lassen wir unsere Infrastruktur über Jahrzehnte hinweg völlig verrotten, und dann behaupten Fachleute, dass ein zeitgemäßer Ausbau wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll sei. Als Folge davon werden nur noch die allernotwendigsten Reparaturen und manchmal sogar auch ein paar Sanierungen vorgenommen, die einzig und alleine den weiteren Zerfall noch über Jahrzehnte hinweg sicherstellen.

Da man damit den Neckar als wirtschaftlich nutzbaren Wasserweg aus dem Rennen nimmt, wie den Hafen Heilbronn bereits vorab, könnte man die nun über die nächsten Jahrzehnte verplanten Steuergelder besser zum Renaturieren des Neckars nutzen. Das passt auch ganz gut zur neuen baden-württembergischen Wirtschaftspolitik, die sich immer mehr auf eine möglichst virtuelle Hochtechnologie — egal was man auch darunter verstehen mag — konzentrieren möchte und damit zumindest die Schwerindustrie aus dem Land verbannt. Baden-Württemberg, das Ländle der Weinberge, glücklicher Kühe und künstlicher Intelligenz!

Die Forschung zur künstlichen Intelligenz und deren Entwicklung wird, wie wir es jüngst erfahren durften, aber weiterhin in Tübingen bleiben — wenn nicht gar wie bisher in den USA, Japan oder China — und Heilbronn darf sich dann mit seinem neuen Technologiepark um mögliche Anwendungen von noch in Tübingen zu erfindenden Technologien bemühen.

Bis dahin bekommen wir aber ein weiteres attraktives Wohngebiet und die jüngeren unter uns werden es noch erleben, wie sich dieses Wohngebiet entwickeln wird. Ich tippe einmal auf irgendetwas mit Weinwirtschaft, Kneipologie und Touristik.


Kneipe

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Beitragsfoto: Kneipe | © FelixMittermeier from Pixabay 

Für Karin & Lisa

Es gibt sie tatsächlich, Leser meines Weblogs, die meine Leidenschaft für Gedichte teilen. Mit Rainer Maria Rilke war es dann soweit und ich bekam eine positive Rückmeldung und diese auch noch verbunden mit sonnigen Ostergrüßen.

Was möchte ein Blogger noch mehr?

Deshalb erst eimal die Grüße zurück und als kleine Ostergabe hier ein Link zu einem Gedicht von Reiner Kunze. Das Gedicht trägt den Titel Naturgedicht und besticht durch seine Kürze wie auch Aussagekraft.

Nachtrag

Und wenn ich schon einmal dabei bin, verlinke hier noch das Gedicht „The Palace“ von Kaveh Akbar, einem US-Amerikanischen Dichter, der 1989 im Iran geboren wurde aber seit seinem zweiten Lebensjahr in den USA lebt — wohl eine typische migrantische Lebensgeschichte.

Das Gedicht wurde bereits 2019 vom New Yorker veröffentlicht und hat mich mit den Worten „There are no good kings. / Only beautiful palaces“ sofort in seinen Bann gezogen.

Stammtische

Die letzten Tage konnte ich erneut an zwei Stammtischen teilnehmen, wobei ich feststellen durfte, dass der gestrige Zwiebelrostbraten bei Weitem der beste war, den ich dieses Jahr gegessen habe. Bei unseren Stammtischen geht es in erster Linie aber nicht um das gute Essen oder die Getränke, sondern um die guten Gespräche die man vorab, während und nach dem Essen führen kann.

Ein Thema war dieses Mal ein Stammtisch selbst, denn den Europastammtisch haben wir bereits 2005 ins Leben gerufen und dieser findet seither erst zweimonatlich und nun auch schon etwas länger monatlich statt; über die Pandemiejahre hinweg wurde er teilweise ins Virtuelle verlegt. Beim besagten Europastammtisch kam ich eher zufällig neben einem Freund zu sitzen, der zusammen mit mir seit 2005 mit dabei ist. Was dazu führte, dass wir etwas sentimental wurden. Begonnen hatte der Europastammtisch mit fünf Stammtischlern, von denen zwei bereits verstorben sind, und garantierte jedes Mal einen sehr intensiven politischen Austausch, wobei aber auch mit Witzen nicht gespart wurde. Inzwischen kommen zu den Stammtischen selten weniger als 20 Teilnehmer und so hat sich zwangsläufig auch die Art und Weise wie die Stammtische ablaufen geändert. Und da es nicht immer dieselben 20 Föderalisten sind, ändert sich der Verlauf auch jedes Mal zumindest ein wenig. Die beständige Anzahl der Teilnehmer lässt dabei darauf schließen, dass wir die richtige Melange bei den Stammtischen gefunden haben.

Und so findet man auch heute noch die Gelegenheit, um sich bilateral oder in einer Kleingruppe beim Stammtisch auszutauschen und die anderen nehmen es einem auch nicht übel, wenn man sich für eine halbe Stunde einmal etwas separiert. Und für die Raucher unter den Stammtischlern ist dies schon längst zur Routine geworden.

Auf jeden Fall aber sind diese beiden Stammtische eine sehr gute Gelegenheit, um sich untereinander auszutauschen und über aktuelle Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten. Gute Stammtische bieten zudem die beste Gelegenheit, um einmal auch sehr sensible Themen so ganz nebenbei mit den Betroffenen selbst zu thematisieren — schon alleine das gute Umfeld stellt sicher, dass dabei nicht unnötiger Weise zu viel Porzellan zerbrochen wird.

Für die langjährigen Stammtischteilnehmer ist es zudem interessant zu beobachten, wie manche neu mit hinzukommen, manche bleiben aber manche auch wieder wegbleiben und ganz wenige nie wieder zurückkommen.

Schwätzer

Als Soldat mit ein paar Jahrzehnten Erfahrung auf dem Buckel, der auch ein klein wenig stolz darauf ist auf allen militärischen Ebenen, angefangen von der taktischen über die operative bis hin zur militärstrategischen, gedient zu haben, lese ich viel über den aktuellen und vermeintlichen Kriegsverlauf in der Ukraine. Neben meinem Beruf als Grundlage kommt noch mit hinzu, dass ich u. a. Clausewitz und die gesammelten Werke von Moltke dem Älteren auch gelesen habe.

Und so bin ich schon etwas erstaunt darüber, wie leichtfüßig bei uns Experten, von denen sehr viele nicht einmal wissen, wie man eine Infanteriegruppe über den Randstein führt, mit militärischen Fachbegriffen um sich werfen sowie dabei Aussagen treffen und Behauptungen aufstellen, für die jedes Militär die Kapazitäten von ganzen Stäben benötigt, um auch nur halbwegs zu solchen Schlussfolgerungen zu kommen.

Kuckt man sich diese Experten etwas näher an, denen Militär zu sein längst nicht mehr — es muss dann schon zumindest ein Militärwissenschaftler oder ein Militärökonom sein — ausreicht, kommt man noch mehr ins Staunen. Und so wundert es auch nicht weiter, dass die Bundeswehr nun insgesamt Eignung, Leistung und Befähigung ins Militärmuseum verlegt hat und Quoten, Berater und Militärexperten als die Ultima Ratio ansehen muss.

Inzwischen laufen sich Deutschlands widerlichste Berufspolitiker an den Seitenrändern warm, die zwar niemals selbst gedient haben aber dafür zumindest teilweise mit einer kriminellen Karriere aufwarten können, und tänzeln als Bundeswehroffiziere durch die Medien. Wenn es nun — Gott bewahre uns davor! — zum Krieg auch hier bei uns kommen sollte, dann führen diese illustren Gestalten die deutsche (männliche) Jugend juchzend und feixend ohne Waffen, Ausrüstung und Munition auf die Schlachtbank — dies selbstverständlich virtuell aus dem sicheren Exil heraus.

Leseempfehlung

Gerne mache ich auf einen Artikel von Elena Witzeck aus der FAZ vom 23. März 2023 aufmerksam, den sie zum Thema Generationenkonflikte geschrieben hat und der den Titel „Raus aus dem Babyboomer-Blues“ trägt. Man sollte diesen Artikel gelesen haben, vor allem wenn man selbst Elternteil eines Babyboomers ist.

Meine Leser, die nicht auf diesen Artikel zugreifen können, können mir gerne eine entsprechende Nachricht schicken.