Toilettenanlage

Öffentliche Toiletten 5 (7)

Beitragsfoto: Pixabay

Es ist noch gar nicht so lange her, ein paar Jahrzehnte vielleicht, da konnte man an allen größeren Plätzen der Stadt, den Unterführungen und sogar in den Fußgängerzonen selbst öffentliche Toilettenanlagen finden. Sie sind auch heute noch besonders für Auswärtige, Touristen und Kneipen-Tourer ein Must-have in jeder größeren Stadt.

Auch damals schon waren viele Toilettenanlagen, wenn nicht mit eigenem Personal ausgestattet oder von netten Kioskbesitzern gepflegt, ein Ärgernis — aber zumindest für den Notfall erreich- und nutzbar.

Einige solcher Toilettenanlagen erhielten sogar Kultstatus, nicht nur die am Bahnhof Zoo in Berlin waren Treffpunkte für Menschen, die nicht so ganz in unsere Gesellschaft passten, oder retteten gar bei Minustemperaturen manchen Menschen das Leben.

Heute sind die öffentlichen Toiletten aus dem Heilbronner Stadtbild verschwunden, einzig die am Marktplatz oder der Allee sind noch allseits bekannt. Jene, die im ehemaligen BUGA-Gelände spazieren, finden jüngst auch eine beim Spielplatz der Alten Reederei — dies ist aber eher der Tatsache geschuldet, um zu verhindern, dass aus den BUGA-Seen Pinkelbecken werden.

Die noch vorhandenen, aber längst stillgelegten Toilettenanlagen, etwa die im Alten Friedhof oder die am Silcherplatz, zeugen heute noch davon, dass man sich einst in Heilbronn seiner städtischen Aufgaben und Pflichten noch bewusst war.

Als Alternative zu den städtischen öffentlichen Toilettenanlagen wurde von der Stadt eine Initiative gestartet, die Toiletten in Restaurants, Cafés und anderen Firmen einfach zu öffentlichen Toiletten erklärt und diese auf der Heilbronner Website aufführt — was gerade jenen Personengruppen, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind und keine Heilbronner Interna kennen, wenig bis gar nicht weiterhilft.

Zudem hat diese Heilbronner Lösung das Problem, dass diese „öffentlichen“ Toilettenanlagen grundsätzlich sehr restriktive Öffnungszeiten haben und gerade in diesen Pandemiezeiten überhaupt nicht erreichbar sind. Ergo ist diese Heilbronner Toilettenlösung von Anfang an eine Fehlplanung, die auch gravierende Folgen nach sich zieht.

Zum einen finden jene, die dringend eine Toilette benötigen, z. B. Kinder, Auswärtige, Kneipengänger oder auch Nachtspazierer, keine Möglichkeit, um sich zivilisiert zu erleichtern, und zum anderen tragen die Besitzer von Gebäuden und Gärten in der Stadt ganz alleine die Folgen dieser Notdurftverrichtungen.

Als Heilbronner, der um das Weindorf herum groß geworden ist, kenne ich zwar von Jugend an die Pinkel- und Haufenexzesse der Weinliebhaber, wusste aber auch um die zeitliche Begrenztheit dieser fünften Heilbronner Jahreszeit.

Inzwischen hat sich das Ganze aber so weit entwickelt, dass jene, die sich noch um die Stadt kümmern, die Nase gestrichen voll haben. Auch ich habe keine Lust mehr, regelmäßig Kellerschächte oder Häuserwände aus- und abzuspülen, damit der Uringestank nicht Hausgemeinschaft und Nachbarschaft belästigt und schon gar keine Lust mehr, den Kot aus den Hauseingängen und jüngst auch aus einem Keller — die Tür war wohl offen — zu entfernen.

Mietern kann man dies heutzutage schon gar nicht mehr abverlangen und professionelle Reinigungskräfte muss man sich erst einmal leisten können.

Ohne Wenn und Aber trifft das Folgende zu: Eigentum verpflichtet! Aber auch, dass eine Tätigkeit im Gemeinderat oder gar eine Anstellung bei der Stadt Heilbronn ebenfalls Pflichten nach sich ziehen — damit meine ich nicht den Weindorfbesuch — und die Stadt Heilbronn endlich wieder der Tatsache Rechnung tragen muss, dass auch Menschen Bedürfnisse haben.

Kurzfristig muss die Stadt Heilbronn dafür Sorge tragen, dass ausreichend TOI TOI oder DIXI-Toiletten aufgestellt werden; diese kann man gerne auch direkt vor die geschlossenen „öffentlichen“ Toiletten stellen, was dann auch zusätzlich eine Steigerung des Bekanntheitsgrads mit sich bringt.

Mittel bis langfristig sollte die Stadt neue öffentliche Toilettenanlagen installieren — der oftmals bemängelte innerstädtische Leerstand bietet durchaus gute und attraktive Standorte. Und nicht jedes sich im Besitz der Stadt befindende Gebäude muss im Erdgeschoss mit einem städtischen Schreibtischarbeitsplatz aufwarten — auch hier bietet es sich an, attraktive Toilettenanlagen zu etablieren, welche z. B. in Zusammenarbeit mit SANIFAIR betrieben werden.

Auf jeden Fall aber gehören offene öffentliche Toilettenanlagen zum Stadtbild einer jeden Großstadt mit dazu und steigern zudem auch deren Attraktivität, vor allem dann, wenn diese einladend und nicht abschreckend auf die meisten Besucher wirken. Damit wäre die Heilbronner Toilettenfrage auch eine Aufgabe des Stadtmarketings.

„Wie lange eine Minute sein kann, hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentüre man sich befindet.“ 

Anon

Budapest Concert

Keith Jarrett 5 (3)

Beitragsfoto: Ausschnitt Plattencover Budapestkonzert (2020)

Als ich das Kölnkonzert (1975) von Keith Jarrett während meines Studiums in den 1980er-Jahren zum ersten Mal — leider nur auf CD — hörte, wusste ich sofort, dass ich von diesem Jazz-Pianisten öfters einmal eine CD kaufen werde. Über die Jahre hinweg haben sich dann wohl auch so einige seiner Platten in meiner Sammlung eingefunden. Seine Musik wird von mir so gerne und oft gehört, dass ich diese CD bereits vor Jahren auf meinem Server übertragen habe und damit immer, wenn mir danach ist, auf die entsprechende Platte zurückgreifen kann. Dieser Bequemlichkeit ist es wohl dann auch geschuldet, dass ich bis heute kaum eine Langspielplatte von Keith Jarrett in meiner Sammlung habe.

Noch heute dürfte the Köln Concert die bekannteste Aufnahme Jarretts sein und wohl auch seine meist verkaufte Platte. Jarretts Solokonzerte sind dabei reine Improvisationen und gemäß seiner eigenen Aussage ziemlich die enthüllendste psychologische Selbstanalyse, die er sich selber vorstellen kann. Auch wenn seine Improvisationen durchweg begeistern, sind es doch seine Einspielungen, wie etwa die Goldberg-Variationen (1989), oder sein Zusammenspiel mit anderen Musikern, die sein Können voll und ganz zur Geltung kommen lassen.

Meine Lieblingsaufnahmen von Keith Jarrett sind bis heute die folgenden:

  • Miles Davis at Fillmore (1970)
  • Another Bitches Brew (1971)
  • Death and the Flower (1974)
  • The Köln Concert (1975)
  • Concerts (Bregenz 1981)
  • Dark Intervals (1987)
  • Paris Concert (1988)
  • J. S. Bach: Goldberg-Variationen (1989)
  • Tribute (1989)
  • Dimitri Schostakowitsch: 24 Präludien und Fugen op. 87 (1991)
  • Vienna Concert (1991)
  • La Scala (1995)

Wenn ich Sie jetzt etwas neugieriger gemacht haben sollte, dann hören Sie einfach einmal in obige Aufnahmen hinein — ich bin sehr zuversichtlich, dass auch Sie die eine oder andere Aufnahme von Keith Jarrett mit in Ihre Sammlung aufnehmen werden.

„I even have dreams where I am as messed up as I really am — so I’ve found myself trying to play in my dreams, but it’s just like real life.“

Keith Jarrett, Keith Jarrett Confronts a Future Without the Piano (21. Oktober 2020)

Grüntee

Grüntee 5 (4)

Beitragsfoto: Grüntee | © Pixabay

Meine Liebe zum Tee begann bereits in den 1970er-Jahren als ich während eines Ceylon-Urlaubs den dortigen Tee kennen und lieben lernte. In Folge davon waren die Ceylon-Tees Jahrzehnte lang mein liebstes Heißgetränk. Die meist schwarzen Ceylon-Teesorten zeichnen sich dabei durch einen leicht malzigen, frischen und teilweise zitronigen Geschmack aus, wobei ich diese Tees stets und wohl aufgrund der Dosierung eher herb und stark getrunken habe. Dabei achtete ich besonders darauf, möglichst große Teeblätter verwenden zu können und goss den Tee sehr selten auch ein zweites Mal auf.

Während meiner Zeit in Polen machte uns dann Marek Ramus auf den grünen Tee aufmerksam und schaffte es, dass wir uns innerhalb von ein paar Monaten von Schwarztee- zu Grünteetrinkern weiterentwickelten. Und weil Marek den chinesischen Tee bevorzugte, gewöhnten auch wir uns an diesen. Erst Jahre später, als mich eine japanische Kollegin darauf aufmerksam machte, dass es durchaus auch guten japanischen Tee gibt, fingen wir an, auch ab und zu japanischen Tee zu probieren.

Im Gegensatz zum schwarzen Tee werden die Teeblätter beim Grüntee nicht fermentiert und wohl dabei auch aufgrund der unterschiedlichen Verarbeitung eher die Blätter der traditionellen chinesischen Teepflanze Camellia sinensis gegenüber der indischen Unterart Assamica verwendet, welche heute größtenteils eine Kreuzung beider Teearten sein dürfte.

Interessanter Weise nutzen wir von Anfang an aber immer die japanischen und meist gußeisernen Teekannen, um unseren Tee aufzubrühen. Da diese zudem gut aussehen, fingen wir an, für jede Teesorte eine eigene Kanne zu nutzen.

Aber noch heute trinken wir eher die chinesischen Sorten, welche blumiger und teilweise rauchig herb schmecken. Die japanischen Tees schmecken eher grasig und meines Erachtens teilweise sogar fischig.

Inzwischen haben wir uns auch an den indischen Darjeeling gewöhnt, den wir gerne als grünen oder weißen Tee trinken, und der unserer Meinung nach ganz gut zum Oolong passt.

Der chinesische Oolong ist seit ein paar Jahren zu unserem großen Favoriten (Yánchá) geworden, wobei wir auch den Chun Mee ganz gerne trinken. Ich persönlich trinke dann noch den Pu-Erh, ein gut gelagerter Oolong, welcher auch gerne eine schlammige Note haben darf.

Übrigens, der allseits bekannte Jasmintee ist ein Grüntee, welcher bei der Herstellung mit Jasminblüten vermischt wird, wobei zum Schluss diese wieder aus dem Tee entfernt werden.

„Ob ich morgen leben werde, weiß ich freilich nicht. Aber daß ich, wenn ich morgen lebe, Tee trinken werde, weiß ich gewiß.“

Gotthold Ephraim Lessing, Die Gewissheit (1771)