Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

6.11.02021 5 (2)

Klingenäcker

Heute konnte ich in der Heilbronner Stimme einen entsprechenden Leserbrief von Karlheinz Kimmerle lesen, der eine ganz andere, als mir bisher bekannte, Sichtweise darlegt.

Auf jeden Fall, und dies hatte ich bereits auch so geschrieben, ist die Idee, uns Steuerzahler für die notwendigen Kosten der archäologischen Grabungen auf dem Baugebiet Klingenäcker zu beteiligen, eine sehr abwegige! Es freut mich sehr, dass dies auch Kimmerle so sieht.

Völlig neu für mich ist aber diese Aussage:

Dieses „ungeeignetste Baugebiet der Welt“ musste ja gegen jeglichen Sachverstand unbedingt durchgesetzt werden. Da mussten viele alte Gärten gerodet und mehr als hundert hochstämmige Obstbäume gefällt werden. Das so verschwindende Jagdgebiet für Greifvögel musste durch Baumpflanzungen auf umliegenden Äckern teuer „ersetzt“ werden – als könne man alte Bäume einfach mal so ersetzen.

Karlheinz Kimmerle, Heilbronner Stimme (06.11.2021: 36)

Jetzt bin ich einmal gespannt darauf, ob sich jemand findet, der, zumindest für mich, Licht ins Dunkel bringen kann.

Taxifahrer

Inzwischen fehlt es den Briten sogar an etwa 160 000 Taxifahrern, und so dämmert es inzwischen vielen, dass die eigene Abschottung nicht zu den besten Ideen gehört, die man unbedingt umsetzen sollte.

Aber auch aus einer solchen Situation kann man versuchen, das beste daraus zu machen. Und so wird das Vereinigte Königreich notgedrungen wohl einen schmerzhaften Wandel hin zu einem tragfähigeren Gesellschaftsmodell durchleben.

Dass dieser Wandel auf den Schultern und auf Kosten der Schwächeren ausgetragen wird, überrascht nicht, denn war es wirklich schon einmal anders?

Die Briten werden jetzt gezwungen nicht nur über antiquierte Vorstellungen, was Arbeit eigentlich ist, nachzudenken, sondern, sie müssen diese nun auch ad acta legen und ganz neue Konzepte entwickeln und in Kraft setzen. Und dies wird zu einer gewaltigen gesamtwirtschaftlichen Veränderung führen. In den Augen der Brexiteers eine folgerichtige und intendierte Entwicklung, die das Vereinigte Königreich weiterbringen wird — eine zweite Industrielle Revolution sozusagen.

Ob diese Entwicklung auch dem Großteil der britischen Bevölkerung nutzen wird, muss sich dabei noch herausstellen. Daran müssen sich die Brexiteers letztendlich messen lassen.

Ich hätte mir gewünscht, dass man diesen durchaus notwendigen gesellschaftlichen Wandel gemeinsam europäisch und dabei auch sozial abgefedert angegangen wäre.

So bleibt uns „Kontinentaleuropäern“ — weil das Aussitzen inzwischen unsere erste und edelste Eigenschaft ist — nur abzuwarten, ob die Briten Erfolg haben werden. Sollte dies der Fall sein, werden sie damit nicht nur Europa aus den Angeln heben.

„Bündnis für Heilbronn“

Nach acht Jahren Amt als OB, eines im Gemeinderat und der Stadtverwaltung alt gewordenen Parteipolitikers, welcher angeblich „einer von uns“ ist, wobei das „uns“ auf einen sehr, sehr engen und teilweise sehr finanzkräftigen Klüngel begrenzt bleibt, muss die Angst im Gemeinderat und in Teilen der Stadtverwaltung vor Veränderung inzwischen so groß sein, dass man nun wirklich alles versucht, um seine Wiederwahl zu garantieren, und darüber hinaus bereits an einer internen Nachfolge arbeitet.

Dies erstaunt, da man nicht nur in Großstädten absichtlich nach beständiger Veränderung sucht, um gerade und nachhaltig zu verhindern, dass uralte Seilschaften am Bürgerwillen vorbei arbeiten und sich Strukturen in der Verwaltung festsetzen, die einer offenen Gesellschaft sehr schaden.

Dies lässt auch darüber nachdenken, wie viele Leichen wohl in den Kellern der betroffenen Personen liegen müssen, dass man alles in Kauf nimmt, nur um sich von ja keinem Experten von außerhalb in die Karten schauen lassen zu müssen.

So verwundert es auch keinen mehr, dass der Blitz — wieder eines noch vom Vorgänger des amtierenden OB initiiertes und durchaus auch gutes Projekt — erst kurz vor der OB-Wahl eingeweiht werden wird.

Dieser OB-Wahlkampf nimmt so langsam ungarische, wenn nicht gar westbalkanesische Züge an! Die Initiatoren dieses OB-Bündnisses sprechen deshalb auch und dies ganz zurecht „von einem Bündnis, das es in dieser Breite in einer baden-württembergischen Großstadt noch nie gab.“

Demokratie geht übrigens etwas anders, denn diese lebt gerade von Alternativen! Aber wer weiß, vielleicht wird Heilbronn demnächst sogar die erste europäische Großstadt mit einer Einheitspartei.


Geburtstag des Tages

Feng Yuxiang

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

5.11.02021 5 (2)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Marathon

Diesen Sonntag findet der inzwischen 50. New York Marathon statt. Und jedes Mal, wenn meine Kameraden aus New York zurückkamen und von ihrem wunderbaren Erlebnis berichteten, nahm ich mir vor, das nächste Jahr ebenfalls mitzulaufen.

Gut 30 Jahre später ist es mir immer noch nicht gelungen und jetzt, da ich wirklich keine vernünftige Ausrede mehr hätte, kann ich nicht mehr laufen — damit eigentlich die einzig echte.

Was lerne ich daraus? Man sollte Dinge nicht immer wieder vor sich herschieben, denn irgendwann ist es für alles zu spät. Meine immer noch gerne und gut laufenden Kameraden werden mir bestimmt vorschlagen, auf ein alternatives Transportmittel zurückzugreifen und mir bestimmt auch anbieten, mich dann auch die gesamte Strecke über zu begleiten.

Da ich wohl selbst dieses Angebot ausschlagen würde, muss ich es vielleicht doch akzeptieren, dass mir andere Dinge wichtiger sind als freiwillig 42,125 Kilometer durch eine Stadt zu joggen.

So bin ich gerade in New York sehr gerne zu Fuß und auch längere Strecken unterwegs, aber nicht wirklich unbedingt im Sportanzug und dazu noch in einem Pulk tausender Läufer.

So langt es mir in Erinnerungen meiner Kameraden zu schwelgen und den entsprechenden Beitrag in der New York Times zu lesen, und dies in der Gewissheit, dass ich sehr gerne und sehr oft meine Runde in Wäldern gezogen habe — meist alleine und in Gedanken verloren.

Fachkräftemangel

„Einmal mit Profis arbeiten.“ Diese Aussage dürfte in Deutschland künftig immer öfters zu hören sein. „Schon im vergangenen Jahr gingen viele Unternehmen davon aus, dass ihnen 2021 Fachkräfte fehlen werden.“ So eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Die Studie fährt fort: „Tatsächlich hat sich die Lage noch weiter verschärft, das zeigt unsere aktuelle Analyse. Fachkräftezuwanderung trägt dazu bei, das Problem zu mildern. Allerdings spielt sie für Unternehmen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.“

Damit ist eigentlich schon alles gesagt, außer vielleicht, dass es immer besser ist, selbst bei ausgewiesenen Fachkräften, die Ergebnisse nachzuprüfen, denn auch dort stellen sich immer häufiger grobe Fehler ein. Dies wird dann allerdings gerne mit einer permanenten Überlastung begründet und lässt sich damit wieder auf den Fachkräftemangel zurückführen.

Auch weniger erstaunlich ist, zumal wir uns mitten in einer Pandemie befinden, dass der Gesundheitssektor besonders vom Fachkräftemangel betroffen ist. Und auch hier muss man sich die Frage stellen, ob es überhaupt legitim ist, sich die entsprechenden Fachkräfte von außerhalb zu holen und damit dort vor Ort einen Fachkräftemangel zu erzeugen?

Und dass eine interne Umschichtung von Fachkräften nicht die Leitungslösung ist, können wir derzeit im Vereinten Königreich erleben, wo Busfahrer jetzt verstärkt Lastkraftwagen fahren und damit der öffentliche Nahverkehr leidet. Wobei sich zudem die Frage stellt, ob es überhaupt noch möglich ist, die überzähligen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Berufe zu bekommen, die gesellschaftlich notwendig sind und zudem dringend von allen gebraucht werden.

Dies kann man nur mittel- bis langfristig lösen, indem man anfängt, den öffentlichen Dienst wieder auf das Notwendige zu reduzieren und zudem und ganz besonders die sehr bequemen „Orchideen-Abteilungen“ abschafft, die sich meist nur auf das bloße Sesselsitzen und in völlig überflüssigen Besprechungen herumhängen beschränken.

Denn der Fachkräftemangel ist in erster Linie eine generelle Fehlentwicklung der Arbeit bei uns und eine direkte Folge von falschen Versprechungen und zumindest antiquierten Ideologien.

Und selbst in den Betrieben und damit im privaten Sektor findet man sehr schnell viele Häuptlinge aber immer weniger Indianer. Und da eine Gesellschaft nicht nur aus Häuptlingen bestehen kann, es sei denn diese sind alle bereit, die Arbeit der Indianer mitzumachen, muss dringend ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden.

Erst dann gibt es zukünftig keinen Fachkräftemangel mehr!

Bäume

Eine sehr erfreuliche Aktion fand gestern statt. Jugendliche pflanzten unter Aufsicht vom Forstamt 2 000 Bäume am Schweinsberg. Noch besser ist, dass auch Eichen darunter waren und man dabei weniger auf Exoten setzte.

Den Schülern und Auszubildenden, die sich an dieser Aktion beteiligten, sei gedankt. Hoffentlich hat es vielen Spaß gemacht, so dass wir auf eine baldige Wiederholung hoffen können. Im Heilbronner Stadtwald gibt es immer wieder ausreichend Platz, um neue Bäume zu pflanzen.

Am besten wäre es aber, wenn unsere Förster den Bäumen erlauben würden, in Ehren alt zu werden und diese nicht allesamt bei erstbester Gelegenheit zu monetarisieren.

Geburtstag des Tages

Art Garfunkel


Baum mit Bank

Mein Minimalismusprojekt 5 (4)

Beitragsfoto: Baum mit Bank | © Pixabay

Vor knapp zwei Jahren hatte ich schon einmal über Death-Cleaning geschrieben und festgestellt, dass sich dies nur auf den ersten Blick hin makaber darstellt.

„Meines Erachtens kann kein Mensch zu früh mit dem Entrümpeln des eigenen Lebens beginnen, denn letztendlich führt es dazu, dass man einmal genauer darüber reflektiert, und wer weiß, damit auch das eigene Konsumverhalten ändert.“

Bescheidenheit-Beitrag vom 25. Januar 2020

Vor lauter Pandemie-Gedöns habe ich dann allerdings das Ganze wieder aus den Augen verloren. So konnte ich bisher nur ein einige Mitgliedschaften, Social Accounts, Websites und ein paar Autoladungen an Büchern entsorgen sowie auch ein paar überzählige Elektrogeräte in andere Hände geben.

Und rein pandemiebedingt, hat sich die Anzahl meiner unnötigen Internet-Präsenzen wieder erhöht; für was so eine Pandemie alles herhalten muss.

Um das Ganze nun ein bisschen zu beschleunigen, starte ich dieses Minimalismusprojekt und versuche als eingefleischter „Jäger & Sammler“, mich zumindest einmal in der Woche von einem liebgewordenen Gegenstand zu trennen.

Schon als ich heute den ersten Gegenstand in Händen hielt, begann das eigentliche Martyrium, denn im Geiste konnte ich zwar noch an die Vorpandemiezeit anknüpfen, der Rest von mir aber sträubte sich zu sehr, um den Worten auch Taten folgen zu lassen.

So war ich richtig erleichtert, als meine bessere Hälfte, mit einem unschönen Kommentar zu meiner neuen Idee, meinen inneren Zwiespalt temporär auflöste und mich das Projekt nunmehr ein wenig vorsichtiger angehen lässt.

So nehme ich mir vor, einmal in der Woche einen Gegenstand, eine Mitgliedschaft oder eine Internet-Präsenz zu identifizieren, die ich dann zur Weitergabe, Löschung oder Entmüllung in Erwägung ziehe.

So hoffe ich, dass ich mich langsam aber sicher wieder daran gewöhne, unnötigen Ballast loszuwerden. Auch bleibt zu hoffen, dass sich mir keine weitere Pandemie dabei in den Weg stellt.

Ich halte Sie hier weiter auf dem Laufenden und freue mich auf unterstützende oder vielleicht auch „beruhigende“ Kommentare und Vorschläge.

Wer weiß, vielleicht finden sich ja noch andere, die willig und fähig sind, dieses Experiment mitzumachen?

„Have nothing in your houses that you do not know to be useful, or believe to be beautiful.“

William Morris, „The Beauty of Life“, ein Vortrag vor der Birmingham Society of Arts and School of Design (19. Februar 1880)