Militärcamp in Afrika

Kirchenbesuche 4.7 (3)

Beitragsfoto: Militärlager in Afrika

Da das Christentum die Menschheit schon eine ganze Weile begleitet, ist es eigentlich fast überall auf der Welt möglich, auch einen solchen Gottesdienst besuchen zu können — vielleicht nicht gerade einen der eigenen Konfession aber auf jeden Fall einen christlichen Gottesdienst.

Wenn man als Soldat im Ausland tätig ist, kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass man auch von Pfarrern oder Priestern begleitet wird. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, was leider vielen erst vor Ort klar wird — und wenn man Monate lang von zuhause weg ist, durchaus auch dazu führen kann, dass man die eigene Gläubigkeit ganz neu bewertet.

Vor ein paar Jahren konnte ich es leider nicht durchsetzen, dass meine Mitarbeiter und ich bei einem Einsatz in Schwarzafrika auf zumindest einen Pfarrer zurückgreifen konnten. Zugegebener Maßen haben wir dies zumindest in den ersten Wochen auch nicht sehr vermisst — die Herausforderungen waren einfach zu zahlreich.

Als wir uns dann aber vor Ort etabliert hatten und außer sehr viel Landschaft nur noch mehr Gegend vorhanden war, begrüßten wir es sehr, dass wir in der „Nachbarschaft“ eine Kirche fanden, die bei uns wenigstens sonntags für etwas Abwechslung sorgen konnte.

Und als auch ich mich ein paar Wochen später und gut eine Tagesreise von den meisten meiner Mitarbeiter entfernt, ebenfalls so zurecht gefunden hatte, dass ich glaubte, mir doch den einen oder anderen Sonntagmorgen freischaufeln zu können, suchte auch ich mir in der Nähe meiner Unterkunft eine Kirche.

Diese fand ich sogar gleich in der Nähe und pilgerte sonntags sehr früh dorthin, denn durch die Lautsprecherbeschallung einer Moschee in der Nachbarschaft wurde nicht nur ich geweckt, sondern auch ein sehr großes und vor allem sehr lautstarkes Vogelpaar, welches direkt vor meinem Fenster wohnte und sich immer und sehr lange über den Vorbeter beschwerte, so dass ausschlafen keine Alternative war. Unter der Woche konnte man sich gleich an die Arbeit machen, sonntags dann gleich auf den Weg zur Kirche.

Der Vorteil dieser Kirche war dabei, dass zumindest die sonntäglichen Gottesdienste stets in Schichten stattfanden, wobei die Kirche jedesmal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Weniger gut waren dabei die Zeitangaben, welche der Kirchengemeinde eher als grober Anhalt dienten.

So konnte ich anhand der Prozessionsaufstellung vor der Kirche sehen, wie lange es noch bis zum nächsten Gottesdienst dauert und mich dann entscheiden, ob ich mich noch in den laufenden Gottesdienst begebe oder auf den kommenden warte.

Die ersten Gottesdienste, welche immer gut zwei Stunden dauerten, verbrachte ich noch hinten in der Kirche, um als einziger Weißer nicht ganz so aufzufallen, verlor aber immer mehr die Scheu und ergatterte mir schließlich, der Bequemlichkeit wegen, doch einen Sitzplatz inmitten der Gemeinde. Was übrigens einmal dazu führte, dass ein kleines, hinter mir sitzendes Mädchen während der Predigt meinen Jackenärmel zurückschob, um zu gucken, ob mein Arm ebenfalls weiß ist. Als ich mich umdrehte und dem Mädchen in die Augen sah, verfiel es in einen Schreikrampf und die sonst sehr laute Kirche war plötzlich mäuschenstill. Die Mutter beruhigte es und die Predigt ging weiter. Kurz darauf schob das kleine Mädchen mein Hosenbein hoch und ich wagte es nicht mehr nach hinten zu schauen.

Bis auf den Frühgottesdienst folgte jeder Gottesdienst derselben Ordnung. Der Platz vor der Kirche war voll und die Menschen unterhielten sich. Bevor die Pfarrer, die Musikkapelle, andere Ehrenamtliche und die Gemeinde selbst feierlich aus der Kirche auszogen, versammelte sich die gleiche Prozession vor der Kirche, um nach dem Auszug der ersten genauso feierlich in die Kirche einzuziehen. Manche Pfarrer begleiteten dabei mindestens zwei Gottesdienste, was ich mitbekam, wenn ich mich zu spät in den Gottesdienst begeben hatte und dann gleich noch den nächsten mitverfolgte.

Da die Gottesdienste hauptsächlich in einer oder mehreren afrikanischen Sprachen stattfanden, konnte ich dem Ganzen inhaltlich nur schwer folgen, was aber weniger tragisch war, da die Musik und der Gesang immer dominierten. Und auch sonst herrschte gewöhnlich in den Reihen der Gemeinde Trubel, was manchmal den Eindruck erweckte, dass Pfarrer und Ehrenamtliche vorne einen anderen Gottesdienst feiern als der Rest der Gemeinde in den hinteren Reihen.

Manchmal kam es sogar vor, dass plötzlich ein Gemeindeglied schreiend, mit Armen und Beinen wedelnd und am ganzen Körper zittern nach vorne eilte und einer der Pfarrer so eine Art „Teufelsaustreibung“ vollführte, wobei dann die gesamte Gemeinde in eine Art Ekstase geriet.

So waren auch nach ein paar Monaten die zweistündigen Gottesdienste immer schneller vorbei als so mancher Gottesdienst bei uns. Auch blieben meine Besuche nicht unbemerkt, und so war es nur eine Frage der Zeit, dass ich nach dem Gottesdienst die Einladung zur gleich darauf folgenden Bibelstunde erhielt, was meinen sonntäglichen Kirchgang auf gut vier Stunden ausdehnte.

Anfangs waren diese Bibelstunden eine ganz besondere Erfahrung, denn die Teilnehmer analysierten unter Anleitung eines Pfarrers ein Kapitel nach dem anderen und versuchten mich dabei mit einzubinden. Dies führte aber auch dazu, dass ich immer mehr von der Gemeinde und ihrer dort vertretenen Religion mitbekam. Als dann gleich mehrere Pfarrer in der Bibelstunde insistierten, dass Homosexuelle getötet werden müssen, weil sie des Teufels seien, waren meine Kirchenbesuche in dieser Gemeinde Vergangenheit und ich nutzte die freigewordene Zeit lieber zu sonntäglichen Ausflügen ins Umland.

Meine Erfahrung mit Kirchengemeinden ist die, dass es keine zwei gleichen Kirchengemeinden gibt. Jede Kirchengemeinde ist anders und dabei einzigartig, sie spiegelt die einzelnen Kirchenglieder wider und entwickelt ihre eigenen Traditionen, auch wenn diese allesamt auf der einen Schrift — unserer Bibel — fußen. Und so kann man sich glücklich schätzen, wenn man als Christ genau die Gemeinde findet, in der man sich selbst wohl und geborgen fühlt.

„Die Irreligiösen sind religiöser als sie selbst wissen, und die Religiösen sind’s weniger, als sie meinen.“

Franz Grillparzer, Studien zur Philosophie und Religion. Historische und politische Studien (2011: 32, 1857.)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

27.6.02021 5 (1)

Bahnhof

Beim Spazierengehen habe ich mich etwas in der Bahnhofsgegend umgeschaut, das Parkhaus für Fahrräder fügt sich doch ganz gut in den Bahnhofsvorplatz ein, und auch der Blitz, eine Fußgängerbrücke, wird die Gegend sicherlich weiter aufwerten.

Wenn es nach mir ginge, würde man schnellsten noch die neue Kranenstraße realisieren und auch darüber nachdenken, ob man nicht zwischen Bahnhof und Experimenta ein Intercity-Hotel und einen Großstadtbusbahnhof mit 24-Stunden-Service und entsprechender Gastronomie platzieren könnte.

Grillen

Nach all den langen Monaten ohne größere Zusammenkünfte, war es eine sehr schöne Sache, dass wir uns gestern Nachmittag zu siebt um meinen Grill versammeln konnten. Noch besser war, dass ich keine negativen Äußerungen zu meinen Kochkünsten bekam. Ab Juli, wenn es weiterhin erlaubt sein wird, werden wir versuchen, einen etwas größeren Grillnachmittag auf die Beine zu stellen und auch eine öffentliche Lesung anzubieten. Das wirklich Spannende dabei wird sein, ob wir wieder an die Vor-COVID-19-Zeit anknüpfen und viele alte Bekannte und Freunde dazu begrüßen werden können.

Regionalwahlen

Erneut, nach dem 20. Juni 2021, zeigen die französischen Wähler, dass sie das Vertrauen in die aktuelle Politik verloren haben. Inzwischen geht in Frankreich nur noch eine Minderheit wählen. Einzig, dass auch viele der rechtsradikalen Wähler den Wahlurnen fernblieben kann man als positiv bezeichnen.

Da wir uns in Europa ähnlicher sind als viele von uns wahrhaben wollen, ist dies auch für uns ein schlechtes Vorzeichen. Ich vermute, dass, wenn wir bei der kommenden Bundestagswahl erneut eine GroKo bekommen, dass es nicht lange dauern wird, bis auch bei uns nur noch eine Minderheit wählen geht. Was das für unsere Demokratien bedeutet, muss man wohl keinem erklären.

Ich wiederhole gerne erneut, dass das nicht am Bürger oder gar den Wählern liegt, sondern einzig und alleine an unseren Parteien und ihren Berufspolitikern.

Website des Tages

Busbahnhof Esenler

Der Intercity-Busbahnhof Istanbul ist einen Besuch wert und könnte durchaus auch eine Anregung für einen, zugegebener Maßen, etwas kleineren Busbahnhof in Heilbronn sein.


Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

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Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Plausch

Beim heutigen Spaziergang, den Thomas Aurich getroffen. Wir unterhielten uns darüber, wie man Heilbronn für Studenten attraktiver gestalten könnte. Ich dachte dabei an bekanntere Professoren und spannende wissenschaftliche Theorien, er richtigerweise an ein attraktiveres Umfeld, wie z. B. eine neue Hafenloft-Disco oder gar eine Neckar Surferwelle ähnlich der Eisbach Surferwelle in München. Diese könnte ich mir ganz gut dort vorstellen, wo vor ein paar Jahren noch die Slalomstrecke für Kajakfahrer war.

Homophobie

Dass sich gerade die Ungarn um Viktor Orbán herum so homophob geben, kann ich nun gar nicht nachvollziehen, denn nicht nur seine engsten Vertrauten, wie z. B. Jozsef Szajer sind zumindest als Privatpersonen gegenüber anderen Menschen jeglichen Geschlechts und sexueller Orientierung sehr viel offener als vermutet und zudem allem Neuen gegenüber sehr aufgeschlossen. Und neben Brüssel gilt auch die ungarische Hauptstadt Budapest inzwischen als Eldorado für Schwule, die sich gerne in den renommierten Bädern der Stadt treffen und dabei enge Beziehungen zur lokalen Szene pflegen. Orbáns Aktionen und Gesetzesinitiativen stehen damit im völligen Gegensatz zur Aufgeschlossenheit und Weltoffenheit Budapests und dem Großteil seiner Bevölkerung. Noch schlimmer ist es aber, dass doch so einige Initiatoren wie auch Gesetzgeber dieses „Gesetzes zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität und Transsexualität“ damit ihre ureigenen sexuellen Neigungen völlig negieren! Für mich ein Beweis, wie ernst es bereits um die ungarische Demokratie im allgemeinen und die mentale Gesundheit der ungarischen Politiker im besonderen steht. Selbsthass war noch nie eine gute Idee!

Hochzeitstag

Wenn man schon den eigenen Hochzeitstag verbummelt, dann kann man gleich auch noch einen Blogbeitrag schreiben; da meine bessere Hälfte für mich auch die bestmögliche Ehefrau ist, muss ich zudem mit keinen ernsten Konsequenzen rechnen und darf mich über meine soziale Inkompetenz selber ärgern. Inzwischen weiß ich selbst nicht einmal mehr, wie viele der inzwischen 28 Hochzeitstage ich bereits verbummelt habe, bin mir aber sicher, dass wir davon doch den einen oder anderen gemeinsam zu spät zur Kenntnis nahmen — beim heutigen ist dies aber nicht der Fall — und uns beide im Anschluss köstlich darüber amüsierten. Vor allem dann, wenn man extra um den Hochzeitstag herum Urlaub plant und danach feststellen muss, dass der Urlaub zwar sehr schön war, der Hochzeitstag dabei aber keine Rolle spielte.

Website des Tages

ILGA World – The International Lesbian, Gay, Bisexuel, Trans and Intersex Association

Aus gegebenem Anlass verknüpfe ich hier einmal die Website des Weltverbandes für Damen und Herren, sowie alle dazwischen, welche sich nicht als hetero- oder asexuell bezeichnen.

Geburtstag des Tages

George Orwell

In erster Linie wird Orwell allen als Autor von „Farm der Tiere“ und „1984“ bekannt sein. Für mich kommt noch hinzu, dass er ein Europäischer Föderalist der ersten Stunde war, der sich kurz darauf allerdings zu einem Fatalisten entwickelte.