Gedenkstätte

SS-Affäre 4.8 (10)

Beitragsfoto: „ein historischer (NS-) Täter“

Lassen wir erst einmal einen von der Stadt bezahlten Angestellten zu Wort kommen. Auf alle Fälle ist alleine die Tatsache, dass wir als Freien Wähler eine Antwort bekommen haben, schon einmal lobenswert. Auf die eine oder andere Bürger- oder Vereinsanfrage meinerseits warte ich bereits jahrelang vergeblich.

Beim Warten durfte ich dann zwei Dinge erfahren, nämlich erstens, dass wir Heilbronner Bürger keinen Anspruch auf Antwort haben, denn dies stünde nur Gemeinderäten zu (einer der Gründe, warum ich Stadtrat werden wollte), und zweitens, dass sich auch Heilbronner Gemeinderäte glücklich schätzen, wenn sie eine Antwort von der Stadtverwaltung erhalten.

Aber nun zur offiziellen Antwort der Stadt Heilbronn.

Die Anfrage der Freien Wähler vermengt zwei getrennte Sachverhalte: Den Umgang mit OBM Dr. Hans Hoffmann und die Portrait-Galerie im Rathaus. Diese umfasst Bürgermeisterportraits aus mehr als drei Jahrhunderten bis zur Gegenwart. Die Bildnisse verkörpern die politische Tradition und Kontinuität der ehemaligen Reichsstadt und sind Verpflichtung für „gutes“ politisches Handeln. Zur Konzeption gehören auch die Stadtansichten mit der Zerstörung und dem Wiederaufbau Heilbronns. Diese niederschwellige und für den Ort passgenaue Präsentation aufzugeben ist falsch.

Der zweite Aspekt berührt den Umgang mit historischen (NS-) Tätern. Derzeit werden verschiedene Ansätze ergebnisoffen diskutiert. Eine Magazinierung des Portraits von Dr. Hoffmann käme einem Entzug aus dem öffentlichen Bewusstsein gleich und verhindert eine Auseinandersetzung. Diese ermöglicht die Kontextualisierung vor Ort, sie informiert und regt zur Beschäftigung mit historischen Themen und Personen an. Sie kann bei weiteren Erkenntnissen angepasst und erweitert werden (siehe hierzu auch die Stellungnahme des Stadtarchivs Heilbronn).

Generell ist die Fokussierung auf ein Bildnis in Bezug auf die Stadthistorie sowie die Gesamtpräsentation unverhältnismäßig.

Stichwort Verkauf: Das Sammeln und Bewahren von Kunst und Artefakten ist nicht ohne Grund eine öffentliche Aufgabe, die dem Veräußern hohe Hürden auferlegt. Zudem haben derartige Portraitdarstellungen keinen eigentlichen Marktwert.

Dezernat III, Städtische Museen (13.6.2024)

Ich kann der Stadt wohl nur dankbar sein, dass sie uns darauf aufmerksam macht, dass wir zwei getrennte Sachverhalte vermengen. Dies war mir allerdings vorab schon voll und ganz bewusst und eigentlich sind es sogar drei unterschiedliche Sachverhalte.

Nun zur Behauptung der Stadt Heilbronn, nämlich, dass die Portrait-Galerie im Rathaus … Bürgermeisterportraits aus mehr als drei Jahrhunderten bis zur Gegenwart umfasst. Meines Wissens hat man das Porträt des OB Heinrich Gültig, Nazi, SA-Mann und verurteilter Mörder, der nach knapp fünf Jahren Haft wieder auf freien Fuß gesetzt wurde und sich danach Meriten im Heilbronner Weinbau verdiente, nicht im Rathaus hängen.

Nun könnte man sich fragen, wo genau der Unterschied zwischen einem SS-Mann und einem SA-Mann liegt. Zudem, ob das Fehlen eines dieser Porträts am nachgewiesen Mord hängt, der aber gebüßt wurde und damit eigentlich keine Rolle mehr spielen dürfte.

Auf alle Fälle aber muss man sich nun fragen, nicht nur was die Stadtverwaltung unter politischer Tradition und Kontinuität der ehemaligen Reichsstadt versteht, sondern auch unter „gutes“ politisches Handeln!

Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass Portrait-Galerien gerade in Rathäusern völlig fehl am Platze sind, da diese ein völlig falsches Bild von Demokratie präsentieren. Portrait-Galerien gehören in Schlösser oder Museen, gerne auch in Archive!

Und aus ganz pragmatischen Gründen — was ich bereits in einem anderen Beitrag erwähnt hatte — sollte man sich durchaus einmal die Frage stellen, zumindest wenn man nicht auf Kriege oder Naturkatastrophen als Problemlösung baut, wie lange man überhaupt noch Platz für solche Portraits im Rathaus hat?

Verstörend dann die Behauptung der Stadt, dass eine Magazinierung des Portraits von Dr. Hoffmann … einem Entzug aus dem öffentlichen Bewusstsein gleich käme und … eine Auseinandersetzung verhindert.

Dieser Behauptung folgend, müsste man gerade heute (!) das Porträt Heinrich Gültigs gleich an das Eingangsportal des Rathauses nageln! Damit sich zumindest jeder Gemeinderat und vielleicht auch der eine oder andere städtische Angestellte oder Beamte einmal mit „gutem“ politischen Handeln beschäftigen könnte — übrigens, dem größten Teil der Heilbronner dürfte es weiterhin völlig wurscht sein! Aber nicht den Hinterbliebenen der Verfolgten des Nazi-Regimes und auch nicht jenen Demokraten, die sich noch für Demokratie interessieren.

Was uns die Stadt mit dem folgenden Satz sagen möchte: „Generell ist die Fokussierung auf ein Bildnis in Bezug auf die Stadthistorie sowie die Gesamtpräsentation unverhältnismäßig.“, verstehe ich nicht, man müsste es mir etwas näher erklären. Als alter „Verwaltungsfachmann“ befürchte ich, dass hier der Schwanz mit dem Hund wackeln will. Kann aber auch nur sein, dass dies Gemeinderatsdeutsch ist und der OB den Gemeinderäten hiermit befiehlt, nun endlich das Maul zu halten.

Lustig wiederum der Schluss des Schreibens, wo uns mitgeteilt wird, dass „diese Portraitdarstellungen keinen eigentlichen Marktwert“ haben. Ich wusste gar nicht, dass im Rathaus so viele Kunst- und Marktexperten sitzen.

Die weniger betuchten Heilbronner könnten sich diesbezüglich fragen, warum wir dann dafür überhaupt Geld ausgeben oder ob man dieses Geld nicht besser verwenden könnte. Eine ehemalige Reichsstadtverpflichtung, was immer dies auch sein mag, sorgt zumindest aktuell nicht für ausreichend Wohnraum für alle Heilbronner, geschweige denn, dass alle „ehemaligen Reichsstädter“ ein halbwegs menschenwürdiges Dasein fristen können.

Etwas demokratischer veranlagte Heilbronner könnten durchaus an den dann freien Wänden Gefallen finden, die man für eine gelebte Demokratie nutzen könnte. Thema: Bildungs-, Schul- und Kinderstadt.

Und die etwas fortschrittlicheren „Wissens- und Weltraumstadtheilbronner“ sähen lieber im Rathaus Zukunft als verstaubte Vergangenheit, mit der schon heute die Mehrheit nichts mehr anzufangen weiß.

Zum Schluss aber zurück zum Marktwert der Porträts. Beim Porträt von Helmut Himmelsbach würde sogar ich mitsteigern, da er meines Erachtens der einzige gute OB der Stadt war, den ich noch selber kenne.

Und beim Porträt von Dr. Hans Hoffmann mache ich mir überhaupt keine Gedanken, denn NS-Devotionalien werden weltweit gehandelt.


Blitz

SPD-Logik 5 (9)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Wenn man der aktuellen SPD-Logik folgt und den Worten des OB „Die Pflege unseres historischen Erbes und die Auseinandersetzung mit ihm sind mir wichtige Anliegen” etwas mehr Aufmerksamkeit widmet, dann können wir, eine Heilbronner Einheitspartei-Mehrheit vorausgesetzt, bald nach dem 9. Juni 2024 damit rechnen, dass alle Heilbronner Straßen und Plätze in den namentlichen Zustand von vor 1945 zurückversetzt werden. Und sollten die Nazis damals doch ein paar Demokraten übrig gelassen haben, könnten wir diese dann ebenfalls durch Erich Honecker und Co. ersetzen und damit gleich auch noch die DDR-Diktatur mit aufarbeiten.

Damit das Ganze einen krönenden Abschluss erhält, schlage ich vor, den Marktplatz gleich noch in Wladimir-Putin-Platz umzubenennen, damit auch die jüngste Heilbronner (Kriegs-)Partnerstadt endlich eine entsprechende Aufarbeitung erfährt.

Selbstverständlich möchte ich meinen Lesern die diesbezügliche Meinung von Kilian Krauth nicht vorenthalten.

Übrigens, es dürfte selbst für die Heilbronner Stimme etwas ungewöhnlich sein, dass ein Autor erst einen Artikel schreibt und dann gleich noch dazu den entsprechenden Meinungsbeitrag mitliefert.


Erde

3.6.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Erde, trockener Boden | © Pixabay

Sinneswandel

Erfreulich, dass nachdem sich einige Gemeinderäte der CDU dazu durchringen konnten und meine Meinung über zu viele Barber-Shops, Nagelstudios und Dönerbuden in der Kernstadt teilten, zeichnet es sich jetzt ab, dass es auch bei einigen Stimme-Redakteuren zu einem Sinneswandel kommt.

In den letzten Wochen haben mir doch so einige Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter und auch Rechtsanwälte mitgeteilt, dass meine Vorstellung einer möglichen Begrenzung dieser Läden, die ich bereits seit 2021 immer wieder formuliere, nicht machbar sei.

Ich bleibe weiterhin der Überzeugung, dass man nicht immer heulen soll, was alles nicht geht, sondern sich lieber Gedanken darüber macht, wie es vielleicht doch machbar wäre!

Wetter

Heute konnte ich ein paar kleine Flüsschen in der Gegend sehen, die sich so richtig gemausert haben. Und auch der Neckar tritt dort wo er noch kann über seine Ufer. Mein Vergleichstümpel im Heilbronner Stadtwald hat dennoch nicht den Wasserstand vergangener Jahre, was man selbst als unbedarfter Beobachter nun als nicht ganz stimmig ansehen könnte und durchaus auch sollte!

Wer jetzt noch davon ausgeht, dass es keinen Klimawandel gibt, dem dürfte wirklich nicht mehr zu helfen sein. Und wer selbst ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat und noch nicht völlig dement ist, der sieht es mit eigenen Augen wie sich unsere Umwelt verändert — nicht nur das Wetter, auch die Flora und Fauna!

So bleibt eigentlich nur noch die Frage nach den Ursachen. Und da gibt es bereits schon länger sehr seriöse und auch wissenschaftlich untermauerte Angaben.

Was mich gerade an einen Blog-Beitrag vom 4. Januar 2022 denken lässt. Aber wir machen allesamt weiter wie bisher und schreien später nach der Bundeswehr.

Wallfahrtsort

Kaum bin ich mit dem meseno-Bus unterwegs, scheinen auch ein paar Heilbronner Nazis aus ihrem Delirium tremens erwacht zu sein, denn in meinem Blog trudelten entsprechende Kommentare ein. Und da mancher gleich mit einem Hakenkreuz unterschrieben wurde, gehe ich einmal nicht davon aus, dass es Jusos waren.

Spannender Weise erregen sich diese Nazis ganz besonders über jene Blog-Beiträge, in denen ich das Abhängen eines Nazi-Porträts im Rathaus fordere. Und damit bestätigen sich meine Befürchtungen aus dem vergangenen Jahr, dass sich nun der Eingangsbereich des Heilbronner Rathauses zu einem Wallfahrtsort für Neonazis entwickelt.

Noch spannender aber ist, denn sämtliche Kommentare wurden in „Gastarbeiter-Deutsch“, welches sogar von heutigen Viertklässler bemängelt würde, verfasst, was mich nun fragen lässt, ob es wirklich keine anständigen Nazis — nicht mit anständigen Menschen zu verwechseln (!) — mehr gibt?

Das Ganze hat aber auch eine urkomische Seite, denn keine zwanzig Jahre nach seinem Tod schart nun Hans Hoffmann SPD, Jusos und Neonazis vor seinem Porträt — eine Allianz der ganz besonderen Art. Was man aber auch erklären kann, denn Berufspolitiker können ohne Probleme zwischen den Fronten hin und her geistern und dabei selbst das zusammenbringen, was eigentlich überhaupt nicht zusammen gehört!

Dies ist wohl der besondere Charme von Rattenfängern aller Art. Und schon könnte ich mit Donald Trump weitermachen. Ich belasse es für heute aber bei einem YouTube-Video.

https://youtu.be/94ALmuvtBNY?si=yPhhZw7SlsDOCHVX