Abgrund

16.7.02024 5 (6)

Beitragsfoto: Mädchen an einem Abgrund | © Shutterstock

Nachtigall

„Nachtigall ick hör dir trapsen“ oder warum werden wir Heilbronner sonst aktuell vermehrt darüber informiert, dass Friedhöfe in Deutschland grundsätzlich ein Auslaufmodell seien und deren Unterhalt oftmals nicht mehr finanziert werden könne.

VIP-Bauplätze sind in Heilbronn schon länger Mangelware und die schönen „neuen“ Plätze unterhalb des Wartbergs waren viel zu schnell weg. Da kommt es doch ganz gut, dass unser Hauptfriedhof im Heilbronner Osten und sich auch noch dort in bester Lage befindet.

Die Heilbronner „Vettern“ und deren Sprößlinge werden sich freuen und haben sicherlich auch kein Problem damit, dass ihre zukünftigen Villen auf ehemaligen Grabfeldern liegen werden. Denn auch für Heilbronn gilt das geflügelte Wort: „Lage, Lage und nochmals Lage“.

Gespräche

Zum Ende des Sommersemesters gab es ein Käffchen und ein gutes Gespräch mit Detlef Stern. Im Anschluss tingelte ich dann noch durch die fast leeren Gebäude des Bildungscampus’, selbst die vielen Kneipen und Restaurants (siehe: Ludwig Feuerbach) dieses Bildungskomplexes waren verweist — „Jedem das Seine“.

Gleich am Freitag lasse ich mich wohl von Detlef für ein weiteres Projekt „schanghaien“ — eher aber im Sinne von Goethes Fischer. Auf alle Fälle aber hat der Bildungscampus seinen ganz eigenen Charme, und sobald ich das rechte Plätzchen für mich entdecke, werde ich es mir dort auch außerhalb der Vorlesungs- oder Seminarzeiten gemütlich machen.

Der dunkle Charme der Stadtbibliothek (ein Menetekel?) schlägt mir aktuell zu sehr aufs Gemüt und so gucke ich einmal, ob ich nicht auf die Hochschulbibliothek ausweichen werden kann.

Innere Emigration

Manche träumen bereits von einer inneren Emigration; ob man diese allerdings dann auch selbst aussitzen werden kann, das kann keiner sagen. Und im glücklichen Falle, dass dann wieder das Licht am Ende des Tunnels erreicht wird, muss erneut jeder völlig verblüfft feststellen, dass die gesamte Welt nur aus Widerstandskämpfern oder zumindest aus inneren Emigranten besteht.

Letztendlich kann man keinem Menschen ins Gehirn gucken und so nehmen wir weiterhin erst einmal deren Aussagen als wahr und gegeben an. Und wie es so ist, wenn man selbst aus dunklen Zeiten kommt, hat man erst einmal ganz andere Dinge zu tun — was ebenfalls sehr menschlich ist.

Leider aber führt — und das ist ein Faktum — eine fehlende oder auch nur eine ungenügende Aufarbeitung von Fehlern dazu, dass wir Menschen bei nächstbester Gelegenheit wieder in dieselbe Misere rutschen. Und wieder einmal gilt das geflügelte Wort Johann Wolfgang von Goethes „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ (Der Fischer) — wir Deutschen lassen uns sehr gerne ziehen.

Die tiefgründigeren Blog-Beiträge aus meinem näheren Umfeld nehmen auch wieder zu. Dabei wurde ich auf das Gedicht von Hans Carossa aufmerksam gemacht.

Der alte Brunnen

Lösch aus dein Licht und schlaf! Das immer wache
Gesplätscher nur vom alten Brunnen tönt.
Wer aber Gast war unter meinem Dache,
Hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

Zwar kann es einmal sein, wenn du schon mitten
Im Traume bist, daß Unruh geht ums Haus,
Der Kies beim Brunnen knirscht von harten Tritten,
Das helle Plätschern setzt auf einmal aus,

Und du erwachst, — dann mußt du nicht erschrecken!
Die Sterne stehn vollzählig überm Land,
Und nur ein Wandrer trat ans Marmorbecken,
Der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

Er geht gleich weiter. Und es rauscht wie immer.
O freue dich, du bleibst nicht einsam hier.
Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimmer,
Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.

Hans Carossa

Konzert

Musikvideo der Woche 5 (4)

Beitragsfoto: Konzert | © Bild von Pexels auf Pixabay

Das Album von Leonard Cohen namens „Old Ideas“ (2012) habe ich mir sogleich auf einer Autofahrt und dies noch als MP-3 Version zugelegt, und so musste meine bessere Hälfte bis zum Ende der Fahrt dem Album gleich zweimal lauschen. Danach konnte ich es nur noch hören, wenn ich mit dem Hund unterwegs war — wir hatten zufällig denselben Musikgeschmack.

Das Musikvideo der Woche stammt allerdings von seinem Album „Various Positions“ aus dem Jahr 1984 und war bereits sein siebtes Album. Neben dem Lied „Dance Me to the End of Love“, welches gleich hier zu hören sein wird, ist bestimmt noch „Hallelujah“ allseits bekannt.

Den meisten Lesern dürfte Leonard Cohens Lied „Suzanne“ bekannter sein, welches er bereits 1967 auf seinem Debutalbum „Songs of Leonard Cohen“ veröffentlichte. Interessant dabei, dass er es als erstes als Gedicht 1966 herausbrachte und dies dann zuerst von Judy Collins als Lied vertont wurde. Zu seinem Gedicht wurde er übrigens von der Tänzerin Suzanne Verdal inspiriert.

Noch heute aber ist „Old Ideas“ meine Lieblingsplatte von Cohen.


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (5)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Das heutige Gedicht wird Marvin zugeschrieben und wird deshalb gerne auch als „Marvin’s lullaby“ geführt. Viele meiner Leser dürften sogleich aber an Douglas Adams denken, wobei Detlef Stern und ich befürchten, dass bereits schon zu unseren eigenen Lebzeiten immer weniger Menschen diese Verknüpfung tätigen.

How I Hate the Night

Now the world has gone to bed
Darkness won’t engulf my head
I can see by infra-red
How I hate the night

Now I lay me down to sleep
Try to count electric sheep
Sweet dream wishes you can keep
How I hate the night

MArvin (Douglas Adams)

Spannender Weise referenziert Marvin mit „try to count electric sheep“ Philip K. Dicks „Do Androids Dream of Electric Sheep?“. Dieser Roman inspirierte wiederum Ridley Scott zum Film  „Blade Runner“, der hier im Blog ebenfalls schon Thema war, was wiederum an meinen eigenen Blog-Beitrag „Wiederholungen und Anspielungen“ erinnert.

Wobei wir damit bereits wieder bei „Gödel, Escher, Bach: an Eternal Golden Braid“ wären, ein Buch, das ich gerne zumindest als Sekundärliteratur für mein Seminar „IT-Systeme“ verwenden möchte.

Bevor ich dort aber einmal so richtig elegant mit Marvin einsteige, versuche ich es zuerst einmal mit meiner neuen „Useless Box“, eine Idee, die bereits Detlef Stern positiv aufnahm.

Nun aber wieder zurück zu Marvin, der eigentlich ein Roboter ist. Gebaut wurde er laut Douglas Adams von der „Sirius Cybernetics Corporation“ und läuft mit einer Software, die auf der berühmt berüchtigten GPP (Genuine People Personalities) Technologie basiert. Verwendung findet er als (Raum)Schiffsroboter auf der „Heart of Gold“.

Wenn man Marvin selbst Glauben schenken darf, dann hat sein Gehirn die Größe eines Planeten und er ist gut 50 000 Mal intelligenter als z. B. Albert Einstein. Und obwohl ihn Zaphod Beeblebrox als „Paranoid Android“ bezeichnete und Ford Prefect ihn gerne als manisch-depressiven Roboter vorstellte, ist er m. E. doch eher ein modernes Beispiel eines Stoikers.

Nach Douglas Adams sollte Marvin wie folgt charakterisiert werden:

„We never met. But when I asked Douglas what sort of character Marvin might be he told me he was a cross between Eeyore and Clement Freud (A descendant of Freud who was a chef and TV personality who had a face like a Doberman and talked very slowly and monotonously).“

Stephen Moore in einem Interview (31.3.2012)

Derzeit liegen die Preise für einen gebrauchten Marvin noch astronomisch hoch und so werden sich die Studenten wohl auch in Zukunft weiterhin an meiner Useless Box abarbeiten müssen.

Aber bereits in wenigen Jahren ist bei uns IPAI (ein Projekt für angewandte Künstliche Intelligenz) am Start, und so bin ich guter Hoffnung, dass es doch noch etwas mit der GPP-Technologie werden wird. Bis dahin bin ich dann hoffentlich auch mit meinem Essay „Zwang und Zeit“ fertig.

Bis dahin aber arbeite ich mich weiterhin an Martin Heidegger ab und frage mich, wie viel Metaphysik, egal ob allgemein oder speziell, eigentlich in KI steckt. Hoffentlich nicht so viel wie in der Blockchain-Technologie.

Nachtrag

Es gibt tatsächlich gleich zwei Versionen von Marvin. Nämlich die des BBC (sechsteilige Fernsehserie aus 1981) und jene aus dem Film (2005). Beide dürften inzwischen Kultstatus haben.

Hier findet man Marvin aus dem Film: