Aufkleber

4.12.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Aufkleber

Vierter Dezember

Vor zwei Jahren an einem Sonntag habe ich bereits schon einmal über den vierten Dezember geschrieben. Ein Luftangriff der Royal Air Force auf Heilbronn forderte 1944 mehr als 6 500 Menschenleben. Die meisten Menschen erstickten in den Luftschutzkellern. Und so sollte man vorab einmal überlegen, was heutzutage der beste Schutz vor Luftangriffen oder Artillerieschlägen ist, bevor man nun völlig überhastet Heilbronn umzugraben beginnt.

Blähungen

Noch vor Kurzem haben Bündnis 90/Die Grünen zusammen mit der CDU unter Duldung der SPD dafür gesorgt, dass der Landtag in Stuttgart künftig noch mehr aufgebläht werden wird, und schon verweigert Winfried Kretschmann dafür die Verantwortung. Die anderen Parteien werden schnell folgen und behaupten, dass sie damit nur den Bürgerwillen durchsetzen. Dass sie dabei mit allen Mitteln das laufende Bürgerbegehren, welches sich genau gegen eine Aufblähung des Landtags richtet, behindern, verschweigen sie.

Passend dazu, dass Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol gestern noch das Kriegsrecht ausgerufen hat, was in einer Demokratie ebenfalls nicht so häufig sein dürfte. Kurz darauf hat das Parlament, die Nationalversammlung Südkoreas, das Kriegsrecht wieder aufgehoben. Die Mehrheit der 300 Abgeordneten war wohl ebenfalls etwas überrascht.

Die Republik Korea hat eine Präsidialverfassung. Ihr Staatsoberhaupt ist der Präsident, der alle fünf Jahre direkt gewählt wird, aber nach einer Amtszeit nicht wieder antreten darf. Yoon, der seit Monaten mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfen hat, tut sich seit seinem Amtsantritt 2022 schwer, seine Agenda gegen das von der Opposition kontrollierte Parlament durchzusetzen. 

Der deutsche Aktienindex DAX springt erstmals auf mehr als 20 000 Punkte, was ebenfalls eine Erwähnung wert ist. Denn er spiegelt die Wertentwicklung der 40 größten und liquidesten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes wider. Der DAX wurde von der Frankfurter Börse, der Börsen-Zeitung und der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen aus der Taufe gehoben. Als Startzeitpunkt bei 1 000 Punkten wurde der 30. Dezember 1987 festgelegt. 

Erfreulich

Gestern gab es im Zuge der Vorlesung und des Seminars gleich zwei Käffchen mit Detlef Stern. Nicht nur weil ein Student tatsächlich Interesse zeigte, war der Zettelkasten Schwerpunktthema. Eine kurze nicht repräsentative Umfrage bei den Studenten ergab, dass keine zehn Prozent über eine eigene Website oder gar über einen eigenen Zettelkasten verfügen. Wenn man dies etwas genauer betrachtet und dann noch zur Kenntnis nimmt, dass es sich hierbei um „halbe“ Informatikstudenten handelt, ein etwas weniger erfreuliches Ergebnis. — Ok, es gibt ja auch Universitätsstädte ohne Universität.

Als ich dann nachmittags wieder zuhause war, fand ich einen Brief der Stadtverwaltung vom 28.11.2024 vor.

„Das gegen Sie wegen der Handlung am 26.04.2024 in Heilbronn, Stadtkreis Heilbronn eingeleitete Ordnungswidrigkeistverfahren wird gemäß § 47 Ordnungswidrigkeitsgesetz eingestellt. Ihre notwendigen Auslagen [ich hatte keine] haben Sie jedoch selbst zu tragen.“

Damit ist die Welt für mich wieder halbwegs in Ordnung, denn nun muss keine Heilbronner Partei oder Wählervereinigung für vermeintlich falsche Plakatierungen zur Kasse treten. Ein Sieg der Vernunft, der mich zudem hoffen lässt.

Zum inzwischen üblichen Jahresabschluss gab es am Abend noch ein Treffen Europäischer Föderalisten auf dem Weihnachtsmarkt. Sehr erfreulich dabei, dass man meiner besseren Hälfte und mir Plätze freigehalten hatte und dies obwohl wir uns verspäteten; der Grund dafür weniger erfreulich.

Am späten Abend erfuhr ich dann noch, dass das Präsidium der EUROPA-UNION Deutschland die 9. Hertensteiner Gespräche am Samstag, 20. September 2025 zu einer von zwei zentralen Veranstaltungen des Bundesverbandes benannt hat. Ausreichend Räumlichkeiten und Zimmer haben wir bereits im Parkhotel reserviert. Und so freue ich mich schon heute auf möglichst viele Gäste von außerhalb.

„Often a man who is very old in years has no evidence to prove that he has lived a long time other than his age.“

Seneca, On the Tranquility of the Mind (2017: 16)

Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

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Beitragsfoto: Rathaus Heilbronn | © Shutterstock

Verabredungen

Egal welcher Art, man versucht diese auch einzuhalten; ganz besonders dann, wenn man sich persönlich zu treffen gedenkt und es zudem entsprechende Wegstrecken zurückzulegen gilt. Pünktlichkeit ist dabei eine sehr gute Idee, denn wer wartet schon selber gerne. Aber auch das Ende einer Verabredung sollte terminiert, zumindest aber mit einem „open end“-Hinweis versehen sein.

Wenn andere dann solche Verabredungen vorbereiten, wobei stets sämtliche Teilnehmer inhaltlich vorbereitet sein sollten, ist es opportun, dass man deren Vorbereitungen nicht nur berücksichtigt, sondern im Falle des eigenen Fernbleibens auch für deren Auslagen aufkommt.

Gestern bekam ich eine solche Auslage wider erwarten zurückerstattet und dies dann auch noch mit einer kleinen Spende versehen — es gibt sie noch, Menschen mit Anstand.

Titelkäufe

Der letzte Titelkauf hat dann doch nicht so recht geklappt, außer Spesen nichts gewesen. Macht ja nichts, sind doch bloß Steuergelder, und der eine oder andere Volksvertreter konnte wieder einmal durch die Welt reisen — was man als Volksvertreter halt so macht, wenn man nicht zu lokalen Feiern eingeladen wurde.

Inzwischen dürfte unsere Stadt doch den einen oder anderen Titel — ob zurecht oder nicht, sei einmal dahingestellt — bekommen haben, von denen die meisten nicht als Verkehrsschild am Stadtrand aufzustellen sind. Unser Rathaus hat in den letzten Jahren ein richtiges Kuriosum zusammengekauft. Von der Fahrradstadt bis hin zur Weststadt mit den meisten DDR-Ampelmännchen. Manches davon fand bereits hier im Blog Erwähnung.

Wobei es so richtig schade ist, dass man keine öffentliche Aufstellung über diese städtischen Errungenschaften hat. Deshalb nun meine Idee: Der OB präsentiert seine Erfolge sehr prominent im Rathaus und dies am besten gleich dort wo derzeit noch seine Vorgänger im Amt hängen. So ganz nebenbei könnte man damit das Rathaus nicht nur ein wenig entmotten sondern auch gleich noch ein wenig entnazifizieren.

„Nicht adelt ein Atrium, reich versehen mit rauchgeschwärzten Ahnenbildern; niemand hat für unseren Ruhm gelebt, und was vor uns war, gehört nicht uns: Der Geist ist es, der adelt.“ (Seneca, 2023: 277ff)

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die bereits jetzt erzielten Erfolge nicht nur die Heilbronner Bürger ins Rathaus locken, sondern darüber hinaus zu einem Publikumsmagneten, einer ganz neuen „Tourist Attraction“, werden. Ähnlich wie das ehemalige Schweinchenmuseum in Bad Wimpfen, das inzwischen als Schweine Museum in Stuttgart residiert.

Die 3-K

Die drei K stehen schon länger für Althergebrachtes bis Altbackenes und wer diesen weiter nachhing, der war schon zu meinen eigenen Jugendzeiten völlig von vorgestern. Für die etwas jüngeren meiner Leser gebe ich gerne diese drei K nochmals zu Protokoll: Kinder, Küche und Kirche.

Wohl weil dies schon so lange völlig antiquiert ist aber die drei K weiterhin ihre eigene Anziehungskraft zu haben scheinen, wurden zwischenzeitlich etliche andere 3-K-Modelle oder -Methoden entwickelt, z. B. Kunst, Kultur und Kommunikation.

In Heilbronn gibt es schon etwas länger das K3, wobei diese 3-K für Kaufen, Kino und Kultur stehen. Für das amtliche Heilbronn hat man derweil aber eine Hybridlösung gewählt, man versucht nämlich einen modernen Anstrich zu bekommen ohne aber völlig antiquierte Vorstellungen aufgeben zu müssen. Und so haben wir in Heilbronn unser ganz eigenes 3-K-Modell: Kaiserstelen, Könige und Käthchen.

Um einer künftigen KI-Stadt etwas gerecht zu werden, haben sich nun die lokalen Entscheidungsträger dazu durchgerungen, wenigstens einmal zu prüfen, ob es nicht doch vielleicht einen Weinkönig geben könnte — wissen wir doch alle, dass wenn es gut werden soll, die Sache von einem Mann in die Hände genommen werden muss. Bei einem „Kätherich“ zögern Bürgermeister und Gemeinderat dann aber doch, denn „Trans“ passt wohl noch nicht so recht in unsere Stadt.

Beim dritten K, den Kaiserstelen lassen wir uns aber überhaupt nicht lumpen, wer möchte und sich zudem an den Kosten beteiligt, der kann damit den gesamten öffentlichen Raum unserer Stadt vollstellen lassen und sich gerne selbst feiern. Manche solcher Bürger lassen dort sehr prominent ihre eigenen Namen eingravieren, andere wiederum — fast protestantisch angehaucht — vom Lokalblatt regelmäßig berichten, dass sie die edlen Spender dieser anonymen „Kaiserstele“ seien.

Wobei ich mir nicht so ganz sicher bin, ob doch der eine oder andere Gemeinderat erkannt hat, dass es sich hierbei um einen sehr modernen bürgerlichen „Stinkefinger“ handelt — was die aktuelle Zunahme solcher Stelen durchaus erklären könnte.

„Die richtige Geisteshaltung ist allen zugänglich. Wir alle sind in dieser Hinsicht adlig.“

Seneca, 5. Buch, 44. Brief (2023: 277)

Stadtbibliothek

26.10.02024 5 (7)

Beitragsfoto: Stadtbibliothek

Vermischtes

Am Donnerstag konnte ich an einer Diskussion mit gleich vier amtierenden Europaabgeordneten teilnehmen. Eine sehr spannende Angelegenheit, noch spannender aber, dass diese die Hertensteiner Gespräche auf dem Schirm hatten. Und so erhielt ich weitere Teilnahmezusagen.

Mein Seminar macht mir da schon mehr Probleme; ich bin wohl zu alt dafür. Auf alle Fälle mochte ich es noch nie, wenn Menschen — vor allem junge — die Leistung verweigern. Was mich erneut zum Thema Mindestvoraussetzungen bringt.

Der erste Weltspartag fand im Oktober 1924 statt. Ich erinnere mich daran, dass ich regelmäßig nach meinem Geburtstag die Sparbüchse zur Bank brachte. Heute spielt dieser Tag kaum noch eine Rolle. Ich gehe nicht davon aus, dass 100 Jahre Weltspartag daran etwas ändern werden.

Kann dies Zufall sein, kaum dass Donald Trump in einem McDonald’s gearbeitet hat, dort Seuchen ausgebrochen sind? Was mich schon vorab etwas verwunderte, da man auch in den USA ein gültiges Gesundheitszertifikat benötigt, um hinter dem Tresen oder gar in der Küche stehen und arbeiten zu können. Und so hat zumindest ein McDonald’s Lizenznehmer die Gesundheit seiner Gäste für den GOP-Wahlkampf geopfert.

Donald Trump weigert sich noch heute Angaben über seine Gesundheit zu machen! Wahrscheinlich hat er neben Irrsinn und Gemeingefährlichkeit auch noch Pest und Cholera.

Passend dazu, dass schon jetzt Cem Özdemir seinen Hut als Ministerpräsident in den Ring wirft — seine FDP-Regierungskollegen haben derweil schon weit lukrativere Pöstchen ergattert. Bisher kenne ich diesen Politiker nur von Korruptionsskandalen, welche ihn von Anfang an begleiten. Ok, solch eine Kontinuität ist heute in der Berufspolitik selten; da weiß dann auch wirklich jeder, was er später bekommt. Deswegen wählen auch so viele Donald Trump — da gibt es keine Überraschungen mehr.

Stadtbibliothek

Das Highlight des Europaviertels in Stuttgart dürfte sicherlich die Stadtbibliothek sein. Zuerst war ich ein wenig erstaunt darüber, wie viel Leerraum in einer Bibliothek vorhanden sein kann, dann aber, nachdem ich die ersten vier Geschosse erstiegen hatte, war ich begeistert. Allerdings nicht von den Büchern, denn die bremsten meine Begeisterung eher. Zumal ein kurzes Stöbern in meinen eigenen Fachgebieten ergab, dass die dortigen Bibliothekare dringenden Bedarf der Nacharbeit haben.

Architektonisch ist die Bibliothek aber eine Augenweide und das vorhandene Transportsystem verfrachtete mich wieder in die 1980er-Jahre zurück, nämlich als ich in Ulm das Transportsystem des Bundeswehrkrankenhauses bestaunte.

Gerne hätte ich das Bibliothekscafé genutzt, noch lieber aber die Dachterrasse. Ersteres war einfach so geschlossen und letztere wegen Renovierungsarbeiten — was man nicht verstehen muss!

So bin ich mit der Heilbronner Stadtbibliothek weiterhin sehr zufrieden, denn in der Bibliothek finden sich aktuellere Bücher, zumindest mein Wissensgebiet betreffend. Und wer gerne Kaffee trinkt, den findet man bei uns gleich nebenan.

Bürgerbeteiligung

Nicht nur meckern, auch selber einmal etwas tun! Nach einer jahrelangen Vorbereitung durch ehrenamtliche Bürger — besonders zu erwähnen ist dabei Dieter Diestler — können wir Bürger endlich selber etwas gegen einen künftigen Landtag XXL unternehmen.

Grüne und CDU, von der SPD unterstützt, wollen in eineinhalb Jahren dafür sorgen, dass auch Baden-Württemberg neben dem Deutschen Bundestag eines der größten Parlamente der Welt erhält — einzig und alleine auf unsere Kosten und sicherlich zu unserem Nachteil.

Gemäß des aktuellen Volksbegehrens soll die Anzahl der Landtagswahlkreise und damit die zu verteilenden Direktmandate von bisher 70 auf künftig 38 reduziert werden.

Nun liegen auch in Heilbronn die amtlichen Unterschriftenlisten im Rathaus aus und zwar bis zum 10. Dezember 2024. Alle Bürger können ihre Unterschrift von Montag bis Freitag im Wahlamt des Rathauses leisten. Aber auch in den Bürgerämtern besteht die Möglichkeit, das Volksbegehren mit der eigenen Unterschrift zu unterstützen. 

Sobald 770 000 Bürger das Volksbegehren unterschreiben, ist es erfolgreich! Dann muss die Landesregierung das Volksbegehren dem Landtag zur Abstimmung vorlegen — die Abgeordneten werden es sicherlich ablehnen. Bei der vorgesehenen Landtagsvergrößerung wie auch bei den regelmäßigen Diätenerhöhungen zieren sich unsere Volksvertreter weniger. Aber wenn der Landtag dem Gesetzentwurf nicht unverändert zustimmt, kommt es zur Volksabstimmung.

Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, wenn wir Bürger es wollen dann aber gewaltig. Meine bessere Hälfte und ich werden unsere Unterschrift auf alle Fälle auf die Liste setzen!

„O wann wirst Du jenen Zeitpunkt erleben, da Du Dir bewusst wirst, dass die Zeit für Dich belanglos ist, da Du gelassen und ruhig bist, unbekümmert um den morgigen Tag und in voller Zufriedenheit mit Dir selbst.“

Seneca, 4. Buch, 32. Brief (2018: 225)