Veränderung

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Beitragsfoto: Heilbronner Weinberge

Das Leben verändert sich schneller, als es jedem von uns lieb ist. Ich befürchte sogar, dass das Leben Veränderung und damit umzugehen der eigentliche Lebenszweck ist.

Auch wenn ich selbst Veränderungen liebe, habe ich dennoch so meine Schwierigkeiten, insbesondere mit der zunehmenden Verdummung und Verrohung unserer Gesellschaft. Erst heute Morgen im Stadtbad musste ich neben den Überresten eines Kothaufens duschen. Der städtische Mitarbeiter hatte sich bemüht, aber weniger erfolgreich. Was ich ihm überhaupt nicht ankreiden möchte, weil ich erst jüngst wieder einen kapitalen Kothaufen aus einem Kellerraum in der Innenstadt beseitigen musste. Und wenn man nicht die entsprechenden Werkzeuge zur Hand hat, dann ist dies eine sehr unangenehme und durchaus herausfordernde Angelegenheit.

Andere Menschen haben wiederum andere Schwierigkeiten mit der Veränderung, so zum Beispiel manche Landwirte, die es weiterhin nicht wahrhaben möchten, dass ein Geschäftsmodell, das bereits seit Generationen hinweg nur noch aufgrund von Subventionen funktioniert, zumindest etwas verändert werden müsste. Dabei immer konservativer zu werden hilft letztendlich auch nicht weiter, ganz im Gegenteil, liberal und innovativ wäre angesagt, was aber schon wieder etwas mit Intelligenz zu tun hat.

Neben der Badekultur haben uns die Römer damals auch den Wein gebracht, was wir beides bis vor Kurzem durchaus noch zu schätzen wussten. Aber auch hier sind die Veränderungen unaufhaltsam und es dürfte nicht nur am Zuzug von Ostkulturen liegen, für die beides völlig fremd scheint.

Beim Wein müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass er nicht nur — zumindest manche Weine — ein Genussmittel ist, sondern auch den Schadstoff Alkohol enthält. Was früher kein großes Hindernis darstellte, da Alkohol in erster Linie ein Betäubungsmittel ist und dies geradezu eine wünschenswerte Beigabe war. Zudem war die durchschnittliche Lebenserwartung zu gering, um selbst noch die Auswirkungen einer permanenten Einnahme von Schadstoffen miterleben zu müssen — man starb einfach noch bevor der Alkohol seine Schäden voll zur Wirkung bringen konnte.

Dies ist nun die Krux mit dem Wein, denn wir Menschen leben immer länger und es spricht sich langsam, aber sicher herum, dass man das Alter eher und besser genießen kann, wenn man im Laufe seines eigenen Lebens möglichst wenig Schadstoffe zu sich genommen hat. Zudem sind die Zeiten schon etwas länger und hoffentlich auch weiterhin so, dass man sich kaum noch „wegbeamen“ muss, um seine eigene Existenz ertragen zu können. Hinzu kommt noch, dass der Wein nicht das günstigste Mittel zum schlichten Betäuben ist und somit diese Kunden mittel- bis langfristig völlig wegbrechen werden.

Und so bleibt es unseren Winzern nicht erspart, wenn sie sich nicht auf die völlig unangebrachte und auch hoch subventionierte Produktion von Industriealkohol verlegen wollen, Weine zu produzieren, die es den Weinkennern wert sind, nicht nur ein paar Gehirnzellen zu verlieren, sondern auch die eigene Lebenszeit zu verkürzen. Bereits schon Johann Wolfgang von Goethe soll erkannt haben, dass das Leben zu kurz sei, um schlechten Wein zu trinken. Ganz zu schwiegen davon, wenn es durchaus über 100 Jahre dauern kann.

Das bedeutet aber auch, dass sich unsere Winzer mit anderen Weingärtnern messen müssen, die schon alleine aufgrund von Boden, Luft und Sonne weit bessere Voraussetzungen zur Weinproduktion haben. Und so müssen unsere Winzer nicht nur sehr guten Wein produzieren, sondern diesen auch noch mit sehr viel Imagination und noch mehr Lokalpatriotismus versehen in die Gläser gießen. Die besseren Winzer werden dabei weiterhin ihren Lebensunterhalt bestreiten können, die weniger guten sollten dabei durchaus einmal ihr Geschäftsmodell überdenken. Im Falle, dass dieses auf Subventionen basiert, wäre das nur noch für eine einzige Generation tragbar — Subventionen dürfen nicht vererbt werden, denn das ist pure Monarchie!

Und so wäre es tatsächlich angebracht, dass auch einige Wengerter ihr Geschäftsmodell grundlegend verändern, z. B. auf ökologischen und alkohol- wie auch sonst schadstofffreien Wein setzen. Vielleicht erst einmal eine Nische, vielleicht aber auch die Zukunft des Weinbaus.

Allerdings, und das ist dem ganz normalen Zeitenlauf geschuldet, werden die meisten lokalen Winzer keine Zukunft mehr im Weinbau haben — gut 2 000 Jahre Weinbau dürfte sicherlich ein guter Lauf gewesen sein, zumindest wenn man das mit dem Verbrennungsmotor vergleicht.

Und so sollten verantwortliche Eltern ihre Kinder nicht mit Traktoren demonstrieren schicken und ihnen auch noch irgendwelche Umsturzflausen in den Kopf setzen, sondern dafür sorgen, dass diese eine möglichst gute Schul- und Berufsausbildung erhalten, damit sie in Berufen Verwendung finden, die auch in den kommenden Jahrzehnten nachgefragt werden.

Das wäre nicht nur liberal, sondern durchaus auch konservativ! Übrigens, dies war das ursprüngliche Erfolgsmodell der CSU in Bayern, das diese Partei einst so erfolgreich machte.

Demonstrationen und Kundgebungen gegen Veränderung waren noch nie konservativ und werden auch nie erfolgreich werden, sie verlängern und verschlimmern nur das eigene Elend.


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