U-Bahntunnel

Gäubahn 5 (2)

Beitragsfoto: U-Bahntunnel | © Shutterstock

In sämtlichen Gesprächen, die sich um unser Europa oder auch unsere Umwelt drehen, kommt immer wieder die Bedeutung eines funktionierenden gesamteuropäischen Schienennetzes auf. Jeder wird wohl zustimmen, dass man viel zur Rettung unserer Umwelt beitragen, wenn man Verkehre auf die Schiene umleiten könnte. Aber was hat das mit der Rettung Europas zu tun? Ganz einfach, ich zitiere da einmal Detlef Stern, der es ebenfalls bereits vor etlichen Monaten thematisierte, und der erwähnte, dass es für ein europäisches Bewusstsein und eine funktionierende Europäische Union zwingend nötig ist, dass man in Heilbronn am Bahnhof ein Ticket nach Porto kaufen können muss und danach in einen Zug steigen kann, der einen auch ohne größere Abenteuer dorthin transportiert — ein paar Umstiege sind dabei bereits mit einberechnet.

Kommen wir jetzt aber zur Gäubahn, die heute wieder einmal in den Zeitungen (u. a. FAZ, 09.05.2022) thematisiert wird, weil der Bund für einen dortigen Teilstückausbau die Kosten übernehmen möchte und dies mit dem Ziel, das Projekt Stuttgart 21 doch noch halbwegs zum Funktionieren zu bekommen. Denn so wie wir es jetzt lesen können, sind die Planungen etliche Jahrzehnte alt und man hat zwei Dinge dabei vergessen(!), nämlich die Bedeutung, die der Schiene auch zukünftig zukommen soll und die sich daraus ergebenden steigenden Passagierzahlen.

Dass unsere verantwortlichen Politiker nicht gerade Leuchten sind, wissen wir schon länger, aber dass sie nicht einmal Fachleute heranziehen, bevor sie Entscheidungen treffen, verwundert dann doch noch etwas. Auf jeden Fall aber haben wir auch gelernt, dass die Grünen in Baden-Württemberg nur eine etwas aufgebesserte Union (das aktuelle Starbucks der Parteien) sind und genau so viel wie diese für unsere Umwelt übrig haben. Das sieht man am Ausbau der Windkraft oder auch am Rückbau unserer Schieneninfrastruktur — deshalb zurück zum Thema Gäubahn!

Eigentlich ist — war — die Gäubahn wie die Frankenbahn übrigens auch ein Teil der europäischen Eisenbahnmagistrale Berlin – Mailand und könnte gerade heute bei steigendem Verkehrsaufkommen eine sehr attraktive Nord-Südverbindung innerhalb Europas sein.

Und wie wir es leider miterleben mussten (Tunnel-Desaster in Rastatt) wäre eine solche Strecke, gerade wenn es Schwierigkeiten auf der Rheinschiene gibt, auch eine gute Alternative. Schon alleine deswegen müsste die Gäubahn als Teil einer Magistrale ausgebaut werden.

Und was macht unsere Regierung, ob Schwarz, ob Rot oder Grün? Sie verlegt die Gäubahn zum Stuttgarter Flughafen und macht aus ihr eine etwas bessere Pendlerstrecke. Damit und mit der Ausbauverweigerung der Frankenbahn steht es jetzt außer Frage: unsere Regierungen wollen kein europäisches Schienennetzwerk in Europa und schon gar nicht in Baden-Württemberg, sie wollen sich weiterhin nur als Provinzfürsten feiern lassen! Und dies gelingt am besten, wenn man unter sich bleibt. Stuttgart 21 als gute Verkehrsanbindung zum Oktoberfest nach München reicht nicht mehr aus, um mich eines anderen zu belehren.

Dass dabei unsere Umwelt und letztendlich auch unsere Wirtschaft das Nachsehen haben, das verstehen diese Berufspolitiker einfach nicht.

„Reichtum und Schnelligkeit ist, was die Welt bewundert und wonach jeder strebt, Eisenbahnen, Schnellposten, Dampfschiffe und alle mögliche Fazilitäten der Kommunikation sind es, worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbieten, zu überbilden und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren.“

Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Carl Friedrich Zelter (6. Juni 1825)

Auszeit

Bertrand Russell 5 (3)

Beitragsfoto: Auszeit | © Shutterstock

Mit einer Nachricht von Bertrand Russell, welche dieser bereits 1959 für zukünftige Generationen mit auf den Weg gegeben hat, möchte ich mich so langsam aber sicher in eine, wenn auch kleine Auszeit begeben.

Das gesamte Interview „Face to face“, welches Bertrand Russell bereits 87 Jahre alt gegeben hat, finden Sie gleich hier in einer knapp 30-minütigen Version:

Bertrand Russell war ein anerkannter Philosoph, Mathematiker, Logiker und Religionskritiker, der zudem 1950 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Bei uns bekannter dürfte er über das wohl beste Buch über die SPD „Die deutsche Sozialdemokratie“ sein, welches er bereits 1896 verfasste oder für seine Schrift über den Bolschewismus „The Practice and Theory of Bolshevism“ (1920). Über die deutschen Unionsparteien hat er meines Wissens nie geschrieben, das machen bei uns die jeweiligen Berufspolitiker traditionell und gerne selbst. Diese bekommen für ihre aufgebesserten Gesinnungsaufsätze zwar keinen Literaturnobelpreis, werden dafür aber regelmäßig an deutschen Universitäten promoviert — was inzwischen gute Rückschlüsse auf die Qualität und Moral der entsprechenden Fakultäten an unseren Universitäten zulässt.

Er hat aber über „Ehe und Moral“ (reinste Unionsthemen) geschrieben und erklärte uns auch, warum er kein Christ sei — er kannte wohl viel zu viele Pfarrer oder vermeintlich christliche Politiker. Was ihn vielleicht auch und dies bereits 1953 zu folgendem Buch motivierte: „Satan in the Suburbs and Other Stories“.

Ich halte seine Schriften über die westliche Philosophiegeschichte (1946) immer noch für spannend und glaube, dass er mit dem Buch „The Conquest of Happiness“ (1930) eine ganz neue Art von Lebenshilfe-Büchern initiiert hat, welche heute nicht mehr aus unseren Buchhandlungen wegzudenken sind.

Wie schon gesagt, ich nehme mir jetzt eine kleine Auszeit und überlege mir dabei auch, ob ich nicht ganz auf Soziale Medien und manch andere lieb gewonnene Helferlein verzichten kann.

„The merits of democracy are negative: it does not insure good government, but it prevents certain evils.“

Bertrand Russell, A New Social Analysis (1938)

Dodengang bei Diksmuide in Flandern

Gedicht zum Tage 5 (2)

Beitragsfoto: Dodengang bei Diksmuide in Flandern | © Shutterstock

Jetzt, wo es offenbar kein Halten mehr gibt und alle nur noch über Waffenlieferungen debattieren — ob dies nun Sinn macht oder nicht, interessiert überhaupt niemanden mehr — wobei die schlausten Mitbürger unter uns schnell noch ihre eigenen Aktienpakete entsprechend anpassen oder gleich ihr Glück als Waffenlobbyist suchen, muss ich immer öfters an den sehr empfehlenswerten Film „Lord of War“ denken.

„Es befinden sich weltweit über 550 Millionen Schusswaffen im Umlauf. Das heißt, auf diesem Planeten hat jeder zwölfte Mensch eine Schusswaffe. Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf?“ 

Yuri Orlov, Lord of War – Händler des Todes (2005)

Keine Frage, selbstverständlich benötigt die Ukraine Waffen, möglichst die bestmöglichen, aber auf jeden Fall jene Waffen, die ihre Soldaten gebrauchen können und diese dann auch mit der dazu benötigten Munition und beides in ausreichenden Mengen.

Und noch selbstverständlicher wird dies nicht während eines Krieges geregelt, sondern vor einem Krieg! Dazu benötigt man aber verantwortungsvolle und kompetente Politiker — diese haben wir leider in Deutschland weder in der Regierung noch in der Opposition.

So erinnere ich gerne nochmals an meine Beiträge zur Rüstungspolitik und beende diesen Beitrag mit einem Gedicht von John McCrae. McCrae war Schriftsteller und Mediziner, der im Ersten Weltkrieg als kanadischer Sanitätsoffizier gedient und in Trauer um einen gefallenen Kameraden am 3. Mai 1915 dieses Gedicht verfasst hat. John McCrae erkrankte aufgrund seines Kriegseinsatzes und verstarb noch am 28. Januar 1918.

In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
    That mark our place; and in the sky
    The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the Dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
    Loved and were loved, and now we lie
        In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe: 
To you from failing hands we throw
    The torch; be yours to hold it high. 
    If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
        In Flanders fields.

John McCrae

„I don’t know what was going through Vitaly’s head that day. What I do know is that Vitaly broke the cardinal rule of gun-running: never pick up a gun and join the customers.“

Nicolas Cage als Yuri Orlov in Lord of War (2005)