1. Gesprächskreis 2022

Hertensteiner Gespräche 5 (5)

Beitragsfoto: Gesprächskreis 2022 mit Michael Georg Link MdB

Tiefgründige politische Gespräche finden sich nicht mehr so oft wie selbst von vielen politisch Interessierten gedacht. Und wenn es sich dabei noch um eine ganz spezielle Zielrichtung handelt noch viel weniger. Und so sind wir Europäischen Föderalisten zum einen froh darüber, dass uns die Etablierung einer solchen Diskussionsveranstaltung gelungen ist, schwitzen aber zum anderen wieder Blut und Wasser, ob es uns auch dieses Mal gelingen wird, ausreichend Diskutanten zu finden, die sich die Mühe machen, um konzentriert einen ganzen Tag lang miteinander über europäische Themen zu sprechen.

Für wahr, es gehört schon viel Begeisterung und Engagement dazu, um aus allen Ecken Europas für einen Tag Diskussion nach Heilbronn zu reisen, zumal jeder Teilnehmer seine Kosten selber trägt. Für die Heilbronner wäre es da schon einfacher, diese müssten sich nur den Termin merken und am Samstag, 23. September 2023 zu den Gesprächen ins Parkhotel Heilbronn kommen.

Dieses Jahr haben wir für die Hertensteiner Gespräche eine sehr attraktive Location gewählt, die zudem im Zentrum der Stadt liegt und damit von allen sehr gut erreicht werden kann. Da die Gespräche einen ganzen Tag lang andauern, haben wir für eine Tagungsverpflegung gesorgt, deren Höhepunkt ein gemeinsames Mittagessen ist. Deshalb müssen wir dieses Mal von allen Teilnehmern eine Tagungspauschale erheben, welche für Europäische Föderalisten auf 10.- Euro ermäßigt ist. Alle anderen Teilnehmer zahlen 20.- Euro.

Da einige der Teilnehmer bereits am Vorabend anreisen, treffen wir uns zudem am Freitagabend in der Bar 10/42 des Parkhotels. Eine gute Gelegenheit, um den einen oder anderen Teilnehmer, Moderator oder Referenten etwas näher kennenzulernen.

Leider ist es uns nicht gelungen, den Europa-Ball am Samstagabend als Abschluss der Hertensteiner Gespräche zu realisieren; hier waren wir doch ein wenig zu optimistisch. Dafür aber werden wir zusammen mit der Tanzschule Brenner eine Europa-Party veranstalten, die sowohl den Tanzbegeisterten als auch echten Tanzmuffeln einen gelungenen Gesprächsabschluss bieten wird.

Und auch für die Partner und Begleiter unserer Gesprächsteilnehmer wird gesorgt werden. In enger Zusammenarbeit mit Heilbronn Marketing werden wir ein sehr interessantes Rahmenprogramm anbieten können. Dies ist besonders für jene interessant, die von weiters her nach Heilbronn kommen und die Gelegenheit nutzen möchten, die Stadt etwas näher kennenzulernen.

Die Gespräche selbst beginnen am Samstag um 9.00 Uhr im Parkhotel mit der Begrüßung und Vorstellung der einzelnen Gesprächskreise. Bereits am Vormittag werden u. a. Michael Georg Link MdB, Jean Marsia aus Belgien und Prof. Dr. Walther Heipertz aus Heidelberg für gute Diskussionen sorgen. Weitere und auch ganz spontane Gesprächsgruppen sind zeitgleich möglich und machen die Hertensteiner Gespräche erneut sehr spannend. An interessanten Gesprächspartnern mangelt es dabei sicherlich nicht. Mit Evelyne Gebhardt, ehemalige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Nico Weinmann MdL und Christian Moos, Generalsekretär der EUROPA-UNION, stehen sehr interessante Gesprächspartner zur Verfügung. Zudem sind ganztägig Präsidiums- und Landesvorstandsmitglieder sowie Kreisvorsitzende der EUROPA-UNION und der JEF anwesend und garantieren damit sehr fundierte Diskussionen über unser Europa und seine föderalistische Ausrichtung bis hin zu einem Bundesstaat. Dabei ist sichergestellt, dass durch die Anwesenheit von Vertretern aller demokratische Parteien die Gesamtbreite der Vorstellungen über ein gemeinsames Europa abgedeckt werden kann.

Wer sich schon jetzt einen Überblick über die Bandbreite der Diskussionen machen möchte, der kann gerne auf die Beiträge in diesem Weblog zugreifen, die von „unseren Hertensteinern“ hier bereits veröffentlicht wurden: Dr. Walther Heipertz, Michael Georg Link MdB, Jean Marsia, Christian Moos, Hans Müller und Peter Schulze; gerne aber auch auf meine Beiträge zum Thema Europa, die Sie hier finden können.

Der Samstagnachmittag steht dieses Mal voll und ganz im Zeichen unserer aktuellen Verbandsdebatte zur Erarbeitung eines Föderalistischen Manifests, welches noch vor den Wahlen zum Europäischen Parlament am 9. Juni 2024 veröffentlicht werden soll.

Der Generalsekretär der EUROPA-UNION Christian Moos wird anfangs in den Sachstand einführen und die Teilnehmer haben danach die Gelegenheit, um in Gesprächskreisen über die drei Hauptthemen „Demokratisches Europa“, „Sicheres Europa“ und „Nachhaltiges Europa“ zu diskutieren. Da diese Themen bereits virtuell das gesamte Jahr über in Online-Konferenzen besprochen wurden, können wir sicherlich auf vielfältige neue Ideen und Vorstellungen zurückgreifen. Und wer jetzt schon Lust und Laune hat, der kann sich gerne auch selbst bei den Online-Konferenzen teilnehmen und im September dann darüber aus erster Hand berichten.

Und auch zu diesen Themen erwarten wir noch weitere Moderatoren und Referenten und sind uns sicher, dass auch die inzwischen 7. Hertensteiner Gespräche wieder ein voller Erfolg werden. Und wie jedes Jahr erneut, stellen alle Teilnehmer fest, dass die Zeit am Ende wieder viel zu schnell verflogen ist und sie auch bei den nächsten Gesprächen teilnehmen wollen.

Bis dahin schwitze zumindest ich wieder Blut und Wasser, ob wir genügend Teilnehmer für die diesjährigen Gespräche gewinnen können, auch wenn ich weiß, dass es bereits Zusagen aus dem Ruhrgebiet, Straßburg, Mannheim, Heidelberg, Berlin und Stuttgart gibt.

Deshalb würde es mich sehr freuen, wenn auch meine Weblog-Leser ihre verbindlichen Anmeldungen so langsam aber sicher an mich schicken — es würde mich sehr erleichtern!

Und all jene, die nun enttäuscht sind, dass das mit dem Europa-Ball im September 2023 nicht klappt, die darf ich auf Samstag, 13. April 2024 vertrösten, denn wir haben bereits einen neuen Versuch gestartet.


Trümmer

Realpolitik 5 (3)

Beitragsfoto: Trümmer mit Abrissbagger | © Michael Gaida auf Pixabay

Wie schön waren doch noch die Zeiten, als Europa unter dem Schutzschild der US-Amerikaner seine Realpolitik hemmungslos ausleben konnte. Bis zum Fall der Mauer war das Leben für uns Europäer doch so einfach, denn die Generationen, die erstmals unter dem menschengemachten (von uns Europäern hauptsächlich) Klimawandel leiden würden, waren noch nicht geboren und der „wirtschaftliche Erfolg“ konnte durch die Ausbeutung der Entwicklungsländer sichergestellt werden. Zudem konnte man dem Geburtenschwund dadurch ausgleichen, indem der Eiserne Vorhang dafür sorgte, dass nur hoch motivierte und überdurchschnittlich gebildete Menschen den europäischen Arbeitsmarkt verstärkten; der große, meist unnütze Rest blieb im Sowjetkommunismus weggesperrt.

Dann aber gab es doch eine wesentliche Änderung, denn zum einen fingen die Entwicklungsländer eins nach dem anderen an sich zu emanzipieren und die dortigen Menschen erkannten, dass man im vermeintlichen Schlaraffenland Europa doch besser leben könnte, und zum anderen fiel der Eiserne Vorhang, was beides dazu führte, dass es für uns Europäer nun Schluss mit lustig war. Verantwortliche Politik hätte gehandelt, unsere Berufspolitiker aber — ganz realpolitisch — verschleppen die sich anbahnende Misere nunmehr bereits seit gut drei Jahrzehnten. Das mit dem Klimawandel haben sie dabei sehr schnell in den Griff bekommen, denn die Polizeikräfte reichen aus, um die künftig darunter leidenden Generationen noch in Schach zu halten; so lange, bis dieses die Suppe dann selbst auslöffeln müssen.

Schwieriger war es schon bei den anderen Herausforderungen, die man — immer noch unter dem US-Schutzschild — dann aber ebenfalls ganz pragmatisch in den Griff bekam. Zuerst wirtschaftete man die Verteidigung herunter, danach den Bildungsapparat und zum Schluss die Infrastruktur, einzig und alleine, um den vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolg und dabei vor allem die eigenen Pfründe zu erhalten.

Und als sich die totalitären Regime (Russland und China) wieder von ihrem Kalten Kriegs-Schock erholt hatten und nun ebenfalls ganz unzweideutig ihren Platz an der Sonne forderten, kam es 2008 zum Höhepunkt der europäischen Realpolitik, nämlich dem Merkel-Sarkozy-Pakt, der der Russischen Föderation erst Georgien, dann die Ukraine und später den Rest Osteuropas zusicherte, einzig und alleine, um dem „wahren Europa“ noch ein paar Jahrzehnte seinen wirtschaftlichen Erfolg zu garantieren. China wurde hingegen dadurch zufriedengestellt, dass man an dieses Land die europäischen Schlüsseltechnologien, eine nach der anderen verscherbelte.

Wirklich blöd dabei nur, dass sich die meisten Ukrainer seit letztem Jahr tatsächlich gegen den russischen Imperialismus wehren und doch so einige Unionsbürger Sympathie für den Freiheitskampf der Europäer im Osten zeigen. Denn damit zerfallen und dies für alle — auch für die ignorantesten Unionsbürger — ersichtlich langsam, aber sicher eins nach dem anderen, sämtliche potemkinschen Dörfer, die unsere Politik über die Jahrzehnte so erfolgreich aufgebaut hat.

Das große Problem dabei ist, dass im Gegensatz zu den USA und anderen demokratischen Ländern unser Europa nie wirklich so richtig demokratisch war — uns Europäern ist es nur gelungen, und dies wird der eigentliche Ursprung der europäischen Realpolitik sein, die europäischen Eliten zu korrumpieren und die mehrheitlich antidemokratisch eingestellten Bevölkerungen durch wirtschaftlichen Erfolg halbwegs für die Demokratie zu begeistern.

Der Überfall der Russischen Föderation wird deshalb — besonders wenn die Ukrainer gewinnen sollten — allen Europäern zeigen, dass Europa schon längst abgewirtschaftet hat und wir zukünftig allesamt viel kleinere Brötchen backen müssen. Dass die Unionsbürger mehrheitlich dafür der Demokratie die Schuld geben werden, ist dabei zu erwarten und auch sehr wahrscheinlich. Und spätestens dann werden wir uns in einem Dritten Weltkrieg befinden und keiner weiß, auf welcher Seite die Europäer kämpfen werden — wohl jeder Staat auf einer anderen.

Deshalb kann man es — aus realpolitischer Sicht heraus — verstehen, dass heute zum einen unser Kanzler Olaf Scholz der Ukraine nach dem Krieg (er meint: nach deren Kapitulation) eine Art von politischem Beistand verspricht und SPD-Politiker in die Ukraine reisen, um diese in „Geheimverhandlungen“ (!) zu einer Art von Frieden zwingen wollen.

Unsere Politik müsste so langsam aber sicher erkennen, dass der Klimawandel mit allen seinen tragischen Folgen schon längst da ist und dass man die Welt und die Demokratie nicht dadurch rettet, indem man Parlamente vergrößert!

Es ist längst an der Zeit, dass sich unsere Volksvertreter der tatsächlich schlimmen Realität stellen und verantwortungsvolle Politik anstatt sich mit realpolitischen Tricksereien selbst einen schönen Lenz machen und dies so lange es überhaupt noch geht.

Übrigens, andere zu verkaufen war noch nie gute Politik!


Menschen

Arier 5 (3)

Beitragsfoto: Menschen |  © Stefan Keller auf Pixabay

Heute schreibe ich einmal über ein sehr unschönes, wahrscheinlich auch äußerst problematisches Thema, welches sicherlich bei sehr vielen Mitbürgern auf völliges Unverständnis, wenn nicht gar zu sehr drastischen Reaktionen führen wird. Man kann sich diesem Thema wohl kaum von der richtigen Perspektive aus nähern und deshalb versuche ich es erst gar nicht. Auch schreibe ich — so wie ich es übrigens schon immer hier in diesem Weblog handhabe — einfach aus dem Lamäng heraus und gucke selbst einmal, wohin mich meine Gedanken so führen.

Der Anlass zu diesem Blog-Beitrag sind ein paar sehr traurige Gespräche, denen ich in den letzten Tagen zuhören durfte und mich an manchen davon sogar etwas beteiligte. Diese wiederum ließen mich an ein Streitgespräch mit einem selbst ernannten sehr jungen Arier denken, das ich als Vorsitzender der EUROPA-UNION Heilbronn in der Fußgängerzone führen musste. Deshalb verwende ich nun auch dieses Unwort als Beitragstitel, um von vornherein Missverständnisse auszuschließen und jenen, die mich sehr gerne missverstehen möchten, gleich zu Beginn ausreichend Grund dafür zu geben.

Also dieser bekennende Arier, the Worst Case eines vermeintlichen Volksdeutschen, bestand darauf, dass er als Arier — weder mit qualifiziertem Schulabschluss noch mit einer abgeschlossenen Lehre als arbeitsloser Deutscher, der sich zudem um den Militärdienst gedrückt hatte — bis zu seinem ruhmreichen Ende von seinen Volksgenossen durchgefüttert werden wird. Zugleich wünschte er mir als Befürworter von Migration die Pest an den Hals und bezeichnete mich so richtig in Fahrt gekommen, als Volksschädling, der noch schlimmeren „Menschen“ hilft, das deutsche Volk zu vernichten.

Etwas gebildetere Mitbürger, vor allem jene, die sich durchaus selbst ernähren können, nehmen wohlweislich von solchen Äußerungen Abstand, formulieren diesen vermeintlichen Sachverhalt aber nur etwas verblümter und bringen das Ganze letztendlich auf denselben Punkt: „Die oder Wir!“

Das Problem dabei ist, wer sind die „Wir“ und wer sind die „Die“?

Ich wüsste z. B. jetzt nicht, was mich dazu bewegen könnte, mich mit einem dummen, faulen Drückeberger zu identifizieren und zusammen mit diesem ein Wirgefühl zu entwickeln. Einzig und alleine die Staatsbürgerschaft verbindet mich mit diesem Herren. Und im Falle, dass dieser auf eine gemeinsame „Volkszugehörigkeit“ pocht, müsste man dies dann auch weiter ausdifferenzieren, denn es gibt sehr unterschiedliche deutsche Völker, von den Stämmen ganz zu schweigen.

Alle hatten früher, wenn überhaupt, ein paar Gemeinsamkeiten, die man vielleicht heute noch in einer Ethnie zusammenführen könnte, die sich aus drei Kriterien zusammensetzen lässt, nämlich die deutsche Sprache, die Religion, wobei das Evangelische maßgebend und Juden sowie Katholiken halt gerade noch so geduldet wären, und letztendlich dann die gemeinsame „deutsche Kultur“.

Und nähme man dies heutzutage noch wörtlich, dann würde es bestimmt um viele von uns sehr, sehr einsam werden. Vor allem dann, wenn man die eigene Leistungsfähigkeit oder die eigenen Präferenzen als Maßstab nimmt. Einen Staat kann man damit auf alle Fälle nicht (mehr) machen. Und so gibt es ein etwas belastbareres Kriterium und dies ist die Staatsbürgerschaft. Und wer diese bekommt oder nicht, ist die Aufgabe von „Verwaltungsbeamten“, die anhand von Vorschriften nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Die wirkliche Krux dabei ist, dass man seine Staatsbürgerschaft vererben kann und alleine damit sämtliche Vorschriften zum Erhalt einer Staatsbürgerschaft ad absurdum geführt werden — ich führe hier einfach einmal den selbst ernannten Arier auf.

Das Ganze führt nun aber nicht wirklich weiter, wenn wir feststellen wollen, wer „Wir“ eigentlich sind. Und dies hängt tatsächlich immer vom aktuellen Umfeld ab, die Fußballmannschaft, der Stammtisch, die Firma, das Viertel, die Straße, die Familie, die Reisegruppe usw. Das ist immer wieder das „Wir“ und dabei meist jedes Mal ein anderes.

Und demzufolge sind die „Die“ jedes Mal auch wieder immer andere.

Und selbst dies führt uns nicht sehr viel weiter und so muss man sich fragen, was meinen die Menschen tatsächlich damit, wenn sie so vehement und teilweise auch sehr verbissen von „Die oder Wir!“ sprechen?

So behaupte ich einmal frank und frei, dass es sich hierbei letztendlich einzig und alleine nur um ein „Verteilungsproblem“ handelt. Würden wir allesamt im Paradies leben, dann gäbe es das „Die oder Wir!“ überhaupt nicht. Wir wären alle „Wir“ und lebten einfach so nur vor uns hin, selbst das Rülpsen und Furzen der eigenen Nachbarn würde uns kaum vom Hocker reißen.

Das „Die“ käme wohl erst dann ins Spiel, wenn wir befürchten müssten, dass uns jemand aus diesen Träumen reißen möchte oder wir letztendlich sogar Angst bekommen, dass die „Die“ uns die Butter vom Brot holen.

Damit wäre wohl festgestellt, wer die „Die“ eigentlich sind, nämlich gerade jene, von denen wir glauben, dass diese unsere eigene Existenz gefährden — und damit sind letztendlich alle anderen — außer einem selbst — die „Die“, zumindest potenziell.

Ganz ohne Frage, es gibt sie, die Verteilungsprobleme und sie werden auch immer gravierender, ganz besonders dann, wenn wir selbst feststellen, dass man als Mensch immer älter und damit schwächer, verwundbarer und hilfsbedürftiger wird. Und zumindest ganz zum Schluss sind dann gerade alle jene die „Wir“, die uns bis zum letzten Atemzug begleiten und uns dabei vielleicht sogar die letzten Stunden erleichtern — selbst dann, wenn es sich um einen Schwarzafrikaner handeln würde!

Und jetzt ganz kurz und schmerzlos: das „Die oder Wir!“- Geschwafel und sei es noch so elaboriert, bringt niemanden wirklich weiter! Aber ja, es gibt sie, die guten und netten, wie auch die bösen und schlechten Menschen — wir alle sind das! Zumindest in der Betrachtung irgendeines anderen Menschen.

Deshalb müssen „Wir“ nach Regeln und Gesetzen suchen, die uns gemeinsam allesamt das Leben erleichtern. Und vor allem, „Wir“ müssen uns auch an die von und selbst gemachten Regeln und Gesetze halten und diese dann auch befolgen.

Und je nachdem, wie wir und wann wir dies schaffen oder auch nicht, gibt es „Wir“ die Guten oder „Wir“ die Schlechten — was sich in einem einzigen Menschenleben sehr oft und auch sehr gravierend ändern kann.

Und so werden wir auch weiterhin mit anderen zusammenleben, jenen, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und jenen, die sie (noch) nicht besitzen. Und wir werden auch weiterhin mit jenen zusammenleben, die kein Deutsch können, keinen Schulabschluss oder keinen Arbeitsplatz haben sowie auch mit jenen, die sich nach unseren eigenen Maßstäben völlig daneben benehmen oder sogar beständig Regeln und Gesetze brechen.

Wenn wir etwas ändern können, dann durch das beständige Einfordern und Einklagen des Einhalts der Regeln und Gesetze. Und dies am besten, wenn wir selbst die Regeln und Gesetze einhalten.

Wenn wir etwas ändern wollen, dann indem wir uns allesamt dazu befähigen, gutes Deutsch zu sprechen, an Gott oder zumindest an das Gute im Menschen zu glauben und ganz besonders gerade die Kultur vorzuleben, die wir bei anderen so gerne sehen würden.

„Wir sagen und Ich meinen ist eine von den ausgesuchtesten Kränkungen.“

Theodor W. Adorno, Minima Moralia (14. Auflage 2022 [1951]: 217)