Karte von Afghanistan

Afghanistan – ein anderer Blickwinkel 5 (1)

Foto: Kartenausschnitt

Das Land Afghanistan besteht etwa aus 40 Millionen Menschen, die auf gut 650 000 Quadratkilometern leben. Zum Vergleich, wir leben in Deutschland auf ca. 350 000 Quadratkilometern. Das bedeutet aber überhaupt nichts, vor allem dann, wenn man sich in Afghanistan militärisch bewegen möchte!

Dann sehen die Dinge einfach anders aus und man muss zudem der Realität ins Auge sehen. Als sich die US-Regierung vor gut 20 Jahren dazu entschloss, innerhalb der Grenzen Afghanistans Kriminelle und Terroristen zu jagen, wurde dies ursprünglich auch als Kleinkrieg mit Geheimdiensten und Kleinkriegskräften getätigt — und für alle überraschend, auch sehr erfolgreich!

Dass dies eine Trendwende in der US-Politik provozierte, hätte man voraussehen müssen. Ohne näher darauf einzugehen, kam es zu einer US-internen Auseinandersetzung, um Billionenhaushalte und das Renommee der einzelnen Truppengattungen. Der Erfolg der „Spezialkräfte“ hätte gerade zu dieser Zeit eine gewaltige Umschichtung innerhalb der US-Streitkräfte und in Folge davon auch in der Industrie gebracht. So musste der Kleinkriegsschauplatz Afghanistan, wirtschaftspolitisch betrachtet, zu einem Kriegsschauplatz werden, und der sogenannte „Mission Creep“ nahm ungehemmt seinen Lauf.

Fehler Nummer eins

Keiner der Beteiligten (außer den Militärs — und deren Meinung zählt bekanntlich nicht) hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, wie groß der Kriegsschauplatz Afghanistan überhaupt ist. Ohne das Ganze selbst näher untersucht zu haben, gehören zumindest Pakistan, Teile des Irans und Teile ehemaliger Sowjetrepubliken mit dazu.

Ohne den Kriegsschauplatz einzugrenzen und dabei auch alle — direkt oder indirekt — Beteiligten (z.B. auch China) zu involvieren, konnte von Anfang an niemals ein Erfolg — welcher Art auch immer — erzielt werden.

Das Ganze wurde bereits vorab in Korea und später in Vietnam durchexerziert, wobei zumindest der militärische Teil der NATO daraus seine Konsequenzen gezogen hatte. Dass dies erneut nicht mit berücksichtigt wurde, muss man dem Primat der Politik zuschreiben.

Fehler Nummer zwei

Der Kriegsschauplatz wurde ohne Widerspruch oder Gegenwehr für die „Lords of War“ — Waffenhänder und Hilfsorganisationen — freigegeben und fügte dem Konflikt damit eine weitere Dimension hinzu, die bis heute kaum mitbetrachtet wird, deren Auswirkungen auf den Konflikt allerdings gravierend sind.

In dieser Größe dürfte dieser Fehler noch nie aufgetreten sein und muss für zukünftige Konflikte sehr genau analysiert werden.

Fehler Nummer drei

Es gab von Anfang an Einzelinteressen — man kann das gestrige Statement von Joe Biden als Beweis nehmen — aber niemals eine abgestimmte politische und schon gar keine militärpolitische Strategie. So war von Anfang an nicht klar und nicht dokumentiert, was man im afghanischen Kriegsschauplatz zusammen erreichen wollte.

Um gleich meine idealistischen Leser zu enttäuschen: Brunnen zu bohren und Mädchenschulen zu eröffnen gehören nicht mit dazu. Dies könnte nur der Fall sein, wenn sie als Unterpunkte in einem operativen Gesamtkonzept, als für den militärischen Gesamterfolg notwendig, mit aufgeführt werden würden.

So kam es in Afghanistan zu einem bombastischen Mission Creep, wo jeder der wollte, sich eigene Ziele setzen konnte, die meist überhaupt nichts mit der Kriegssituation oder der Lage, geschweige denn mit den Interessen der afghanischen Bevölkerung, zu tun hatten.

Das Tragische dabei ist, dass die Zielerreichung, dieser meist völlig überflüssigen und zudem oftmals fatalen Ideen und Hirngespinsten, alleine den Streitkräften vor Ort aufgebürdet wurde und sie dafür für den Einsatz notwendige Ressourcen und Zeit zweckentfremden mussten.

Kurz und gut: ohne eine Strategie kann diese auch nicht für einen Kriegsschauplatz operationalisiert und damit auch nicht für die taktischen Ebenen umgesetzt werden. Damit war von Anfang an klar, dass alle dort eingesetzten Soldaten „nur verheizt“ wurden und verantwortliche militärische Führer — da kein Auftrag, politisches Geblubber zählt im „Ernstfall“ nicht, vorhanden — alles daran setzten, dass möglichst alle eigenen Soldaten wieder gesund nach Hause kamen.

Fehler Nummer vier

Da es keine Strategie gab noch gibt — nehmen wir das gestrige Statement von Joe Biden wieder als Beweis — , weiß man eigentlich nicht, wann man „gewonnen“ oder „verloren“ hat, auch nicht, wie man dann am besten wieder nach Hause kommt. Und schon gar nicht, was aus den Bevölkerungen wird, die man über Jahre hinweg belästigt, belogen oder gar bekämpft hat.

Die irrsinnige Vorstellung, diese jetzt für ihr Ungemach nach Europa oder den USA umsiedeln zu wollen, ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass man nach gut 20 Jahren immer noch nicht weiß, was man überhaupt macht, geschweige denn will!

Fehler Nummer fünf

Wir, vor allem unsere Politiker, sind immer noch fest davon überzeugt, dass wir alles richtig gemacht haben und richtig machen. Am deutschen Wesen wird die Welt weiterhin genesen.

Wir werden das Ganze auch niemals analysieren oder gar aufarbeiten. Alle maßgeblich Beteiligten sind Helden und die Opfer einfach nur „überflüssige“ Menschen, die selber an ihrem Schicksal Schuld sind.

Und sollte jemals ein Verantwortlicher in Verantwortung genommen werden — was bei all den Toten und Verstümmelten sowie auch den Unsummen verschwendeter Steuergelder wünschenswert wäre –, dann ist schon jetzt klar, dass die Schuldigen aus dem Ausland kommen — das steht so im Grundgesetz und darf nicht angezweifelt werden!

(Bin mal gespannt darauf, wer jetzt nachschaut.)

„Die größte Leistung besteht darin, den Feind ohne Kampf zu besiegen.“

Sunzi, Die Kunst des Krieges

Bundestag

Volksvertreter 5 (3)

Bundestag |  © clareich auf Pixabay

Ein Volksvertreter ist ein Mensch, der sich für andere Menschen über die aktuellen Probleme und ganz besonders über die zukünftigen Herausforderungen informiert, nach entsprechenden und tragfähigen Lösungen sucht und mit dazu beiträgt, dass die bestmöglichen Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden.

Volksvertreter findet man auch in Diktaturen oder anderen totalitären Gesellschaftsmodellen; diese werden aber meist nicht nach demokratischen Regeln gewählt und sie entscheiden auch nicht, sondern sind alleine Claqueure für die Maßnahmen der jeweiligen Machthaber.

In repräsentativen Demokratien, wo nicht jeder Bürger selbst über alles abstimmen muss, sondern diese für jede Gesellschaft notwenige Informations-, Entscheidungs- und Begründungsarbeit anderen Mitbürgern überlassen darf, bietet es sich an, dass man zumindest sehr erfahrene, aber auf jeden Fall möglichst intelligente und ehrbare Mitbürger als Repräsentanten des Bürgerwillens auswählt.

Da die einzige Kriterien für einen Volksvertreter das Gewähltwerden, ob direkt oder auf Liste, manchmal auch nur das „Nachrücken“ sind, tragen die Parteien und Wählergruppen eine große Verantwortung in der Auswahl der entsprechenden Kandidaten.

Als Bürger sollte man dabei den Anspruch erheben dürfen, vor allem, weil es sich dabei inzwischen um Bestverdiener-Dienstposten und keinen Bürgerdienst ehrenamtlicher Mitbürger mehr handelt, dass die, für die Kandidatenaufstellung, Verantwortlichen zumindest halbwegs geeignete Kandidaten aufstellen.

Was auf jeden Fall nicht geht ist, dass Täuscher, Betrüger, Kriminelle oder völlig un(aus)gebildete Parteimitglieder, denen zudem jegliche (Lebens)Erfahrung fehlt, auf den Listen auftauchen, denn diese werden nach ihrer Wahl, einzig in den Lebensläufen zu anständigen und leistungsfähigen Menschen.

Zudem werden diese niemals in der Lage sein, ihre oben beschriebene Aufgabe nur halbwegs zu erledigen, was letztendlich dazu führt, dass sie, wenn sie selbst nicht korrupt werden, nur als Claqueure für Regierungsentscheidungen dienen und damit jede Demokratie begraben.

Da dies sehr viele Mitbürger immer öfters mitverfolgen müssen, und dazu noch notwendige Entscheidungen zu spät, wenn überhaupt kommen, muss man sich nicht wundern, dass immer mehr Mitbürger auf ihr Wahlrecht verzichten, gar an totalitären Regimen Gefallen finden, oder ihr Heil bei den Querdenkern suchen.

Jede Demokratie stirbt von innen heraus und wir können dies gerade sehr gut miterleben.

„The ship of Democracy, which has weathered all storms, may sink through the mutiny of those aboard.“

Grover Cleveland (15. Februar 1894)

5. Hertensteiner Gespräche

5. Hertensteiner Gespräche 5 (2)

Beitragsfoto: 5. Hertensteiner Gespräche

Auch diese Hertensteiner Gespräche werden wieder sehr interessant. Leider finden sie auch dieses Mal nur virtuell statt. Dennoch ist es uns gelungen, erneut mit guten Themen und fachkundigen Moderatoren aufzuwarten.

Am Samstag, 18. September 2021, von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr werden insgesamt vier Themen ausdiskutiert.

Thema 1: Die Europäische Bürgerinitiative – Was wir nach knapp 10 Jahren wissen

Thema 2: Was hat die Coronakrise mit dem europäischen Selbstbewusstsein der Europäer gemacht?

Thema 3: Die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen für Europa

Thema 4: Warum benötigen wir die Vereinigten Staaten von Europa so schnell wie möglich?

Als Moderatoren konnten dieses Jahr Bettina Kümmerle, Prof. Dr. Walther Heipertz, Michael Georg Link MdB, Christian Moos, Javier Giner, Leonhard Reinwald und Konstantin Kümmerle gewonnen werden.

Ich freue mich jetzt schon auf die interessanten und bestimmt auch sehr spannenden Gespräche!

Wer mehr darüber wissen möchte, der kann hier die Einladung und das Programm einsehen, oder auch die Website der Hertensteiner Gespräche besuchen.

„Good communication is stimulating as black coffee, and just as hard to sleep after.“

Anne Morrow Lindbergh, Gift from the Sea (2015 [1955]: 61)