Ebenengerecht

Gerade heutzutage ist jede Information frei verfügbar; man muss nur drei Dinge wissen; erstens, dass es sie gibt, zweitens, wo sie zu finden ist und drittens, wie man an sie herankommt.

Aber nicht jede Information ist auch für einen selbst bestimmt oder gar von eigenem Interesse, und wenn doch, dann oftmals in solch einer Art und Weise sowie Menge vorhanden, dass man sie kaum bis überhaupt nicht verstehen bzw. verarbeiten kann. Selbst die auf jeden und beständig hereinbrechende Informationsflut ist viel zu groß, um überhaupt nur das Interessantestes herausfiltern oder gar verarbeiten zu können.

Jeder von uns entwickelt deshalb seine eigenen Filter, um möglichst die für ihn relevantesten Informationen zu erhaschen. Und jeder, der selbst versucht Informationen an den Mann zu bringen, merkt schnell, wie schwer dies ist. Schon alleine die passenden Filter seiner Mitmenschen zu finden ist eine Herkules-, wenn nicht gar eine Sisyphosaufgabe.

Und selbst wenn Sender und Empfänger auf die selben Informationen zurückgreifen wollen, und auch die gleichen Filter benutzen, scheitern viele am Push- oder Pull-Prinzip. Und wenn sie nicht daran scheitern, dann sicherlich an den Informationen, welche über die unterschiedlichen Ebenen hinweg verteilt werden — gerade in Zeiten von E-Mail eine sehr bedenkliche Entwicklung; deren Weiterleitungsfunktion für viele Unternehmen oder Organisationen der eigentliche Grund für ihr Systemversagen.

Organisationsstruktur

Funktioniert der Informationsfluss von „bottom up“, „top down“ oder gar völlig hierarchiefrei? Wobei letzteres dazu führt, dass man nicht von Ebenen sprechen kann und damit ein wesentliches Organisationsinstrument außen vor lässt, was zu ganz eigenen Besonderheiten führt und in diesem Beitrag nicht erörtert werden soll.

Je nach Strukturform, wobei die zentralistischen eher den „top down“- Approach und die föderalistischen eher den „bottom up“-Approach nutzen, muss die Hauptrichtung des Informationsflusses festgelegt werden. Hinzu kommt noch, dass man die Informationsflüsse auch zwischen den gleichwertigen Ebenen regeln muss.

Sobald man weiß, wie die Informationen fließen, kann man sich weiterführende Gedanken machen.

Push-Pull-Prinzip

Am besten kommt man dann zurecht, wenn in die Informationsrichtung das Push-Prinzip gilt und man den folgenden Ebenen das Pull-Prinzip ermöglicht. Sollte die Ebenenanzahl (vertikal als auch horizontal) größer sein, bietet es sich an, dass man die Reichweite beider Prinzipien, ob Push oder Pull grundsätzlich festlegt.

Und damit kommen wir zur Funktionsweise von Ebenen.

Ebenengerecht

Wie bereits erwähnt, der Tod jeder Führungsebene ist das Durchstechen von Informationen, das Übergehen von Ebenen oder, am schlimmsten, die eigene Irrelevanz einer oder mehrerer Ebenen. Jede Ebene hat ihre Funktion und Verantwortlichkeit, sonst ist sie völlig überflüssig — an dieser Stelle setzten früher gerne Beraterfirmen an und kürzten ganze Hierarchien zusammen, und im Falle, dass sie die Unternehmenstruktur nicht verstanden hatten, war es das dann auch für die gesamte Firma oder Organisation.

Kommt eine Information bei einer Ebene per Push-Prinzip an, ist diese auszuwerten und ggf. sind weitere Informationen per Pull-Prinzip einzuholen. Nachdem die Information auf Relevanz für die nächste Ebene überprüft wurde, geht diese per Push-Prinzip dorthin. Im Falle, dass die eingegangene Information mit der weitergegebenen völlig übereinstimmt, sollte man sich spätestens über seine eigene Existenz in der Organisation Gedanken machen.

Dass die Information beim Empfänger auch angekommen ist, merkt man spätestens dann, dass dieser mit dem Pull-Prinzip zusätzliche Informationen einholt.

Need-to-Know | Nice-to-Know

Um seine eigene Ebene nicht ohne notwendigen Grund selbst überflüssig zu machen, sollte man stets darauf achten, keine eingehende E-Mail über die eigene Ebene hinweg weiterzuleiten; und selbst auf der eigenen Ebene sollte man darauf achten, nur nach dem Need-to-know-Prinzip vorzugehen, sonst tritt man digital verstärkt eine Informationslawine los, die oftmals schon heute ganze Unternehmen, Organisationen und Behörden lahmlegt.

Meine diesbezügliche Lieblingserfahrung ist, als ich 2012 in eine sehr langatmige Besprechung gebeten wurde, in der ein Thema heftig debattiert wurde, welches bereits vor Wochen an anderer Stelle erfolgreich abgeschlossen worden war.

„Do not seek for information of which you can make no use.“

Anna C. Brackett, The Technique of Rest (1892: 77)

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