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Beitragsfoto: Hände | © Pixabay

Der 5. Dezember, internationaler Tag des Ehrenamts, ist eine gute Gelegenheit, um einmal ein wenig über das „Ehrenamt“ nachzudenken. Eigentlich eine klare Angelegenheit und auch eine bürgerliche Selbstverständlichkeit. Ich behaupte sogar, dass jede Gesellschaft, die das Ehrenamt kennt und auch pflegt, eine erfolgreiche ist. Und Gesellschaften die das Ehrenamt nicht kennen, die sogenannten Bakschisch-Gesellschaften, auch nie so erfolgreich werden können.

Dies wurde mir erst vor Kurzem so richtig bewusst, als ich ein eigentlich sehr positives Gespräch mit einem Berufspolitiker hatte, der es tatsächlich überhaupt nicht verstehen konnte, dass es Menschen gibt, die etwas „für umsonst“ machen. Und so war es für diesen auch eine Selbstverständlichkeit, dass er durch sein „Ehrenamt“ und sein dabei gezeigtes Engagement nicht nur gut leben kann, sondern sich auch, verdienter Maßen, eine unbeschwerte Zukunft sichern konnte.

Deshalb möchte ich in diesem Beitrag doch noch einmal auf die eigentlichen Grundlagen ehrenamtlicher Arbeit zurückkommen. Das Ehrenamt ist das Engagement in öffentlichen Funktionen, welche durch Wahl legitimiert werden und von den Amtsträgern unentgeltlich, das heisst ohne jegliche Bezahlung und sonstigen materiellen Zuwendungen, nachgegangen wird.

Das Ehrenamt wird idealer Weise durch weiteres bürgerschaftliches Engagement, wie z.B. den Freiwilligendiensten, ergänzt und dadurch komplettiert. Deswegen sind Gesellschaften, die solch engagierte Bürger haben, auch so erfolgreich, weil diese Bürger viele Tätigkeiten „umsonst“ verrichten und damit eine Gesellschaft maßgeblich voranbringen.

Die typischen Ehrenämter sind dabei Vereinsvorstände, Schöffen und Gemeinderäte. Diesen Bürgern, die solche Ämter begleiten, kann man durchaus Altruismus unterstellen, das Gegenteil von Egoismus. Und damit ist es auch eindeutig belegt, warum solche Gesellschaften einfach erfolgreicher sind.

Inzwischen aber hat es sich bei uns eingebürgert, dass wohl viele Ehrenämter mit sogenannten Aufwandsentschädigungen verbunden sind, die von der ursprünglichen Idee her, wohl den Amtsinhabern die Kosten für Transport und notwendige Büromaterialien erstatten sollten — was die Idee des Ehrenamts konterkariert — und immer mehr zu einer sehr guten Verdienstmöglichkeit für die Amtsinhaber wird. Wenn es sich um einen größeren Verein oder Verband handelt, gerne in die Hunderttausende Euro im Jahr an Aufwandsentschädigungen gehen, oder zumindest aber, wie bei Gemeinderäten, für ein über dem Durchschnitt der Gesellschaft liegendes Einkommen sorgen kann.

Die Bundesregierung formuliert es wie folgt: Ehrenamt hat viele Gesichter: In Deutschland engagieren sich 31 Millionen Menschen freiwillig. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft.“ 

Die Crux dabei ist, dass es kein Ehrenamt mehr ist, wenn der Inhaber dafür entlohnt wird, und man dadurch auch nicht mehr von altruistischen Motiven der Amtsinhaber ausgehen kann, sondern diesen gerade jenen Egoismus, welcher die Bakschisch-Gesellschaften dominiert, unterstellen muss.

Und gerade das Fehlen von altruistischen Motiven zerstört die Idee des Ehrenamtes und zerstört damit auch dessen eigentlichen Sinn und Zweck. Ich behaupte, dass wir schon lange auf dem Weg zu einer ehrenamtlichen Bakschisch-Gesellschaft sind und das Ehrenamt demnächst nur noch ein hohler Begriff sein wird, den man dann verwendet, wenn man etwas schönreden möchte.

Was können wir tun, wenn wir unsere Gesellschaft retten möchten?

Als erstes müssen wir für Transparenz sorgen und gerade bei „Ehrenämtern“ das jeweilige Preisschild anfügen. Und als zweites müssen wir die Ehrenämter wieder zu solchen machen.

Ich bin voll und ganz davon überzeugt, dass es bei uns noch ausreichend Bürger gibt, die solche Ehrenämter auch begleiten würden und zudem stolz darauf wären, zum Wohle unserer Gesellschaft tätig sein zu dürfen — die Ehre wäre ihnen sicherlich Lohn genug.


„Get people to share stories about work they do for nothing, the causes and community groups they or their family are involved in, or used to be and would still support if they had time. … You could learn more about your fellow workers in ten minutes than in the last ten years.“

Patrick Dixon, Building a Better Business (2005: 3)

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