Feiernde Menschen

14.7.02022 5 (1)

Beitragsfoto: feiernde Menschen | © Shutterstock

Nationalfeiertag

Dieser französische Feiertag, der dem vermeintlichen Sturm auf die Bastille gedenkt und inzwischen traditionell die französischen Siege in der Vergangenheit zum Thema hat, ist auch ein Tag, an dem man sich an das Motto der französischen Revolution erinnern kann: „Liberté, Égalité, Fraternité“.

Da passt es nun auch ganz gut, dass uns die EU-Kommission daran erinnert, wo die tatsächlichen Gefahren der heutigen Zeit liegen, denn jede Demokratie, auch die europäische, stirbt von innen heraus! Justiz, Medien, Korruption: der Rechtsstaat in Ungarn und Polen ist akut in Gefahr! Dies wird nicht ohne gravierende Folgen für den Rest der Europäischen Union bleiben.

Der dritte Jahresbericht der EU-Kommission zur Rechtsstaatlichkeit wurde gestern veröffentlicht und enthält neben einer Gesamteinschätzung einen eigenen Bericht für jeden Mitgliedstaat. Und tatsächlich, die Situation in Ungarn und Polen ist katastrophal; was Ursula von der Leyen nicht davon abhalten wird, ihren „Parteifreunden“ weiterhin EU-Milliarden zuzuschustern.

Den Unionsbürgern fehlt dafür jedes Verständnis, und das ist es wohl auch, was die Verantwortlichen dieser Parteifamilien im Sinn haben, man möchte die EU von innern heraus zerstören und die Nationalstaaten wieder auferstehen lassen — mit oder ohne Demokratie spielt dabei auch keine Rolle mehr.

Gäubahn

Auch diese Teilstrecke der europäischen Verkehrsachse Berlin – Mailand ist immer wieder im Gespräch. Seit Jahren unternehmen die Verantwortlichen wirklich alles, um diese Nord-Südverbindung durch Baden-Württemberg zu kappen. So wurde vor Kurzem von der Berufspolitik signalisiert, dass man die Frankenbahn, der nördliche Teil davon, weiterhin nicht ausbauen will und damit weiter beim Nachkriegsnotbehelf bleibt.

Schlimmer noch trifft es jetzt die Gäubahn, die man ganz bewusst vom Stuttgarter Hauptbahnhof abkoppelt. Damit ist die ehemalige europäische Verkehrsachse Berlin – Mailand endgültig begraben.

Warum sämtliche Regierung in Baden-Württemberg, ob rot, grün, gelb oder schwarz, überhaupt keinen Wert auf einen funktionierenden, tragfähigen und nachhaltigen Schienenverkehr legen entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat es aber auch nur ganz banale Gründe, wie z. B. dass die Verantwortlichen entsprechende Baugrundstücke besitzen oder selbst in straßengebundene Transportunternehmen investiert haben.

Vereinsleben

Viele Vereine schwächeln schon seit Jahren und immer mehr davon müssen sich auflösen. Sehr oft liegt es daran, dass sich keine Mitglieder mehr finden, die Verantwortung übernehmen wollen. Für völlig falsch halte ich es dabei, dass man nun verstärkt versucht, Freiwillige mit Geldbeträgen für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen, denn damit zerstört man nicht nur die Idee des Ehrenamts, sondern das Vereinsleben an sich.

Dabei birgt doch das Vereinsleben für alle Mitglieder Schätze, die nie und nimmer mit Geld aufzuwiegen sind, und diese Tatsache ist es, die man wieder mehr in den Vordergrund stellen sollte. Und selbst wenn man sich im „falschen“ Verein engagiert und sich dabei von einer Enttäuschung zur anderen hangelt, gewinnt man dabei Erfahrungen, die ebenfalls unersetzlich sind.

Vor Kurzem laß ich in den Tiefen des Internets, dass „das Leben kein Lutschbonbon sei“. Dieser Aussage kann ich nur voll und ganz zustimmen. Und es gibt wohl kein angenehmeres Umfeld als einen Verein, um diese Tatsache für sich selber festzustellen. Auch möchte ich hinzufügen, dass es immer darauf ankommt, was man aus jeder Situation — egal wie verfahren sie auch sein mag — selber macht. Und gerade diese Herausforderungen sind es, die das Vereinsleben für alle mündigen Bürger erst so richtig attraktiv machen.

Das Schöne am Vereinsleben ist zudem, dass man dieses, wenn man überhaupt nicht mehr damit zurecht kommt, für sich ohne gravierende Folgen beenden kann, um dann sein Glück in einem anderen Verein zu suchen. Und auch diese Möglichkeit führt bei manchen Zeitgenossen vielleicht ebenfalls zu einer unbezahlbaren Selbsterkenntnis, nämlich spätestens dann, wenn man feststellt, dass man sich in keinem Verein lange zuhause fühlt.


Hausboote in Holland

12.7.02022 0 (0)

Beitragsfoto: Hausboote in Holland | © Pixabay

Radwege

Liegeradler hat mich heute auf einen Leserbrief von Günter Böhme aus der Heilbronner Stimme aufmerksam gemacht, der allerdings bereits am 5. Juli 2022 dort erschienen ist.

„Radwege genau prüfen
Zum Thema ‚Mehr als 30 Millionen Euro fürs Radwegenetz‘.

Überall spricht man von Bodenversiegelung und Erderwärmung, gleichzeitig plant man bis zu fünf Meter breite Fahrradschnellwege, nur weil es im Moment schick ist, für Radfahrer zu planen und Steuergeld zur Verfügung stehen. Ob diese überhaupt notwendig sind und genutzt werden, spielt dabei anscheinend keine Rolle. Ich bin viel zu Fuß unterwegs und die meisten Radler sieht man nur bei schönem Wetter an den Wochenenden – sonst ist tote Hose. Wir haben viele gut ausgebaute Feldwege, wenn diese vernünftig beschildert sind, können auf diesen, unter gegenseitiger Rücksichtnahme, viele Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs sein, ohne sich gegenseitig zu stören. Aber vielleicht möchten auch einzelne Kommunen als besonders fahrradfreundlich gelten man weist Strecken aus, die noch kaum einen Radler gesehen haben, um mit so und so vielen Kilometern zu prunken. Also vor der Planung erst einmal genau prüfen, ob nicht Alternativen vorhanden sind, bevor unnötig Geld ausgegeben wird.“

Günter Böhme, Heilbronner Stimme (05.07.2022: 28)

Meines Erachtens ist dem nichts Weiteres mehr hinzuzufügen.

Hausboote

Sehr gefreut hat es mich heute in der Heilbronner Stimme (12.07.2022: 23) zu lesen, dass Thomas Aurich offen gegenüber der Idee von Hausbooten am Neckar in Heilbronn ist. Da habe ich jetzt zumindest einen von vierzig Stadträten auf meiner Seite — das ist doch einmal ein guter Anfang.

Und die Stimme-Redaktion erwähnt dabei sogar noch die Vorzüge des Heilbronner Hafens:

„Einer der großen Vorteile des Heilbronner Hafens liegt in der sogenannten trimodalen Anbindung, der Güterumschlag ist hier über drei Wege möglich: Wasser, Straße und Schiene.“

HeilBronner Stimme (12.07.2022: 23)

Liebe Redakteure, wenn Sie das jetzt auch erkannt haben, dann müssten Sie doch nun dafür in einem zweiten Schritt in der Stimme werben, nämlich, dass die Hafenbahn ausgebaut und nicht verkrüppelt wird, und die Straßenanbindungen an den Hafen und das Industriegebiet ebenfalls aus- und nicht zurückgebaut und schon gar nicht zu Fahrradstraßen werden — das wäre nicht nur stringent, sondern auch konsequent.

Verkehrsminister

Wir Heilbronner sind wieder glücklich. Ein Bundesminister war in unserer Stadt; man hat gut gegessen, getrunken und viele Hände geschüttelt. Was möchte man auch mehr? Alle waren sich zudem darin einig, dass man für den Weltfrieden, eine bestmögliche Gesundheit für jeden und eine zeitgemäße Infrastruktur ist.

Uns so steht heute in der Heilbronner Stimme (12.07.2022: 3) zu lesen: „Wissing: Ja zu Schleusen-Verlängerung“. Leider hat sich dabei keiner der Verantwortlichen zumindest einmal darauf festgelegt, in welchem Jahrhundert dies nun der Fall sein soll. Und so bleibt mein heutiges Fazit: Außer Spesen nichts gewesen.

Kleine unschöne Notiz am Rande: beide Verkehrsminister, Bund und Land, haben erneut festgestellt und darauf bestanden, dass sie für die Frankenbahn nicht zuständig sind. So wird diese wohl erst dann ausgebaut, wenn auf der gesamten Welt die Eisenbahnen durch eine ganz neue Technologie ersetzt werden.

Bis dahin tanzen wir Heilbronner Künstliche Intelligenz auf einem entsprechenden Festival — bin einmal gespannt darauf, was Detlef Stern dazu meint.


Dame mit Hut

1.7.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Dame mit Hut | © Shutterstock

Bahn-Provinz

Alexander Hettich von der Heilbronner Stimme kommentierte bereits am 28. Juni 2022 die dilettantischen Versuche unserer für die Misere verantwortlichen Politiker Heilbronn wieder halbwegs vernünftig an das Bahnnetz anzuschließen.

„Die neu Realität heißt: Verbesserungen der jahrzehntelang vernachlässigten Infrastruktur sind möglich und wohl auch finanzierbar. Sie haben aber bei Weitem nicht die Strahlkraft eines ICE- oder IC-Anschlusses. Vielmehr sollen sie das bringen, was der Fahrgast jetzt schon erwarten dürfte: einen Bahnverkehr ohne ständige Verspätungen. Besonders ernüchternd ist, dass auch mit schwindelerregend hohen Investitionen die Züge nur minimal schneller werden.“ 

Alexander Hettich, Heilbronner Stimme (28. Juni 2022, 21:42 Uhr) 

Jetzt rächt es sich, dass unsere Volksvertreter uns zwar jahrelang diesbezüglich das Blaue vom Himmel versprochen, aber in Stuttgart, Bonn und Berlin immer ganz anders abgestimmt haben.

Aber selbst wenn man jahrzehntelange Untätigkeit mit „schwindelerregend hohen Investitionen“ beheben würde, käme ein anderes Problem auf uns zu, nämlich dass das Heilbronner Hauptbahnhöfle und sein Umfeld sowie sämtlichen Zu- und Abfahrtstraßen längst nicht mehr für einen solchen Verkehr ausgelegt sind.

Um dies zu korrigieren, benötigen wir noch weit mehr Finanzmittel und Jahrzehnte für den Um-, Aus- und Neubau der entsprechenden Infrastruktur — die bisher für eine stolze Autostadt und heutige Fahrradstadt ausgelegt ist oder noch wird.

Versorgungsposten

Gestern haben sich nur 9 von 40 Stadträten gegen eine Weiterbeschäftigung von Agnes Christner als Heilbronner Bürgermeisterin ausgesprochen. Damit hat sich ihre Aussage wieder einmal bestätigt, dass „es … die beste Entscheidung meines Lebens [war], nach Heilbronn zu kommen“. Dies mag zwar für sie persönlich zutreffen, für Heilbronn war und ist es allerdings kein Gewinn.

Und so bleibt mir nur die neun Stadträte für ihre Entscheidung zu beglückwünschen. Und auch den zwei Enthaltungen darf man wohl einen Rest an Gewissen zusprechen.

Agnes Christner wird dies alles sicherlich nicht weiter stören, auch nicht, dass sie nach acht Jahren Aufenthalt in Heilbronn nur 27 Stadträte für sich gewinnen konnte. Für uns Bürger wäre es dabei sehr interessant zu wissen, wie viele Stadträte gegen ihre eigene Überzeugung votierten.

Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass durch den Gemeinderat damit erneut einer weiteren Vergreisung der Stadtspitze Vorschub geleistet wurde — wie man dadurch Studenten für Heilbronn gewinnen oder gar begeistern möchte, bleibt weiterhin ein sehr großes Heilbronner Geheimnis.

Bildungscampus

Nachdem ein Aldi-Markt einer geplanten Erweiterung des Bildungscampus am Europaplatz im Norden im wahrsten Sinne des Wortes im Wege stand, kommt jetzt gemäß einem Bericht in der Heilbronner Stimme (01.07.2022: 30) eine sogenannte Westerweiterung. Und dazu soll nun der Media-Markt verschoben werden. Auch könnte es eine neue Brücke über den Neckar in Richtung Neckarbogen geben, die man übrigens bereits auf älteren Plänen des Neckarbogens schon einmal gesehen hat. Wenn ich den Zeitungsbeitrag von Tanja Ochs richtig verstanden habe, soll es zusätzlich auch eine Brücke hin zum Bestandscampus geben.

Auf jeden Fall aber wird im neuen Campusteil das Wohnen, Einkaufen und Feiern möglich sein, womit man versuchen möchte, auch nach den Vorlesungen und am Wochenende etwas mehr Schwung in den Bildungscampus zu bekommen — ob dies letztendlich die Studenten dazu bewegt, auch außerhalb der Vorlesungszeiten in Heilbronn zu verweilen, bleibt abzuwarten.

Sicherlich aber werden weitere 7 000 Studenten und die zu ihrer Betreuung notwendigen Campus-Beschäftigten ein Gewinn für Heilbronn sein.