Rezept

Kalenderwoche 50 4.1 (7)

Beitragsfoto: Rezept im Zuge eines Essens zusammen mit Barbara und Roland

Schokolade

Nichts gegen Schokolade, vor allem weil diese Süßigkeit inzwischen für jeden und alle zu haben ist. Bis vor Kurzem gab es bei uns noch Diskussionen darüber, ob man eher von Billigprodukten Abstand nehmen solle — wenn man sich das auch leisten kann — und dafür aber nicht auf Luxusprodukte umschwenkt, sondern auf nachhaltig produzierte und fair gehandelte Produkte zurückgreift.

Für mich sind die Zeiten schon sehr lange vorbei, wo [Achtung: Regionalismus] Schokolade noch zu den Notrationen gehörte, die einem das Leben am Rande des Wahnsinns etwas erträglicher machen sollten. Auch verdaut mein Körper die Folgen aufkommender Gelüste schon lange nicht mehr. Und so freue ich mich immer wieder darüber, wenn man meiner besseren Hälfte und mir ab und zu ein paar kleine Versuchungen mitbringt — aus nostalgischen Gründen heraus haben die aus Brüssel bei uns einen besonderen Stellenwert.

Nun aber hat das Ganze einen Punkt erreicht, an dem man sich dringend fragen sollte, ob wir nicht allesamt verblödet sind — das muss wohl am von Industrie und Landwirtschaft verseuchten Wasser liegen. Eigentlich wollte ich dieses Thema einfach aussitzen. Nun aber, da eine „Dubai-Schokolade“ zum wichtigsten Trendprodukt des Winters in Deutschland wurde, muss ich doch zubeißen! Viel zu viele unserer Mitbürger sind inzwischen so durchgeknallt, dass sogar Aldi, Lidl und Co. reagieren müssen und dem Volk genau das geben, was das Volk verlangt.

Nur mal so: hat schon jemand von diesen Influencern versucht, eine Tafel Dubai-Schokolade in Glühwein aufzulösen und das Gesöff dann als „Polit-Plörre“ zu vermarkten? — meinetwegen gerne auch als Lumumba für besonders wichtige Menschen.

Brombeere

Thüringen hat etwas hinbekommen, an das ich selbst nicht mehr glaubte — Chapeau! Nun bin ich neugierig auf Mario Voigt. Noch mehr bin ich aber von Bodo Ramelow beeindruckt, der meine Meinung über Die Linke gehörig geändert hat. Was für ein Unterschied zum Gewürge um Thomas Kemmerich vier Jahre zuvor.

Von insgesamt 88 Abgeordneten bekommt der CDU-Politiker 51 Stimmen und dies gleich im ersten Versuch — sieben mehr als die Koalition aus CDU, BSW und SPD hat. Neu dabei, dass man sich vorab darauf geeinigt hat, die Opposition (ohne AfD) frühzeitig in jedes Gesetzesvorhaben mit einzubinden. Und so war es gesichert, dass Mario Voigt auch Stimmen von der Linken bekam.

Da die Nazis nach dieser Wahl so richtig geschäumt, dürften jene Abgeordnete der Opposition, welche für die Brombeere gestimmt, schon damit ihre Freude gehabt haben.

Ob diese Koalition nun eine Legislatur halten wird, bliebt abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass das Wahlergebnis der Bundestagswahl sich auch auf Thüringen auswirken wird.

Wochenstart

Wohl als Folge einer Veranstaltung am vergangenen Wochenende zu viel und vielleicht auch aufgrund einer angeschlagenen Gesundheit, konnte ich am Montagmorgen gerade noch den meseno-Bus wieder abstellen, denn gleich danach war ich die folgenden Tage regelrecht ausgeschaltet.

Und so war es dann auch nichts mit einem Käffchen zusammen mit Detlef Stern an der Hochschule, geschweige denn einer Vorlesung oder einem Seminar. Erst Mittwoch war ich wieder halbwegs ansprechbar und konnte wenigstens meine Routinetätigkeiten weiterführen. Abends gab es dann bereits wieder feste Nahrung. Zum Leidwesen meiner besseren Hälfte werde ich noch eine ganze Weile an einer Männergrippe festhalten.

So ganz nebenbei bekam ich dann auch noch mit, dass sich für die Schaeuffeleninsel doch so einiges ändern wird. Ob zum Wohle unserer Stadt oder nicht, das bleibt einmal abzuwarten. Das ehemalige Naturdenkmal war in meiner Jugend unser gemeinsamer Spiel-, Sport- und Aufenthaltsplatz und so erlebte ich den schleichenden Niedergang trotz oder gerade wegen so manchem „Prachtbau“ in den letzten Jahrzehnten mit.

Jetzt möchte man den Bildungscampus dort erweitern und das wenige noch verbliebene Grün unserer Stadt mit weiteren Bürogebäuden zubauen. So bleibt zu hoffen, dass dies der Bildung und dem Wohle unserer Stadt gilt und vielleicht sogar auch noch gut aussehen wird.

Weniger gut, wie das Ganze seitens der Dieter Schwarz Stiftung und deren ganz persönlichem OB gehandhabt wurde. Demokratie und Bürgerbeteiligung gehen anders; das Ausboten des Gemeinderats war dabei aber nur folgerichtig, denn dieser segnet wirklich einfach alles ab, was von oben kommt.

Dass dies von einigen Gemeinderäten erst nach der Veröffentlichung durch die Heilbronner Stimme bemerkt und dann auch noch kritisiert wurde, liegt wohl einfach nur an einer Essenseinladung zu wenig. Dabei ist eine Einladung zum Essen doch erst dann wirklich gut, wenn diese ohne Hintergedanken erfolgt.

Was mich an der gesamten Sache aber doch etwas aufhorchen lässt, ist, dass man nun die Sanierung der Turmstraße wieder einmal verschieben, um diese ggf. auch noch im Rahmen einer Anbindung des Bildungscampus an die Innenstadt mit integrieren könnte. Im Falle, dass das Gesamtkonzept tatsächlich für Heilbronn der große Wurf werden wird, nähme ich eine solche erneute Verschleppung mit einem Grummeln hin.

Wobei ich weiterhin der festen Überzeugung bin, dass es wir Bürger und im Falle kompetenter Gemeinderäte auch diese sind, die für eine Stadtentwicklung Verantwortung tragen. Diese Verantwortung einfach nur an Menschen mit großem Geldbeutel und intransparenten Absichten abzugeben, ist einfach nur falsch.

Und als Kollateralschaden kämpfen nun ein paar Gemeinderäte um den für sie ganz persönlich idealen Standort von Stadtbad, Eislauf- und Rollschuhhalle — wir Bürger müssen dann mit den Ergebnissen, egal wie diese auch aussehen werden, leben.

Meine Leser müssen nun damit leben, dass mich die jüngsten Ereignisse dazu bewegen, meine Rückblicke eher am Ende einer Woche zu veröffentlichen. Und so ist dies die Kalenderwoche 50.

Zum guten Schluss

Man merke sich, sobald etwas gut ist, wird es von anderen übernommen. Eine kleine Anspielung, die fast so gut ist wie jene von der „langen Erde“.

Auf alle Fälle aber möchte ich meinen Lesern eine kleine Entdeckung meinerseits nicht vorenthalten. Ich kenne die Sängerin persönlich, leider ist ihr Künstlername so ungünstig gewählt, dass man schon auf eine größere Entdeckungsreise gehen muss, um ihre Musik auch zu finden.

Aber vielleicht schafft sie es einmal zu Jan Böhmermann, das dortige Tanzorchester wäre bestimmt eine gute Assistenz.

Wenn ich obige Musik beschreiben müsste, wäre „experimentell“ wohl mein erstes Wort.

„Nicht nach ihren Dienstleistungen werde ich sie beurteilen, sondern nach ihrem Charakter: Jeder gibt sich den Charakter [selbst], die Dienstleistungen bestimmt der Zufall.“

Seneca, 5. Buch, 47. Brief (2023: 297)

Weihnachtsbaum auf Hand

Weihnachtsbrief 2024 5 (7)

Beitragsfoto: Weihnachtsbaum auf Hand | © Pixabay

Vor Kurzem befanden sich beide Söhne zeitgleich auf der Durchreise in Heilbronn und stellten erstaunt fest, dass der Advent bei uns im Hause noch nicht angekommen war. Keine fünf Minuten später hatte ich den Weihnachtsbaum aus dem Keller geholt, aufgeklappt und mit Strom versorgt. Auch der Adventskranz war sehr schnell aufgestellt, denn er ist ebenfalls aus Metall und lagert wie der Baum im Keller. Zum Glück hatte ich nach letztem Silvester sämtliche im Haus vorhandenen Wachsreste zu Kerzen gegossen, sodass auch die erste Kerze angezündet werden konnte.

Gegossen und nicht wie bei Bienenwachs üblich gezogen, da ich die neuen Kerzen dem bereits vorhandenen Adventskranz anpassen wollte. Beim Gießen ignorierte ich die in meiner Kindheit gemachten Erfahrungen und verwandte einfach die Dochte, die ich gerade fand, was zu einem Missverhältnis zwischen beiden Umfängen führte. Aber da ich die daraus resultierenden Reste wieder einschmelzen kann, ist dies nur eine kleine Un-Schönheit, die zudem dem heutigen bundesdeutschen Esprit gaulois entspricht: mehr Schein als sein.

Die besagte Durchreise unserer beiden Söhne lässt mich sogleich zu den positiven Dingen dieses nunmehr ausklingenden Jahres kommen. Der Älteste hat sich dieses Jahr verlobt, gleich nachdem er seine akademische Ausbildung erfolgreich beendet hatte und sich nun Pädagoge mit einem entsprechenden Universitätsabschluss nennen darf. Dabei stellte er meine damalige Leistung in den Schatten, da er zwei Tage weniger für seine Abschlussarbeit benötigte und zudem dafür auch noch eine bessere Gesamtnote erzielte. Inzwischen hat er auch seine Ausbildung zum Infanterieoffizier abgeschlossen und verfügt nun zusammen mit seinem früheren Abschluss als Notfallsanitäter über gleich drei vollwertige Berufsabschlüsse.

Der Jüngste trat im letzten Monat in Stuttgart, nachdem er zwei Studien erfolgreich abgeschlossen hat, seine erste Arbeitsstelle in einem Ministerium an und bezog dort auch gemeinsam mit seiner besseren Hälfte seine erste Wohnung — einmal von den verschiedenen Studentenbuden abgesehen.

Das dürfte es aber auch mit dem Erfreulichen in diesem Jahr gewesen sein. Und so war die Adventszeit auch schnell wieder vergessen. Erst als gestern spät abends die Anfrage kam, wo denn mein monatliches Rundschreiben bliebe, wurde ich erneut an das bevorstehende Jahresende erinnert. Keine zwanzig Minuten später war das Dezemberrundschreiben der EUROPA-UNION Heilbronn verschickt und ich ärgerte mich sofort ein wenig darüber, dass ich es vor dem Versenden nicht nochmals durchgelesen hatte. Es gibt dort ein paar Rechtschreib- und Grammtikfehler zu viel, sodass ich nun auf die Idee kam, schon jetzt meinen Weihnachtsbrief für dieses Jahr zu verfassen — ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden Tagen mein Jahr nicht mehr viel ändern wird.

Schon seit längerem hatte sich meine Mutter verstärkt um meinen Vater gekümmert, der aufgrund seines fortgeschrittenen Alters immer mehr Unterstützung benötigt. Im September geschah dann das Unerwartete, nämlich dass meine Mutter stürzte und sich dabei schwere Hirnverletzungen zuzog. Als Resultat davon befindet sie sich nun in einem Pflegeheim und mein Vater besucht sie dort täglich. Gäbe es meine bessere Hälfte nicht, wüsste ich nicht, wie ich mit der aktuellen Situation zurechtkommen könnte. Kaum sind die eigenen Kinder aus dem Haus, darf man sich um die eigenen Eltern kümmern. Der Unterschied dabei ist, dass sich Kinder zum Positiven entwickeln.

Aber auch hier gibt es Erfreuliches zu berichten, denn ich habe nun wieder mehr Verbindung zu jenen Familienteilen, die schon länger Heilbronn den Rücken gekehrt haben. Manchmal frage ich mich selbst, ob es wirklich schlau war, wieder nach Heilbronn zurückzukehren.

Das wirklich Spannende für mich ist es aber, dass sich meine Eltern bis heute noch selber um ihre „beruflichen“ Angelegenheiten kümmern und ich dieses nun in einem fliegenden Wechsel mit übernehmen darf. Und so war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass ich im Juni von meinen Mitbürgern nicht zum Gemeinderat gewählt wurde und auch ganz folgerichtig mein Amt als Vorsitzender der Freien Wähler zur Verfügung stellte; so hoffe ich, dass ich bis zum Jahresende in Gänze von dieser Aufgabe entlastet bin. Zumindest die Stadtverwaltung hat vor Kurzem ihre Verfolgung eingestellt, was durchaus hoffen lässt, dass wir in diesen schwierigen Zeiten auch bei uns noch über ausreichend Reste von Demokratie, Recht und Ordnung verfügen.

Dieses Jahr habe ich weitere meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten eingestellt, auch wenn ich manchmal noch das Vorlesen an der Grundschule und anderen Einrichtungen vermisse. Weniger die Nachhilfestunden bei den etwas älteren Schülern, denn diese wollen tatsächlich keine Hilfe, sondern streben ihren Eltern nach, die als völlig unnütze Mitglieder unserer Gesellschaft höchstens als Verbraucher ihre eigene Existenz rechtfertigen können. Da man Menschen nicht verhungern lassen kann, bleibe ich meseno weiterhin erhalten.

Meine Aktivitäten bei der EUROPA-UNION habe ich auch dieses Jahr beibehalten, wobei aber meine bessere Hälfte und ich uns immer mehr auf die lokalen Aktivitäten beschränken. Die Gründe hierfür sind vielfältig und sicherlich auch der Gesamtsituation geschuldet. Interessanter Weise habe ich dieses Jahr mein Engagement an der Hochschule Heilbronn sogar ein wenig ausgebaut, werde es aber aufgrund der dort gemachten Erfahrungen wieder zum Status quo ante bringen. Die Vorstellungen der dortigen Studenten sind mit meinen eigenen Vorstellungen über Bildung und Wissen einfach nicht kompatibel — wie das die weit qualifizierteren Dozenten aushalten oder gar verarbeiten können, bleibt mir ein Rätsel.

Rückblickend muss ich feststellen, dass dieses Jahr mein Familienleben und mein eigenes Wohlbefinden viel zu kurz kamen, mein Grill bisher kein einziges Mal in Betrieb genommen wurde und ich nicht einmal auf ein Weihnachts- oder gar Silvestergrillen — Halt! sGwuwl werde ich nun letzteres noch möglich machen.

Mancher Kamerad und Freund hat auch dieses Jahr weiterhin mit mir Verbindung gehalten, selbst wenn von meiner Seite aus nichts dazu beigetragen wurde — diesen guten Menschen schulde ich Dank und bitte hiermit sogleich um eine gerechte Bestrafung.

Irgendwie klappte es dann auch nicht, dass meine bessere Hälfte und ich wenigstens einmal ein Wochenende für uns freihalten konnten, von ein paar Tagen Urlaub ganz zu schweigen. Zumindest ich vermisse meine Zeit im Jacuzzi sehr, zumal wir in Heilbronn und Umgebung über keine Badekultur verfügen — die Römer sind einfach viel zu lange wieder weg. Nur ein „Bad“ vor den Ortsnamen anzufügen ist genau so wenig zielführend wie sich aus dem mir nichts, dir nichts heraus „Universitätsstadt“ zu nennen.

Ich meckere aber auf hohem Niveau, in welcher Stadt kann man schon ganz ohne Arbeit und eigenem Einkommen den gesamten Tag über in Luxusmobilen die Allee hoch und runterfahren und wenn einem dies nicht ausreicht, auch noch durch die Fußgängerzone touren? Wie wahr, wir leben in einer Region der unbegrenzten Möglichkeiten! Alles Meckern ist völlig überflüssig, denn wer bei uns noch arbeitet, der ist selber schuld — das wissen u. a. die Mitarbeiter unsere Stadtverwaltung nur allzu gut.

In anderen Regionen sieht es da schon ganz anders aus. Die Ukrainer — zumindest jene, die nicht den gesamten Tag über bei uns die Allee hoch und runterfahren — kämpfen seit 2022 um das nackte Überleben. Ähnlich geht es den Menschen in Syrien und vielen anderen Teilen der Welt. Und wer aktuell noch vom Krieg verschont ist, kämpft derweil mit den klimatischen Veränderungen und deren Folgen.

Nur ein ganz kleiner Teil der Menschen, wie wir Heilbronner selbst auch, kann sich noch auf einer „Insel der Glückseligen“ wähnen und ist demzufolge wirklich zu allem bereit, um diesem Wahn noch möglichst lange nachhängen zu können — da wählt man auch Politiker, von denen man ganz genau weiß, dass sie einen nur belügen und betrügen! Die Trumpisten bestimmen auch bei uns den politischen Alltag, überall in der Westlichen Welt sind Demokraten auf dem Rückzug.

Und bei uns in Heilbronn hat man dies bereits zur Kunst erhoben! Vorne im Rathaus huldigt man einem Nazi und hinten im Rathaus gedenkt man den Opfern des Nationalsozialismus — wir machen es schon viel zu lange viel zu vielen viel zu bequem, Hauptsache man muss selbst nichts dabei tun oder gar verantworten. Es sind ganz alleine die faulen Kompromisse, die unsere Demokratien an den Rand des Untergangs geführt haben. Und bis es soweit ist, schreiben — nein, lassen schreiben — die dafür Hauptverantwortlichen noch schnell eine eigene Autobiografie und sahnen nochmals ab.

Allerdings sieht es dieses Mal nicht danach aus, dass man seine Untaten oder sein Nichtstun weiterhin einfach nur aussitzen kann und spätestens nach einer Legislatur erneut an die Futtertröge gewählt wird, denn irgendwann gehen selbst die größten Vorräte zur Neige — das Scheitern der aktuellen Regierung darf als Menetekel gesehen werden. Und eigentlich freue ich mich schon so richtig darauf wie die derzeitige Opposition, welche mit allen Mitteln an der sogenannten Schuldenbremse festhalten will, diese sofort nach ihrem Regierungsantritt aussetzen wird. Und im selben Augenblick wird die dann neue Opposition, welche gerade noch das Aufheben der Schuldenbremse als absolut notwendig bewirbt, genau diese als „deutsches Kulturgut“ mit allen Mitteln verteidigen — wir Wähler wollen es einfach nicht anders!

Für die meisten von uns und ganz besonders für die Politiker ist Demokratie nur noch ein „Dschungelcamp“ — die deutscheste der deutschen Realityshows! Zumindest so lange wie die anderen im Mittelmeer ertrinken oder in den Schützengräben fallen. Und das ist auch nur allzu menschlich, denn man glaubt erst daran, dass es einen selbst erwischen kann, wenn es einen selbst erwischt hat!

Und dies dürfte meine einzige Erkenntnis der letzten zweiundsechzig Weihnachten sein: es war schon immer so und wird immer so bleiben. Auch wenn die meisten von uns wissen, wie man die Welt zumindest ein wenig besser machen könnte, wenigstens ein ganz klein wenig in der eigenen Umgebung, wir machen dies nicht.

Dabei wäre es doch so einfach, wenn jeder nur versuchen würde, sich selbst zu sein, für seine eigene Existenz aufkommen, vielleicht auch noch für jene sorgen würde, die ihm ganz persönlich am Herzen liegen und ansonsten seinen Nachbarn das nicht neiden, was diese vielleicht sogar unverdient erreichen.

Man muss überhaupt nicht versuchen, die Welt insgesamt zu retten, es reicht bereits völlig aus, wenn man es schafft, sich selbst zu retten. Und sollte jemand die Kapazitäten haben, um weit mehr zu erreichen, dann wäre es bereits völlig ausreichend, wenn er dabei seinen Nachbarn nicht auf die Füße tritt.

Die Welt ist so schön und so einfach zu handhaben, wenn es nur uns Menschen nicht gäbe! Dies sollte uns allen ein wenig zu denken geben — gerade vor Weihnachten.

„There is no liberal world order anymore, and the aspiration to create one no longer seems real.“

Anne Applebaum (2024: 175)

Aufkleber

4.12.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Aufkleber

Vierter Dezember

Vor zwei Jahren an einem Sonntag habe ich bereits schon einmal über den vierten Dezember geschrieben. Ein Luftangriff der Royal Air Force auf Heilbronn forderte 1944 mehr als 6 500 Menschenleben. Die meisten Menschen erstickten in den Luftschutzkellern. Und so sollte man vorab einmal überlegen, was heutzutage der beste Schutz vor Luftangriffen oder Artillerieschlägen ist, bevor man nun völlig überhastet Heilbronn umzugraben beginnt.

Blähungen

Noch vor Kurzem haben Bündnis 90/Die Grünen zusammen mit der CDU unter Duldung der SPD dafür gesorgt, dass der Landtag in Stuttgart künftig noch mehr aufgebläht werden wird, und schon verweigert Winfried Kretschmann dafür die Verantwortung. Die anderen Parteien werden schnell folgen und behaupten, dass sie damit nur den Bürgerwillen durchsetzen. Dass sie dabei mit allen Mitteln das laufende Bürgerbegehren, welches sich genau gegen eine Aufblähung des Landtags richtet, behindern, verschweigen sie.

Passend dazu, dass Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol gestern noch das Kriegsrecht ausgerufen hat, was in einer Demokratie ebenfalls nicht so häufig sein dürfte. Kurz darauf hat das Parlament, die Nationalversammlung Südkoreas, das Kriegsrecht wieder aufgehoben. Die Mehrheit der 300 Abgeordneten war wohl ebenfalls etwas überrascht.

Die Republik Korea hat eine Präsidialverfassung. Ihr Staatsoberhaupt ist der Präsident, der alle fünf Jahre direkt gewählt wird, aber nach einer Amtszeit nicht wieder antreten darf. Yoon, der seit Monaten mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfen hat, tut sich seit seinem Amtsantritt 2022 schwer, seine Agenda gegen das von der Opposition kontrollierte Parlament durchzusetzen. 

Der deutsche Aktienindex DAX springt erstmals auf mehr als 20 000 Punkte, was ebenfalls eine Erwähnung wert ist. Denn er spiegelt die Wertentwicklung der 40 größten und liquidesten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes wider. Der DAX wurde von der Frankfurter Börse, der Börsen-Zeitung und der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen aus der Taufe gehoben. Als Startzeitpunkt bei 1 000 Punkten wurde der 30. Dezember 1987 festgelegt. 

Erfreulich

Gestern gab es im Zuge der Vorlesung und des Seminars gleich zwei Käffchen mit Detlef Stern. Nicht nur weil ein Student tatsächlich Interesse zeigte, war der Zettelkasten Schwerpunktthema. Eine kurze nicht repräsentative Umfrage bei den Studenten ergab, dass keine zehn Prozent über eine eigene Website oder gar über einen eigenen Zettelkasten verfügen. Wenn man dies etwas genauer betrachtet und dann noch zur Kenntnis nimmt, dass es sich hierbei um „halbe“ Informatikstudenten handelt, ein etwas weniger erfreuliches Ergebnis. — Ok, es gibt ja auch Universitätsstädte ohne Universität.

Als ich dann nachmittags wieder zuhause war, fand ich einen Brief der Stadtverwaltung vom 28.11.2024 vor.

„Das gegen Sie wegen der Handlung am 26.04.2024 in Heilbronn, Stadtkreis Heilbronn eingeleitete Ordnungswidrigkeistverfahren wird gemäß § 47 Ordnungswidrigkeitsgesetz eingestellt. Ihre notwendigen Auslagen [ich hatte keine] haben Sie jedoch selbst zu tragen.“

Damit ist die Welt für mich wieder halbwegs in Ordnung, denn nun muss keine Heilbronner Partei oder Wählervereinigung für vermeintlich falsche Plakatierungen zur Kasse treten. Ein Sieg der Vernunft, der mich zudem hoffen lässt.

Zum inzwischen üblichen Jahresabschluss gab es am Abend noch ein Treffen Europäischer Föderalisten auf dem Weihnachtsmarkt. Sehr erfreulich dabei, dass man meiner besseren Hälfte und mir Plätze freigehalten hatte und dies obwohl wir uns verspäteten; der Grund dafür weniger erfreulich.

Am späten Abend erfuhr ich dann noch, dass das Präsidium der EUROPA-UNION Deutschland die 9. Hertensteiner Gespräche am Samstag, 20. September 2025 zu einer von zwei zentralen Veranstaltungen des Bundesverbandes benannt hat. Ausreichend Räumlichkeiten und Zimmer haben wir bereits im Parkhotel reserviert. Und so freue ich mich schon heute auf möglichst viele Gäste von außerhalb.

„Often a man who is very old in years has no evidence to prove that he has lived a long time other than his age.“

Seneca, On the Tranquility of the Mind (2017: 16)