Bäume

30.8.02021 5 (2)

Bäume | © Pixabay

Realpolitik

Jetzt tönt es aus allen Kanälen und in allen Medien. Wir benötigen eine Realpolitik. Zumindest ist es das Eingeständnis unserer „Entscheider“, dass die letzten Jahre reines Kasperletheater waren.

Das Problem mit der Realpolitik ist es dabei weiterhin, dass eine Realpolitik Menschen benötigt, die nicht nur sehr gut ausgebildet sind, sondern auch über mindestens zwanzig Jahre an Erfahrung verfügen — man bekommt im wahren Leben einfach nichts geschenkt.

Und schon ist es bei uns wieder mit der Realpolitik vorbei — aber „unsere Löwen“ haben dafür einmal gut gebrüllt.

Katzenplage

Wenn es bereits der SWR, wie heute geschehen, thematisiert, dann muss das Ganze schlimmer sein als bisher vermutet. Mich stören diese verwilderten Katzen in meiner Umgebung schon längst ganz gewaltig, auch machen sie mehr Dreck und Lärm als jeder Hund. Warum Menschen sich überhaupt Katzen zulegen und diese dann verwildern lassen, ist mir völlig unverständlich.

Es ist an der Zeit, dass man verwilderte Katzen aus unserem Stadt- und Landkreis verstärkt „entnimmt“ und zudem sämtliche Hauskatzen, wie die Hunde längst auch, besteuert. Von mir aus auch als eine Abgabe, deren Erlöse direkt zur Lösung des Katzenproblems verwendet werden. Das wäre praktizierter Naturschutz — zumindest die Vögel werden es uns danken.

Berliner Platz

Trotz des Regenwetters hatte ich einen guten Start in die neue Woche. Sehr erfreulich ist auch, was sich alles am Berliner Platz rund um das K3 entwickelt. Ältere Restaurants werden aufgefrischt und neue nehmen so langsam aber sicher Gestalt an. Die Bürger investieren weiterhin in ihre Stadt, trotz einer nicht enden wollenden Pandemie.

Wenn die Stadtverwaltung jetzt noch sicherstellt, dass die Turmstraße — wie schon öfters versprochen — zur Fußgängerzone umgewandelt wird, und man den Fahrzeugverkehr, einschließlich der Radfahrer, in der Fußgängerzone wieder mehr einschränkt, wird auch diese Heilbronner Ecke ein richtiges Schmuckstück zum Verweilen und Shoppen.

Website des Tages

Tierschutzverein Heilbronn und Umgebung

Das Tierheim Heilbronn beherbergt bis zu 65 Hunde, 200 Katzen, 60 Vögel sowie bis zu 50 weitere Kleintiere und Exoten. Weiterhin sind wir für den Tierschutz im Landkreis Heilbronn zuständig.


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

22.8.02021 5 (1)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Internet

Immer mehr meiner Bekannten und Freunde erzählen davon, dass sie jetzt in Heilbronn über einen Glasfaseranschluss verfügen. Bestimmt eine tolle Sache, von der ich den nächsten Jahren wohl selber nur träumen darf. Eigentlich ist es zum Wundern, da diese Technologie seit Anfang der 1990er-Jahre mit zum ganz normalen Arbeiten gehört.

Aber ich will nicht meckern, denn gestern durfte ich in einem Teilort von Heilbronn, mit dem Mobiltelefon am ausgestreckten Arm, wild in der Gegend herumlaufen, nur um wenigstens ein Telefonat führen zu können, von einer Internetverbindung ganz zu schweigen.

Schnellwege

Fahrradschnellwege sind an sich eine gute Sache. So konnte ich gestern einen solchen beobachten und musste feststellen, dass diese auch gut frequentiert werden. Zumindest in meinem Beobachtungszeitraum auch von Motorradfahren, die wohl eine Abkürzung für sich entdeckt hatten.

Apropos Abkürzung, jene über die Heilbronner Allee hinweg und am Theaterbrunnen vorbei wird für Lastwagen, Autos und Motorräder aller Art immer attraktiver. Ich erinnere mich noch daran, dass es für Zulieferer einmal feste Zeiten gab, um in Fußgängerzonen einzufahren. Und der Sinn und Zweck dieser Fußgängerzonen war einmal, dass man nicht zum Einkaufen mit dem Auto vor den dortigen Läden hält, auch wenn der Einkauf einmal etwas größer ausfallen sollte.

Nachtrag 5.8.2023

Inzwischen ist diese Abkürzung auch ein Thema in der Heilbronner Stimme:

Verkehrsrowdy Ich glaub’ mittlerweile, dass wir im Schtädtle uns alles g’falle lasse und alles kommentarlos hinnehme. Neilich hat mir’s fascht den Zapfe nauskaue. Mit quietschende Reife nimmt ein Zeitgenosse die Kurve an der Allee beim Theater und fährt dann rotzfrech über den Berliner Platz in die Turmschtraß’ Richtung Mannheimer Schtraß’. Und des war, wie mein Guschtav schpäter erfahre hat, kein Einzelfall. Immer wieder wird diese Abkürzung von Rabauke gewählt. Die Sitte verrohe immer meeh. Handlungsbedarf isch ang’sagt.

Geschwätz der Sofie (5.8.2023: 23)

Wenn man dann noch mit den ursprünglichen Hauptnutzern dieser neuen Schnellwege spricht, nämlich jenen, die rings um diese Schnellwege herum mit ihren Traktoren und anderem Gerät Geld verdienen müssen, bekommt das Ganze einen etwas bitteren Nachgeschmack. Nicht nur, dass sich die Landwirte des Öfteren von etwas übermotivierten Freizeitfahrern doch so Einiges anhören müssen, sondern vor allem der völlig unnötige Stress, den sie jetzt zu erdulden haben, da sie neben ihrer Arbeit nun auch verstärkt auf „Rennfahrer“ aller Art achten müssen.

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann es zu einem tragischen Unfall kommen wird. Die Verantwortung dafür sollten jene tragen, die, ohne groß nachzudenken, unterschiedliche Verkehre einfach so zusammenführen.

Grillen

Nachdem ich gestern zu Mittag meinen Grill in Betrieb hatte, um damit für ein Mittagessen zu sorgen, konnte ich ein paar Stunden später zuschauen, wie zwei andere das Abendessen auf einem Holzgrill zubereiteten.

Mein Fazit ist, dass man ohne Probleme zweimal am Tag grillen kann, man sollte aber darauf achten, dass man nicht zu viel vom Grillgut kostet. Schlimm wird es erst dann, wenn man spät abends nach Hause kommt und den eigenen Grill nochmals anschmeisst, nur um etwas auszuprobieren, was man gerade erst gesehen hat.

Auf jeden Fall ist es immer ein positives Erlebnis, wenn man mit netten Menschen um einen Grill herumsitzt. Und wenn dann noch die Gegend darum herum passt, eine kleine Auszeit vom gewöhnlichen Trott.

Geburtstag des Tages

Ray Bradbury


Sülmerstraße 2018

Sülmerstraße 5 (10)

Beitragsfoto: Blick vom Berliner Platz auf die Sülmerstraße (2018)

Bei Heilbronn trafen sich bereits in der Vorzeit uralte Fernwege, die dort den Neckar, einem damals noch sehr wilden und kaum überwindbaren Fluss, überquerten, oder von den Alpen kommend, weiter an ihm entlang in die norddeutsche Tiefebene führten.

Wie bereits die Kelten zuvor, siedelten auch die Römer in der Gegend, um sowohl Übergang als auch Straßen zu nutzen und zu sichern. Letztere erkannten zudem, dass sich die dortigen Hügel rechts des Neckars gut für den Weinbau eignen.

Erstmals wird Heilbronn schriftlich als villa Helibrunna in einer auf das Jahr 741 datierten Schenkung erwähnt. Der Name deutet auf einen Brunnen bzw. eine Quelle hin und gibt damit der Siedlung seinen heutigen Namen. Man vermutet, dass es sich dabei um einen fränkischen Königshof handelte, der am Neckarübergang des fränkischen Königswegs, der als „Alte Hällische Straße“ bezeichnet wurde, lag und nach Schwäbisch Hall führte.

Und schon zu dieser Zeit kann man die zukünftige Sülmerstraße als einen Abschnitt eines Fernwegs am Neckar entlang definieren, und zwar genau von diesem besagten Brunnen in Richtung Norden bis hin zum Übergang des Pfühlbachs, der kurz darauf beim heutigen Bollwerksturm in den Neckar fließt. Ihren Namen bekam die Straße, weil sie als nächstes nach Sulm, dem heutigen Neckarsulm, führt.

Bereits 1050 wird ein Markt in Heilbronn bestätigt, was man durchaus als ersten Schritt in Richtung Großstadt betrachten kann, und 1140 wird auch bereits der Hafen erwähnt, was zeigt, dass man in Heilbronn nicht nur die Landwege genutzt hat. Als 1225 dann Heilbronn erstmals als Oppidum, eine befestigte Stadt, bezeichnet wird, ist die Sülmerstraße nun auch ein fester Bestandteil der Stadt, vermutlich an der ersten Stadtbefestigung gelegen, später aber jener Teil der Handelsstraße, welche sich als Nord-Südachse durch ganz Heilbronn zieht, am Sülmertor beginnt, bis zur heutigen Kilianskirche reicht und dort dann als Fleiner Straße bis hin zum Fleinertor fortgesetzt wird. Eine heute wie selbstverständlich dazugehörende West-Ostachse, die Kaiserstraße, gab es damals nicht, sondern es führte nur die Kramgasse von der Kilianskirche in Richtung Westen bis zu einem befestigten Neckarübergang, einschließlich eines eigenen Stadttors. Erst 1776 wurde die damalige Kramgasse zur Chaussee ausgebaut und 1897 in Kaiserstraße umbenannt. Die Kaiserstraße markiert noch heute die Trennungslinie zwischen zwei verschiedenen Teilen der einstigen Heilbronner Altstadt.

Interessant dabei, dass anfangs der etwas höher gelegene südliche Stadtteil mit den Liegenschaften des Deutschordens, der Kilianskirche und dem dortigen ersten Rathaus den städtischen Schwerpunkt bildete. Der nördliche Teil kam wohl erst um 1200 herum als bewusste Stadterweiterung mit hinzu und war von Anfang an eher dem Handwerk, dem Handel und den jüdischen Mitbürgern vorbehalten. Erst 1535, als das Rathaus beim Kirchbrunnen abbrannte, verlegte man das Rathaus samt Marktplatz in den nördlichen Teil der Stadt, der sich über die Jahrhunderte hinweg immer mehr um die Sülmerstraße herum entwickelte.

Um 1333 ziehen dort noch die Altböckinger hinzu, die zuvor ihr eigenes Dorf verlassen hatten. Diese nutzten dann wohl auch die Kapelle St. Nikolaus, die heutige Nikolaikirche, welche 1351 erstmals Erwähnung findet, als ihr eigenes Gotteshaus; dieses wird damals noch als sogenannte Filialkirche zur bereits bestehenden Kilianskirche, welche bereits 741 und nochmals 889 urkundlich nachgewiesen ist, betrieben. Die an der Sülmerstraße liegende Nikolaikirche wird 1525 übrigens die erste Reformationskirche Heilbronns und in der Folgezeit u. a. auch Zeughaus, schlichtes Waffenlager und Turnhalle, je nach dem derzeitigen Bedarf der Heilbronner. Momentan wird sie erneut umgebaut und einer weiteren Bestimmung zugeführt.

Der an die Sülmerstraße angrenzende Kieselmarkt war im späten Mittelalter mit der Synagoge aus dem Jahr 1357, den rituellen Bädern und einem eigenen Friedhof das Zentrum der jüdischen Gemeinde in Heilbronn, das mit der Lamm- und der Judengasse, der heutigen Lohtorstraße, eigene Hauptachsen hatte. Nach dem Stadtverbot für Juden im späten 15. Jahrhundert wurde das gesamte Gelände überbaut.

Der heute noch existierende Hafenmarktplatz entstand 1593 an der Stelle eines alten Friedhofs und erhielt einen Brunnen, der anfangs vom Cäcilienbrunnen und zuletzt vom Pfühlbrunnen aus gespeist wurde und damit die Wasserversorgung der dortigen Bewohner sicherstellte. Der 1955 am alten Platz neu geschaffene Hafenmarktbrunnen diente uns Kindern neben den beiden Brunnen des Berliner Platzes nicht nur zur sommerlichen Erfrischung, sondern hatte im Gegensatz zu den beiden anderen Brunnen auch im Winter spielerischen Wert.

Bereits aber 1487 sollen in unmittelbarer Nähe (Kieselmarkt?) zum Hafenmarkt Töpferwaren verkauft worden sein.

Der heutige Hafenmarktturm erinnert an das ehemalige Franziskanerkloster, dessen 1314 geweihte Marienkirche 1688 niederbrannte; nur der besagte Turm wurde spendenfinanziert zwischen 1698 und 1727 wieder aufgebaut. Bereits 1544 war das Kloster aufgehoben worden, nachdem es die Heilbronner geschafft hatten, die letzten Mönche von dort zu vergraulen. Aus dem Klostergebäude wurde eine Lateinschule, dann das Karlsgymnasium, das heutige Theodor-Heuss-Gymnasium, welches aber nicht mehr an der Sülmerstraße, sondern nunmehr an der Karlstraße liegt.

Nördlich der Sülmerstraße, am Pfühlbach in der Nähe des Sülmertors und außerhalb der Stadtmauern gab es Ende des 13. Jahrhunderts zudem die erste nachweisbare Heilbronner Einrichtung zur Krankenpflege, nämlich das Sondersiechenhaus bei St. Jakobus am Graben mit eigener Kapelle und Friedhof. Sein Vorratshaus und die Verwaltung befanden sich in der Jakobsgasse innerhalb der Stadtmauern. 

Die Sülmerstraße selbst war von Anfang an eine sehr geschäftige Straße und hatte über die Jahrhunderte hinweg auch so einiges zu bieten; durch sie führte sogar einmal eine Straßenbahn. Ihr wohl heute noch bekanntester Bewohner dürfte der Arzt Robert Mayer gewesen sein, der von 1842 bis zu seinem Tod 1878 im Kirchhöfle arbeitete und lebte.

Der Ritterkanton Kraichgau hatte sein Archiv in der Sülmerstraße 40, dem Standort der ehemaligen Roßmühle. Die Standortwahl der Ritterschaft lag vielleicht auch daran, dass der bekannteste Heilbronner Gasthof im 18. Jahrhundert, nämlich das Gasthaus zur Sonne, nicht unweit in der Sülmerstraße 52 ansässig war; selbst Johann Wolfgang von Goethe war dort zu Gast.

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in der Sülmerstraße 54 die Südfrüchtehandlung Lidl & Co. ansässig war, welche heute als Schwarz-Gruppe weltweit mit zu den führenden Lebensmittelhändlern zählt, sich aber aus der Sülmerstraße von der Konkurrenz hat vertreiben lassen.

Vom heutigen Nordende der Sülmerstraße, dem Berliner Platz, ist heute kaum noch etwas zu sehen, inzwischen dominiert das K3 mit Kino, Stadtbibliothek, Musikschule, Komödienhaus, Restaurants und Läden den ehemaligen Torplatz; auch seine beiden Brunnen wurden entfernt und durch einen Theaterbrunnen vor dem neuen Stadttheater ersetzt. Einzig die Turmstraße hin zum Bollwerksturm lässt weiterhin auf eine Sanierung warten — die ehemals avisierte Freilegung des Pfühlbachs dürfte allerdings inzwischen vom Tisch sein.

Noch heute steht aber das Gebäude „Heilbronner Hof“ in der Sülmerstraße 57, welches mein Großvater an der Ecke zur Turmstraße 1952 / 1953 errichten ließ; zuvor hatte er gleich nach dem Krieg die Gaststätte „Sülmertor“ errichtet und betrieben. Der Heilbronner Hof sorgte später als Roxy in Heilbronn für Furore und war für viele Heilbronner offensichtlich zuviel des Guten.

Ich selber wuchs in den 1960er-Jahren in einem später daneben stehendem Geschäfts- und Wohnhaus in der Sülmerstraße auf und erinnere mich noch heute gerne an deren Vielfalt und Geschäftigkeit zurück.

Später dann hat die Sülmerstraße als „Sülmer City“ ihren eigenen Markenkern entwickelt und mit vielfältigen Aktionen versucht, dem weltweit zu beobachtenden Attraktionsschwund der Innenstädte zu begegnen.

Inzwischen hat die Sülmerstraße mit der Unteren Neckarstraße, die sich als Teil der Neckarmeile vermarktet und der aufgehübschten Allee zwei Parallelen erhalten, die ebenfalls versuchen, sich neu zu erfinden. Dies kann meiner Überzeugung nach aber nur gemeinsam gelingen und muss deshalb als GesamtkonzeptNördliche Innenstadt“ neu gedacht und vor allem auch tatsächlich umgesetzt werden.

„Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird.“

J. R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe