Experimenta

11.5.02022 5 (5)

Experimenta | © Shutterstock

Männergrippe

Jede Medaille hat auch eine gute Seite, gestern ärgerte ich mich noch darüber, dass ich nicht in den Flieger steigen konnte und heute hat mich schon eine Männergrippe erwischt. Dank COVID-19 hatte ich mehr als zwei Jahre meine Ruhe und muss mich jetzt erst wieder daran gewöhnen.

Gutgemeinte Ratschläge wie wir Männer mit so etwas am besten umgehen, sind gerne willkommen. Denn es würde mich nicht wundern, wenn es auch für Männergrippen Experten gibt. So nutzte ich meine kleine Auszeit nun etwas anders als geplant. Detlef Sterns Zettelkasten gehört schon wieder einmal zu den ersten Opfern; ich habe wohl gerade genau das gemacht, was ich laut Detlef auf jeden Fall nie und nimmer mit einem Zettelkasten anstellen sollte — das Gute daran, so lange ich die Zettel selbst nicht lösche, kann eigentlich überhaupt nichts passieren. Wo waren die Dinger noch einmal?

Ordnungsamt

Erfreulich ist heute die Meldung, dass einige unserer Stadträte so langsam erkennen, wo das Problem beim Ordnungsamt liegt, denn der Fisch fängt bekanntlich am Kopf zu stinken an. Jetzt müssen wir einmal abwarten, ob die Mitglieder des Gemeinderats auch ausreichend Mut und Verantwortungsbewusstsein entwickeln, um die Verantwortlichen endlich zur Verantwortung zu ziehen.

Dazu passt ganz gut, dass der OB erst gar nicht an der Sitzung teilgenommen hat, und die entsprechende Amtsleiterin mit einer Powerpoint-Präsentation glänzte. Mit unseren Stadträten kann man wohl immer noch machen, was man will, und sollte doch einmal einer aufmucken wollen, dann wird gem. Joachim Friedl (Heilbronner Stimme, 11.5.2022: 24) seitens der Stadtverwaltung einfach die Reißleine gezogen. In Heilbronn wackelt offensichtlich der Schwanz mit dem Hund.

Hafen

Der Unterschied zwischen Hamburg und Heilbronn wurde schon in meiner Jugendzeit wie folgt verdeutlicht: in Hamburg heißt es „Schiff ahoi“ und in Heilbronn „Hoi a Schiff!“. Und seit kurzem wird der Heilbronner Hafen auch wieder einmal bei uns thematisiert; in meinem Weblog gehört er schon länger zu den vielen Baustellen, die bei uns so gerne ausgeblendet werden.

Dass die derzeit Verantwortlichen beim Thematisieren des Hafenproblems dann gleich auf ein Hafenfest zum Sprechen kommen, dürfte keinen mehr überraschen. Mich hat es eher überrascht, dass man im Hafen noch keinen Weinausschank etabliert hat. Das hat man sicherlich aber schon längst geplant, deshalb hatte man auch beim letzten Ausbau wohl keinen Platz, um die Schienenanbindung für Züge in Normalgröße sicherzustellen.

Schöner als die Heilbronner Stimme kann man es wohl nicht mehr schreiben:

„Die Schleppbootfreunde mit dem historischen Boot ‚Hafenamt Heilbronn‘ sollen künftig noch mehr zu Botschaftern dieses Teils der Stadtgeschichte werden. Auch an ein Hafenfest ist gedacht. Auf dass nicht in Vergessenheit gerät: Heilbronn ist auch eine Hafenstadt.“

Heilbronner Stimme (11.5.2022: 22)

Was mich nun aber etwas skeptisch macht, ist die Tatsache, dass unser OB offensichtlich ein Netzwerk zur Sicherstellung des Schleusenausbaus geknüpft hat. Auf gut Deutsch: das mit den Schleusen können wir vergessen, aber es wird uns sehr, sehr viel kosten; z. B. die Ausgaben für Berater, Experten, Fan-Clubs, 3D-Modelle und sicherlich auch die eine oder andere entsprechende Fachkraft im Rathaus.

Geburtstage des Tages

Richard Feynman, Salvador Dalí und Irving Berlin


U-Bahntunnel

Gäubahn 5 (2)

Beitragsfoto: U-Bahntunnel | © Shutterstock

In sämtlichen Gesprächen, die sich um unser Europa oder auch unsere Umwelt drehen, kommt immer wieder die Bedeutung eines funktionierenden gesamteuropäischen Schienennetzes auf. Jeder wird wohl zustimmen, dass man viel zur Rettung unserer Umwelt beitragen, wenn man Verkehre auf die Schiene umleiten könnte. Aber was hat das mit der Rettung Europas zu tun? Ganz einfach, ich zitiere da einmal Detlef Stern, der es ebenfalls bereits vor etlichen Monaten thematisierte, und der erwähnte, dass es für ein europäisches Bewusstsein und eine funktionierende Europäische Union zwingend nötig ist, dass man in Heilbronn am Bahnhof ein Ticket nach Porto kaufen können muss und danach in einen Zug steigen kann, der einen auch ohne größere Abenteuer dorthin transportiert — ein paar Umstiege sind dabei bereits mit einberechnet.

Kommen wir jetzt aber zur Gäubahn, die heute wieder einmal in den Zeitungen (u. a. FAZ, 09.05.2022) thematisiert wird, weil der Bund für einen dortigen Teilstückausbau die Kosten übernehmen möchte und dies mit dem Ziel, das Projekt Stuttgart 21 doch noch halbwegs zum Funktionieren zu bekommen. Denn so wie wir es jetzt lesen können, sind die Planungen etliche Jahrzehnte alt und man hat zwei Dinge dabei vergessen(!), nämlich die Bedeutung, die der Schiene auch zukünftig zukommen soll und die sich daraus ergebenden steigenden Passagierzahlen.

Dass unsere verantwortlichen Politiker nicht gerade Leuchten sind, wissen wir schon länger, aber dass sie nicht einmal Fachleute heranziehen, bevor sie Entscheidungen treffen, verwundert dann doch noch etwas. Auf jeden Fall aber haben wir auch gelernt, dass die Grünen in Baden-Württemberg nur eine etwas aufgebesserte Union (das aktuelle Starbucks der Parteien) sind und genau so viel wie diese für unsere Umwelt übrig haben. Das sieht man am Ausbau der Windkraft oder auch am Rückbau unserer Schieneninfrastruktur — deshalb zurück zum Thema Gäubahn!

Eigentlich ist — war — die Gäubahn wie die Frankenbahn übrigens auch ein Teil der europäischen Eisenbahnmagistrale Berlin – Mailand und könnte gerade heute bei steigendem Verkehrsaufkommen eine sehr attraktive Nord-Südverbindung innerhalb Europas sein.

Und wie wir es leider miterleben mussten (Tunnel-Desaster in Rastatt) wäre eine solche Strecke, gerade wenn es Schwierigkeiten auf der Rheinschiene gibt, auch eine gute Alternative. Schon alleine deswegen müsste die Gäubahn als Teil einer Magistrale ausgebaut werden.

Und was macht unsere Regierung, ob Schwarz, ob Rot oder Grün? Sie verlegt die Gäubahn zum Stuttgarter Flughafen und macht aus ihr eine etwas bessere Pendlerstrecke. Damit und mit der Ausbauverweigerung der Frankenbahn steht es jetzt außer Frage: unsere Regierungen wollen kein europäisches Schienennetzwerk in Europa und schon gar nicht in Baden-Württemberg, sie wollen sich weiterhin nur als Provinzfürsten feiern lassen! Und dies gelingt am besten, wenn man unter sich bleibt. Stuttgart 21 als gute Verkehrsanbindung zum Oktoberfest nach München reicht nicht mehr aus, um mich eines anderen zu belehren.

Dass dabei unsere Umwelt und letztendlich auch unsere Wirtschaft das Nachsehen haben, das verstehen diese Berufspolitiker einfach nicht.

„Reichtum und Schnelligkeit ist, was die Welt bewundert und wonach jeder strebt, Eisenbahnen, Schnellposten, Dampfschiffe und alle mögliche Fazilitäten der Kommunikation sind es, worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbieten, zu überbilden und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren.“

Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Carl Friedrich Zelter (6. Juni 1825)

Maskerade

3.5.02022 5 (3)

Beitragsfoto: Maskerade | © Pixabay

Pressefreiheit

Neben der Meinungsfreiheit ein sehr hohes Gut, welches von immer weniger Mitbürgern geschätzt wird. Denn sonst würde Deutschland wohl kaum auch auf diesem Gebiet immer mehr in den Rückstand geraten. Anlässlich des heutigen Tages der Pressefreiheit verkündet die Tagesschau: „Deutschland war im vergangenen Jahr erstmals aus der Spitzengruppe geflogen. Seitdem gilt die Lage der Pressefreiheit hier nicht mehr als ‚gut‘, sondern nur noch als ‚zufriedenstellend‘“.

Sehr interessant ist dabei auch die aktuelle Rangliste der Pressefreiheit, welche von den Reportern ohne Grenzen aufgestellt wird. Vor Deutschland liegen inzwischen Norwegen, Dänemark, Schweden, Estland, Finnland, Irland, Portugal, Costa Rica, Litauen, Lichtenstein, Neuseeland, Jamaica, die Seschellen, die Schweiz und Island.

Das Erfreuliche ist daran, dass wir weiterhin unter den etwas größeren Nationen ganz vorne liegen (Platz 16). Das Vereinigte Königreich kommt erst auf Platz 26, was mich bei einer von Boris Johnson geführten Regierung auch nicht weiter wundert. Dies sollten wir allerdings nicht zum Anlass nehmen, um wieder einmal mit uns selber zufrieden zu sein, sondern wir sollten alles daran setzen, um uns wieder in die Spitzengruppe vorzuarbeiten.

Pressefreiheit lebt dabei auch von der Vielfalt der Produkte, und ich sehe in der zunehmenden Zentralisierung und Monopolisierung von Presse auch eine Gefahr für die Pressefreiheit — selbst wenn dies damit eigentlich nicht intendiert ist.

Auch muss man sich eine freie Presse sowohl noch leisten wollen als auch noch leisten können. Hierbei sehe ich die größte Gefahr für eine freie Presse bei uns. Nicht durch Zensur oder durch eine bewusste Beeinflussung, sondern durch die immer höheren Kosten für die Herausgeber und Pressemacher, die letztendlich auf den Leser umgelegt werden müssen. Und viele Leser, wenn nicht gar die meisten Leser, weichen dann auf kostenlose oder Billig-Produkte aus — ein Teufelskreis beginnt.

Und selbst für Blogger wie mich wird, durch eine sicherlich gutgemeinte Regulierung des Internets, der Betrieb eines eigenen Weblogs immer erschwerlicher und auch teurer.

Hier müsste der Staat eher regulierend eingreifen, nämlich insoweit, dass mündige Bürger durch weniger Auflagen gefördert und nicht unmündige Bürger bevormundet werden. Mit dieser „Staatsphilosophie“ schafft sich ein demokratischer Staat letztendlich selber ab! Inzwischen bin ich der Meinung, dass auch dies bei uns voll und ganz gewollt und kein Versehen oder gar ein Irrtum der Verantwortlichen ist.

Turmstraße

Heute erfahren wir in der Heilbronner Stimme auch (03.05.2022: 26), dass das geplante Bürgerforum zum Realisierungswettbewerb Neugestaltung Turmstraße und Zehentgasse krankheitsbedingt zum zweiten Mal kurzfristig abgesagt werden musste. Die bereits seit Jahrzehnten versprochene Sanierung der Turmstraße schleppt sich genauso dahin wie die Frankenbahn und die Neckar-Schleusen auch.

Ich gehe inzwischen davon aus, dass das von unseren Volksvertretern genau so gewollt ist. Sie halten ihre Wähler damit hin und müssen sich dabei auch in keine neuen Themen mehr einarbeiten — damit können sie ihre gesamtes eigenes Politikerleben verbringen und lassen sich am Ende ihrer Karriere auch noch dafür feiern, dass sie sich gut 40 Jahre lang vergeblich für diese Projekte eingesetzt haben.

Wahrscheinlich aber wird andersherum ein Schuh daraus: sie sichern sich ihre Karrieren dadurch, indem sie diese Projekte so lange wie möglich verschleppen und erfüllen damit ihre parteipolitische Aufgabe „zum Wohle eines höheren Ganzen.“

Wir müssten nur herausfinden wollen, wer am fehlenden Ausbau der Frankenbahn, der Neckar-Schleusen oder der Turmstraße profitiert und schon würden wir die Hintermänner unserer Politik kennenlernen — unsere Angst davor ist wohl zu groß!

Schaulaufen

Sehr gefreut habe ich mich heute über den Kommentar von Norbert Wallet in der Heilbronner Stimme (03.05.2022: 2), der den Kriegstourismus von Friedrich Merz nach Kiew für schäbig hält.

„Um die Reise des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz nach Kiew richtig zu beurteilen, hilft eine ganz einfache Frage: Wem nützt sie eigentlich? Der Ukraine sicher nicht. Der Oppositionsführer kommt mit vollkommen leeren Händen. Neue Hilfsangebote, gar Hilfszusagen kann er nicht machen. Er ist kein Regierungsvertreter. Er bringt auch keine Botschaft der Bundesregierung mit. … Man kann aber auch einfach der Meinung sein, dass diese unnötige Reise ziemlich schäbig ist.“

Norbert Wallet (Heilbronner Stimme, 02.05.2022:5)

Und damit die CDU auch wirklich alle ihre Wähler bedient, hat sich Michael Kretschmer gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ausgesprochen. „In einer gemeinsamen Präsidiumssitzung von CDU und CSU sagte Kretschmer der nach Angaben der „Bild“-Zeitung, dass die Union diese Haltung berücksichtigen müsse. Sie bilde zwar „nicht die Mehrheit der veröffentlichten Meinung“ ab, aber die „Mehrheitsmeinung der Gesellschaft – auch meine“. Die „Bild“ berief sich auf Angaben aus Teilnehmerkreisen sowie eines Sprechers des Ministerpräsidenten.“ (Tagesschau, 3.5.2022, 07:31 Uhr: Kretschmer gegen Lieferung schwerer Waffen an Ukraine).

Ich halte nicht nur den Kriegstourismus von Friedrich Merz für schäbig, sondern das gesamte Schaulaufen der CDU, das immer offensichtlicher einzig und alleine den eigenen Wahlkämpfen dient, um schnell wieder ein Händchen auf die neu zu vergebenen Billionenausgaben Deutschlands zu erhalten.

Website des Tages

Reporters without Borders

Reporter ohne Grenzen wurde im Jahr 1985 in Montpellier von vier französischen Journalisten gegründet und setzt sich seither weltweit für die Pressefreiheit und gegen Zensur ein.

Geburtstage des Tages

James Brown, Bing Crosby und Niccolò Machiavelli