Sülmerstraße

Spaziergang Süd-Nord 5 (2)

Beitragsfoto: Sülmerstraße

Trotz des gerade nicht so prickelnden Wetters bin ich unterwegs, um im Norden der Kernstadt „nach dem Rechten zu schauen“ — eine fast tägliche Routine, die ich gerne übernommen habe. Zwei Strecken bieten sich dazu an, die erste führt über die Allee und die zweite über die Fleiner- und Sülmerstraße.

So komme ich heute von der Wilhelmstraße, wobei ich inzwischen doch so einiges Gewohntes vermisse. Der ASB und ein neues Studentenheim sind schnell passiert, kurz darauf die Tanzschule Brenner und zwei etwas bessere Gaststätten, dann kommt schon das Gerichtsgebäude und auch etwas zum Gucken, nämlich der Möbel Fromm.

Dann wird es allerdings wieder sehr duster, das Wollhaus steht — nur vom Telekom-Laden beleuchtet — einfach nur so herum, ein paar Kinder spielen bei den Holzschäfchen. Und wenn man jetzt rechts einbiegen würde, käme man zum Seel.

Dann ist man aber schon am Fleinertorbrunnen und guckt, was der Hund des Herren, der dort meistens sitzt, gerade macht. Ein, zwei Bettler weiter leuchtet ein wenig der Kaufhof, den die meisten noch als Horten oder Merkur kennen. Dort gegenüber stellt sich gleich die Frage, ob die ausgestellte Schokolade immer noch munter vor sich her schimmelt, oder ob sich doch noch etwas tut.

Ein Blick auf eine Baustelle lässt etwas hoffen, denn ein weiteres Schnellrestaurant soll dort einziehen, und gleich links davon geht es in eine kleine Shopping Mall, die zusammen mit dem Kaufhof immer noch mit ein paar interessanten Angeboten aufwarten kann.

Rechts davon das Fischschnelltrestaurant, welches ich nur einmal und zwar die Dependance in Brüssel — wegen der Champagner-Bar — betreten habe. Die Bettlerin in Gebetshaltung ignoriere ich und steuere dafür die Schaufenster vom Messer Maurer an. Dann wird es bis zum Juwelier Beilharz wieder ziemlich duster.

Auf dem Kiliansplatz angekommen, sieht man immer einige Menschen. Diese genießen die Atmosphäre, die sich durch die Beleuchtung von vier Läden etwas größerer Ketten ergibt, und wo doch so manche Menschen immer wieder auch einkaufen. Ein Kaffee an der Ecke zur Kaiserstraße rundet das Ensemble ab.

Mit Betreten der Sülmerstraße wird es wieder ziemlich duster, was sich erst kurz vor dem Hafenmarkt etwas bessert. Das Reisebüro an der Ecke war wohl schon immer dort und das neue Steakhaus schräg gegenüber bringt etwas Publikumsverkehr. Den Platz nutzen dafür spielende Kinder und bringen auch Schwung in die Stadt.

Weiter die Sülmerstraße entlang freue ich mich schon auf die Schaufenster des Optik Fickartz und denke kurz darüber nach, ob ich einen Schwenk zum Plattenladen um die Ecke machen soll, bevor ich schon zum neuen Lebensmittelladen komme. Dort frage ich mich dann immer wieder, warum es in der gesamten Sülmerstraße keinen Lidl gibt — ist das doch der Ursprungsort dieser Handelskette.

Die Nikolaikirche in Sicht, sind dann auch die nächsten Bettler nicht weit und gegenüber der Kirche ist schon immer — zumindest seit ich denken kann — der Foto Kuss.

Dann sind wir auch schon am Berliner Platz, den es so eigentlich gar nicht mehr, der aber durch einige Restaurants erhellt wird und wo es doch so einiges zum Schauen gibt; und immer auch Bettler. Wenn ich jetzt noch in die Turmstraße einbiege, komme ich am Elektro Krauss vorbei — und dort gibt es dafür immer etwas zum Gucken.

Kürzlich konnte man in der Heilbronner Stimme lesen, dass sich die Menschen darüber ärgern, nicht mit ihrem Auto direkt in die Läden fahren zu können, und das Ordnungsamt hat wohl auch schon reagiert, denn die Autos, welche durch die Fleiner- und Sülmerstraße fahren, werden immer mehr. Und ganz offensichtlich sind es nicht nur Zulieferer und Ladeninhaber, die offensichtlich das Recht erworben haben, ihre Autos — und wohl auch die der gesamten Familie — vor dem Laden parken zu dürfen.

Ich kann es durchaus verstehen, dass wir vom Unterland gerne 10 Euro für grottenschlechten Wein, verwässerte Cocktails, kaltes Bier oder Kaffeeersatz ausgeben, aber keinen Euro für ein Parkhaus übrig haben, denn man muss im Leben Schwerpunkte setzen. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass das gewünschte Einkaufserlebnis sich nicht dadurch einstellt, dass man mit dem Auto direkt vor die Kasse fährt — dies verwechseln viele wohl mit den Schnellrestaurants.

Auch konnte man lesen, dass es bei uns in Heilbronn zu wenig inhabergeführte Geschäfte gibt. Dies ist leider ein Faktum, und rührt meines Erachtens daher, dass wir alle eher auf die „schnelle Mark“ — nämlich dieselbe einzusparen — aus sind, als uns alle gegenseitig und langfristig das Leben zu erleichtern. Wer inhabergeführte Geschäfte vermisst, sollte damit anfangen, bei den noch vorhandenen einzukaufen. Das führt dann dazu, dass sich weitere und auch neue Geschäfte in Heilbronn ansiedeln. Der Tritschler aus Stuttgart oder der Spielwaren Wiedmann aus Backnang, die sich auch in Heilbronn angesiedelt haben, können als gute Beispiele dienen.

Hinzu kommt leider die Ur-Heilbronner Eigenart, dass, sobald man es sich leisten kann, man selbst zum Einkaufen nach Stuttgart, München oder Mailand fährt und dies dann gerne auch die Heilbronner Stimme wissen lässt.

Zuletzt konnte man auch lesen, dass die Hauseigentümer an der Misere schuld seien, da diese vermehrt an Döner-Buden, Nagelstudios, Friseure und Ein-Euro-Läden vermieten. Dem ist zu entgegnen, dass ein Hauseigentümer, wenn er nicht gerade durch Abschreibungen reich wird, dafür sorgen muss, dass die Läden auch vermietet sind — Leerstände sehen nicht nur schlecht aus, sondern schaden den Gebäuden auch.

Und aufgrund staatlicher Vorgaben, wie z. B. der Begünstigung von Geldwäsche jeder Art, oder städtischen Versäumnissen, wie z. B. bei Ordnung und Sauberkeit, kommt es dazu, dass die, selbst von den Vermietern gewünschten, Mieter eher fernbleiben und „nur“ sehr kurzfristige Geschäftsmodelle noch Interesse an den durchaus „guten Lagen“ haben. Und wenn dann noch die lokale Zeitung das Ganze mit Wollust ausschlachtet und weiterhin schlechtschreibt, muss man sich über solche Erlebnisse beim Spazieren wie heute von „Süd nach Nord“ auch nicht wundern.

Dieser Teufelskreis kann nur noch von der Stadtverwaltung durchbrochen werden, indem man auf Teufel komm raus Ruhe, Ordnung und Sauberkeit gerade in der Heilbronner Fußgängerzone durchsetzt und dann auch kontinuierlich sicherstellt. Denn gute Mietverträge werden über Jahrzehnte abgeschlossen und nicht auf monatlicher Basis!

Und sobald man dies sichergestellt hat, und die Vermieter eine Grundlage für eigene Investitionen haben, dann beginnt man mit einer langfristigen und vor allem auch fundierten Werbe- und Akquirierungsaktion, die die Vorteile und Vorzüge der Heilbronner Innenstadt zum Thema hat. Interessanter Weise leisten wir Heilbronner uns dafür bereits schon jetzt eine sehr große eigene Marketing-Gesellschaft.

Und sobald sich dann das Einkaufserlebnis bei uns wieder einstellt, sollten wir Heilbronner über unseren eigenen Schatten springen und auch selbst wieder in Heilbronn einkaufen!

Ich freue mich schon jetzt auf die wunderbaren Anblicke von vielen glücklichen Menschen mit noch mehr Einkaufstaschen, die durch die Innenstadt schlendern und sich immer wieder bei einem Getränk oder gutem Essen von ihrem Einkaufserlebnis etwas ausruhen, nur um kurz darauf wieder, frisch gestärkt, in den nächsten Laden zu streben.

Wir haben in Heilbronn wirklich alles, was dazu nötig wäre — wir sollten dies auch nutzen!


Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

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Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Plausch

Beim heutigen Spaziergang, den Thomas Aurich getroffen. Wir unterhielten uns darüber, wie man Heilbronn für Studenten attraktiver gestalten könnte. Ich dachte dabei an bekanntere Professoren und spannende wissenschaftliche Theorien, er richtigerweise an ein attraktiveres Umfeld, wie z. B. eine neue Hafenloft-Disco oder gar eine Neckar Surferwelle ähnlich der Eisbach Surferwelle in München. Diese könnte ich mir ganz gut dort vorstellen, wo vor ein paar Jahren noch die Slalomstrecke für Kajakfahrer war.

Homophobie

Dass sich gerade die Ungarn um Viktor Orbán herum so homophob geben, kann ich nun gar nicht nachvollziehen, denn nicht nur seine engsten Vertrauten, wie z. B. Jozsef Szajer sind zumindest als Privatpersonen gegenüber anderen Menschen jeglichen Geschlechts und sexueller Orientierung sehr viel offener als vermutet und zudem allem Neuen gegenüber sehr aufgeschlossen. Und neben Brüssel gilt auch die ungarische Hauptstadt Budapest inzwischen als Eldorado für Schwule, die sich gerne in den renommierten Bädern der Stadt treffen und dabei enge Beziehungen zur lokalen Szene pflegen. Orbáns Aktionen und Gesetzesinitiativen stehen damit im völligen Gegensatz zur Aufgeschlossenheit und Weltoffenheit Budapests und dem Großteil seiner Bevölkerung. Noch schlimmer ist es aber, dass doch so einige Initiatoren wie auch Gesetzgeber dieses „Gesetzes zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität und Transsexualität“ damit ihre ureigenen sexuellen Neigungen völlig negieren! Für mich ein Beweis, wie ernst es bereits um die ungarische Demokratie im allgemeinen und die mentale Gesundheit der ungarischen Politiker im besonderen steht. Selbsthass war noch nie eine gute Idee!

Hochzeitstag

Wenn man schon den eigenen Hochzeitstag verbummelt, dann kann man gleich auch noch einen Blogbeitrag schreiben; da meine bessere Hälfte für mich auch die bestmögliche Ehefrau ist, muss ich zudem mit keinen ernsten Konsequenzen rechnen und darf mich über meine soziale Inkompetenz selber ärgern. Inzwischen weiß ich selbst nicht einmal mehr, wie viele der inzwischen 28 Hochzeitstage ich bereits verbummelt habe, bin mir aber sicher, dass wir davon doch den einen oder anderen gemeinsam zu spät zur Kenntnis nahmen — beim heutigen ist dies aber nicht der Fall — und uns beide im Anschluss köstlich darüber amüsierten. Vor allem dann, wenn man extra um den Hochzeitstag herum Urlaub plant und danach feststellen muss, dass der Urlaub zwar sehr schön war, der Hochzeitstag dabei aber keine Rolle spielte.

Website des Tages

ILGA World – The International Lesbian, Gay, Bisexuel, Trans and Intersex Association

Aus gegebenem Anlass verknüpfe ich hier einmal die Website des Weltverbandes für Damen und Herren, sowie alle dazwischen, welche sich nicht als hetero- oder asexuell bezeichnen.

Geburtstag des Tages

George Orwell

In erster Linie wird Orwell allen als Autor von „Farm der Tiere“ und „1984“ bekannt sein. Für mich kommt noch hinzu, dass er ein Europäischer Föderalist der ersten Stunde war, der sich kurz darauf allerdings zu einem Fatalisten entwickelte.


Kaiserstraße | © Shutterstock

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Kaiserstraße | © Shutterstock

Amüsement

Mein Gang durch die Innenstadt sorgt auch hin und wieder für ganz nette Erinnerungen. Vor allem bei gutem Wetter gibt es jüngst eine Heilbronner Kneipe, vor der sich verstärkt gebrauchte Nobelkarossen versammeln und deren vermeintliche Besitzer amüsiert zuschauen, wie sich Fußgänger, Rad- und Rollerfahrer sowie Kinderwägen abmühen, um nicht auf die Straßenbahnschienen ausweichen zu müssen.

Bereits in den 1980er-Jahren gab es eine Münchner Kneipe namens Extrablatt, in der sich die Nobelkarossenbesitzer dabei amüsierten, für jeden Strafzettel oder gar ein abgeschlepptes Auto eine Flasche MOËT & CHANDON springen zu lassen.

Der Unterschied zu Heilbronn ist, dass es sich in München um sehr attraktive Neuwagen mit sehr spendablen Besitzern handelte, und auch das Ordnungsamt täglich vorbeischaute und Strafzettel verteilte.

Das Münchner Spektakel erfreute damals die Passanten, die Gäste, den Kneipenbesitzer, das Champagnerhaus und uns Steuerzahler, die Heilbronner Kopie außer mir — der an eine schöne Zeit erinnert wird — wohl nur die Kneipengäste, welche ganz offensichtlich zu geizig sind, um Parkgebühren zu zahlen.

Gestern Nachmittag — ich kann es mir einfach nicht verkneifen und muss es erwähnen — haben wir beim Spazieren das Ordnungsamt gesehen. Sie waren dieses Mal im Auto unterwegs, und in der Zeit, wo wir sie einsehen konnten, haben die „Beamten“ gut 10 Ordnungswidrigkeiten, wie parken in der Fußgängerzone, blockieren von Gehwegen und fehlende Masken, übersehen. Man kann vermuten, dass sie eine Prämie für jedes Mal wegschauen erhalten, und deshalb, mit dem Auto unterwegs, ihre Quote erhöhen.

Aufreger

Manche Menschen sind einfach gleicher als die anderen, und das wird wohl schon immer so gewesen sein — überall auf der Welt und auch bei uns hier in Heilbronn. Regelmäßig wird es auch publik und eine kleine Aufregungswelle rollt durch das Land. Ein oder zwei Aufreger in der Zeitung und alles geht wieder seinen gewohnten Gang.

Rentner

Heute startet mein Schwager Dan Schaffer einen neuen Lebensabschnitt, nämlich den eines Rentners. Dabei erinnere ich mich noch ganz genau daran, wie er mir einst sein Mobile home, das irgendwo in der Pampa Ohios stand, vorführte. Nur ein paar Jahrzehnte und etliche Veränderungen später, ist er nun in der Eifel heimisch, wobei diese getrost ebenfalls als Pampa bezeichnet werden darf. Der große Vorteil für mich ist dabei, dass man anstatt des Flugzeugs nun die Bahn oder das Auto nutzen kann.

Und da er weiterhin den Pfadfindern sehr verbunden ist, wird es ihm bestimmt nicht langweilig werden.

„Old age ain’t no place for sissies.“

Bette Davis, an ihrem 70. Geburtstag (Nachruf in der Newsweek 1989)