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Über 60 Jahre EUROPA-UNION Heilbronn

Bereits 1946 wurden die bekennenden Europäer auch in Heilbronn aktiv. Eine Bezirksgruppe der EUROPA-UNION, von Mitbürgern des Stadt- und Landkreises Heilbronn ins Leben gerufen und von Anfang an mit bekennenden Europäern aus ganz Europa vernetzt, bringt sich dabei massiv in die politische Diskussion ein und fordert unter anderem eine verfassungsgebende Versammlung für Europa!

Um nach der Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 und den ersten Rückschlägen in der Europapolitik dem europäischen Gedanken in Heilbronn größere Bedeutung zu verschaffen und auch bundesweit einheitliche Verbandsstrukturen zu erhalten, wurde am 9. Mai 1953 unter der Schirmherrschaft des damaligen Heilbronner Oberbürgermeisters Paul Meyle der Kreisverband Heilbronn der EUROPA-UNION Deutschland gegründet. Ihr erster Vorsitzender wurde der Heilbronner Erste Bürgermeister Dr. Karl Nägele. Auch die Wahlheilbronnerin Frau Franziska Schmidt gehörte von Anfang an zu den Heilbronner Europäern, die sich die Integration Deutschlands in ein demokratisches und föderales Europa auf die Fahnen geschrieben hatten. Unvergessen bleibt auch das jahrzehntelange Engagement des ehemaligen Heilbronner Oberbürgermeisters Dr. Manfred Weinmann, der bereits in den frühen 50er Jahren in Heilbronn Informations- und Werbeveranstaltungen mit dem Ziel zur Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ organisierte.

Seit dieser Zeit wirkt die EUROPA-UNION Heilbronn als Verein und überparteilicher Verband, vernetzt mit Europäern aus über 30 Ländern und unter dem internationalen Dachverband der Europäischen Bewegung, in der Gesellschaft auf ein geeintes Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand hin. Durch Information über politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen in Europa, durch Werbung für Toleranz und Völkerverständigung zwischen den europäischen Völkern und durch Förderung der Kontakte zu unseren europäischen Nachbarn will die EUROPA-UNION die Bedeutung des europäischen Integrationsprozesses verdeutlichen und die Bürger von der Notwendigkeit eines persönlichen Engagements für das neue Europa überzeugen. Deshalb setzt sich die EUROPA-UNION seit Jahrzehnten auch für die Integration von Heilbronnern mit Zuzugsgeschichte in die Heilbronner Gesellschaft sowie in seine Vereine und Institutionen ein. Maßstab des Handelns ist dabei der europäische Gedanke, welcher auf den unumstößlichen und für alle Menschen gleichermaßen geltenden Menschenrechten fußt und die Idee von Pierre Bertaux aufgreift, dass man „Europäer nicht durch Geburt ist, sondern durch Bildung wird.“ Dieser Einsatz zur Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund trägt wesentlich dazu bei, dass die EUROPA-UNION Heilbronn auch bei Neubürgern ein gefragter Ansprechpartner wurde und nunmehr seit vierundzwanzig Jahren zusammen mit Migrantenvereinen eine über Heilbronn hinaus bekannte und jährlich sattfindende Veranstaltung, den „Treffpunkt Europa“, im Herzen Heilbronns organisiert. Mit über zwanzigtausend Besuchern zählt der „Treffpunkt Europa“ zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland und auch darüber hinaus. Durch diese Veranstaltung und weitere sich daran anschließende Veranstaltungen im Stadt- und Landkreis Heilbronn, wie zum Beispiel dem „Familienfest auf dem Gaffenberg“, wird den teilnehmenden Vereinen und ihren Mitglieder die Integration in unsere Gesellschaft erleichtert und es werden zusätzlich Vorurteile zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen abgebaut.

Über die Organisation von Kultur- und Werbeveranstaltungen hinaus werden von der EUROPA-UNION Bildungs- und Informationsveranstaltungen rund um Europa und die Europäische Idee initiiert, unterstützt und durchgeführt. Seit nunmehr sechzig Jahren ist der Europäische Wettbewerb ein fester Bestandteil an den Schulen des Stadt- und Landkreises und seit gut fünf Jahren können Schüler regelmäßig die Stadt Straßburg und das Europäische Parlament kennenlernen.

Weitere Fahrten zu Zielen im Kreis Heilbronn und Zielen in unsere europäische Nachbarländer, z.B. den Partnerstädten Heilbronns, vermitteln den Teilnehmern die unterschiedliche Geschichte, Kulturen sowie Gepflogenheiten und tragen damit dazu bei, dass sich alle Teilnehmer besser kennenlernen, verstehen und ein gegenseitiges Verständnis für die Vielfalt Europas und seiner Bürger entwickeln. Ganz dem demokratischen Gedanken verpflichtet, ist es selbstverständlich, dass alle Informations- und Bildungsveranstaltungen auch dem Meinungsaustausch dienen. Dies wird mit weiteren Diskussionsveranstaltungen vertieft. Hierzu werden auch Fachleute aus allen Teilen Europas und der ganzen Welt geladen. Selbstverständlich haben einige Mitglieder der EUROPA-UNION Heilbronn eine eigene Zuzugsgeschichte, denn der europäische Gedanke ist universell und hat es in Heilbronn ermöglicht, dass die knapp 180 Vereinsmitglieder nicht nur aus dem Stadt- und Landkreis Heilbonn und der Europäischen Union stammen, sondern auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Afrika oder Indien kommen, frei nach Bertauxs Motto: „Europäer wird man durch Bildung.“ Die Vereinsmitglieder treffen sich nun schon seit Jahrzehnten regelmäßig in bestimmten Lokalen der Stadt Heilbronn zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen, wie zum Beispiel Vortragsveranstaltungen, Diskussionsabende, Europastammtische und auch europäische Weinproben. Auch werden die Vereinsheime der unterschiedlichen Mitgliedsvereine immer wieder Austragungsort von Sitzungen und Feiern. Ohne Zweifel aber spielt der jährlich anlässlich der Europawoche stattfindende „Treffpunkt Europa“ auf dem Kiliansplatz in Heilbronn für eine weit über die Mitglieder der EUROPA-UNION Heilbronn hinaus gehende Rolle. Viele Heilbronner und einige eigens zu dieser Veranstaltung anreisende Gäste haben sich den „Treffpunkt Europa“ zum festen Bestandteil ihres Jahres gemacht – sie erleben dabei immer wieder, dass Europa auch Spaß machen und vor allem, dass die Vielfalt mehr Vorzüge als Nachteile haben kann.

Unvergessen sind aber auch die „Europabälle“, die in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum Höhepunkt des Heilbronner Gesellschaftslebens zählten, die Einweihung des Europaplatzes oder aber auch die Übergabe der Europaflagge an Heilbronn in den siebziger Jahren. Über all diese Jahrzehnte hinweg haben sich die Europäischen Föderalisten aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn stets ehrenamtlich für die Europäische Idee eingesetzt. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielten einige von Ihnen einen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland oder auch eine Ehrennadel der EUROPA-UNION Deutschland verliehen und folgende unserer Mitglieder wurden zu Ehrenmitgliedern des Heilbronner Kreisverbandes ernannt: Franziska Schmidt, Dr. Karl Nägele, Herbert Kliem, Dr. Walter Dörr, Dr. Manfred Weinmann und Heinrich Kümmerle senior. Und obwohl die EUROPA-UNION Heilbronn dieses Jahr ihr sechzigjähriges Bestehen als Kreisverband der EUROPA-UNION Deutschland feiern wird, werden ihre Mitglieder nicht müde und werben auch weiterhin für ein föderales Europa zum Wohle einer besseren Welt.

Allen gut 180 Mitgliedern sei an dieser Stelle für ihr stets ehrenamtliches Engagement, ihren Einsatz für ein gemeinsames Europa und unseren Heilbronner Kreisverband sehr herzlich gedankt. Ohne ihre Unterstützung könnte so manche Veranstaltung nur schwer verwirklicht werden!


Redaktioneller Hinweis: In der Originalversion hatte ich fälschlicher Weise Robert Schuman ein Zitat zugeschrieben, welches aber von Pierre Bertaux stammt (Mutation der Menschheit 1963:166, „Man ist nicht Europäer von Geburt, sondern man wird es durch Bildung.“)

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Integration

Von einem positiven Integrationsbegriff ausgehend und der Tatsache, dass bis zu einem Drittel unserer Bevölkerung in die bestehenden politischen und sozialen Strukturen zu integrieren sind, ist eine erfolgreiche Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft grundsätzlich eine freiwillige Angelegenheit. Dabei müssen sowohl die Integrationsbemühungen als auch die Hilfestellungen „Alteingesessener“ von den Bürgern selber kommen.

Ziel aller staatlichen Bemühungen sollte es sein, die Integration der Neubürger und ihrer Nachkommen in die bestehenden Strukturen zu fördern. Dabei ist zu beachten, dass Integration von neuen Bevölkerungsteilen nicht ausschließlich eine Einbahnstraße ist, sondern unausweichlich auch Veränderungen der bestehenden Strukturen mit sich bringt. Auch ist eine erfolgreiche Integration schwer quantifizierbar aber zu jeder Zeit in ihren Auswirkungen qualitativ erlebbar.

Alteingesessene Bevölkerungsteile sollten sich mit dem Integrationswunsch von Neubürgern identifizieren, diesen mindestens aber tolerieren, zumal, wenn es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt und Auswirkungen auf die eigene, ursprüngliche Lebensart und -weise zu erwarten sind.

Deswegen ist meines Erachtens eine für alle Betroffenen gültige Zielvorgabe des zu erlangenden Endzustandes notwendig. An diesem gesellschaftspolitischen Ziel gilt es sich zu orientieren:

Die europäische Idee, mit dem Grundgesetz und der deutschen Sprache als Grundlage, bietet hierbei einen erfolgversprechenden und zielführenden Ansatz.

Dieser Ansatz wird seit Jahren von der EUROPA-UNION Deutschland (EUD) verfolgt. Die EUD ist schon von ihrer Idee her ein wesentlicher Träger jeglicher Integration. Im Großen die Integration Deutschlands und weiterer Staaten in ein vereintes Europa und im Kleinen die Integration seiner Bürger in die regionalen Gebietsstrukturen.

Deswegen wirbt die EUD für ein vereintes und geeintes Europa, bemüht sich Vorurteile abzubauen und ein für alle tragbares Endziel (Europäische Union) zu formulieren.

Die Migrationsbewegungen und ihre Folgen von Anfang an erkennend, hat der Kreisverband Heilbronn der EUD schon seit Jahrzehnten auch für ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Bevölkerungsanteile untereinander geworben und bemüht sich auch weiterhin, durch Information und Zusammenarbeit auch im Kleinen Vorurteile abzubauen und integrierend zu wirken.

Mit dem Treffpunkt Europa, der im Mai eines jeden Jahres auf dem Kiliansplatz in Heilbronn stattfindet, hat der Kreisverband Heilbronn der EUD in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn schon Ende der 80ger Jahre ein erfolgreiches Integrationsinstrument geschaffen. Dabei wird vor allem durch das Ansprechen der emotionalen Ebene aller Heilbronner Bevölkerungsteile ein „Wir-Gefühl“ als Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration entwickelt und gefördert.

Die erfolgreiche Durchführung des Treffpunkt Europas hat sich damit als ein für alle Beteiligten gültiges und erstrebenswertes Ziel entwickelt und wurde über die Jahre hinweg ohne jeglichen Zweifel ein erfolgreiches Integrationsinstrument.

Während des Treffpunktes Europa werden durch gemeinsames Feiern Ängste und Vorurteile abgebaut sowie tragbare und hilfreiche Verbindungen geknüpft.

Schon mit Beginn der Vorbereitungen zum Treffpunkt werden den beteiligten Gruppen mit Migrationshintergrund neben der Verbesserung der sprachlichen Voraussetzungen auch Inhalte vermittelt, die sie auch über den Treffpunkt Europa hinaus anwenden können. Gleichzeitig wird ihr Verständnis für bestehende städtische und bürgerliche Strukturen Heilbronns gebessert.

„Alteingesessene“ Gruppen können im Zuge der Vorbereitungen und in der Mitarbeit mit den „ausländischen“ Gruppen ihrerseits ihre Vorurteile überprüfen und abbauen.

Über den Treffpunkt Europa hinaus werden Neubürger in bestehende Strukturen Heilbronns integriert und zu einem wesentlichen Bestandteil der Heilbronner Gesellschaft, ihrer Vereine und Parteien.

Logo der EUROPA-UNION Heilbronn bis 2019