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Zeitumstellung

Heute um 3 Uhr war es mal wieder soweit und die Uhren wurden um eine Stunde auf den Status Quo zurückgesetzt. Jetzt befinden wir uns in Deutschland wieder in der für unsere Zeitzone eigentlich vorgesehenen Zeit. Man muss es wohl nicht extra erwähnen, dass wir Menschen vor geraumer Zeit die Welt in verschiedene Zeitzonen eingeteilt haben und, dass es auch für jeden Ort eine eigene lokale Uhrzeit gibt, die 12.00 Uhr genau dann anzeigt, wenn die Sonne mittags am Zenit steht; an manchen Uhren, wie der im Straßburger Münster, kann man das noch genauer betrachten.

Am 1. April 1893 wurde für das gesamte damalige Deutsche Reich die mitteleuropäische Zeit als Einheitszeit festgelegt. Die Koordinierte Weltzeit (UTC) wurde 1972 festgelegt und unsere Zeitzone, die mitteleuropäische, welche sich am 15. Längengrad ausrichtet, hat eine Stunde mehr, ergo UTC+1.

Hauptkriterium dieser Einteilung ist, dass ein Land jene Zeitzone benutzt, in der der Hauptteil des Landes liegt. Wohl eher aus politischen Gründen wurde in Europa die mitteleuropäische Zeitzone bis nach Spanien ausgedehnt, was für die Menschen vor Ort nicht unerhebliche Auswirkungen auf den Tagesablauf hat.

Eine koordinierte Weltzeit hat zwar für bestimmte Anwendungen, Vorhaben und Unternehmungen, wie Telekommunikation, See-, Luft- und Raumfahrt oder auch bei Übungen und Einsätzen des Militärs große Vorteile, stößt aber bei Mensch und Tier an ihre Grenzen.

Neben der politisch motivierten Ausdehnung von Zeitzonen, um Staaten besser unter- oder miteinander verknüpfen zu können, wurde vor allem in Krisen- und Kriegszeiten versucht, durch die Einführung einer Sommerzeit wirtschaftliche Vorteile zu generieren.

Wohl aufgrund der Ölkrise 1973 kam es erst in einzelnen Ländern Europas erneut zu einer Sommerzeit, welche dann ab 1980 auch für Deutschland galt. Für mich war dies damals so interessant, dass ich mit einem Freund um 2 Uhr morgens vor einer öffentlichen Uhr in Heilbronn wartete, bis sich diese, wie vorab angekündigt, automatisch umstellte und den Minutenzeiger im Sekundentakt bis auf 3 Uhr vortrieb.

Kaum 40 Jahre später dürfte es allen bewusst sein, dass die gewünschten Vorteile einer Sommerzeit auch dieses Mal nicht erfüllt werden konnten. Man hätte aber auch aus den Erfahrungen der vorangegangenen Versuche lernen können, die bereits immer nach ca. vier Jahren zur selben Erkenntnis kamen.

So dürfen jene, die den Anfang der Sommerzeit miterleben durften nun darauf hoffen, auch deren endgültiges Ende noch miterleben zu können; und wer weiß, vielleicht lernen zukünftige Generationen aus unseren diesbezüglich gemachten Erfahrungen.

Das wirklich Interessante an der Zeitumstellung ist aber, dass unsere Nachrichtensprecher offensichtlich allesamt davon ausgehen, von den Verantwortlichen der Zeitumstellung im Frühjahr eine Stunde „gestohlen“ und im Herbst dann wieder geschenkt zu bekommen. Dabei sollten wir uns doch alle immer wieder gewahr werden, dass uns kein Mensch, auch keine Verwaltungsmitarbeiter, weder Zeit schenken noch gutschreiben kann, sondern nur stehlen. Und solche Zeitdiebe finden sich leider überall; wobei sehr viele von uns zugeben müssten, dass wir selbst die eigentlichen Verschwender unserer Lebenszeit sind — carpe diem, und sollte dies nicht reichen, gerne auch noch die Nacht.

Uns Menschen kann man übrigens gut daran messen, wie wir zum einen mit der eigenen und zum anderen mit der Zeit unserer Mitbürger umgehen. So kann man einer Zeitumstellung doch noch etwas Positives abgewinnen, nämlich dann, wenn man sich bei dieser Gelegenheit der eigenen Vergänglichkeit gewahr wird — möge dies zu einer etwas anderen Umstellung führen!

„Time is what keeps everything from happening at once.“

Ray Cummings, The Girl in the Golden Atom (2018 [1922]: 19)

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Nachdenklich

Es sind immer wieder diese völlig unerwarteten Ereignisse, die uns Menschen aus den eigenen Träumen reißen und einen kurz über das eigene sowie das Leben an sich nachdenken lassen, bevor man wieder zum Alltag zurückkehrt.

Dabei meine ich nicht irgendwelche völlig überraschenden Aktienbewegungen an der Börse oder Pandemiemeldungen aus den Medien, sondern den plötzlichen Tod von Menschen, die man persönlich kannte und mit deren vorzeitigem Tod man einfach nicht rechnete.

Auch wenn man mit zunehmenden Alter das Gefühl entwickelt, dass „die Einschläge“ immer näher kommen und man damit auch selber immer mehr sensibilisiert ist, hat der Tod von Menschen, welche jünger als man selber sind, doch eine ganz besondere Bedeutung. Und wenn man dann noch gleich mehrerer solcher tragischen Ereignisse gewahr wird, hält das eigene Grübeln etwas länger als sonst üblich an.

Steve Jobs konnte dem Tod eine ganz eigene Bedeutung beimessen.

„Death is very likely the single best invention of Life. It is Life’s change agent. It clears out the old to make way for the new.“ 

Steve Jobs, Stanford Commencement Adress (2005)

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb am 4. April 1787 an Leopold Mozart, dass der Tod der Schlüssel sei, der das Tor zur wahren Glückseligkeit öffne, und er selber, auch in seinen noch jungen Jahren, nie zu Bett ginge ohne darüber nachzudenken, den kommenden Tag nicht mehr zu erleben.

Und John O’Donohue wundert sich:

„Though death is the most powerful and ultimate experience in one’s life, our culture goes to great pains to deny its presence.“

John O’Donohue,  Anam Cara: A Book of Celtic Wisdom (1997: 205)

Paulo Coelho fasste das Ganze in die folgenden Worte:

„Life is a dream from which we wake only when we meet death.“

Paulo Coelho, Aleph (2011)

Um heute nicht ganz dem Grübeln zu verfallen, beende ich diesen Beitrag mit einem wunderbaren Gedicht von Walt Whitman.

A clear midnight

THIS is thy hour O Soul, thy free flight into the wordless,
Away from books, away from art, the day erased, the lesson done,
Thee fully forth emerging, silent, gazing, pondering the themes thou lovest best.
Night, sleep, death and the stars.

„The death rate is the same for us as for anybody … one person, one death, sooner or later.“

Robert A. Heinlein, Tunnel in the Sky (1987: 28)