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Gedanke

Im Jahr 2013 schrieb ein uns heute noch allseits bekannter Edward Snowden, dass er nicht in einer Welt leben möchte, in der alles, was er sagt, alles, was er tut, aufgezeichnet wird. Das wäre nichts, was er bereit wäre zu unterstützen. Das ist nichts, unter dem er zu leben bereit wäre. Im Guardian hat er dies wie folgt ausgedrückt:

I do not want to live in a world where everything I do and say is recorded. That is not something I am willing to support or live under.

Edward Snowden,  The Guardian, 9. Juni 2013

Ein Idealist fürwahr, der zudem für seine Ideale mehr bezahlen muss als jeder Depp der, hoffentlich nur im Unverstand, andere Menschen vor den Zug schmeisst oder mit dem Auto überfährt.

Schlimm dabei ist nicht nur unsere eigene Bewertung vermeintlicher Straftaten, sondern vor allem anderen, wie wir mit unseren Grundrechten umgehen.

Das Recht auf Leben oder mehr noch das Recht auf freie Entfaltung des eigenen Ichs opfern wir ohne jegliches Bedenken der Bequemlichkeit.

Alexa, Cortana, Siri oder wie auch immer sie heißen mögen, sind ganz offensichtlich unsere „glorreiche“ Zukunft, von den staatlichen oder gar völlig kriminellen Varianten einmal abgesehen.

Kurzum und ganz schnell auf den Punkt gebracht: Sind wir wirklich dazu bereit, ein freies, vielleicht auch kurzes, aber immerhin selbstbestimmtes Leben einer in Aussicht gestellten möglichst langandauernden Knechtschaft zu opfern?

Wie wir mit den Snowdens unserer Welt umgehen ist die Antwort.

Joe Rogan Experience featuring Edward Snowden

„You are going Uruguay, and I’m going my way.“

Groucho Marx als Captain Jeffrey Spaulding in Animal Crackers (1930)
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Späte Erkenntnis

Obwohl allgemein bekannt und auch sehr gerne zitiert, ist der 283ste Aphorismus Friedrich Nietzsches offensichtlich für die Mehrheit von uns schwer verständlich.

Liegt dies an unserem Naturell oder ist es nur der Tatsache geschuldet, dass wir alle längst nicht mehr wissen, was wir mit uns und unserer eigentlich sehr begrenzten Zeit anfangen sollen?

„Hauptmangel der tätigen Menschen. — Den Tätigen fehlt gewöhnlich die höhere Tätigkeit: ich meine die individuelle. Sie sind als Beamte, Kaufleute, Gelehrte, das heisst als Gattungswesen tätig, aber nicht als ganz bestimmte einzelne und einzige Menschen; in dieser Hinsicht sind sie faul. — Es ist das Unglück der Tätigen, dass ihre Tätigkeit fast immer ein Wenig unvernünftig ist. Man darf zum Beispiel bei dem geldsammelnden Bankier nach dem Zweck seiner rastlosen Tätigkeit nicht fragen: sie ist unvernünftig. Die Tätigen rollen, wie der Stein rollt, gemäss der Dummheit der Mechanik. — Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie; denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter.“

Friedrich Nitzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Und sobald wir für uns ein wenig Zeit freischaufeln können, sitzen wir … – ich muss dies nicht wirklich weiter ausführen.

Das schöne aber an jeder Erkenntnis ist, dass diese lieber zu spät kommen sollte als überhaupt nicht. Und wer weiß, vielleicht fängt der eine oder andere jetzt etwas früher an, darüber einmal genauer nachzudenken.

Obwohl es bei uns sehr viele Zeitdiebe gibt, nehmen wir alleine nur die vielen Besprechungen oder „Meetings“, die wir in unserem Berufs-, Arbeitsleben und Ehrenämtern zu absolvieren haben und welche wir ohne Probleme mengenmäßig, zeitlich und inhaltlich allesamt auf ein vernünftiges Minimum reduzieren könnten, wird diese Problematik offensichtlich ganzheitlich verdrängt.

Dabei gilt doch ausdrücklich, dass Leistung der Quotient aus verrichteter Arbeit oder dafür aufgewendeter Energie und der dazu benötigten Zeit ist.

Gesellschaftlich anerkannt ist dabei, dass man die Leistung vollumfassend über die verwendete Zeit misst, ob benötigt oder auch nicht, und dafür Arbeit und Energie gerne auch gegen Null reduzieren kann.

Letztendlich ist aber nur unsere eigene Zeit die begrenzte Ressource, und wir sollten schon deshalb damit haushalten; auch auf die Gefahr hin, dass wir Zeitdiebe bloßstellen und Leistung wieder mehr über Arbeit und Energieaufwand definieren.

Wie bereits anfangs erwähnt, ist das wirkliche Problem dabei, dass wir uns bisher kaum Gedanken darüber gemacht haben, was wir mit der „neu gewonnenen“ Zeit überhaupt anfangen sollen.

„Frei zu sein“, liegt wohl doch nicht in unserem Naturell.

Kalifornien im Sommer

„I offer nothing more than simple facts, plain arguments, and common sense.“

Thomas Paine, Common Sense (1997 [1776]: 17)
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Goldene Zwanziger

Vor Kurzem wurde ich in den Sozialen Medien darauf aufmerksam gemacht, dass es bald wieder soweit sei, und die Goldenen Zwanziger vor der Türe stünden.

Auch wenn diese genau genommen erst ab 2024 fällig wären, gehe ich allerdings davon aus, dass wir die Goldenen Zwanziger bereits schon wieder hinter uns haben und eher schnurstracks auf die 30er zusteuern.

Und genau das ist das Problem an unserer schnelllebigen Zeit, wir erkennen das Gute erst dann, wenn es bereits hinter uns liegt.

Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass selbst unsere Damen die Chance vertan haben, erneut auf Bubikopf, Perlenketten, Boas, Stirnbänder, Handtaschen und zumindest aus meiner Sicht durchaus schicke Kleider zurückzugreifen und der Welt damit wieder etwas ganz Besonderes einzuhauchen.

Wir alle sind offensichtlich seit Längerem eher wieder zu sehr damit beschäftigt, die Reliquien der 30er und 40er aus den Kellern zu holen und haben deshalb auch keine Zeit dafür, um selbst den größten Errungenschaften und Erfolgen noch etwas Gutes abgewinnen zu können.

Selbst die honorigsten und verantwortlichsten Zeitungen werden abgelehnt, und dies noch bevor überhaupt ein Artikel gelesen wurde. Auch der Tagesschau, die es gemeistert hat, selbst den Weltuntergang langweilig und unbeteiligt vermitteln zu können, wird inzwischen „staatliche Agitation“ vorgeworfen. Unser Staat, der es mit und für uns geschafft hat, uns allen inzwischen über 70 Jahre hinweg eine eine offene und zugleich auch soziale Gesellschaft zu garantieren, wie sie wohl kaum noch woanders zu finden ist, wird zunehmend als der Verursacher allen Übels (?!) angesehen.

Offensichtlich geht es uns allen und dies ohne Ausnahme schon viel zu lange viel zu gut, so dass wir längst den Bezug zur Realität verloren haben. Mir klingen noch die Worte von Helmut Schelsky aus den 70er im Ohr, der vor den Gefahren zu großer staatlicher Fürsorge warnte.

Aber auch er konnte wohl kaum voraussehen, dass es in einer offenen, modernen und toleranten Gesellschaft möglich ist, dass wieder ausreichend ältere Herren, die über Jahrzehnte hinweg ihre sexuellen Neigungen unterdrückt haben, und beginnen, dies nun mit Gewaltfantasien zu sublimieren, auf hinreichend zutiefst verbitterte Frauen treffen, und sich diese gemeinsam mit den verkommensten Teilen unserer Jugend zu einer neuen wie alten moralischen Alternative für Deutschland zusammenschließen.

Lasst uns doch alle gemeinsam die Goldenen Zwanziger nachholen!

Holen wir doch lieber die Perlenketten, Boas, Stirnbänder, Handtaschen und von mir aus gerne auch die Cocktailkleider aus den Kellern!

Hoffnung und Freude anstatt Verbitterung und Hass. Das sollten unsere guten Vorsätze für das neue Jahr sein!

„When I’m good, I’m very, very good, but when I’m bad, I’m better.“

Mae West als Tira in I’m No Angel (1933)
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DSGVO & Internet

Aus gegebenem Anlass und weil zudem manche Politiker bereits von einem „europäischen Internet“ träumen, mache ich mir als freiheitsliebender Mensch so langsam Sorgen.

Das Internet wurde als ein weltweiter Verbund von Rechnernetzwerken und weiteren sonstigen Zugängen erdacht, geplant und realisiert. Es ermöglicht die Nutzung von zum Beispiel „E-Mail“ oder dem „World Wide Web“, unseren allseits bekannten und genutzten „Websites“. Die Netzneutralität, also die Übertragung der Daten unabhängig ihres Ortes, Inhaltes, des Sender oder des Empfängers war dabei des Pudels Kern.

Und so lange es dazu diente, um Informationen nach China, Cuba oder in andere Ecken der Welt zu transportieren, auch über jeglichen Zweifel erhaben.

Langsam aber sicher musste man aber feststellen und dies kam wohl für sehr viele sehr überraschend, dass diese Freiheit stets Verpflichtungen, Eigeninitiative und durchaus auch Nachteile mit sich bringt, denn das Internet wird nicht nur von den netten Menschen unter uns benutzt.

Deswegen wurden wohl auch die „Backups“ allseits beliebt und die Datenverschlüsselung immer notwendiger.

Letztendlich sahen sich weltweit immer mehr Staaten dazu genötigt, für die „Sicherheit“ ihrer Bürger auch im Internet zu sorgen, und, wie das Leben so spielt, unabhängig davon, ob die einzelnen Bürger dies gutheißen oder nicht.

Ich bestreite dabei nicht, dass es notwendig ist, Straftaten auch im Internet zu ahnden, gebe aber dabei zu bedenken, das es in unserer Welt und damit auch im Internet die verschiedensten Vorstellungen und Auslegungen darüber gibt, was man unter einer Straftat versteht oder wie man mit solchen umzugehen hat.

Eine sehr charmante Folge des Internets wäre es wohl gewesen, wenn man sich auf Ebene der Vereinten Nationen diesbezüglich immer weiter angenähert hätte.

So kam es dann auch in Europa zu unserer heutigen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die sich auch für das weltweite Internet zuständig sieht.

Solange diese Verordnungen dem Wohle des einzelnen Bürgers dienen und sein Leben insgesamt einfacher machen, kann man ihnen wohl kaum widersprechen.

Wenn sie aber verstärkt dazu dienen, um einzelnen Firmen Marktvorteile zu sichern oder gar Monopole zu etablieren, dann sieht das Ganze schon anders aus.

Und wenn der Datenschutz dann noch den wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen untergeordnet wird, bekommt das Ganze bereits Schlagseite!

Mehr als kritisch wird es aber dann, wenn der vermeintliche Datenschutz nur noch dazu dienen soll, vorbestimmten Unternehmen und „regelnden Staaten“ die Kontrolle über uns Bürger zu verschaffen.

Ich hoffe nicht, dass uns bald das Internet nur noch je nach politischer Lust & Laune, wirtschaftlichem Profit einzelner Unternehmen oder abhängig davon, wie viel Freiheit wir uns erkaufen können, zur Verfügung gestellt werden wird.

John Godfrey Saxe: „Laws, like sausages, cease to inspire respect in proportion as we know how they are made.“ (The Daily Cleveland Herald, March 29, 1869)

It must be obvious, from the start, that there is a contradiction in wanting to be perfectly secure in a universe whose very nature is momentariness and fluidity.

Alan Watts, The Wisdom of Insecurity: A Message for an Age of Anxiety (2011 [1951]: 77)
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Gedanken zur Migration

Abgesehen von der letzten größeren Auswanderungswelle vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA, sind unserer Gesellschaft wohl eher die Fluchtbewegungen von ‚Volksdeutschen‘ in den freien Teil Deutschlands zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Erinnerung. Diese kamen aus dem ehemaligen Siedlungs- oder auch Staatsgebiet Deutschlands, das mit Ende des Krieges zunehmend unter den Einfluss der damaligen Sowjetunion und in den Besitz weiterer Länder kam.

Schon damals war es beobachtbar, dass die eher politisch denkenden Menschen in Gebiete weiterzogen, die unter dem Schutz von Demokratien, den damaligen Westmächten, standen; also auch Deutsche aus der russisch besetzten Zone Deutschlands in die Bundesrepublik übersiedelten. Auch war beobachtbar, dass mit den ‚Volksdeutschen‘ weitere Bevölkerungsgruppen mit flohen, die ebenfalls nicht in den Einfluss des Sowjetsystems gelangen wollten. Was schon damals zu verstärkten Abwehrreaktionen bei den aufnehmenden Bevölkerungsteilen führte und sich bis heute nicht wesentlich geändert hat; u.a. der Begriff ‚Rucksackdeutscher‘ ist wohl dabei entstanden.

Auch nachdem sich die neuen politischen Strukturen gefestigt hatten und der Kalte Krieg tobte, kam es immer wieder zu weiteren Wanderungsbewegungen von Ost nach West. Motivation der Migranten war zum einen der Freiheitswunsch, dem Wunsch sich in einer offenen Gesellschaft frei entfalten zu können, und zum anderen aber auch das bloße Verlangen nach einem wirtschaftlich besseren Leben.

In diesen gut 40 Jahren, wobei jene, die dem Sowjetterror auch entkommen wollten, mit wohl wenigen Ausnahmen bereits 1989 im Westen lebten, ließ sich bei den Zuwanderern doch das Folgende beobachten. Jene, die aus politischen Gründen flohen, versuchten sich schnellstmöglich in ihrer neuen Heimat zu integrieren und partizipierten von Anfang an auch sehr erfolgreich. Jene, denen es in erster Linie um eine wirtschaftliche Besserung ging, wollten hingegen zwar in einer offenen Gesellschaft und dabei vor allem anderen in einer sozialen Marktwirtschaft leben, aber dabei möglichst ihre alte Lebensweise beibehalten, ergo, einen Wandel ohne Veränderung erreichen. Meines Erachtens scheitern diese Mitmenschen deswegen bis heute nicht an der Gesellschaft, sondern immer an sich selbst!

Erschwerend kam hinzu, dass man beginnend mit den ‚Gastarbeitern‘ zahlreiche neue Bevölkerungsteile einlud, ohne von diesen aber Integration oder gar Partizipation zu verlangen, und diese damit in die Versuchung brachte, dass sie zwar wirtschaftlich besser gestellt sein aber ansonsten alles beim Alten belassen wollten. Damit schuf man durch diese zwei Arten von wirtschaftlich motivierten Zuwanderern – wobei ich deren Beweggründe zur Migration überhaupt nicht als verwerflich ansehe – Parallelgesellschaften, und dies je nach deren Herkunft.

Diese Parallelgesellschaften mit ihren oftmals für unsere offene Gesellschaft völlig antiquierten und wirtschaftlich wenig erfolgreichen Lebensmodellen sind es auch, die ihre Mitglieder und unfreiwillig Angehörige bis heute scheitern lassen, und zudem dafür sorgen, dass unsere offene Gesellschaft insgesamt immer mehr in Gefahr gerät.

Solange unsere Wirtschaft floriert, kann man zwar diese gravierenden Diskrepanzen ignorieren und mit vermeintlicher Toleranz gegenüber den durchaus negativen Auswirkungen begegnen, aber nur solange auch für alle ausreichend Wohlstand generiert werden kann.

Es zeichnet sich nun aber zunehmend ab, dass die Bevölkerungsteile, welche die offene Gesellschaft eigentlich ausmachen, stützen und auch maßgeblich für deren wirtschaftlichen Erfolg Verantwortung tragen, immer weniger alleine die Kosten einer offenen Gesellschaft tragen möchten.

Das ausschließliche Verbraucherverhalten der meisten Parallelgesellschaften und auch die immer stärker beobachtbare Partizipationsverweigerung der Bevölkerung insgesamt, lässt befürchten, dass die Errungenschaften unserer offenen Gesellschaft langsam aber sicher ins Hintertreffen geraten und die Existenz unserer Gesellschaft an sich in Frage gestellt wird.

Deshalb muss man allen Mitbürgern schnellstmöglich aufzeigen, dass eine offene Gesellschaft und ihre wirtschaftlichen Erfolge von der Partizipation der großen Bevölkerungsmehrheit abhängt und, dass Migration allen auch Vorteile bringt, so lange sich die Zuwanderer nicht nur in unsere offene Gesellschaft integrieren, sondern auch an ihr partizipieren.

Deshalb muss man es aber auch zwingend sanktionieren, sobald sich hier bei uns lebende Menschen der offenen Gesellschaft verweigern, und dies unabhängig eines Migrationshintergrunds. Letzterer hat im Falle einer Partizipations- und Integrationsverweigerung aber den großen Vorteil, dass man niemand verpflichten kann, hier bei uns zu leben, und diese ohne Weiteres wieder in Gesellschaften, die ihren eigentlichen Wunschvorstellungen entsprechen, zurück- oder weiterziehen können.

Budapest im Frühjahr

„Denn ohne freien Gedankentausch kann es keine wirkliche Gedankenfreiheit geben. Wir brauchen andere, um an ihnen unsere Gedanken zu erproben; um herauszufinden, ob sie stichhaltig sind. Die kritische Diskussion ist die Grundlage des freien Denkens des einzelnen.“

Karl Popper, Alles Leben ist Problemlösen: Über Erkenntnis, Geschichte und Politik (2005: 164)
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ASB Jahresempfang „Zündstoff“

Beim heutigen Jahresempfang des Arbeiter-Samariter-Bundes der Region Heilbronn-Franken sprach der ehemalige Verfassungsrichter und Jura-Professor Dr. Paul Kirchhof über „Beherzte Freiheit“, was Stadtrat Fritz Kropp und ich sehr passend zu unserem aktuellen Wahlkampf fanden.

Der ASB Vorstandsvorsitzende Harald Friese war auch mit dem Jahr 2018 mehr als zufrieden und bedankte sich bei allen Mitgliedern, Mitarbeitern und Unterstützern für ihre teilweise jahrzehntelange Treue zur bereits 1909 gegründeten Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation.

Auch ließ er es sich nicht nehmen und erklärte, warum das Wort Samariter im Namen geführt wird: im 19. Jahrhundert wurden im Militär Sanitäter eingesetzt und in der Zivilgesellschaft ausdrücklich als Samariter bezeichnet – daher der Name Arbeiter-Samariter-Bund.

Nach der Rede Kirchhofs wurden die Anwesenden noch zu einem Imbiss geladen, und ich nutzte die Chance, mich mit Werner Eckert, dem Leiter des ASB-Rettungswesens auszutauschen und mich bei ihm für die jahrelange Unterstützung unseres inzwischen 30. Treffpunkts Europa in Heilbronn zu bedanken.

Alles in allem ein sehr gelungener Jahresempfang des Arbeiter-Samariter-Bundes Baden-Württemberg e.V. – Region Heilbronn-Franken.

Heilbronn im Sommer
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Politik

Verteidigungsfähigkeit

Gleich nach dem zweiten Weltkrieg haben sich die freien Europäer ohne Wenn und Aber für eine transatlantische Zusammenarbeit ausgesprochen und sich unter den Schutzschirm der Vereinigten Staaten von Amerika begeben; auch die Republik Frankreich, welche dies selber bis heute nicht wahrhaben möchte. Und gleich nach dem Kollaps des sowjetischen Terrorregimes haben sich viele der ehemaligen Satelittenstaaten Russlands ebenfalls bemüht, schnellstmöglich unter diesen Schirm zu kommen.

Die dafür explizit geschaffene Institution, die Organisation des Nordatlantikvertrags, welche eher unter dem Akronym NATO bekannt ist, wurde anfangs durch alle Mitgliedsstaaten mit einem hohen personellen und finanziellen Eigenanteil mitgetragen. Aufgrund der Tatsache, dass die USA nicht nur größte Wirtschaftsmacht und bevölkerungsmäßig der größte Partner innerhalb dieser Organisation war, sondern darüber hinaus immer mehr von allen, ob Mitglied oder nicht, in die Rolle eines Hegemons gedrängt wurde, was übrigens auch durchaus dem eigenen Selbstverständns entsprach, lag der Löwenanteil der aufzubringenden Kosten, Ressourcen und last but not least den dafür notwendigen bereitzuhaltenden Soldaten bei den Amerikanern.

Als sich die Bedrohungslage der Europäer Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts immer weiter entschärfte, begannen diese, ihre eigenen Verteidigungsaufwendungen immer mehr zurückzufahren oder für andere Dinge zweckzuentfremden; das damals propagierte Stichwort: Friedensdividende.

Als Folge davon und weil sich der Rest der Welt nicht so friedlich zeigte, mussten die Vereingten Staaten wohl oder übel in die Presche springen und ihre eigenen Verteidigungsausgaben und -aufwände weiter erhöhen. Bis zum heutigen Tage blieben alle Bemühungen der USA, die Europäer an diesen Kosten zu beteiligen oder wenigstens die eigenen Verteidigungshaushalte der gegebenen Realität anzupassen, vergebens.

Was wäre nun, wenn sich die Europäer besännen und der immer stärker werdenden Aggression, nicht nur seitens der Russischen Föderation, eigene Stärke entgegenstellen wollten?

Ich behaupte, dass kein europäischer Staat alleine mehr in der Lage ist, eine eigenständige Verteidigungsfähigkeit zu erreichen, ganz zu schweigen davon, sich auch erfolgreich gegen einen Aggressor behaupten zu können. Zudem behaupte ich, dass dies aufgrund heutiger Technologien und Vernetzungen auch dann nicht möglich wäre, wenn ein Staat seine gesamten Ressourcen für die Verteidigung aufwenden würde. Darüber hinaus behaupte ich, dass dies selbst einem einigen Europa und seinen gebündelten Ressourcen und Kapazitäten nicht möglich wäre! Nicht umsonst wurde nach dem 2. Weltkrieg die NATO gegründet, und die heutigen Gegebenheiten sind noch schwieriger als vor gut 70 Jahren.

Unabhängig von der Tatsache, dass eine Verteidigung Europas nur in enger Kooperation mit seinen transatlantischen Partnern möglich ist, müssten die Europäer Folgendes beachten. Erstens reichen die personellen Ressourcen – einsatzwillige und auch einsatzfähige junge Europäer – nur dann aus, wenn alle Staaten ihre vorhandenen Bürger auf eine gemeinsame Organisation verteilen; jeder für sich bekommt zumindest personnel keine einzige einsatz- und damit auch durchhaltefähige Division mehr zusammen. Und selbst bei einem gemeinsamen Personalkörper müssten sich die Europäer entscheiden, ob sie mittelfristig einer Roboterisierung der Streitkäfte oder einer externen Personalergänzung den Vorzug geben.

Zweitens haben wir Europäer im Gegensatz zu unseren amerikanischen Partnern – meines Erachtens auch zurecht – dem Sozialen der eigenen Verteidigungsfähigkeit den Vorzug gegeben. Als Folge davon können wir eine tragfähige Verteidigungsfähigkeit nur dann sicherstellen, wenn wir in diesem Bereich unsere finanziellen Ressourcen nicht nur bündeln, sondern auch dafür sorgen, dass Verteidigungsausgaben zukünftig auch ausschließlich und transparent für Verteidigungsaufwendungen eingesetzt werden. Eine weiter fortgeführte Zweckentfremdung von Verteidungsmitteln oder Unterfinanzierung der Verteidigungshaushalte führt letztendlich zwingend zu solch hohen Ausgaben, dass diese Fehlentwicklung nur auf Kosten der Sozialhaushalte wieder rückgängig gemacht werden kann.

Drittens ist es endlich wieder an der Zeit, dass wir Europäer unseren eigenen Grundsätzen treu werden und unser eigenes Militär in den Dienst der „Landesverteidigung“ stellen; dazu gehört selbstverständlich die Bündnisverteidigung und Einsätze im Auftrag der Vereinten Nationen zur Wiederherstellung des Weltfriedens. Europäer betreiben weder Machtpolitik, noch ist für uns „Krieg eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“!

Diesem Grundsatz muss sich endlich auch die europäische Rüstungspolitik unterwerfen. Rüstung ist nicht mit Waffenproduktion und -handel gleichzusetzen. Rüstung ist damit auch kein exportorientierter Wirtschaftszweig. Rüstung ist die Sicherstellung der Aussattung eigenener und verbündeter Streitkräfte mit den möglichst besten Waffen, dem besten Gerät und der besten Ausrüstung sowie allem anderen, was diese Streitkäfte benötigen, um möglicht unbeschadet Europa und seine Verbündeten verteidigen zu können. Damit darf diese bestmögliche Ausstattung und Bewaffnung auch nicht exportiert werden! Somit ist es zwingend notwendig, dass Rüstung in einem möglicht großen Rahmen zusammengefasst wird (ich empfehle hier erneut die NATO als Bezugsrahmen), um nicht nur bestmögliche Effizienz sondern auch eine entsprechende Nachhaltigkeit zu erreichen, und dies immer im Sinne einer für alle Haushalte tragbaren Finanzierbarkeit.

„If we aren’t willing to pay a price for our values, then we should ask ourselves whether we truly believe in them at all.“

Barack Obama, The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream (2006: 68)